Buch-Rezension
David Shields - Black Planet
Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich ein weißer Basketballfan fühlt, der sein Herz einer schwarzen Liga verschrieben hat, dem ist mit diesem überaus intelligenten Buch gut geholfen. Aber ist die NBA wirklich so schwarz wie sie scheint, und wie wirk
Von tdeath |
09.04.2002 | |
![]() Black Planet |
Black Planet - ein merkwürdiger Titel. Man denkt automatisch an ein Buch von einem weißen Rassisten. Erst recht, wenn man das Cover sieht. Oder ist es von einem schwarzen Weißenhasser geschrieben worden? Auf jeden Fall scheint das Buch den Rassenkonflikt in den USA zu behalten. Geschrieben ist es allerdings von einem weißen Basketball-Fan, der unbedingt wie Gary Payton sein will. Klingt naiv, oder? Ist es aber ganz und gar nicht. Von allen BBall-Büchern, die ich bisher gelesen habe, ist dies mit Abstand das schwierigste, Leute mit Schwächen in Englisch - Hände weg! Trotzdem ist das Buch nicht langweilig, dafür unglaublich intelligent. Und auf der anderen Seite doch wieder dumm...schwierig zu sagen, wer es gelesen hat versteht was ich meine. Zum Inhalt:
An sich beschreibt David Shields, Reporter in Seattle, die Saison 1994/95 aus der Sicht eines Sonics-Fans - seiner Sicht. Als er einem zu Beginn erzählt, mit seinem Press Pass Zugang zum Sonics-Locker Room bekommen zu haben, erwartet man Insider-Informationen aus erster Hand. Jedoch ändern die Sonics ihre Teampolitik, und als eines der Opfer darf Shields nicht mehr an die Spieler. Im bleiben seine Dauerkarten und zweimal im Monat ein Platz in der Press Box ("nosebleed section"). Deswegen mutiert das Buch eher zu einer Analyse sämtlicher Radio-Shows. Das Thema Rassismus wird zwar andauernd angesprochen, es erwarten den Leser aber keine interessanten Geschichten über David Stern (bevor er Commissioner wurde) oder rassistische Aktionen innerhalb der NBA. Shields ist zwar sehr intelligent, er interpretiert aber auch in jeden Müll rassistische Motive - egal ob Werbung, einfache Umgangssprache oder was auch immer. Er erkennt die Fehler vieler Menschen, die anders handeln als sie es zugeben, seine Phobie bleibt ihm jedoch verborgen. Nur einmal stellt er sich die Frage, ob er nicht von einem gewissen Wahn in Sachen Rassismus getrieben wird (er öffnet Türen für Schwarze, aber nicht für Weiße, joggt nur schneller wenn ein Schwarzer an ihm vorbeiradelt...). Den gibt er dann zu, interpretiert aber unverhohlen weiterhin in alles und jeden die Absicht, eine andere Rasse zu erniedrigen. Sehr schwierig zu beschreiben, lest das Buch am besten selber. Jemand, der sich auf der einen Seite beim Sex vorstellt er wäre Gary Payton, der auf der anderen Seite den Charakter der Sonics-Spieler und ihr Verhältnis zu den Fans genau auf den Punkt bringt - das ist David Shields. Die Berichte von seiner Familie durchsetzen das Buch mit einer neuen Botschaft: der Sport ist nicht alles. Nebenbei lesen sie sich auch recht interessant und bieten eine gute Abwechslung zu immer neuen Rassismus-Interpretationen, die den Leser den Kopf schütteln lassen. Und doch steckt so viel Wahrheit in dem Buch. Was Shields in 220 Seiten packt, kann ich leider nicht in diese Rezension stecken. Wer also mal ein "etwas anderes" Buch zum Thema Basketball lesen will, dem ist mit "Black Planet" gut geholfen.
Auszug:
"On Second Quarter Report, a TV special about the most recent month or so of the Sonics' season, Kevin Calabro (ein Weißer, Anm. d. Red.) says to Detlef Schrempf, "Thanks so much for joining us here at Hec Ed Pavilion [the gymnasium of the University of Washington, where Schrempf played college basketball after moving from Germany to Washington during his high-school years]." They shake hands.
Schrempf says, "Thank you."
Calabro says, "The old crib. The old turf."
At this point Schrempf appears to have no idea what Calabro is talking about, just says, "Yeah," then after a while seems to get what he means and smiles. It's difficult to tell exactly what Schrempf's thinking. Maybe this: two white guys get together, and so what does Calabro do? - he acts black; Calabro must figure, Well, at least I'm blacker than the German; now I get to be black for a minute. Race is the one thing that makes Calabro act foolish, as it does nearly every white man in America.
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von Crossover 30.05.2012 um 10:53:52
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