Blake Griffin

Der Clippers-Fluch

Die neue NBA-Saison ist im vollen Gange. Viele Rookies gewöhnen sich gerade an das hohe Niveau der Liga und präsentieren sich in unterschiedlichsten Formen. Jedoch gibt es da auch jene Liganeulinge, die bisher überhaupt nicht zum Einsatz kamen, wie der Nummer-eins-Pick und vermeintliche Heilsbringer der Los Angeles Clippers, Blake Griffin.

Von Dennis Klammer
 02.12.2009 |

Willkommen im Club

Rückblick: Vor der Preseason verkündete Blake Griffin (Foto), auf den viel beschriebenen „Clippers-Fluch“ angesprochen, Folgendes: „Das ist alles in der Vergangenheit passiert. Schnee von gestern. Niemand kann daran jetzt noch etwas ändern. Aber wenn ich jetzt zu den Clippers stoße, dreht sich alles nur um die Zukunft. Ich will keinen auf den Schlips treten, aber es interessiert mich nicht, was in den letzten 15 bis 20 Jahren passiert ist.“

Heute: Blake Griffin ist ein Clipper. Zumindest auf dem Papier. Denn spielen kann er noch nicht. Die Diagnose vor dem ersten Spieltag: Stressfraktur in der linken Kniescheibe, mindestens sechs Wochen Pause. Ernüchterung dürfte sich beim Naismith-Award-Träger 2008/09 für den besten College-Akteur breit machen. Ist er nun Mitglied der Clippers-Familie, die ihm als Begrüßungsgeschenk ihren Fluch auferlegt haben? Es sieht ganz so aus – herzlich Willkommen!

Wenn man einen Blick auf die Vergangenheit der Franchise wirft, wird einem das Ausmaß des Fluches schlagartig bewusst. Es kommen einem Namen wie der Draft-Fehlgriff schlechthin, Michael Olowokandi (1. Draft-Pick 1998), in den Kopf. Oder Elton Brands Achillessehne. Ein weiteres, gern angeführtes Beispiel: das Video von Shaun Livingstons linkem Knie, wie es vergeblich versucht, der Schwerkraft zu trotzen. Oder auch die Verletzungsmisere der vergangenen Saison. Marcus Camby (Foto), Chris Kaman und Baron Davis hatten dabei zusammen 87 Spiele verpasst.

Déjà-vu

Und nun das Knie von Blake Griffin. Im College war Griffin ein gefeierter Held. Er erhielt diverse Auszeichnungen für seine herausragenden Leistungen, darunter den Associated Press und den John Wooden-Award. Die Clippers setzten all ihre Hoffnungen auf den Power Forward, schenkten ihm ihr Vertrauen und zogen ihn an erster Stelle. Er selber freute sich augenscheinlich, nach Los Angeles zu ziehen. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, ein Clipper zu werden“. In der Preseason zeigte er, dass die an ihn gestellten Erwartungen nicht zu hoch gegriffen sind. Der ehemalige Sooner lieferte knapp 14 Punkte und acht Rebounds bei einer Feldwurfquote von 57 Prozent. Das machte Lust auf mehr in Hollywood.



Der Vergleich zu einem anderen ehemaligen Nummer-eins-Pick der Clippers ist allzu offensichtlich: Danny Manning (Foto). Der College-Champion von 1988 galt als athletischer Power Forward, der mit körperbetontem Spiel in der gegnerischen Zone dominiert und für Aufregung gesorgt hatte. Bestes Beispiel: das Finale des NCAA-Turniers 1988. Manning überragte mit 31 Punkten, 18 Rebounds, fünf Steals und zwei Blocks. Auch damals wurden alle Hoffnungen auf Manning gesetzt, der aber bereits nach 26 Spielen dem Clippers-Fluch zum Opfer gefallen war: Kniescheibe kaputt, fortan ein gern gesehener Gast in den Zuschauerrängen bis zum Ende der Saison. Anschließend wurde er nie der Topathlet, der er noch zu seiner College-Zeit in Kansas gewesen war. Ein böses Omen?

Gegensätze ziehen sich an

Vielleicht. Vielleicht hat es nicht sollen sein. Griffin passt von seiner Art her eh nicht zu den Clippers. Seine Arbeitseinstellung ist außerordentlich vorbildlich, er arbeitet (zu) viel an seinem Spiel und ist ständig gewillt, sich zu verbessern. Sein soziales Umfeld sorgte bereits früh dafür, dass er nicht auf die schiefe Bahn, lies: an geldgierige Agenten geriet. Einzig seine Eltern, sein Bruder Taylor und sein Sooners-Coach Jeff Capel waren die Personen, denen er vertraute. Wenn jemand Kontakt zu Blake suchte, musste er erst an seinem größeren bzw. kleineren Bruder Taylor oder Coach Capel vorbei. „Meine Leute um mich herum wissen, was das Beste für mich ist“, betont das Talent. Auch sein ehemaliger Coach ist sich dessen sicher. „Ich weiß, wie das alles läuft. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich in Acht nehmen vor neuen Freunden und das nehmen sie sehr ernst. Seine Eltern sind großartig und zeigen einen starken Charakter. Ich bin davon überzeugt, dass sie das Richtige tun“.

Und nun landet der wohlbehütete Starspieler bei den Clippers, dem Team, das das Wort „Teamchemie“ nur aus Erzählungen kennt. Der Coach und General Manager in Personalunion, Mike Dunleavy Sr., ist bekannt für eine äußerst strenge und wirre Regentschaft. Dies sorgte schon des Öfteren für Probleme im Team, allen voran mit Baron Davis (Foto). Der Aufbau liebt das flexible Spiel, forciert gerne Aktionen aus dem Spiel und Bauch heraus. Dunleavy nicht. Auch der andere Davis, Ricky, ist kein Kind von Unschuld. Keine guten Voraussetzungen für die Aufzucht eines vielversprechenden Jünglings.

Doch die Ankunft des Gewinners des „McDonald's All-American Dunk Contest 2007“ ließ die Clippers zusammenraufen und versprühte Hoffnung unter allen Beteiligten. In freudiger Erwartung wurden die Querulanten Zach Randolph und Quentin Richardson vor der Saison aussortiert, um das Frischobst nicht zu verderben. Hochmotiviert legten die Clippers los wie die Feuerwehr, trotz der Verletzung ihres vermeintlich zukünftigen Stars. Bisher stehen sie mit einer Bilanz von acht Siegen bei zehn Niederlagen zwar nicht in den Playoff-Rängen, die sie sich selbst als Ziel gesetzt haben, doch die Saison ist ja noch lang.

Ein Blick in die Kristallkugel

Wenn Griffin wieder gesund ist, wird man sehen, inwiefern sich sein Wesen mit dem der restlichen Clippers vereinbaren lässt und ob die Playoffs erreichbar sind. Mit Kaman und Camby hat er starke Konkurrenz unter den Körben, auch DeAndre Jordan sollte sich weiterentwickeln. Er selber gibt sich zurückhaltend zuversichtlich: „An alle Fans: Bleibt stark, glaubt an uns. Ich bin mir sicher, dass wir das Ding noch drehen können.“

Voraussichtlich wird Griffin die Rolle als sechster Mann einnehmen; laut eigenen Aussagen wäre er mit dieser Rolle sehr zufrieden. Es ist seine Bescheidenheit, die ihn auch zu einer starken Persönlichkeit macht. Mit den anderen Jungspunden Eric Gordon (Foto), Al Thornton und Jordan bildet Griffin die Zukunft der leidgeplagten Franchise aus Los Angeles. Hoffentlich. Bleibt abzuwarten, ob er an seine alte Athletik und Spielstärke anknüpfen und in der Liga bestehen kann. Auch wenn der Auftakt kein guter war, vielleicht kann der Clippers-Fluch nach der Genesung Griffins durchbrochen werden. Der gemeinen Clippers-Welt samt Fans wäre es zu wünschen.




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Kommentare

(10 Kommentare bisher)

von xax 02.12.09 um 13:18:01


@ autor
"Wenn man einen Blick auf die Vergangenheit der Franchise wirft, wird einem das Ausmaß des Fluches schlagartig bewusst. Es kommen einem Namen wie der Draft-Fehlgriff schlechthin, Michael Olowokandi (1. Draft-Pick 1998), in den Kopf." Das hat aber mit dem "Fluch" nichts zu tun, sondern war einfach eine schlechte Personalentscheidung und da gab es ja bei den Clips einige zu bestaunen.

Ansonsten ist der Artikel sehr schön geworden, schön auch mal was über "kleinere" Teams zu lesen.
super war der vergleich mit manning (den hatte ich schon fast wieder vergessen)



von mkay 02.12.09 um 13:32:11


@ xax: da hast du schon Recht. Es soll nur darauf verwiesen werden, dass der Fluch allumfassend ist. Sobald den Clipps etwas Gutes wiederfährt, passiert etwas Schlechtes (Gut: 1. Pick; schlecht: Verletzung oder totale Fehlentwicklung (Olo, Manning, Griffin. Top: Davis nach LA., Flop: Brand weg) usw.
Danke :)



von EvgenyF 02.12.09 um 14:38:16


sterling hat die gesammte mannschaft verflucht.
am besten stirbt er und die clippers siedeln nach seattle um.

das mit dem rookie award hat sich dann für griffin geklärt.



von basketballfan 02.12.09 um 15:35:09


naja jemanden den Tod zu wünschen, finde ich ziemlich grenzwertig, auch wenn Sterling ein sehr umstrittener Mann bzw Persönlichkeit ist!



von justuskoch 02.12.09 um 20:38:07


@ autor
"Wenn man einen Blick auf die Vergangenheit der Franchise wirft, wird einem das Ausmaß des Fluches schlagartig bewusst. Es kommen einem Namen wie der Draft-Fehlgriff schlechthin, Michael Olowokandi (1. Draft-Pick 1998), in den Kopf." Das hat aber mit dem "Fluch" nichts zu tun, sondern war einfach eine schlechte Personalentscheidung und da gab es ja bei den Clips einige zu bestaunen."



von justuskoch 02.12.09 um 20:54:16


oO wo ist der rest meines kommentars?^^



von Manu Ginobili 03.12.09 um 15:51:43


Wer gutes tut dem wiederfährt gutes, wer schlechtes tut dem wiederfährt schlechtes. Wenn Sterling der Hundesohn nicht endlich die Clips abgibt, werden die niemals die Playoffs erreichen, da können sie noch so viele Picks haben wie sie wollen.
Es gibt zwar keine Quelle die das behauptet, aber ich denke Brand und MAggette sind auch wegen Sterling abgehauen, denn sportlich lief es ja halbwegs und mit davis wäre einiges möglich gewesen.



von Manu Ginobili 03.12.09 um 15:52:08


Wer gutes tut dem wiederfährt gutes, wer schlechtes tut dem wiederfährt schlechtes. Wenn Sterling der Hundesohn nicht endlich die Clips abgibt, werden die niemals die Playoffs erreichen, da können sie noch so viele Picks haben wie sie wollen.
Es gibt zwar keine Quelle die das behauptet, aber ich denke Brand ist auch wegen Sterling abgehauen, denn sportlich lief es ja halbwegs und mit davis wäre einiges möglich gewesen.



von slartibartfas 04.12.09 um 14:20:03


Danke, Dennis!



von step 16.07.10 um 22:25:47


Nachdem der "Fluch von Wembley" kürzlich in Bloemfontain aufgehoben wurde, dürfen die Clippers wieder Ihre Gesichter hoffnungsfroh aus dem Staub erheben, wo sie beerdigt wurden angesichts unseres ausgelassenen Gelächters über die Lebron-Trade-Spekulationen. Herr erlöse uns von Don "Evil" Sterling, Amen!

The Heat is on ...



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