Buch-Rezension

Dirk Nowitzki in Buchform

Dieser Tage dreht sich alles um Dirk Nowitzki. Nicht nur mit der Deutschen Nationalmannschaft will er die Qualifikation für Peking packen, sondern auch mit einem Buch seine Anhänger verzaubern.

Von Thomas Käckenmeister
 30.06.2008 |

Ist in diesen Tagen von Basketball die Rede, kann das Thema Nationalmannschaft nicht umgangen werden. Die Olympischen Spiele in China stehen im Mittelpunkt für die besten Basketballer Deutschlands. Mitten unter ihnen befindet sich die Schlüsselfigur, die Deutschlands Korbwerfer erstmals seit 1992 wieder daran teilhaben lassen soll: Dirk Nowitzki.

Der großgewachsene Superstar, der mit den Dallas Mavericks in der NBA seit nunmehr zehn Jahren sportliche Sonnen- und Schattenseiten gesehen hat, steht in den nächsten Wochen nicht nur auf dem Parkett, sondern präsentiert sich auch in Papierform in den Buchhandlungen dieses Landes.

Das neue Buch ?Nowitzki - Ein Leben für den Basketball?, in dem der in Würzburg geborene Starspieler auch selbst ? und das nicht zu knapp ? zu Wort kommt, zeichnet auf mitreißende Art und Weise den Lebensweg des ersten europäischen MVP der weltbesten Basketballliga nach. Er selbst blickt zurück auf die Ereignisse, die zuvor von den beiden Autoren Peter Sartorius und Joachim Mölter beschrieben werden.

Bereits zu Beginn wird der Leser gefesselt. Don Nelson, ehemaliger Head Coach der Dallas Mavericks, befindet sich auf einer Mission in Deutschland. Sein Ziel: Dirk Nowitzki soll nach Dallas kommen. Der Trainerfuchs der NBA besuchte Nowitzki kurz vor dem Draft 1998 in Würzburg. Gemeinsam mit seinem Sohn Donnie und dem damaligen Mavericks-Besitzer Ross Perot Jr. versuchten sie, das deutsche Talent für ein Engagement in Übersee zu begeistern ? und schafften es.

?In den dreieinhalb Jahrzehnten seines Berufslebens in der NBA hatte Don Nelson viele Nachwuchsspieler studiert. ?Dirk?, sagt er in der Rückschau? ?war der am besten ausgebildete 19-Jährige, den ich je gesehen habe.??

Denn der sportverbundene Blondschopf hat sich, insbesondere wegen seines Entdeckers Pit Stahl und seinem Förderer Holger Geschwindner, zu dem neuen Spielertyp entwickelt, der in den Jahren darauf in der NBA begehrt war: groß, treffsicher von außen und vielseitig einsetzbar.

Dass der Profikarriere Steine im Weg lagen ? unter anderem aufgrund schlechter Noten in der Schule ? sollte ihn aber nicht vom Ziel abbringen. Im Trainingslager am Starnberger See bekam er von anderen Teilnehmern Nachhilfe, um die Abiturprüfungen zu bestehen. Denn schon damals hatte Nowitzki mit einer Karriere als Profisportler geliebäugelt, auch wenn ihm Geschwindners Übungseinheiten nicht selten seltsam vorkamen.

?Beruhten Jazz und Basketball nicht auf ganz ähnlichen Prinzipien? [?] Basketball sei nicht nur wie Jazz, nein, es sei Jazz, Jazz auf einem Holzparkett, basierend auf der Beherrschung der Technik und begleitet von spontaner Eingebung. [?] ?Ein Spieler?, so Holger Geschwindner, ?darf improvisieren ? aber erst, wenn er das Spielen, die Technik beherrscht?.?

Danach ging alles im Eiltempo. Geschwindner regelte die Fahrten nach Dallas und alle weiteren organisatorische Angelegenheiten, sodass sich Dirk Nowitzki kurz nach dem Draft dazu entschloss, bei den Mavericks sein Glück zu versuchen. Dass die Entscheidung unter Druck zustande kam, lag darin begründet, dass sich die NBA nur wenige Tage nach der Talentwahl im ?Lockout? befand, bei dem tarifliche Verhandlungen im Mittelpunkt standen und Teamverantwortlichen der Austausch mit den eigenen Spielern versagt wurde.

Als die Saison 1999 gerettet war, begann der langsam immer steiler werdende Höhenflug Nowitzkis. Gemeinsam mit seinem Freund Steve Nash sorgte er in der Liga für Aufsehen. Wer allerdings erwartet, dass haarklein jedes Saisondetail beschrieben wird, muss enttäuscht werden. Spielzeiten werden knapp umrissen, nur das Wesentliche steht im Mittelpunkt und die Autoren konzentrieren sich stets auf das Geschehen abseits des Balles, wie beispielsweise die Fehde zwischen Don Nelson und dem neuen Mavericks-Eigentümer Mark Cuban, das Zustandekommen von Nowitzkis Vertragsunterzeichnung oder die freundschaftliche Beziehung zu seinem Teamkollegen Steve Nash.

Doch es ist nicht nur das Leben Nowitzkis, welches das gleichnamige Werk in gut verständlicher Sprache schildert. Nebenher wird auch die Funktionsweise des Unternehmens NBA vermittelt, wie Neulinge von der Liga auf das Leben als Profi vorbereitet werden und wie sich der Wandel der Mavericks vom Verliererteam zur Vorzeige-Franchise vollzog. Dabei wird vor allem auf übermäßig viele fachsprachliche Begriffe und eine Überzahl unverständlicher Anglizismen verzichtet, was die Lesbarkeit jedoch nicht beeinflusst.

Dass Nowitzki anfängliche Zweifel besaß, in der Liga Schritt zu halten, wird auf ähnliche spannende Weise dargestellt, wie die zerplatzten Gipfelträume, als er im NBA Finale scheiterte oder trotz des MVP-Titels die Erstrundenniederlage gegen die Golden State Warriors akzeptieren musste.

?Am Ende mit leeren Händen dazustehen, war äußerst frustrierend. In den Playoffs zwei Monate auf höchstem Niveau zu spielen, mit dem ganzen Druck und der hohen Intensität - das ist eine unglaubliche Anspannung. [...] So kurz vor dem ersehnten Triumph einzubrechen, ist frustrierend. Das tat noch lange weh.?

Neben den sportlichen Geschehnissen in der NBA wird aber auch die Verbundenheit zur Deutschen Nationalmannschaft nicht vernachlässigt. Ist von großen Turnieren die Rede, fällt auch immer der Traum von Olympia. So war es bei den Europameisterschaften 1999 in Frankreich, 2003 in Schweden und 2007 in Spanien. Doch auch die Glanztaten der Bundesadler kommen nicht zu kurz, wie zum Beispiel der vierte Platz bei der EM 2001 in der Türkei, die Bronzemedaille bei der WM 2002 in den USA oder aber der silberne Sommer von Belgrad 2005.

?Nowitzki? verköstigt den Leser jedoch nicht nur mit den sportlichen Leckerbissen aus dem großen Buffet des ?German Wunderkind?. Da wäre beispielsweise auch der Verdacht der Steuerhinterziehung zu nennen, der auf Holger Geschwindner gerichtet war. Ohnehin werden viele Randgeschichten von Personen erzählt, mit denen Nowitzki in Verbindung steht ? seien es Familie, Freunde oder Förderer. So verwundert es auch nicht, dass plötzlich ein Zusammenhang mit Dr. James Naismith, dem Erfinder des Basketballsports, nachgewiesen wird.

Der Werdegang von Dirk Nowitzki ist auf fast 300 Seiten mit über 50 Farbfotos unterhaltsamer Lesestoff für Fans und Basketballbegeisterte. Aber auch für Neugierige der Sportart und der Person Nowitzki bietet das Werk eine leicht verdauliche Lektüre, an dessen Ende die Gegenwart steht: ?In Athen (beim olympischen Qualifikationsturnier von 14. bis 20. Juli 2008; Anm. d. Red.) darf er versuchen, sein großes Ziel, das Pekinger Olympiastadion, endlich zu erreichen, erfüllt von diesem Verlangen, einmal im Leben unter Tausenden anderen bei einer olympischen Eröffnungszeremonie in die Zuschauer zu winken.?


?Nowitzki ? Ein Leben für den Basketball? von Peter Sartorius, Joachim Mölter und Dirk Nowitzki ist im Rowohlt-Verlag erschienen (ISBN: 978-3-498-04689-7) und zum Preis von 16,90 Euro erhältlich.




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von Suck My Diktiergerät 27.08.08 um 01:49:45


hab das buch gelesen. würde jetzt zwar nicht sagen, dass es ein meisterwerk ist, aber das lesen macht trotzdem sehr viel spaß.

größter pluspunkt: zusätzlich zur beobachtenden sicht gibts immer ein paar seiten direkt von nowitzki geschrieben als bonus.
größter negativpunkt: als eifriger fiveleser und crossover-online surfer muss man mit ner lupe nach neuen informationen suchen..



von G-Star2410 27.08.08 um 12:59:44


Habe es auch gelesen, war interessante Lektüre und gab einen guten Einblick in Dirks Karriere und auch teilweise in die Abbläufe beim DBB. Jetzt verstehe ich auch, warum es um den deutschen Basketball so gut bestellt ist.....



von Hurricane 28.08.08 um 12:43:30


Ich persönlich fande es auch ganz intressant, weil ich vorher nicht so viel über Dirks karriere wusste



von flashbang 28.08.08 um 17:14:22


will es jemand von euch zufällig wieder los werden? gegen bares versteht sich



von Suck My Diktiergerät 28.08.08 um 19:18:35


@flashbang check mal dein postfach.



von Hurricane 29.08.08 um 01:45:29


oder in der bücherei dort habe ich es jedenfalls her ^^



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