Chicago Bulls

Krause at work, Teil 2

Wir schreiben das Ende der Saison 1999/2000, und die Bulls stehen weiterhin vor den Ruinen eines Meisterteams. Schafft General Manager Jerry Krause den Wiederaufbau? Teil zwei der Analyse.

Von tdeath
 13.04.2003 |


Jalen Rose
Knapp zwei Jahre waren seit der letzten Meisterschaft vergangen, und langsam wich das erhobene Gefühl der Dynastie der Erwartung des Neuen. Vom alten Team war nichts mehr übrig. Lediglich die Championship-Banner hingen in Erinnerung an die großen Zeiten unter der Hallendacke. Doch die Banner standen nicht nur für Jordan, Pippen, Rodman oder Phil Jackson, sondern auch für Jerry Krause und dessen angebliches Genie. Der Draft 2000 ließ erneut daran zweifeln. Chicago konnte in der ersten Draftrunde gleich dreimal zuschlagen. Pick #4 brachte dann gleich die erste Enttäuschung. Entgegen vielen Empfehlungen entschied sich Krause für Marcus Fizer, einen Forward/Center von der Iowa State University. Fizer war zwar ein exzellenter College-Spieler, doch es war bereits absehbar, dass er in der NBA wegen seiner größe auf die Position des Small Forwards umsatteln musste, obwohl er weder gut Ziehen noch von außen Werfen konnte. An siebter Stelle draftete man Center Chris Mihm und schickte ihn für #8 Pick Jamal Crawford nach Cleveland. Crawford hatte wegen Querelen mit der NCAA nach seiner Freshman-Season die Michigan University verlassen und sich in den Draft-Camps nach oben gespielt. An 24.Stelle holt Krause noch Dalibor Bagaric ins Team, einen kraotischen Center, der seitdem nie mehr als ein Lückenfüller war.

Trotz unglaublich viel Cap Room wurde Ron Mercer von den Orlando Magic die einzige nennenswerte Free-Agent Verpflichtung. Brad Miller und Dragan Tarlac stießen als Center ins Team. Während Tarlac sich als Totalreinfall erwies, stellte sich Miller trotz Verletzungsproblemen als Glücksgriff heraus. Dafür bremste Mercer die Entwicklung von Ron Artest, gleichzeitig fehlte ein Leader im Team. Das Team war noch jünger als im Vorjahr, und mit den schwachen Rookies begann eine Saison des Rückschritts. Statt 17 gewann man nur 15 Spiele. Selbst College-Champion Khalid El-Amin, der zeitweise als Geheimtipp gehandelt wurde, enttäuschte auf ganzer Linie und wurde im März gewaived. Crawford wiederholte nicht einmal ansatzweise die Leistungen aus den Draft-Camps, wodurch eine große Lücke auf der Playmaker-Position entstand. Zweifel an Krauses Fähigkeiten und vor allem an seiner Konzeption kamen auf. Reinsdorf hielt weiter an seinem GM fest.

Sollte der Draft 2001 Krause entlasten? Mit Eddy Curry wurde an vierter Stelle eine High School Hoffnung gedrafted. Inzwischen zeigt Curry Potential, anfangs ging seine Effektivität auf dem Court jedoch gegen Null. Mit Greg Anthony von den Blazers und Charles Oakley aus Toronto holte Krause endlich Veteranen ins Team. Eddie Robinson und Kevin Ollie waren weitere Neuzugänge. Einen Riesenfehler beging Krause wahrscheinlich mit dem Trade von Elton Brand. Der beste Spieler des Teams wurde für High-Schooler Tyson Chandler und Brian Skinner zu den Clippers geschickt. Brand hatte zwar keine Lust mehr auf die Bulls, wäre allerdings durchaus zu halten gewesen. Heute ist er einer der besten Power Forwards der Liga. Doch ohne ihn lief es erst recht nicht mehr in Chicago, und nach einem schwachen Saisonstart musste der erste Kopf rollen. Tim Floyd, der Head Coach, verließ das Team im Dezember nach über zwei Jahren des Verlierens. Er wechselte zurück in die NCAA, um dort seinen Ruf wiederherzustellen. Mit Bill Cartwright als neuem Head Coach holte man im Februar 2002 endlich einen Franchise Player ins Team. Jalen Rose, der zum ersten Mal seit seinen Zeiten in den Fab Five von Michigan Blitze seines Könnens hatte erkennen lassen, wurde von den Pacers geholt. Mit ihm kamen Travis Best und Throw-In Norm Richardson sowie ein Second-Round Pick. Dafür verließen Brad Miller, Ron Mercer, Ron Artest und Kevin Ollie das Team gen Indiana. Immerhin hatte Chicago jetzt einen klaren "Game Plan". Rose wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Offense. Auch wenn die Saison nicht mehr zu retten war und die Bulls mit einer 21:61 Bilanz einmal mehr das Schlusslicht der Central Division bildeten: Endlich war Besserung in Sicht.

Die Saison 2002/03 scheint den vorläufigen Wendepunkt in Chicago zu bedeuten. Oakley wurde in der Offseason zu den Wizards abgeschoben, nachdem er mit seiner öffentlichen Kritik für zu viel Ärger im Team gesorgt hatte. Free Agent Donyell Marshall wurde unter Vertrag genommen und hat sich mit 13,4ppg und 9rpg als eine wichtige Stütze im Team erwiesen. Rose hat sich zum richtigen Leader entwickelt, mit 22,3 Punkten, 4,8 Assists und 4,3 Rebounds. Sogar Fizer schien eine Art Durchbruch gelungen zu sein, bis er sich Ende Januar am rechten Knie verletze, was sein frühzeitiges Saisonende bedeutete. Jamal Crawford hat sich gesteigert und streitet sich mit #2 Pick Jay Williams von Duke um die Startposition des Playmakers. Sowohl Eddy Curry als auch Tyson Chandler beweisen in dieser Saison, dass sie das Zeug zum NBA-Spieler haben. Die Bulls sind im schwachen Osten nur noch einen Trade von den Playoffs entfernt. Momentan stehen sie bei einer 29:51 Saison vor Toronto und Cleveland in der Division. Zuhause haben sie gar eine starke 26:14 Bilanz - wäre da bloß nicht die fatale Auswärtsschwäche. Lediglich drei von 37 Spielen konnten die Bulls in gegnerischen Hallen gewinnen. Ein psychisches Manko, das schnellstens aufgehoben werden sollte. Trotzdem, Chicago ist auf dem Weg nach oben. Man sollte sich nur an den Clippers kein Beispiel nehmen...

In Anbetracht der momentanen Umstände halte ich es foglich für wahr, dass Krause aus gesundheitlichen Grunden zurückgetreten ist. Man kann ihm zwar in gewisser Hinsicht Inaktivität vorwerfen, wenn es um die Ausarbeitung von Trades geht. Seine Draft-Picks waren teilweise nicht das wahre, und Elton Brand hätte niemals getradet werden dürfen. Wenn Reinsdorf ihn hätte feuern wollen, dann wäre das allerdings schon viel früher passiert. 21 Jahre haben die beiden zusammengearbeitet. Gespannt können wir in den nächsten Jahren verfolgen, wer Krauses Nachfolge antritt. Sollte Chicago in Kürze wieder positive Bilanzen verbuchen, kann sich auch Jerry als Sieger sehen. Einmal Champion, immer Champion.

Anmerkung: Ein interessantes Interview führte vor Beginn dieser Saison die Chicago Tribune




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von Crossover 30.05.2012 um 10:54:19


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