Good trade - good trade

Von Christian Neumann
 02.02.2008 |

Pau Gasols (Foto) Wechsel zu den Los Angeles Lakers ist das Thema der Stunde der NBA, und die Heimlichkeit, mit der dieser Trade abgewickelt wurde, hat Fans und Medien derart überrascht, dass sogar die Spekulationen um den möglichen neuen Arbeitgeber von Jason Kidd für eine Zeit in den Hintergrund rücken. Spekulationen gibt es auch um die nun verbesserten Erfolgsaussichten der Lakers und ihren möglichen Griff nach der Meisterschaft, wofür die Chancen von Kobe Bryant & Co. nun so gut stehen dürften wie seit dem Abgang von Shaquille O'Neal nicht mehr. Los Angeles hat sich zu kleinem Preis erheblich verstärkt; da sind sich fast alle einig. Allerdings überrascht es mich, mit welcher Einstimmigkeit im Gegenzug die Memphis Grizzlies für ihr Trade-Verhalten verurteilt werden.

Ein genauer Blick zeigt, dass Grizzlies-GM Chris Wallace ein durchaus guter Trade gelang, solange man bedenkt, dass sich die Absichten, die Memphis damit verfolgte, stark von denen der Lakers unterscheiden. Los Angeles ist im "Win now"-Modus; die Grizzlies haben sich abermals in einen Neuaufbau gestürzt. Es gehört viel Mut dazu, kehrtzumachen, wenn man erkannt hat, dass der Weg, auf dem man ist, nicht zum Erfolg führen wird. Andere Franchises (allen voran die New York Knicks) verschließen vor einer solchen Erkenntnis konsequent die Augen und schleppen sich und ihre Fans durch jahrelange Mittelmäßigkeit, anstatt ein Scheitern ihrer Pläne zuzugeben und auf einem gesunden Fundament etwas Neues zu errichten.

Die Absicht der Grizzlies ist also, sich für die Zukunft finanziell flexibel zu halten, und keines der Trade-Angebote, die bei Memphis über die vergangenen Monate für Gasol ins Haus flatterten, ermöglichte dies so sehr wie das Paket, das die Lakers ihnen schnürten: ein auslaufender Vertrag (Kwame Brown, 9 Mio.), ein Rookie-Vertrag samt talentiertem Rookie (Javaris Crittenton, 1,3 Mio.) und zwei Erstrundendraftpicks in den Jahren 2008 und 2010. Das erklärt auch, warum die Grizzlies Chicagos Angebote auschlugen, denn die interessanten Bulls-Spieler (Ben Gordon, Luol Deng) stehen kurz vor lukrativen Extensions, die man sich in Tennessee nicht aufhalsen wollte.

Memphis' Entscheidung, Gasol abzugeben, kommt nicht von ungefähr: Bereits zuvor wurde Damon Stoudamire (Foto) aus seinem Vertrag freigekauft, nachdem Head Coach Marc Iavaroni seit Dezember fast ausschließlich auf seine jungen Point Guards (Kyle Lowry, Mike Conley jr.) gesetzt hatte. Gasols Abgang dürfte ebenso mehr Spielzeit für die jungen Spieler (Rudy Gay, Hakim Warrick etc.) bedeuten. Es ist kein Zufall, dass Power Forward Stromile Swift bereits nach New Jersey getradet worden ist, und es ist nicht auszuschließen, dass weitere Trades (Juan Carlos Navarro, Darko Milicic, Mike Miller) folgen werden.

Chris Wallace hat einen guten Grund, sich teure Verträge vom Hals zu schaffen, denn Memphis' sportliche Perspektive rechtfertigt es nicht, eine hohe Payroll mit sich herumzuschleppen. Schaut man hinter die Kulissen, kommt außerdem noch der Verdacht auf, dass Wallace quasi ein "Auftragstäter" war: angewiesen vom Teambesitzer Michael Heisley, die Ausgaben zu verringern. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass es Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Grizzlies gibt; selbst ihr Verbleib in Memphis ist alles andere als gesichert. Die Parole heißt deshalb "Sparen!", und diese Taktik wird durch den Gasol-Trade vollends unterstützt.

Die Kritik am Grizzlies-Management ist folglich überzogen - überzogen, aber nicht unangebracht, denn Memphis' Strategie hat gleich zwei Haken: Zum einen dürfte auch der größte Spielraum unterm Salary Cap nicht dafür sorgen, dass sich die führenden Free Agents darum reißen werden, nach Tennessee zu ziehen und für die Grizzlies zu spielen. Zum anderen ist die Teamzusammenstellung problematisch: Der Kader schreit förmlich nach einem dominanten Bigman, und einen solchen bekommt man gewöhnlich per Draft. Allerdings drohen die kommenden zwei Drafts keinen Lowpost-Spieler hervorzubringen, der besser als Gasol ist. Stattdessen wird es allerhand gute Guards und Forwards geben, doch auf den kleinen Positionen sind die Grizzlies bereits ausgesprochen talentiert besetzt.

Im schlimmsten Fall werden die ganzen Draftpicks, die die Grizzlies gesammelt haben, also zu weiteren Trades führen - aber im Traden ist man in Memphis ja inzwischen routiniert.



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von Crossover 30.05.2012 um 10:49:56


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