Carmelo Anthony
Carmelo Cool
Carmelo Anthony ist einer der absoluten Senkrechtstarter der Playoffs 2009. Mit seinen Denver Nuggets liebäugelt der dritte Pick des Draft 2003 mit einem Auftritt in den NBA Finals. Was sind die Gründe für die Leistungsexplosion?
Von Thomas Käckenmeister |
23.05.2009 | |
Kein Pfiff, kein Foul. So einfach ist es manchmal im Basketball. Alles Zetern nützte den Dallas Mavericks in der Nachbereitung der dritten Partie der Western Conference Finals nichts, auch wenn die Liga von offizieller Seite her im Nachhinein bestätigte, dass die Unparteiischen einen Fehler begangen hatten.
Carmelo Anthony (Foto) verwandelte eine Sekunde vor Schluss einen Dreier, der das 106:105 und letztlich die 3-0-Führung in der Serie bedeutete. Zuvor ging Anthonys Gegenspieler Antoine Wright nicht hart genug zu Werke, um per Foul die Angriffsbemühungen des Nuggets-Forwards zu unterbinden.
"In meiner kurzen Karriere traf ich eine Menge wichtiger Würfe, aber nie zuvor in einer solchen Situation", freute sich der Matchwinner aus Colorado nach dem Schlüsselspiel. "Alles, was ich in solch einer Situation sehe, bin ich und das Ziel. Keine Fans, keine Gegenwehr, ich sehe nur mich und den Korb", beschreibt Anthony seine Einstellung zu wichtigen Würfen. "Mein Selbstvertrauen sagt mir, dass ich nur werfen muss." In dieser Aktion am 8. Mai 2009 hatte der Topscorer der Nuggets das Glück auf seiner Seite.
Nächste Stufe nach fünf NBA-Jahren
Bei einem Blick auf die Statistiken des dritten Picks des NBA Draft 2003 wird deutlich, dass die diesjährige Postseason den absoluten Durchbruch in den Klub der Superstars der Liga bedeuten. Kobe Bryant und LeBron James sind als Köpfe des Basketballweltunternehmens NBA seit langem auserkoren, weil sie sowohl auf dem Feld als auch durch Charisma abseits des Feldes Freunde des Sports faszinieren. Dwyane Wade hat in dieser Saison nach seiner Talfahrt in den letzten beiden Spielzeiten gezeigt, dass er noch immer zu den besten seiner Zunft zählt und die Chris Pauls und Dwights Howards der Liga fallen mehr durch vorbereitende bzw. defensive Aktionen auf, als dass sie die Netze des Gegners in ähnlich hoher Frequenz zum Glühen bringen.
Melos Offensivkraft zählt ebenfalls seit Jahren zur oberen Spitze der NBA, doch wenn es um das Gewinnen geht, waberte stets ein düsterer Nebel um ihn herum: Fünf Jahre in Folge wehrte sich der Franchise-Spieler der Denver Nuggets dagegen, nach der ersten Playoff-Runde die Segel streichen zu müssen. Er musste es trotzdem jedesmal erdulden. Vergleiche mit Tracy McGrady keimten auf, das Siegergen sei bei Anthonys Ankunft im Profitum an seinem College-Spind der Syracuse University haften geblieben. Hatte Anthony die Orangemen 2003 als Freshman furios zum NCAA-Titel geführt, so blieb die Suche nach wohltuendem Lorbeer in der Liga der athletischen Gentlemen bisher anderen vorbehalten.
In seinen Jahren in der Liga fristete er als Ein-Mann-Offensive die Angriffslast der Nuggets. Von Dezember 2006 bis November 2008 teilte er sich die Punkteausbeute und Würfe mit Superstar Allen Iverson, der dann jedoch nach Detroit abgeschoben wurde. Der Wechsel erfolgte nur wenige Tage nach dem ersten Sprungball der Saison 2008/09 und sollte das Team aus Colorado in ungeahnte Höhen führen.
Heilsbringer Chauncey Billups
Mit der Ankunft von Chauncey Billups (Foto) kam nicht nur der verlorene Sohn zurück in seine Heimstadt Denver, sondern auch ein Gewinner. Der Finals MVP von 2004 stand in den letzten sechs Jahren jedes Mal im NBA-Halbfinale. Billups' Mentalität sollte neuen Wind in den Nuggets-Kader bringen, mit Anthony als potente Scoring-Maschine und eben Billups als kaltschnäuzigen Spielgestalter, der nach seinem Wanderdasein in der Liga - fünf Teams in zwölf NBA-Jahren - immer noch von vielen deutlich unterschätzt wird.
Das Puzzle-Teil Billups passte derart gut in das Konzept von Head Coach George Karl, dass die Nuggets mit 54 Siegen nach 82 Hauptrundenspielen die beste Bilanz ihres NBA-Dasein einstellten (1987/88 gewannen sie ebenso häufig). Zum fünften Mal in seiner Profilaufbahn beendete Anthony die reguläre Saison dabei als bester Korbjäger seines Teams. 2008/09 waren es durchschnittlich 22,8 Punkte, die er im Netz der Gegner zappeln ließ - der drittniedrigste Wert seiner Karriere.
Dennoch ist das aktuelle Spieljahr das erfolgreichste für den talentierten Forward aus Brooklyn, New York. Beispielsweise lief Melo am 10. Dezember 2008 heiß, als er beim 116:105-Triumph seines Clubs gegen die Minnesota Timberwolves 33 Punkte in einem Viertel versenkte. Damit egalisierte er den Rekord vom 9. April 1978, den damals George Gervin aufstellte, als dieser im Fernduell um die Topscorer-Krone mit David Thompson kämpfte. Den Franchise-Rekord des Letztgenannten in Höhe von 32 Zählern toppte Anthony, denn der "Skywalker" netzte diesen Wert am selben Tag als Denver Nugget ein.
"Sowas hab ich noch nicht erlebt", suchte Anthony damals nach einer Erklärung. "Ich fühlte mich richtig gut. Ich kann es nicht erklären. Meine Dreier gingen rein, der Zug zum Korb klappte, auch das Ziehen von Fouls funktionierte." Diesen Abend beendete der Stirnbandträger, der vor der Saison nach einer verlorenen Wette seine Cornrow-Frisur einbüßte, mit insgesamt 45 Punkten. Im dritten Abschnitt allein traf er grandiose zwölf von 15 Versuche aus dem Feld und fünf von sechs von der Freiwurflinie für 33 Zähler. In der gesamten regulären Saison 2008/09 markierte er inklusive dieser legendären Vorstellung nur sechs Mal mehr als 33 oder mehr Punkte (in den fünf Ligajahren zuvor: 59 Spiele mit mindestens 33 Punkten).
Auch in der Spielzeit 2008/09 absolvierte Anthony nicht jede Partie in der regulären Saison (nur in seinem Rookie-Jahr stand er in allen 82 Spielen auf dem Feld): Am vierten Januar brach er sich gegen die Indiana Pacers einen Knochen in der Hand. Vier Wochen musste er pausieren, ehe er wieder in das Spielgeschehen eingreifen konnte. Bereits im Dezember 2008 hatte er Probleme mit seinem Ellenbogen. Die Blessuren verhinderten aber keinesfalls die Hochform, mit der Anthony das gesamte Spieljahr über im Wettbewerb auflief.
Der 24-Jährige stand zudem in der abgelaufenen Hauptrunde durchschnittlich nur 34,5 Minuten auf dem Platz - der niedrigste Wert seiner Laufbahn. Dagegen bewies Anthony mit 37,1 Prozent von Downtown den besten Wert seiner Karriere. Der Einfluss von Billups (17,9 PpG, 41,0% 3FG, 6,4 ApG) war deutlich spürbar. Und zwar so sehr, dass neben dem Mannschaftserfolg auch individuelle Auszeichnungen nach Colorado gingen: Obwohl Melo nicht zum All-Star Game nach Phoenix reisen durfte (Billups war All-Star), wurde die Combo ins All-NBA-Third-Team nominiert. Nie zuvor standen gleich zwei Spieler der Nuggets in einem der Auswahlteams nach Saisonende.
Anthony und der Gorilla
Die Erfolglosigkeit der Vergangenheit lastete dennoch zu Beginn der Postseason 2009 auf der Franchise aus Denver. Die bereits erwähnten fünf Jahren ständiger Erstrundenpleiten führten die Fachwelt dazu, dem Club aus Colorado nicht mehr als die zweite Runde zuzutrauen.
Aufgrund der bis zum letzten Spieltag offenen Setzliste im Westen sicherten sich die Nuggets schließlich den zweiten Playoff-Startplatz. Nachträglich verdient das Duell gegen die New Orleans Hornets in der ersten Runde nicht diesen Namen. Vielmehr war zwischen beiden Teams ein Klassenunterschied auszumachen, den das 58-Punkte-Fest aus Sicht Denvers eindrucksvoll unterstreicht. Carmelo Anthonys Anteil am Erfolg entwickelte sich langsam: Hatte der Flügelspieler zum Auftakt lediglich 13 Punkte auf seinem Konto, wuchs seine Ausbeute in jeder weiteren Partie weiter an. Im fünften Spiel erzielte er 34 Zähler.
Ein ähnliches Bild zeichnete er gegen die Dallas Mavericks in der zweiten Runde. Dreimal feuerte die Nummer 15 der Nuggets 30 oder mehr Zähler in den Korb der Mavericks. Hervorzuheben ist in dieser Serie neben dem entscheidenden Dreier im dritten Spiel die fulminante Schlacht gegen Dirk Nowitzki im vierten Aufeinandertreffen: Der Deutsche sorgte seinerseits zwar mit 44 Punkten für den 119:117-Sieg seines Teams, Anthonys kam auf der Gegenseite auf 41 Zähler - eine neue persönliche Playoff-Bestmarke.
Als Anthony nach Spiel fünf um eine kurze Einschätzung der zurückliegenden Saisonmonate gebeten wurde, meinte er: "Dieser Sieg ist etwas ganz Besonderes für mich. Wir haben hart dafür gearbeitet, immer zusammengestanden und jeder Widrigkeit getrotzt. Endlich wurden wir dafür belohnt." Dass für ihn eine persönliche Last von den Schultern fiel, muss dabei nicht extra betont werden. "Ich habe fünf Jahre gebraucht, um den Gorilla von meinem Rücken zu stoßen", freute Anthony sich. "Es ist ein großartiges Gefühl."
Auch der unterlegene Mavericks-Coach Rick Carlisle zollte dem Herausforderer der Los Angeles Lakers Tribut: "Diese Jungs sind ein legitimer Titelkandidat." Nur die wenigsten nahmen diese Aussage ernst, im festen Glauben, die Lakers würden kurzen Prozess mit der offensivstarken Truppe aus dem Mittleren Westen machen. Sie sahen sich getäuscht.
In den ersten beiden Spielen der Western Conference Finals zeigte Anthony, dass er tatsächlich in einem Atemzug mit den Superstars der Liga genannt werden muss. Mit 39 Punkten hielt er sein Team im ersten Spiel im Rennen, hatte aber mit 103:105 das Nachsehen. In der zweiten Begegnung schenkte Anthony den Lakers 34 Zähler ein und entwendete mit seinen Nuggets den 106:103-Sieg aus dem Staples Center. "Auswärts zu gewinnen, ist immer schwierig", erklärte der Nuggets-Korbjäger nach Spiel zwei. "Wir sind mental stark und haben gezeigt, dass wir nach der Niederlage im ersten Spiel zurückkommen."
Die Serie zwischen Denver und Los Angeles ist bisher keineswegs eine einseitige Nummer. Denver hofft, beim ersten Conference-Finals-Auftritt seit 1984/85 besser abzuschneiden als eben vor 24 Jahren. Damals überrollten die Los Angeles Lakers die Denver Nuggets mit 4-1 und durchschnittlich über 20 Punkten (u.a. ein 153:109-Blowout in Spiel fünf).
Auch Mitte der Achtziger hatte Denver eine talentierte Truppe u.a. mit Alex English (Foto) und Fat Lever am Start. Heute heißen die Helden Carmelo Anthony oder Chauncey Billups, die sich mit allen Mitteln gegen die Lakers wehren.
Und ganz ehrlich: Bei diesen bisher wirklich packenden Halbfinalspielen muss es nicht unbedingt zum Duell zwischen Kobe Bryant und LeBron James kommen. Carmelo Anthony sieht bereits den NBA-Gipfel und wird alles dafür tun, dorthin zu gelangen.






von Suck My Diktiergerät 24.05.09 um 22:45:05
denver: respekt!!!
großartige teamleistung. beginnt mit anthony in peking. kommt mit anderer attitüde zurück. dann billups. und die defensive war geboren. jr smith spielt reifer. nene komplett genesen und dominant (wenn er denn will). andersen ist wohl der freeagent steal der saison. und anthony...spielt intelligent, verteidigt endlich gut (die defense gegen kobe in spiel 1 und 2 war fulminant, wenn er ihn den verteidigen durfte) und ist offensiv effektiver dominant.
großartiges team!!!
von jeans270 24.05.09 um 23:28:51
naja das technical gestern ende des dritten war nich gerade sehr reif:-P
von schlund 25.05.09 um 01:01:47
gestern haben sich die nuggets selber geschlagen...haben das spiel im griff und verprassen den vorsprung immer wieder sinnlos durch T´s...naja un djr war der "alte", der eigentlich vergessen war