Die Ellenbogenbande
Der Fensterputzer
Jeff Foster ist als harter Arbeiter bekannt. Der Center spielt seit 1999 bei den Pacers und ging mit der Franchise durch dick und dünn. Wir stellen den Bigman zum Auftakt einer Portraitserie vor.
Von Jonas Falk |
10.08.2007 | |
Nach Konstanten sucht man bei den Indiana Pacers momentan lange. Die zur Weihnachtszeit herbeigesehnte Postseason wurde - nicht zuletzt dank einer Ausbeute von sieben Siegen in siebenundzwanzig Spielen in Februar und März - verspielt, vier Spieler wurden im Trade mit den Golden State Warriors neu in den Kader geholt, und nun hat die Franchise seit dem 31. Mai auch noch einen neuen Head Coach. Von Verletzungssorgen (Stichwort: Jamaal Tinsley), Eskapaden (Stichwort: Marquis Daniels) und Trade-Gerüchten (Stichwort: Jermaine O?Neal) ganz zu schweigen. Doch zwischen all den Baustellen, an denen Larry Bird und Co. zu arbeiten haben, gibt es eine eher unauffällige Konstante bei den Pacers: Sie ist 2,11 Meter groß, 113 Kilogramm schwer, seit 1999 bei den Pacers (somit einer der treuesten Akteure der Liga) und auf den Namen Jeffrey Douglas Foster getauft worden.
Jeff Foster spielte volle vier Jahre für die Southwest Texas State University und meldete sich erst 1999 als Senior zur NBA-Draft an. Als gestandener College-Spieler war der in San Antonio geborene Center zwar kein potenzieller Lottery-Pick, doch an 21. Stelle wählten die Golden State Warriors den rebound- und defensivstarken Mann aus. Allerdings schickten sie Foster unmittelbar für Vonteego Cummings (der nur kurz in der NBA spielte und sein Geld mittlerweile in der Euroliga verdient) und einen zukünftigen Erstrundenpick nach Indiana.
Dort angekommen war Foster zwar sofort Bestandteil des Pacers-Teams, das die Eastern Conference gewinnen konnte und sich erst in den Finals den Los Angeles Lakers geschlagen geben musste, doch viel Spielzeit erhielt er aufgrund der starken Konkurrenz (Rik Smits, Sam Perkins) nicht. Im Rahmen der anschließenden Umstrukturierung des Kaders gelang es Foster, sich in die Rotation zu spielen und in seinem Sophomore Year in 71 Spielen aufzulaufen (3,5 PpG bei 46,9% FG und 5,5 RpG in 16,2 MpG). Nachdem seine Leistungen im darauffolgenden Jahr weiter besser wurden und Foster in 48 Spielen startete, wurde Brad Miller per Trade verpflichtet und als Starting Center gesetzt. Nichtsdestotrotz absolvierte Foster alle 82 Spiele der Saison und erreichte Werte von 6,8 RpG und 5,7 PpG in 21,8 MpG.
In der nächsten Saison versauerte Foster auf der Bank und spielte so schwach wie nie zuvor. Als Konkurrent Miller dann vor der Spielzeit 2003/04 abgegeben und Scot Pollard neu zu den Pacers stieß, kam Fosters Chance, den formschwachen Neuling zu verdrängen und den Startplatz zu ergattern. Seine Statistiken damals: 7,4 RpG (3,0 ORpG) und 6,1 PpG bei 54,4% FG in 23,9 MpG. Nach eineinhalb Jahren als Starting Center musste Foster diesen Posten zwar zuletzt wieder räumen, doch als Energizer von Bank vermochte er weiterhin gute Leistungen abzuliefern, obwohl er immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen hatte.
In der abgelaufenen Spielzeit 2006/07 konnte Foster wiedergenesen in 75 Partien auflaufen und trotz leicht gesunkener Stats von 8,1 RpG und 4,3 PpG unter den statistisch besten Reboundern der Liga rangieren. Auf 48 Minuten gerechnet lag er auf Platz 3 (16,8 RpG) und in der Königsdisziplin, den Offensivrebounds, auf Rang 1 (7,0). Vor Marcus Camby. Vor Kevin Garnett. Vor Dwight Howard.
Foster hat seine Nische gefunden und agiert als mehr oder weniger eindimensionaler Spezialist. Er ist einer der agilsten Big Man in der gesamten Liga, der den Court schnell überqueren und sowohl kräftig als auch beweglich unter den Brettern operiert. Obwohl Foster kein furchteinflößender Shotblocker ist, gilt er als einer der besseren Verteidiger unter den Körben, der den gegnerischen Angriff liest, Zonen-, Mann- sowie Help Defense spielt und Hustle Plays nicht scheut. Er ist einer dieser Spieler, deren Einsatz, Willen und Defense in den Statistikbögen nicht auftaucht und somit auch nicht reflektiert wird, was er wirklich für Spiel und Team bedeutet. Ein ?Glue Guy? eben. Allerdings ist klar festzuhalten, dass Fosters Offensivspiel prinzipiell nur aus Tip-Ins besteht. Seine mittlerweile jahrelange Arbeit am Jumpshot hat noch immer keine Früchte getragen und ist neben Fosters mieser Freiwurfquote von 61,4 Prozent (die angesichts der gezogenen Fouls und der Kämpfe um Rebounds noch bitterer ist) seine große Schwäche.
Alles in allem ist Foster nicht zuletzt aufgrund seines Alters und seiner abgeflachten Entwicklungskurve als der Roleplayer fürs Grobe zu sehen, der er ist. Er benutzt seine Ellenbogen nicht zum Schießen, sondern zum Ausfahren und zum Verrichten von Drecksarbeit. Doch trotz seiner offensiven Defizite, oder vielleicht gerade wegen dieser, ist Foster ein Spieler, wie ihn jede Franchise braucht.






von Crossover 30.05.2012 um 10:57:52
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