Dallas Mavericks

Quo vadis Dallas?

Die Saison der Dallas Mavericks gleicht einer Achterbahnfahrt. Auf starke Partien folgen häufig enttäuschende Niederlagen. Dennoch ist für die Mannschaft um Dirk Nowitzki noch nichts verloren. Sogar das Heimrecht in der ersten Runde der Playoffs ist noch in Reichweite.

Von David Lorenz
 22.03.2009 |

Die letzten zwei Wochen eignen sich ausgezeichnet als Spiegel für die gesamte bisherige Saison der Dallas Mavericks. Es war ein stetiges Auf und Ab.

Starke Auftritte gegen die Phoenix Suns (122:117) oder die Portland Trail Blazers (93:89) wechselten sich mit enttäuschenden Niederlagen bei den Golden State Warriors (110:119) und den New Orleans Hornets (88:104) ab. Mal schien das Team in Offensive und Verteidigung gefestigt, nur um sich kurz darauf im Angriff berechenbar und ohne Durchschlagskraft sowie in der Defensive ohne die nötige Aggressivität beim Rebound zu präsentieren.

Gründe und Erklärungen für die Leistungsschwankungen der Mavericks gibt es derweil zur Genüge. Am schwersten wiegt dabei eindeutig das Verletzungspech einiger Akteure, das sich wie ein roter Faden durch die ganze Saison zieht. Josh Howard (Foto) laboriert derzeitig an einer Sprunggelenksverletzung, die in der Sommerpause mit großer Wahrscheinlichkeit operativ behandelt werden muss. Spätestens nächste Woche sollte der Small-Foward der Mannschaft eigentlich wieder zu Verfügung stehen, zur Not auch mit Hilfe von Kortison-Spritzen. Doch der Heilungsprozess geht langsamer vonstatten als erwartet.

Erick Dampier musste derweil die Partien gegen die Atlanta Hawks (87:95) und die Indiana Pacers (94:92) mit einem geschwollenen Knie aussetzen, wird aber aller Vorrausicht nach in der kommenden Partie wieder auflaufen können. Ungeklärt hingegen ist die Lage um Jerry Stackhouse, der längst wieder mit dem Team trainieren sollte. Doch anscheinend gibt es anhaltende Komplikationen mit seiner Fußverletzung. Wann Stackhouse wieder spielen kann, ist derzeitig nicht bekannt. Daneben muss Devean George mit einer Knieverletzung pausieren, die er sich während der Partie gegen die Trail Blazers zugezogen hatte.

Durch den Ausfall von Howard fehlt Dallas im Angriff die dringend benötigte dritte Scoring-Option. In den vergangenen Partien kam es immer wieder zu Problemen, wenn Dirk Nowitzki (beim 100:107 gegen die Los Angeles Lakers) oder Jason Terry (gegen die Hawks) im Angriff eine schwache Phase erwischte. Gegnerischen Teams fällt es dabei leicht, die Mavericks auszurechnen. So haben Nowitzki und Terry in der Offensive des Öfteren mit Double- oder sogar Triple-Teams zu kämpfen. Da ist es auch nicht gerade hilfreich, dass Jason Kidd im Angriff keinerlei direkte Gefahr für den gegnerischen Korb ausstrahlt.

Auch zeugt es nicht von großer Cleverness, wenn Dallas wie gegen Atlanta trotz einer ganz schwachen Trefferquote (sechs von 31 Dreier, 19,4 Prozent) immer weiter von jenseits der Drei-Punkte-Linie auf den Korb wirft. ?Als ein erfahrenes Team müssen wir einfach merken, dass wenn wir von außen nichts treffen, vermehrt zum Korb gezogen werden muss?, analysierte Dampier (Foto) nach der Partie. ?Wenn die Dreier nicht sitzen, ist es ohne einfache Punkte am Brett ganz schwer, in eine Partie zurückzufinden.?

In der Defensive lassen sich die gröbsten Probleme zumindest mit genügend Einsatz wie zuletzt gegen Atlanta und die Pacers beheben. Zuvor war Dallas in Golden State und Los Angeles zweimal ganz böse beim Rebound unterlegen, was laut Coach Rick Carlisle hauptsächlich an der Zonen-Verteidigung lag. Hierbei fällt es den Verteidigern schwerer, schnell ihre Gegenspieler zu finden und ordentlich auszuboxen. Andererseits war gerade die Zone gegen Portland der Garant für den Sieg. ?Ich werde in Zukunft vermehrt darauf achten, dass unsere rebound-starken Spieler viel Zeit auf dem Parkett bekommen?, kündigte Carlisle nach der Partie gegen die Lakers an. ?Singleton, Damp und Dirk werden in den kommenden Spielen einige Minuten gemeinsam bestreiten.?

Dampier-Ersatz Ryan Hollins (Foto) zeigte zuletzt zweimal ansprechende Leistungen. In Atlanta erzielte der Center mit 13 Punkten und sieben Rebounds zwei Karriere-Bestmarken, bevor er gegen Indiana den letzten Wurf von Danny Granger blockte. Auch James Singleton erweist sich immer mehr als solide Alternative in der Verteidigung und verbuchte gegen die Pacers mit zehn Pukten und elf Rebounds bereits das vierte Double-Double im Monat März.

Ein dickes Manko in der Defensive ist derweil auf der Point-Guard-Position auszumachen. Jason Kidds außergewöhnlichen Spielmacher-Qualitäten stehen nicht zur Debatte. Doch er ist lange nicht mehr der gefürchtete Verteidiger vergangener Tage. In der laufenden Saison sah er gegen so ziemlich jeden gegnerischen Aufbau-Spieler von Qualität alt aus. Durch sein gutes Auge für den freien Mann und seine ungeheure Erfahrung kann Kidd vieles wettmachen, fehlende Athletik und Schnelligkeit jedoch nicht.

Davon besitzt sein Backup J.J. Barea genug. Neben einem guten Wurf zeigt der gebürtige Puertorikaner auch den nötigen Einsatz auf dem Spielfeld. Jedoch fehlt es ihm in der Defensive an einigen Zentimetern Körpergröße (1,83 Meter).

Über jede Kritik erhaben erweist sich derzeit Dirk Nowitzki (Foto). Gegen die Pacers erzielte der All-Star bereits zum 13. Mal in Folge mehr als 20 Punkte ? aktuell die längste Serie in der NBA. Zudem strafte er wiederholt allen Kritiker Lügen, die behaupten, er würde in den entscheidenden Momenten einer Partie abtauchen. Nachdem er bereits die Spiele in Phoenix und Portland quasi alleine entschieden hatte, versenkte er gegen Indiana 1,1 Sekunden vor Schluss eiskalt den entscheidenden Wurf zum 94:92-Endstand.

?Ich habe versucht, möglichst viel Zeit von der Uhr zu nehmen?, erklärte Nowitzki nach der Partie. ?Ich konnte mir etwas Platz verschaffen und war glücklicherweise in der Lage, meinen Wurf zu versenken.?

Für die Fans des Teams ist es momentan schwer einzuschätzen, wo die Mavericks leistungsmäßig stehen. Laut Tabelle auf dem achten Platz in der Western-Conference. Doch das muss nicht von Dauer sein. Im ?Wilden Westen? der NBA geht es derzeitig ähnlich eng zur Sache wie in der vergangenen Saison. Den dritten Platz und achten Rang trennen lediglich drei Spiele, während sich die neuntplatzierten Phoenix Suns, ebenfalls drei Spiele hinter Dallas liegend, noch Hoffnungen auf eine Teilnahme auf den Playoffs machen. Denn das Team aus Arizona hat ein deutlich leichteres Restprogramm als die Mavericks.

Doch für die Texaner ist noch alles drin. Acht der letzten zwölf Saisonspiele bestreitet Dallas im heimischen American Airlines Center. Darunter die Partien gegen direkte Konkurrenten wie Denver, Phoenix, Utah, New Orleans und Houston.

Bis kommenden Mittwoch hat das Team von Mark Cuban nun Zeit, sich für die heiße Phase der Saison optimal vorzubereiten und eventuell den einen oder anderen verletzten Spieler fit zu bekommen. Dann geht es gegen den alten Angstgegner aus Oakland, die Golden State Warriors.

Heimrecht in der ersten Runde der Playoffs oder das Verpassen selbiger ? für die Mavericks sind beide Szenarien derzeit denkbar.

Mehr Geschichten über die NBA gibt es im Blog des Autors.




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Kommentare

(5 Kommentare bisher)

von xax 22.03.09 um 22:48:36


erste rund und dann setzt nen sweep gegen die Lakers.-->Tolle Saison...
Cuban muss den arsch hochkriegen und nen umbruch starten,oder dirk muss gehen...

das heimrecht schaffen sie nicht mehr, ist schon die ganze saison so eng und nie machen sie "den nächsten Schritt"

kidd mag der besste playmaker sein was übersicht u. passspiel angeht, leider bringt das nicht viel wenn man auf anderen gebieten einfach nur noch zweitklassig ist (Speed, Verteidigung), ich denke in ner serie gegen t. parker, oder noch schlimmer C. Paul, wirds schwer für dallas diesen nachteil zu kompensieren... ich erinnere an die letzte serie gegen n´orleans oder gegen baron davis und seine goldenen.



von mui-pack 23.03.09 um 00:20:21


Bitte nicht Kidd für die desolate Mavs-Defense verantwortlich machen, er ist auch nur ein Teil der Mannschaft. Die Verdeitigung der Mavs war noch nie gut. Solange man am Ende einen Punkt mehr gemacht hat als der Gegner ist alles OK.



von rigobert 23.03.09 um 09:24:37


für die Niederlage gegen die Warriors kann man Kidd beim besten Willen nicht verantwortlich machen



von xax 23.03.09 um 10:43:02


Habe mich schlecht ausgedrückt, ich meinte man hat in der serie gegen GS gesehen, was passiert, wenn ein gegnerischer, schneller Point Guard nicht effektiv verteidigt wird, und davon gibts eben in der WC ne menge.
klar ist kidd nicht allein schuld an der mavs defense, nur mit ihm wurde d. defense und das ganze team einfach nicht entscheidend besser, das ist leider fakt.



von mui-pack 23.03.09 um 15:06:07


Spielerisch stagnieren die Mavs schon seit ner Zeit. Aber der Grund Kidd nach Dallas zu holen hatte wohl auch andere Gründe: A) Erfahrung für die Playoffs mitbringen. B) Im Sommer ist der FA, d.h. jede Menge Kohle zu ausgeben.



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