Washington Wizards

Wo ist das System, Herr Saunders?

Früher eines der offensivstärksten Teams, heute ohne Inpiration. Dafür mit vielen Ballverlusten. Hat Flip Saunders sich von Eddie Jordans System verabschiedet, ohne ein eigenes einzuführen?

Von Lukas Oldenburg
 22.11.2009 |

Früher eines der offensivstärksten Teams, heute ohne Inpiration. Dafür mit vielen Ballverlusten. Hat Flip Saunders sich von Eddie Jordans System verabschiedet, ohne ein eigenes einzuführen?

Groß waren die Hoffnungen: Gilbert Arenas war wieder gesund, mit Mike Miller, Randy Foye und Fabricio Oberto hatte man gute Neuzugänge nach Washington gebracht und mit Flip Saunders einen der erfolgreichsten Coaches der letzten Jahre verpflichtet. Nach zwölf Spielen stehen die Wizards nun im Regen - neun Niederlagen bei nur drei Siegen auf dem Buckel.

Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass ein neuer Coach der Offensive neue Inspiration einhaucht. Weit gefehlt!

Die Wizards erinnern mich an das Katastrophen-Team von 1999-2001 mit Rod Strickland, Mitch Richmond und Juwan Howard. Deren Offensive war das, was die Wizards heute Spiel für Spiel zelebrieren: saft- und kraftlos, geistlos, ideenlos.

Das sieht meist so aus: Arenas hat den Ball, geht Eins-gegen-Eins oder nimmt einen High Screen, dann folgt entweder ein schneller Jumper von außen oder ein Pass, auf den dann ebenfalls ein schneller Jumper von draußen folgt. Beide Varianten natürlich meist mit dem Gegner in unmittelbarer Gesichtsnähe.

Wo sind sie hin, die schönen Backdoor Cuts und Lead Passes? Nicht, dass ich Eddie Jordans Spielsystem nachtrauere. Aber Saunders kann nicht das Ende eines Spielsystems verkünden und dann kein eigenes System installieren.

In Zahlen: Die Wizards sind Viertletzter in Assists. Und Viertletzter in Turnover-Differenz, also der Statistik, die angibt, wie viel mehr Ballverluste ein Team im Vergleich zum Gegner sammelt. Und: Früher war zumindest eines klar, nämlich dass die Wizards mit einer gesunden "Big Three" (Jamison, Butler und Arenas) ein hervorragendes Offensiv-Team sind. Heute gilt das wohl nicht mehr. Es sind alle drei gesund - und die Wizards sind auf Platz 24 von 30 in der Kategorie "Punkte pro Spiel" - und Platz 25 in "Trefferquote aus dem Feld".

Vielleicht liegt auch alles an Gilbert Arenas. Der sollte ja zum neuen Dreh- und Angelpunkt der Offensive werden. Mit dem neuen System scheint Arenas allerdings noch nicht klarzukommen (das sieht auch die Washington Post so).

Arenas spielt zwar nicht katastrophal - er trifft aber nicht gut (39 Prozent aus dem Feld und Platz 89 in "Punkte pro Wurf" (2007 war er noch 26.)) und produziert katastrophal viele Ballverluste: Platz eins in der Liga mit über vier pro Spiel. Oft durch simple Dinge wie Dribbelfehler und Schrittfehler. Und er scheint Angst zu haben. Angst vor einer neuen Verletzung. Er zieht nicht mehr so viel in die Zone. Und es mag prinzipiell gut sein, dass er die Komikermaske abgesetzt und den Hibachi ausgestellt hat, um sich mehr auf das Spiel zu konzentrieren. Aber es fehlt diese Begeisterung, dieser Elan, dieser Hunger in seinem Gesichtsausdruck. Er sieht fast schon kraftlos, gelangweilt aus. So wie fast alle Wizards.

So zum Beispiel Caron Butler. Er spielt nur wenig inspirierter. Er zieht kaum noch zum Korb, nimmt viele Würfe von außen, trifft manche davon, aber nicht wirklich viele und hat noch in keinem Spiel so wirklich überzeugt.

Und Neuzugang Randy Foye hat sich bislang einen Namen gemacht - für schlechte Würfe in Bedrängnis, die selten das Netz finden: Unter 39 % aus dem Feld sprechen eine deutliche Sprache.

Zwölf Spiele sind zwar noch lang nicht entscheidend. Aber wenn es so weitergeht, könnten die Weihnachtsglocken das Ende der Arenas-Ära in Washington einläuten.



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Kommentare

(8 Kommentare bisher)

von Freedom 22.11.09 um 22:54:19


"Und: Früher war zumindest eines klar, nämlich dass die Wizards mit einer gesunden "Big Three" (Jamison, Butler und Arenas) ein hervorragendes Offensiv-Team sind. Heute gilt das wohl nicht mehr. Es sind alle drei gesund - und die Wizards sind auf Platz 24 von 30 in der Kategorie "Punkte pro Spiel" - und Platz 25 in "Trefferquote aus dem Feld"."


..... is Jamison nicht verletzt ? schon seit preseason ?



von Pace 23.11.09 um 09:40:19


Du sprichst mir sowas von aus der Seele! Wenn ich die Wiz in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das: CONTESTET JUMPSHOTS! Also Würfe mit einer Hand des Gegners im Gesicht. So ungefähr 90% aller Würfe in einem Spiel sind zuvorgenannte. Furchtbar. Ich bin ein großer Wizards Fan, aber das kann man sich kaum anschauen.

Thema neues System: Welches, und wenn ja wieviele? Ich selber spiele PG, liebe Spielzüge über alles, und achte beim NBA schauen genau darauf was für Systeme gelaufen werden. Bei den Wiz sieht das das System wie folgt aus. Arenas bringt den Ball, bekommt einen Screen, geht zwei Schritte und feuert einen CONTESTET JUMPSHOT mit Hand im Gesicht und dem Helpdefender im Rücken. Epic Fail.

Oder die Wiz schieben die Kugel gelangweilt von rechts nach links, in den Post und zurück ... bis einer dann einen CONTESTET JUMPSHOT nimmt. Und Haywood den OffReb holt um wenigstens 2 Punkte in 10 Angriffen zu machen ...

Thema Arenas: Logisch hat er Angst sich wieder zu verletzten. Nach 3 OPS und 2 Jahren DNP ist das wohl klar. Aber es fehlt nich viel zum alten Arenas. Der Ami beschreibt das so: "He got to get his swagger back". Auf Deutsch: Er muss sein Selbsbewustsein zurückgewinnen. Als ob er nich genug davon hätte? Ja schon, aber es gibt einen Unterschied zwisch OnCourt und OffCourt Selbstbewusstsein.

Gilberto fehlen eins zwei einfache Fastbreak Dunks (die er momentan nicht bekommt), eins zwei Buzzerbeating Gamewinner, und schon ist er der alte.

Hoffentlich, denn das gegurke mag ich mir nicht länger mit anschauen



von franz 23.11.09 um 09:59:36


"..... is Jamison nicht verletzt ? schon seit preseason ?"

Er war die ersten neun Spiele verletzt, ist aber seit 3 Spielen wieder dabei.

@Pace: Meine volle Zustimmung.



von abcd12 23.11.09 um 10:17:56


Arenas hat seine "Ernsthaftigkeit" bereits wieder abgelegt und spuckt schon wieder (unberechtigterweise) große Töne. Im Moment scheint es ihm wichtiger zu sein 1.000.000 Followers für seinen Twitter Account zu generieren, als dem Team zu helfen. Es scheint außerdem im Team zu krieseln. Dies vor allem dadurch, dass viele Spieler FA werden zum Ende der Saison. Da macht dann wohl jeder vor allem erstmal sein Ding. Es gib nur ganz wenige Lichtblicke im Team. Mike Miller, Haywood und Blatche würde ich da nennen.



von oliver95 23.11.09 um 10:53:08


bin kein fan der wiz´s, aber als bulls fan seit den 80ern auch viele jahre ordentlich leidgeprüft.
aus der distanz betrachtet habe ich das gefühl, die wiz´s hätten lieber mal einen vernünftigen neuaufbau gestartet.
eure "big three" mögen zwar bei gesundheit offensivpotential haben a) wird es aber zu selten abgerufen
und b) sind doch fast nie alle gleichzeitig gesund...
vielleicht wäre ein trade von agent "big mouth" zero (für einen jungen talentierten pg...der jetzige draft spuckte einige talente aus)und jamison (jugendliche power wie rudy gay)gut gewesen, um wirklich mal was neues zu starten - die truppe ist doch maximal durchschnitt und hat keine echte zukunftsperspektive...oder? seit ehrlich... und Mike Miller(10 mio.$ p.a.)???? ...nee, sorry - dann lieber einen richtigen shooter... für das geld wäre sogar ben gordon ;-) möglich gewesen...
hab 2 games der wiz´s live im web gesehen... weiss nicht, ob es wirklich an flip liegt - hatte schwer den eindruck, das egozocker arenas das problem ist.
good luck wiz!
by the way, schöner artikel!
Danke.



von Pace 23.11.09 um 11:48:29


Ich weiss das der Vergleich etwas hinkt, aber wenn ich mit den Wiz auf der PS3 NBA2k10 zocke (:-D) und dort halbwegs die Systeme laufe, dann rocken die `Zards. Der Punkt ist, stellt euch mal Arenas, Butler und Jamison in einer Triangle Offense vor. Arenas würde den Kobe geben (und darf dann dort auch ein bischen Egozocken), Jamison den Center und Butler den Slasher. Dazu noch ein 3er Shooter - Mike Miller ist übrigens ein klasse Spieler und Shooter - und einen Metzger/Rebounder -> Haywood. Vom "talentiert" sein her würde das sowas von funktionieren.

Meine Meinung: installier einen Phil Jackson oder wahlweise ein gescheites offensives System, dann reichts locker fürs Conference Finale.

Was sie jetzt machen ist Systemloses rumgezocke -> Streetball. Streetball? -> Egozocken. Nix gegen Strassenball, aber Ihr wisst was ich meine.

Noch ein Punkt: Stellt euch vor ein Brandon Jennings oder Stephan Curry wäre Starter in DC. Arenas dann als SG, Butler SF usw. Wär mir lieber als Foye ... Mike Miller ist wie gesagt ein Top Profi, etwas überbezahlt ja, aber dafür bringt er Leadership, Hustle, 3P-Shooting, Rebounding ... wenn er nich grade verletzt ist. Meine Meinung 2: Den fünften Pick abzugeben war eine Fehlentscheidung. Aber bei Rooks weiss man sowas vorher nie, siehe Rubio.

Ach und, danke für den Artikel :-)!! Nach dem Spiel gegen San Antonia war ich sowas von wütend. Schön das ich da nich alleine bin



von nicoquanz 28.11.09 um 16:46:30


ganz ehrlich die wizards werden dieses jahr noch kommen heute haben sie mal in miami gewonnen ohne das arenas zweistellig war......... die waren eifnach nur zu lange alle verletzt man sollte den stars wieder eingewhnungszeit geben komisch das fast allen spielern nach verltzungen das gesatttet wird außer arenas der verdammt lange weg war und jamison der auch erst mal wieder fit werden muss............... wenn in 6 wochen keine besserung in sicht ist müsste ich mich schon sehr irren aber wenn die wieder alle im game drin sind sehe ich keinen grund wieso ein starker kader im osten nicht in die playoffs kommen sollte nur so nebenbei: arenas jamison butler haywood blatche young boykins stevenson sind denke ich mal ein kader der auf allen positionen gut und ausgeglichen ist



von Junie 01.12.09 um 08:31:12


Sehr guter Artikel! Witzig finde ich, dass wenn man Washington Wizards streicht und an dessen Stelle New York Knicks setzt und dann nur die Namen der Wiz-Spieler gegen welche meiner Knickerbockers austauscht, passt der Artikel trotzdem wie die Faust auf's Auge. Ist diese Spielweise vielleicht ein neuer Trend, um am Ende der Saison einen hohen Draftpick zu erzielen? Wen wird es da denn so geben? Habe mich diesbezüglich noch gar nicht informiert



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