Portland Trail Blazers

Dead-End City

Die Portland Trail Blazers sind arg vom Verletzungspech gebeutelt. Nach dem Ausfall diverser wichtiger Spieler ist es am verbliebenen Kader, das Saisonziel zu erreichen - doch wie soll dieses eigentlich lauten?

Von Christian Neumann
 29.12.2009 |

In der NBA gibt es zwei grobe Richtungen, die man als Franchise einschlagen kann: entweder den Weg zum Erfolg, indem man ein gutes Team aufbaut und es zur Not durch weitere Investitionen verstärkt, um ganz oben mitzuspielen, oder den Neuaufbau, bei dem man nach Möglichkeit alle teuren Spieler abgibt, junge Talente sammelt und seinen Salary Cap flexibel gestaltet, um mittelfristig wieder den Weg zur Championship zu betreten. Alles dazwischen ist nichts Halbes und nichts Ganzes; wer im Mittelmaß festhängt, braucht oft Jahre, um wieder eine klare Richtung erkennen zu lassen.

Was soll man aber tun, wenn man eigentlich alles vorzuweisen hat, was einen Meisterschaftskandidaten auszeichnet, aber durch diverse Verletzungen zurückgeworfen wird? Das ist die Situation der Portland Trail Blazers, denen mit Greg Oden, Joel Przybilla, Travis Outlaw, Nicolas Batum und Rudy Fernandez gleich fünf Leistungsträger langfristig fehlen, im Fall der beiden Center Oden und Przybilla sogar die gesamte aktuelle Saison. Zwei weitere Akteure - die Rookies Jeff Pendergraph und Patrick Mills - haben erst seit kurzer Zeit ins Spielgeschehen eingegriffen bzw. stehen kurz davor.

Die Personallage in Oregon ist derart angespannt, dass die Blazers bei der NBA erfolgreich eine "hardship exception" beantragt haben, die es ihnen erlaubt, die eigentliche Höchstgrenze zu überschreiten und einen 16. Spieler unter Vertrag zu nehmen. Nur: Ein wirklich Guter ist auf diesem Wege nicht zu bekommen, und so muss Head Coach Nate McMillan sich mit den Profis begnügen, die ihm nunmal zur Verfügung stehen, darunter All-Star-Guard Brandon Roy und Power Forward LaMarcus Aldridge, beides zentrale Figuren des Teams.

An dem Punkt setzt jedoch Portlands nächstes Problem an: Die Blazers sind selbst nach all den Ausfällen immer noch zu erfolgreich, um genügend Niederlagen für einen Sturz in den Tabellenkeller und eine bessere Chance auf einen hohen Draftpick einzufahren. Sie müssten schon mit Absicht verlieren oder ihre Stars pausieren lassen, doch diese Taktik widerspricht der Mentalität aller Beteiligten, die schließlich diese Saison zum erweiterten Titelkreis zählen wollten. Außerdem: Hat es überhaupt Sinn, die Strategie auf einen weiteren talentierten Rookie auszurichten? Immerhin haben die Blazers bereits einen der jüngsten und talentiertesten Kader der NBA sowie - in Bestbesetzung - reichlich Schwierigkeiten beim Verteilen der verfügbaren Spielzeit.

Folglich steckt man in Portland in einer Sackgasse: für die Draft-Lottery zu gut, für die Meisterschaft zu schlecht, kann man sich mit den verbliebenen Kräften eigentlich nur irgendwie durch die Saison schleppen und dabei gewinnen, was an Spielen zu gewinnen ist. Mit etwas Glück wird man am Ende sogar in die Playoffs einziehen, wo dann jedoch gegen das erst- oder zweitgesetzte West-Team ein schnelles Erstrundenaus wahrscheinlich ist. Ansonsten bleibt nur die Aussicht auf die kommende Saison, wenn alle derzeit Verletzten wieder zur Verfügung stehen sollen, um dann hoffentlich ihrem Potential entsprechend abzuschneiden - wenn auch mit einem Jahr Verspätung.



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Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von Dickson 30.12.09 um 12:18:42


Vielleicht können die blazers ja kurz vor ende der trading deadline einen deal einfädeln, der für miller einen hohen draftpick (john wall) bringt...



von DeShawn_Lübbenson 31.12.09 um 13:30:35


@dickson:

ein sehr wahrscheinliches szenario. welches lotteryteam würde denn nicht seinen erstrunden (und somit möglichen no.1 pick) gegen andre miller eintauschen?

jenseits der 30, überbezahlt, kein star sondern nur ein sehr guter rollenspieler und bei seinem derzeitigen team eigentlich nicht benötigt - für sowas setzt man doch gerne seine zukunft als franchise aufs spiel.

im ernst, den trail blazers bleibt (wie im artikel beschrieben) nichts anderes zu tun, als die saison zuende zu spielen und dabei am besten den ganzen jungen spielern mehr spielzeit zu geben. Gerade in der crunchtime sollte häufiger über bayless oder webster gespielt werden, als über roy, um ihren reifeprozess zu beschleunigen.



von thetruth 01.01.10 um 23:07:16


Portland ist momentan (heute) an 6. Stelle der Western Conference und konnte genau zwei Drittel seiner bisherigen Spiele gewinnen, außerdem 7 der letzten 10, ich denke also, dass ihre Situation nicht soo schlecht ist, immerhin sind sie auch nach dem Verlust ihrer Leistungsträger nicht wirklich in ein Loch gefallen oder so.



von franz 07.01.10 um 21:37:10


Ich hab mir mit Freuden einige Spiele der Blazers angeschaut und finde es berauschend, wie erfolgreich sie mit dem dezimierten Kader noch spielen. Und hierbei hatte ich meine größte Freude: [youtube.com]

Aber das von dir beschriebene Phänomen sehe ich auch. Es ist irgendwie pervers, dass es nur diese beiden Wege gibt. Ich sehe aber auch keinen Ausweg.



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