Homosexualität im Profisport

Ein Schritt zu mehr Toleranz

Von Manuel Baraniak
 17.05.2011 |

Rick Welts ist homosexuell. Der Präsident und Geschäftsführer der Phoenix Suns hat sich an die New York Times gewandt und sich öffentlich geoutet. Und doch mag jenes Coming-Out weit weniger Schlagzeilen verbreiten, als es noch John Amaechis (Foto oben) öffentliche Stellungnahme anno 2007 getan hat.

Gründe mögen hierfür sein, dass der Name Welts weit weniger bekannt ist, es sich nicht um einen Spieler, sondern nur um einen Funktionär handelt, dass in engen Kreisen die Homosexualität Welts schon bekannt war oder, darüber lässt sich streiten, die NBA-Welt nach vier Jahren womöglich auch toleranter geworden ist.

Und doch sollte Welts Schritt als beispielhaft angesehen werden, erscheint gerade der Leistungssport, egal ob auf aktiver oder Funktionärs-Ebene, innerhalb der Gesellschaft noch immer als ein System, das von Attributen wie Leistungsfähigkeit, Dominanz, Durchsetzungsvermögen und Stärke geprägt ist und infolgedessen immer noch einer Stereotypisierung unterliegt, bei der die Homosexualität als Schwäche erscheint.

In einem Gespräch mit The Associated Press verriet Welts seine Beweggründe für sein öffentliches Coming-Out: „Ein [Grund] war, ein Gespräch über das Thema anzuregen, welches in unserem Geschäft nicht diskutiert wird. Der andere [Grund] war, [eine Chance zu ergreifen] etwas Gutes für Menschen, junge Leute, zu tun, die mit ihren eigenen Problemen ringen und sich fragen, ob sie ihren Leidenschaften nachgehen können oder nicht und sie eine Chance auf eine erfolgreiche Karriere haben – egal ob es ein Mannschaftssport oder etwas anderes ist.“

Man mag erahnen, dass auch nach Amaechis Coming-Out Homosexualität immer noch ein Thema im Sport ist, das weitesgehend unbeachtet wird, da es für viele Leute womöglich ein unangenehmes Thema ist, über das nicht gerne gesprochen wird – was auch einige Kommentare von Spielern nach Amachies Bekanntgabe dessen Homosexualität andeuten. Der ehemalige NBA-Akteur weiß nur zu gut, welch Tabuisierung mit Homosexualität im Profisport einhergeht – für ihn aber gerade ein Grund, darüber zu sprechen. Amaechi veröffentlichte eine Autobiographie mit dem Titel „Man in the Middle“ und tritt immer wieder in der Öffentlichkeit auf, um über seine Erfahrungen zu sprechen. So auch im letzten Jahr im Aktuellen Sportstudio:



Auch Welts ist sich bewusst, dass der Spitzensport im Vergleich zu anderen Bereichen der Gesellschaft der Toleranz gegenüber Homosexualität noch hinterher hinkt. Vor allem für Spieler scheint es schwierig bis kaum möglich, während ihrer aktiven Karriere ein Coming-Out zu geben: „Ich denke, Spieler haben eine viel kürzere Karriere, und ihre Verträge stehen auf dem Spiel. Es gibt niemanden, der vor ihnen das getan hat, um zu wissen, ob es sich wirklich auszahlt. Es ist vor allen Dingen die Angst vor dem Unbekannten. [...] Es braucht Zeit.“

Rick Welts ist seit 1969 in der NBA tätig. Angefangen als Balljunge bei den Seattle Supersonics, arbeitete Welts ingesamt zehn Jahre für die Sonics in verschiedenen Bereichen (u.a. als Pressesprecher). Von 1982 bis 1999 war er für die Liga in verschiedenen Ämtern, wie als geschäftsführender Vizepräsident oder Vertriebsleiter, tätig. Dabei zeichnete er für die Einführung des All-Star Wochenendes und das Konzept des Dream Teams der US-amerikanischen Nationalmannschaft verantwortlich. Seit 2002 ist Welts Präsident und Geschäftsführer der Phoenix Suns.



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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von Clodewich 17.05.11 um 15:19:14


es ist schon bezeichnend, dass ein solch "normales" Thema noch immer wie ein heißes Eisen angefasst wird. Ich finde es vollkommen in Ordnung, dass sich Welts geoutet hat, auch wenn das Outing eines aktiven Spielers sicher noch mehr bewirken würde. Und diese Spieler gibt es ganz bestimmt. Trotzdem sollte das jeder selber entscheiden und niemand gedrängt werden, als ein Vorreiter dazustehen und am Ende nur noch auf das eine Thema angesprochen zu werden.



von florian.li 17.05.11 um 16:12:04


Hier ist Rick Welts nach seinem Coming Out bei Bill Simmons zu Gast: [espn.go.com] Interessantes Gespräch.



von oxymoron (x-over) 25.05.11 um 20:44:31


Auch ganz interessant: [sports.espn.go.com]



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