Utah: Ein Trade aus dem Lehrbuch

Von Christian Neumann
 29.12.2007 |

Die Meldung des Tages: Die Utah Jazz haben sich mit Philadelphia auf einen Trade geeinigt, der Kyle Korver (Foto) nach Salt Lake City und Gordan Giricek sowie einen Erstrundenpick zu den 76ers schickt. Der Draftpick wird den Sixers frühestens 2009 zur Verfügung stehen und bis zum Jahr 2014 mit verschiedenen Einschränkungen versehen sein.

Mit diesem Trade hat Utahs General Manager Kevin O'Connor einmal mehr bewiesen, dass er einer der besten seines Fachs ist, aber der Reihe nach:

Die Jazz auf der Suche

Seit Jahren haben die Jazz nach einer Lösung für die Position des Shooting Guards gesucht, mit Matt Harpring, Giricek (Foto), CJ Miles und Ronnie Brewer experimentiert und wählten im vergangenen Sommer aus diesem Grund auch Morris Almond (Rice University) in der ersten Draftrunde.

Während Almond sich seine Sporen in der NBDL verdient, wo er für die Utah Flash vorige Woche 51 Punkte erzielte, entwickelte sich die seit längerem kriselnde Ehe zwischen Giricek und den Jazz zuletzt vollends zur Katastrophe, als der Kroate während eines Spiels gegen die Charlotte Bobcats von Head Coach Jerry Sloan vor laufender Kamera aus dem Team geworfen wurde.

Wer Sloan kennt, wusste, dass die Situation nicht mehr zu retten war und Giriceks Abschied die logische Folge sein würde. Und was machte O'Connor? Er fand nicht nur einen Abnehmer für sein Problemkind, sondern sicherte sich im Gegenzug mit Korver auch noch einen Spieler, der das, was eigentlich Giricek den Jazz geben sollte - Distanzwürfe mit hoher Trefferquote - besser beherscht als fast jeder andere NBA-Profi.

Werfen, werfen, nochmals werfen

Keine Frage: Kyle Korver ist ein Distanzschütze der Extraklasse. Das war er als Student bei Creighton (45% 3FG) ebenso wie bei den Philadelphia 76ers, bei denen er 2004/2005 die meisten Dreier der NBA verwandelte (226). Korver weiß selbst, dass es sein Wurf ist, der ihn in der NBA hält und ihm auch den Sechs-Jahres-Vertrag über 27 Millionen Dollar eingebracht hat, den er im Sommer 2005 unterzeichnete.

Wie gut Korver werfen kann, wird durch seine zweimalige Teilnahme am Dreierwettbewerb des All-Star Games ebenso belegt wie durch seine Karrierequote von 41%, die ihm zu Saisonbeginn Platz zehn unter den treffsichersten Dreierschützen aller Zeiten sicherte. Allerdings hat Korver diese Quote erreicht, ohne in Philadelphia neben einem guten Lowpost-Scorer zu spielen, der ihm offene Würfe beschert.

Das ist nun vorbei: An der Seite des ständig gedoppelten Carlos Boozer (Foto) sollte sich Korver wie im siebten Himmel fühlen. Auch die Übersicht von Point Guard Deron Williams und das Passspiel von Andrei Kirilenko versprechen jede Menge offene Würfe für einen der führenden Schützen der NBA. Kurzum: Korver passt zu den Jazz wie die Faust aufs Auge.

O'Connors Glanzleistung

Somit gewinnt Utah doppelt, erhält nicht nur den dringend benötigten Wurfspezialisten (der außerdem bis 2011 ein angemessenes Gehalt verdienen wird), sondern wird auch noch Giricek los, dessen Abgang allein schon der Stimmung im Team geholfen haben würde ("addition by substraction").

Der konditionierte Draftpick, den die Jazz mit nach Phildelphia schicken, ist somit gut investiert, zumal Utah selbst dafür kaum Verwendung gehabt haben dürfte: Der Kader ist tief besetzt, und spät gedraftete Rookies sehen bei Jerry Sloan ohnehin wenig Einsatzzeit, sondern landen wie Almond (Foto) und der Ukrainer Kyrylo Fesenko schnell in der NBDL.

Für Jazz-Fans besteht somit uneingeschränkt Grund zur Freude - Kevin O'Connor sei dank.



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von Crossover 30.05.2012 um 10:52:59


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