Die Geschichte des Monta Ellis
Von Björn Lehmkühler |
26.11.2006 | |
Im Frühjahr 2005 sah die Welt für Monta Ellis perfekt aus. Im letzten Highschool-Jahrgang, der ohne College-Erfahrung den direkten Weg in die NBA nehmen konnte, galt er als einer der besten Spieler des Landes (Scout.com: #3). Für das ?Parade Magazine" war Ellis sogar der beste Senior der USA und auch im angesehenen Reebok-ABCD-Camp konnte er als Co-MVP überzeugen. Folglich sprachen viele Gründe dafür, nicht den Umweg über die Mississippi State University zu wählen, sondern direkt von der Lanier Highschool in Jackson, Mississippi, in die beste Liga der Welt zu wechseln. Dabei war allen klar: Dem 1,91-Meter-Guard kann zwar in Sachen Scoring kein Highschooler das Wasser reichen (38,4 PpG als Senior), doch wo sind die Point-Guard-Skills, die die NBA-Coaches von einem Spieler seiner Größe erwarten?
Dennoch: Ellis war nicht zu beirren und engagierte einen Agenten, womit sein Entschluss endgültig war. Laut eigener Aussage, hatte Ellis eine feste Zusage in der ersten Runde vorliegen, woraufhin er einige Workouts mit Teams in der späten ersten Runde absagte. Die Workouts, die Ellis bestritt, waren anwesenden Scouts zu Folge teilweise ?underwhelming", sprich unterirdisch. Das könnte vielleicht das Team, welches ihm angeblich die ?feste Zusage" gegeben hatte, nachdenklich gestimmt haben. Vielleicht waren es aber auch die lauter werdenden Stimmen, die Kritik an seinem Charakter übten. Oder es waren die Resultate des so genannten ?Combines", dem Athletik-Test vor dem Draft, in dem Ellis nur 80 cm hoch sprang und sich langsamer seitwärts bewegte, als alle anderen Erstrunden-Kandidaten (inklusive Martynas Andriuskevicius). Die Denver Nuggets geben heute die Befürchtungen einer Verletzung seines operierten Knies als Grund an, warum man ihm Julius Hodge, Linas Kleiza und Ricky Sanchez vorzog. Das Ergebnis war jedenfalls, dass 39 Spieler vor Ellis gezogen wurden, bevor ihn die Golden State Warriors an Nummer 40 endlich erlösten. Mangelnde Spielmacher-Fähigkeiten, ein schlechter Ruf, miese Combine-Resultate und Knieprobleme - trotz seines unübersehbaren Talents, wollte keine Franchise dieses Risiko eingehen.
25. November 2006, 17 Monate später: Monta Ellis verlässt zufrieden den Court der Warriors. Seine Statistiken: 21 Punkte, sechs Assists und fünf Rebounds. Das alles in ganzen 44 Minuten Spielzeit und gegen das zurzeit beste Team der Liga, die Utah Jazz, die gegen Golden State erst ihre zweite Niederlage der Saison kassierten. Und Ellis spielte nicht auf der ?Off-Guard"-Position, sondern ? aufgrund des Ausfalls von Baron Davis ? durchgängig auf der ?Eins". Monta Ellis ist in der Liga angekommen! Denn was für einen 21-jährigen Nummer-40-Pick außergewöhnlich wäre, ist für Monta Ellis bereits zur Normalität geworden. In den ersten 14 Partien stand er durchschnittlich 33,9 Minuten auf dem Spielfeld, neun Mal sogar von Beginn an. 17,6 PpG und 4,7 ApG stehen dabei auf seinem Konto, das alles bei einer hervorragenden Quote von 47,7 % aus dem Feld. Zweimal in Folge konnte die Nummer acht der Warriors sogar schon 31 Punkte auflegen. Damit ist Ellis der drittbeste Scorer seines Draft-Jahrgangs, nur 0,7 PpG hinter den All-Star-Kandidaten Chris Paul und Deron Williams.
Nun offenbart Ellis alle jene Fähigkeiten, die ihn an der Highschool zu einem Ausnahmetalent machten: Die Fähigkeit seinen eigenen Wurf zu kreieren, einen sicheren Jumper aus dem Dribbling und auch von jenseits der Dreierlinie, ein pfeilschneller erster Schritt und vor allem ein außergewöhnliches Scoring-Gefühl. Gerade seine Schnelligkeit und Athletik, die er im Nelsonschen ?Uptempo-Style" perfekt nutzen kann, unterstützen die These, dass er den ?Combine" angeschlagen bestreiten musste. Auch charakterliche Probleme oder Kniebeschwerden scheinen nicht gegeben zu sein und dass er die Point-Guard-Position immer besser ausfüllen kann, beweist Monta Ellis in Abwesenheit von Baron Davis Nacht für Nacht.
Obwohl Ellis seine solide Rookie-Saison (6,8 PpG in 18,9 MpG) bereits mit 14,3 PpG in den letzten sieben Spielen und einer 26-Punkte-Leistung im Saisonfinale gegen ? aufgepasst! ? Utah beendete, ist der Sophomore definitiv eine der größten Überraschungen der noch jungen Saison und ein Geheimtipp im MIP-Rennen.




von Crossover 30.05.2012 um 10:49:21
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