Zu Gast im Garden ... und Izod Center
Von Björn Lehmkühler |
16.04.2009 | |
Eine Woche Urlaub in New York – da gibt es wahnsinnig viel zu sehen und zu entdecken. So haben diese sieben Tage gerade eben gereicht, um einen Eindruck des vielschichtigen und faszinierenden Manhattan zu erhalten und die bekanntesten Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.
Trotz des umfangreichen Programms war für mich jedoch eines ganz klar: wenn ich schon einmal im Mekka des Basketballs bin, darf ein Besuch im altehrwürdigen Madison Square Garden nicht fehlen und da ich bekennender Fan der New Jersey Nets bin, war ein Trip nach East Rutherford ebenfalls nahe liegend.
Der Madison Square Garden liegt relativ zentral in Midtown Manhattan, nur wenige Blocks westlich des Empire State Buildings. Mein Platz war beinahe unter der Hallendecke, doch das Gefühl eines NBA-Spiels im Garden ließ sich auch von dort oben einfangen.
Die Geschichte des Spiels ist derweil recht schnell erzählt, denn bereits Mitte des ersten Viertels hatten die erschreckend schwachen New York Knicks das Spiel verloren. Ein einfacher 113:86-Pflichtsieg für Detroit Pistons, die sich in guter Playoff-Form präsentierten.
Die Anreise nach East Rutherford, New Jersey war ungleich schwieriger. Zwar gab es ein Spezial-Ticket, mit dessen Hilfe man etwa von der Penn Station in Manhattan (nahe MSG) für zehn Dollar per Zug und Bus via Secaucus direkt zum Izod Center und wieder zurück fahren konnte – man sollte jedoch eine bis anderthalb Stunden einplanen.
Alleine die Plätze unweit des Spielfeldrands entschädigten jedoch für das Sitzen und Warten und auch das Spiel war um einige Klassen besser als das er Knicks. Am Ende ließen die starken Gastgeber jedoch nichts anbrennen und besiegten die überraschend harmlosen Orlando Magic mit 103:93.
Um meine Eindrücke der beiden Spiele weiterzugeben, nun die zehn Tops und Flops:
Top
1. Vince Carter: Die Nummer 15 der Nets ist mit seinem Bilderbuchwurf und anmutigen Bewegungen nicht nur der Inbegriff von „smooth“, sondern war auch äußerst effektiv. Den Angriff riss er komplett an sich und suchte wahlweise selbst den Abschluss (27 Pkt, 7-16 FG, 4-6 3FG, 9-9 FT) oder bereitete vor (neun Assists). Zudem verwandelte er einen langen Buzzer-Dreier. „Air Canada“ war der Spieler der Partie.
2. Brook Lopez: Der Nets-Rookie hat nicht nur die gewaltigsten Pranken, die ich jemals aus der Nähe gesehen habe – er hat auch auf dem Feld jede Menge drauf. Dreizehn Punkte, elf Rebounds und vier Blocks lieferte der junge Center und stellte „Superman“ in den Schatten.
3. Show: Das Rahmenprogramm alleine – die Cheerleader, Pausenspiele, Videowürfel – sorgt dafür, dass man auf seine Kosten kommt. Die BBL kann sich davon mehr Scheiben abschneiden, als Dwight Howard auf seine Langhantel packt.
4. Pistons-Bigmen: Heimlich, still und leise sammelten Antonio McDyess (13 Pkt, 12 Reb) und Rasheed Wallace (14 Pkt, 12 Reb) „Double-Doubles“ ein. Beide trafen ihre offenen Würfe und Fadeaways vom Zonenrand und zusammen kontrollierten sie die Bretter. Auch die zweite Garde um Kwame Brown (8 + 6) und Jason Maxiell (6 + 6) überzeugte.
5. Pistons-Backcourt: Richard Hamilton ist vermutlich einen halben New-York-Marathon gelaufen, nur nicht durch die Straßen Manhattans, sondern um die „Screens“ seiner Mitspieler. Gegen die schwache Knicks-Defense lief dieses Spielsystem perfekt: Entweder traf Hamilton selbst (22 Pkt, 10-18 FG) oder er fand die offenen Mitspieler (siehe „Pistons-Bigmen“). Der pfeilschnelle Stuckey (14 Pkt, 7 Reb) ergänzte Rip optimal.
6. Warmup: Das Aufwärmen lieferte für einige der anwesenden All-Stars die Bühne, sich von ihrer spaßigen Seite zu zeigen. Während seine Co-Stars Tayshaun Prince und Rip Hamilton gewissenhaft Korbleger von links und rechts abspulten, warf etwa Rasheed Wallace mit dem Rücken zum Korb, per „Floater“ bis zur Hallendecke oder von außerhalb des Spielfeldes. Dabei war er treffsicherer als Carter und Howard, die vor der anderen Partie einen Wurfwettbewerb von der Mittellinie austrugen.
7. Rafer Alston: Der beste Magic-Akteur übernahm vor allem die Rolle des Ballverteilers (acht Assists), ließ aber immer mal wieder den alten „Skip to my Lou“ aufblitzen. Sein Crossover ist tödlich und obwohl Skip der physisch schwächste Spieler auf dem Parkett war, verwandelte er einige überaus spektakuläre Layups.
8. Keyon Dooling: In Abwesenheit von Devin Harris machte Dooling eine gute Figur im Nets-Backcourt. Zwölf Punkte und zehn Korbvorlagen standen am Ende für ihn zu Buche und neben Carter hatte er großen Anteil daran, dass den durchgängig in Führung liegenden Nets das Spiel zu keinem Zeitpunkt zu entgleiten schien.
9. Athletik: Die Sprungkraft und Schnelligkeit der NBA-Stars kommt am Fernseher oder auf Bildern einfach nicht zu gut herüber wie in der Arena. Sei es die Explosivität von „Kryptonate“ Robinson, die Urgewalt eines Dwight Howard oder Jason Maxiell oder die Lockerheit, mit welcher einige Akteure beim Aufwärmen per „Windmill“ abschließen – die athletischen Fähigkeiten beeindrucken.
10. Knicks-Forwards: Wie ein Ohrwurm begleitete mich nach dem Knicks-Spiel zwei Durchsagen des Hallensprechers: „Will-sonnnnn Channn-dlerrr“ und „Alll Haaa-ringgg-tonnn“. Tatsächlich zeigten die treffsicheren Chandler (23 Pkt, 5-7 3FG) und Harrington (26 Pkt, 4-10 3FG) offensiv ansprechende Leistungen und zeichneten für über die Hälfte der Knicks-Punkte verantwortlich.
Flops
1. Dwight Howard: Nach Carter hatte ich mich auf den Auftritt des vermeintlich besten Centers der Welt am meisten gefreut. Doch während sein bloßer Anblick einem die Kinnlade herunterfallen ließ und er defensiv vier teilweise gigantische Blocks ablieferte, war er offensiv nicht existent. Zwei von sieben aus dem Feld, drei von sieben von der Linie – mickrige sieben Pünktchen. Von den anwesenden Bigmen spielten Brook Lopez, Tony Battie, Josh Boone und sogar Marcin Gortat besser.
2. Knicks-Defense: Während des gesamten Spiels warteten ein paar tausend Knicks-Fans und gelangweilte Pistons-Spieler auf ein Zeichen der Knickerbockers-Verteidigung – vergeblich. Sachdienliche Hinweise über den Aufenthaltsort der Vermissten nehme ich gerne entgegen und leite sie weiter…
3. Hedos Verletzung: Als Turkoglu einige Minuten lang auf dem Parkettboden lag und anschließend nur mit Hilfe in die Katakomben humpeln konnte, war dies der einzige Wermutstropfen in einer ansonsten unterhaltsamen Partie. Der Türke ist nun „Day-to-Day“. Sollte er aufgrund der Fußverletzung in den Playoffs ausfällen, wäre dies ein herber Schlag, denn nach seiner Auswechslung lief bei den Magic offensiv nicht mehr fiel.
4. Stan van Gundy: Wo wir gerade bei Turkoglus Auswechslung sind: Bei der Aktion, welche zur Verletzung führte, wurde auf Foul entschieden. Bei einem Spielstand von 82:90 und 6:50 Minuten zu spielen durfte der Coach einen Ersatz-Freiwerfer aussuchen und seine Wahl fiel auf … Adonal Foyle. Richtig, jenen Adonal Foyle, der in seiner Karriere mehr Freiwürfe verworfen als verwandelt hat. Foyle, der zuvor keine Sekunde gespielt hatte, verfehlte beide und wurde nur eine Minute später wieder auf die Bank beordert. Auf selbiger saß übrigens auch ein gewisser J.J. Redick, seines Zeichens einer der besten Freiwurfschützen in der Geschichte des College-Basketballs.
5. Verletzte Stars: Mit Allen Iverson (Detroit), Devin Harris (New Jersey), Rashard Lewis und Jameer Nelson (Orlando) fehlten gleich vier namhafte Akteure. AI tat sich dabei negativ hervor, war er doch als einziger der oben genannten nicht in der Halle, um seine Mitspieler anzufeuern. Positives Gegenstück war Harris, der mit seinem lilafarbenen Sacko immerhin für einen kleinen Lichtblick sorgen konnte.
6. Unnahbarkeit: Hier muss man eine Lanze für die BBL brechen, wo auch mal Spieler für Autogramme und Fotos bereit stehen – ganz zu schweigen vom hautnahen und ehrlichen College-Sport. Für die NBA-Profis war dies anscheinend nicht zumutbar. So liefen sämtliche Stars nach Spielende schnurstracks in ihre Kabinen und nur einige von ihnen klatschten überhaupt ab oder warfen beiläufig ein Handtuch in die Menge. Mit einem Foto von mir und VC15 kann ich also leider nicht dienen…
7. Stimmung im MSG: Man konnte die Enttäuschung der Knicks-Fans beinahe spüren, als die eigene Mannschaft sie erneut enttäuschte. Auch in der letzten Reihe konnte man das Aufprallen des Balls und das Quietschen der Schuhe deutlich vernehmen. Den lautesten Beifall des Spiels erhielt jedenfalls kein Knicks-Spieler sondern ein korpulenter Mann, der live auf dem Videowürfel eine minutenlange Tanzeinlage ablieferte. Und nein, es war – der Größe nach zu urteilen – weder Eddy Curry noch Jerome James.
8. Nate Robinson: Der Slam-Dunk-Champ ist sicherlich ein „Freak of Nature“, aber genau so verrückt wie seine Explosivität ist seine Wurfauswahl. Zwei von dreizehn aus dem Feld und null von vier von „Downtown“ sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache.
9. TV-Situation: Das Thema ist zweifellos ausgelutscht, doch nach einer Woche mit vier verschiedenen ESPN-Sendern plus MSG-TV (Knicks live) und YES (Nets live) im Hotel-Fernsehen kann man als deutscher NBA-Fan nur noch vor Wut seinen Kopf an die Wand schlagen.
10. Hot Dog im Garden: Gemessen an den Hot Dogs, die ich aus deutschen Imbissen, schwedischen Möbelhäusern oder Chicagoer Baseballstadien gewohnt bin, war dieser Hot Dog kein Gaumenschmaus – zum Glück war er in meinem Fall im Eintrittspreis inbegriffen. Doch dies ist natürlich Geschmackssache und vielleicht ist er einigen tatsächlich den nicht unerheblichen Preis wert.




von Crossover 30.05.2012 um 10:53:30
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