Chris Paul
Tradet Paul – und zwar jetzt!
Es ist die Art von Schlagzeilen, die man sich als Fan nicht wünscht. Im Gegenteil: Die derzeit vorliegenden Trade-Gerüchte um Franchise-Spieler und Superstar Chris Paul stellen für jeden New Orleans Hornets-Fan Nervenbelastung heftigster Art da. Dass ein Chris Paul-Trade mögliche Vorteile in sich birgt, wird dabei oft unterschlagen. Eine Beurteilung aus Sicht eines Fans.
Von Jan Karon |
28.07.2010 | |
Es war schon letztes Jahr unruhig um Chris Paul. Folgerichtig konnte man die wachsende Unzufriedenheit des Point Guards der New Orleans Hornets vorhersehen.
Da wäre nicht nur die verletzungsgebeutelte Saison des Aufbauspielers, die sowohl Fans, Team, Coaching-Stab als auch ihm selbst Kopfzerbrechen bereitet haben muss. Nein, auch das Umfeld und die sportliche Bilanz ließen nichts Gutes vorausahnen. So wurde die Meinung des Franchise-Spielers und Teamkapitäns Paul bei der Entlassung des Head Coaches (und gleichzeitig Pauls persönlichen Mentors) Byron Scott (Foto) nicht berücksichtigt. Gleichzeitig war das Team aus Louisiana für das Erreichen der Playoffs zu schlecht (ließ: zu verletzungsgeplagt) – und für das Abgreifen eines hohen Lottery-Picks im Draft zu gut. Die Mannschaft verharrte im sagenumwobenen Niemandsland der Tabelle. Pauls Titelambitionen wurde weder in Form eminenter Playoff-Erfahrung, noch in Form eines talentierten Rookies Abhilfe geschaffen.
Dazu kommt, dass das Management in der bisherigen Offseason weitestgehend passiv blieb. Das Front Office konnte bis dato keine Free Agents nach New Orleans locken. Trades, mit Hilfe von welchen das Team hätte verstärkt werden können, blieben aus. Die Gehaltslage des Teams ist prekär, man steht kurz vor der Überschreitung der Grenze zur Luxussteuer und der Altersdurchschnitt des Kaders ist bedrohlich hoch. Es brennt in New Orleans, könnte man sagen – und da wundert man sich als Fan keineswegs, dass Paul Feuerflucht ergreift.
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| Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic) |
Am 23. Juli wurde dann ein Treffen für den darauffolgenden Montag eingeplant, und am 24. Juli berichtete ESPN, Paul wolle nach Orlando. Pauls Agent Leon Rose hielt dabei stets den Salzfinger in die offene Wunde, indem er Gerüchte neu belebte und Trade-Pläne um seinen Klienten schmiedete. Der neue General Manager Dell Demps dementierte in den Folgetagen, dass Paul nach einem Trade verlangte. Nach dem gestrigen Treffen zwischen Paul und dem Personalstab der Hornets scheint jedoch festzustehen: Paul will getradet werden.
Nun ist es nie leicht, bei einer solch verzwickten Situation eine eindeutige „Pro“- beziehungsweise „Contra“-Meinung zu äußern. Vielmehr ist man selbst unsicher und ungewiss, welcher Weg der definitiv richtige beziehungsweise definitiv falsche wäre. Nichtsdestotrotz möchte ich ein Plädoyer für einen Trade von Chris Paul halten.
Zu allererst sollte man sich fragen, welchen Zweck ein Verbleib Chris Pauls für die New Orleans Hornets hätte: Macht Starrsinn im Falle eines unzufriedenen Stars Sinn? Um es kurz zu fassen: nein. Wenn Paul weg will, dann mag das bitter und traurig für alle Beteiligten sein und darüber hinaus seinen Trade-Wert mindern, aber Paul Steine in den Weg zu legen, wäre ebenso falsch. Dass ein unzufriedener und dauernd nörgelnder Star in den eigenen Reihen etwaige Probleme mit sich bringt, sollte New Orleans wissen: Das hat die Vergangenheit samt Baron Davis' Eskapaden und chronischen Wehwehchen gelehrt. Wenn Paul bei den Hornets nicht mehr spielen will, dann soll er gehen. Herumquengelnde Starspieler braucht auch New Orleans nicht. Und wenn man ehrlich ist, dann ist das derzeitige Team vom Contender-Anspruch weiter entfernt als der Mars vom Pluto.
Vielmehr sollte man in einem potentiellen Trade Pauls eine Chance sehen. Sicherlich ist Pauls Wert durch seine Trade-Forderung gesunken, weil nun jeder General Manager schlichtweg weiß, dass „CP3“ weg will und New Orleans nahezu verpflichtet ist, ihn zu abzugeben. Dennoch bleibt Pauls Status als bester Aufbauspieler der Liga unerschütterlich. Und gerade deshalb sollte es möglich sein, den bisherigen Herzschrittmacher des Teams mitsamt der unvorteilhaften Verträge von beispielsweise James Posey oder Emeka Okafor (Foto) für Talente, auslaufende Verträge und Draft-Picks loszuwerden.
Denn so sehr dieses Wort auch verhasst und missbraucht wurde, in New Orleans schrillen derzeit die Alarmglocken nach einem gewaltigen Neuaufbau. Oh ja, jetzt, genau jetzt ist die Chance, das Team umzukrempeln und in eine neue Form zu bringen: So haben die Hornets mit Darren Collison (Foto) und Marcus Thornton Talente im Backcourt, die einen Verlust von Chris Paul zumindest partiell auffangen könnten. Die Franchise hat darüber hinaus Verträge von Peja Stojakovic und Darius Songaila, die nach dieser Saison auslaufen und 19 Millionen Gehaltseinsparungen bringen, die für das Akquirieren neuer junger Spieler genutzt werden können.
Zudem wurde mit Monty Williams ein neuer Head Coach unter Vertrag genommen, der in Portland als Assistant Coach mit jungen Spielern zusammengearbeitet hat. So hat Williams in seiner Amtszeit in Oregon unter anderem Nicolas Batum, LaMarcus Aldridge oder Martell Webster gefördert und gilt als Übungsleiter, unter dem sich junge Spieler entwickeln können. Passend dazu auch die Vertragsunterzeichnung des neuen General Manager Dell Demps. Dieser leistete bereits bei den San Antonio Spurs hervorragende Arbeit und hat den Ruf als Talentspäher und -entdecker.
Die Umstände in New Orleans sind – unter Berücksichtigung dieser Faktoren – bestens für einen Neuaufbau geeignet. Werden die Hornets mitsamt Paul einen, möglicherweise zwei, Verträge los, haben sie beste Aussichten, um in Zukunft wieder angreifen zu können. Denn sowohl im Kader (Collison, Thornton) sowie auf der Gehaltsliste (Stojakovic, Songaila) als auch im Personalstab (Williams, Demps) sind die nötigen Bedingungen für ein Umkrempeln des Teamgefüges vorhanden. Schafft die Franchise die vorliegenden Gegebenheiten zu nutzen, möglicherweise zu ergänzen, dann blickt man in eine vielversprechende Zukunft in New Orleans. Denn obwohl Paul gewiss das Aushängeschild und Statussymbol der New Orleans Hornets geworden ist, braucht man hier keinen unzufriedenen Unruhestifter. Wenn man das Team nach Plan umgestalten und somit in die richtigen Bahnen lenken kann, wird es nicht lange dauern, bis sich das verjüngte Team einspielt und entwickelt hat.
Darin liegt auch die einzige Möglichkeit, in den nächsten Jahren in New Orleans eine schlagkräftige Truppe aufzubauen. Trotz der unstrittigen Klasse von Paul, haben die Hornets derzeit keinerlei Chancen, wirklich weit zu kommen. Mit den Aussichten auf eine rosige Zukunft und den nötigen Puzzlestücken wohlmöglich schon. Deshalb: Lasst uns einen Neuaufbau versuchen, lasst uns das Risiko eingehen. Ich glaube an eine Chance und somit an die Zukunft des Basketballs in New Orleans. Deshalb: Tradet Paul – und zwar jetzt bitte!







von KingCrunch 29.07.10 um 08:51:40
Komm nach Dallas, dann wird alles gut. ;)
von Calle Coslowski 29.07.10 um 09:39:39
"Macht Starrsinn im Falle eines unzufriedenen Stars Sinn?" 1A Wortspiel, selten so geschmunzelt.
von Cabalios 30.07.10 um 23:01:51
:D
von DiggerDeluxe@court 31.07.10 um 02:04:33
sry, versehentlich falsch gewertet: gebe dem artikel nat. 5 sterne, nicht einen!!!