Ben Gordon
Bankspieler, Mikrowelle, Team-MVP
Über einen Spieler, der nach Startschwierigkeiten zum Go-to-Guy der Chicago Bulls wurde.
Von Harald Mainka |
11.08.2005 | |
Es sind Tage wie dieser, die Ben Gordon verzweifeln lassen. Die Tage, die ihn zermürben wie ein Reibeisen die Kartoffeln. Wenn alle nur auf einen schauen und man mit lauten Buhrufen aus der Halle verabschiedet wird. Tage, an denen die Nr. 7 der Chicago Bulls, das Trikot, das schon Spieler wie zum Beispiel Toni Kukoc getragen haben, vergisst, wie man Basketball auf allerhöchstem Niveau zu spielen hat.
Wir schreiben den 5. November 2004, als ?Gentle Ben? so hochkantig aus der Starting Five der Chicago Bulls fliegt wie ein ?Kerzenschuss? beim Fußball. Seine Stats nach diesem Abend, seinem ersten in der NBA, sind, milde ausgedrückt, schrecklich. Sechs Würfe genommen, null Würfe getroffen. Als Gordon nach sieben Minuten schon drei Würfe probiert, aber noch immer nicht seinen Rhythmus gefunden hat, nimmt Scott Skiles, Coach der Bulls, den kleinen Guard aus dem Spiel. ?Es war grauenhaft?, gesteht Gordon nach dem Spiel gegen die New Jersey Nets, das mit 106:111 in die Hose geht. ?Ich weiß, das kann ich besser. Aber die Saison ist noch lang und auch ich werde mich steigern?, sagt der kleine 1,91-Meter-Mann.
Doch die Führung der Bulls ist beunruhigt. Diese war felsenfest davon überzeugt, dass der Combo-Guard, der zuvor auf dem College zusammen mit Emeka Okafor (Charlotte Bobcats) die UConn Huskies zur NCAA-Championship geführt hatte, der richtige Pick in eine bessere Zukunft gewesen wäre. So oft waren sie bei vorangegangenen Drafts schon enttäuscht worden, so oft waren sie schon blind gewesen auf der Suche nach ?The Next Jordan?. Gordon sollte mit Luol Deng, der von den Suns an Nummer 7 gedraftet und für einen Future-Draft-Pick, die Rechte an Jackson Vroman (31. Wahl) und Geld nach Chicago transferiert wurde, und Kirk Hinrich der Eckpfeiler einer neuen, besseren Bulls-Zukunft sein. Wie schon andere Spieler vor ihm, die jedoch am Druck zerbrachen und nie das erfüllen konnten, was die Führung um General Manager Jim Paxson und Head Coach Scott Skiles von ihnen erwarteten.
Beispiele gefällig? Marcus Fizer, an Nummer 4 des Drafts 2000 gewählt, war als zukünftiger Star verschrien worden, wurde aber mit der Zeit immer schlechter und verletzungsanfälliger und drückt nun in Milwaukee die Bank. Oder Jay Williams, Pick Nummer 2 des 2002er-Drafts, spielte bisher unter seinen Möglichkeiten und kann aufgrund eines Motorradunfalls vielleicht nie mehr das NBA-Parkett betreten. Jetzt kam der Nummer-3-Pick von 2004. Ben sollte anders sein, sollte in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen und sein Team(die Bulls) zum Sieg führen. Bedenken, er wäre zu klein für die Liga der Großen, hatte man überhört.
Startschwierigkeiten
Doch die Kritiker des kleinen Mannes liegen zunächst in Front; in den ersten neun Spielen hagelt es Niederlagen, Klatschen gegen die Clippers und Warriors inklusive. Doch als es am 24. November zum ersten Sieg der Saison für die Bulls kommt, heißt der Topscorer: Ben Gordon. ?Er ist ein großartiger Spieler, wir wussten, was er kann. Am Anfang der Saison hatte ich noch Bedenken, jetzt bin ich beruhigt.?, wird Scott Skiles, Head Coach der Bulls, nach dem Spiel sagen. Jetzt sind alle begeistert von der Nr.7, die am Anfang noch stark geschunden wurde. Doch erst jetzt kommt der kleine Guard so richtig in Fahrt. In den nächsten zwei Monaten führt er die Bulls als Rookie in eine 22:10-Serie, achtmal ist er der Topscorer- und das als Sixth Man! Zehn Mal kann er im vierten Viertel zweistellig scoren, was ihn zur Nummer eins in der Liga macht. ?Ben ist für uns unheimlich wichtig?, sagt Tyson Chandler, der ebenfalls von der Bank kommt. ?Er bringt die nötige Power von der Bank, und in der Crunchtime nimmt er sich einfach den Ball und trifft.? Nach tagelanger Kritik für den Combo- Guard, der bei seinen Kritikern für die Zwei als zu klein gilt und nicht die Mentalität eines Point Guards zu besitzen scheint, gab es dann doch viel Lob, das er sich auch redlich verdient hatte. Nach einem holprigen Start in seine erste NBA-Saison kam der Körper von Ben immer besser auf Betriebstemperatur, was sich zudem auch auf die Siegesbilanz der Bulls auswirkte.
Als Gordon dann richtig in Form war, wurde er endgültig zu einem der Eckpfeiler und wichtigsten Spieler des sechsmaligen NBA-Champions. ?Er ist für uns unersetzlich?, meint Bulls-Center Eddy Curry. ?Er ist unser MVP!? Nun ja, vielleicht scheint die Aussage von Curry etwas übertrieben, schließlich ist Hinrich genauso wichtig für die Bulls, jedoch gewinnt die Aussage durchaus an Boden, wenn man sich einmal anschaut, wie die Bulls spielen, wenn sie hinten liegen. Wenn was geht, dann über Gordon. Der Head Coach ruft ihn, er zieht seine Trainingsshorts aus, zupft sich noch mal das Trikot zurecht, und ab geht die Aufholjagd. Seine Qualitäten in der Crunch Time haben sich rumgesprochen, man sagt sich, es erinnere ein wenig an Robert Horry, wenn der kleine Ben in der Crunch Time die Plays mit seinen Würfen von draußen beendet und man nur noch das Netz zischen hört.
Bankspieler: Warum?
Doch warum ist er nur Bankspieler? Wenn er doch in der Crunch Time für die Bulls so wichtig ist wie die Tomatensauce bei der Spaghetti Bolognese. Ganz einfach zu erklären, meint Scott Skiles: ?Er ist zu schlecht in der Defense.? Und hier hat der Head Coach gar nicht mal so Unrecht. Er antizipiert kaum, kann niemals erschließen, welcher Spieler wann einen Block gestellt bekommt, sodass er immer zu spät wieder an seinem Mann ist. ?Wenn ich von Anfang an spielen möchte, muss ich in der Defense besser werden. Daran arbeite ich.? Noch dazu kommt, dass ein Team auch die nötige Power von der Bank braucht, um eine erfolgreiche Regular und später dann auch Postseason spielen zu können. Die bringt der ?Gentle Ben? in jedem Falle.
In der Trainingshalle der Bulls braucht er im Gegensatz zur Defense nicht an seiner Offense zu arbeiten, dem Prunkstück seines Games. Eine gute Übersicht, dazu eine Athletik, von der mancher NBA-Spieler nur träumen dürfte und ein gnadenloser Schuss von Downtown machen ihn zu einem nahezu fast perfekten Offense-Player. Das er mit 1,91 Metern auch noch dunken kann, ist sensationell. ?Er hat schon Dunkings über so einige gute Spieler gezogen, das sah schon klasse aus?, bestätigt Mannschaftskollege Tyson Chandler. Aus dem Stand springt er fast einen Meter hoch. Seine 15 Punkte in knapp 24 Minuten, die er in seiner Rookie-Saison 2004/2005 gemacht hat und damit der elftbeste Scorer auf 48 Minuten (29,6 Punkte) war, unterstreichen seine unglaublichen Skills in der Offense. Seine Trefferquoten liegen mit 41% aus dem Feld und 40% von der 3er-Linie mehr als nur im Durchschnitt denen eines heutigen Shooting-Guards.
?Microwave?
Dass er auf dem Feld ziemlich schnell ziemlich heiß wird und innerhalb kürzester Zeit seine Jumpshots versenkt, ist bei ihm schon genauso Standard wie eine Viereinhalb-Millionen-Arbeitslosenzahl in Deutschland. Wenn er reinkommt, läuft alles über ihn, sodass es schon zur Regel geworden ist, dass Ben den nächsten Wurf des ersten Plays nach seiner Einwechslung nehmen darf. ?Er läuft halt schneller heiß als eine Mikrowelle?, lacht Gordons Teamkollege Kirk Hinrich, der als Point Guard die nahezu ideale Ergänzung zu Gordon darstellt, da auch der junge Hinrich, der in der nächsten Saison sein drittes Profijahr bestreitet, einer von der Sorte Point Guard ist, die zuerst den Mitspieler und dann die Gelegenheit für den eigenen Schuss suchen.
Mikrowelle? Genau, Vinnie Johnson war auch so einer, der als Sixth Man Ende der 80er Jahre für sein Team aus der Autostadt das Parkett betrat und sofort seinen Rhythmus fand. Aufgrund dieses Könnens taufte man ihn bei den Pistons aus Detroit auf den Namen ?Microwave?. Gordon könnte seine Reinkarnation sein.
Dass er sich in der Crunch Time den Ball einfach an die Hände klebt und ihn dann erst wieder abgibt, wenn sein Team in Führung liegt, nimmt man ihm in der Windy City nicht allzu übel. Er ist Spitzenreiter in der Kategorie ?10-Punkte-plus-X-im-vierten-Vertel?, noch vor NBA-Superstars wie Kobe Bryant, Tracy McGrady oder LeBron James. Das macht ihn besonders wertvoll für die Bulls, die sich so sehr nach einem Leader, wie es ?His Airness? war, gesehnt hatten. Jetzt haben sie ihn in Person von Ben Gordon gefunden. Nach einer tollen Saison mit den Bulls, die erst in der ersten Runde der Playoffs unglücklich endete (die Bulls führten 2:0 gegen die Wizards und verloren anschließend vier Spiele in Serie, in denen ausgerechnet Gordon seinen Rhythmus verloren hatte, nur noch 31% aus dem Feld traf, nur knapp 10 Punkte pro Spiel machte und vor allem in Spiel Sechs der Serie mit 0 Punkten als Starter sich desolat von der Saison verabschiedete), fand sich der 22-jährige Gordon im NBA-Rookie First-Team zusammen mit den anderen beiden Top-Rookies Dwight Howard (Orlando Magic) und seinem Zimmerkollegen aus Connecticut, Emeka Okafor, wieder.
Bei der Wahl zum besten Neuling des Jahres 2005 wurde er Zweiter hinter seinem Freund Okafor, bei der Wahl zum besten Sechsten Mann konnte er jedoch die Trophäe vor den gestandenen NBA-Profis Ricky Davis von den Boston Celtics und dem kleinen Earl Boykins (Denver Nuggets) in die Höhe stemmen. ?Eine große Ehre für mich. In meinem ersten Jahr die erste Trophäe zu gewinnen, das ist schon toll.?, freut sich Gordon noch heute.
Was also kann man nächste Saison von dem Jungen aus New York erwarten? Wird sich Skiles umentscheiden und ihm seinen angestimmten Platz in der Line-Up der Bulls zurückgeben? Wie wird er sich in der Defense nun verhalten? Kann er sogar zum All-Star werden? ?Sicherlich, All-Star zu werden ist für jeden NBA-Spieler ein Ziel. Doch wenn ich das erreichen möchte, muss ich noch besser werden.?
Nach mäßigem Start hat es Gordon jedenfalls geschafft, sich in der besten Basketballliga dieses Planeten zu etablieren. Er zeigt der Welt, dass man trotz aller Vorurteile seinen Weg gehen kann. Auch, wenn man Startprobleme hat?



von Coranor 11.08.05 um 11:25:25
Eigentlich ein guter Artikel aber irgendwie stören da die 5 Millionen deutschen Arbeitslosen...
von k.o.c 11.08.05 um 12:29:03
ok für einen sg aus der nba ist er vtl schon ein bisschen zuklein, was mich aber n bissl genervt hat war die aussage, dass er troz 1,91 sogar dunken kann....
hey jungs ich bin 1,82 und wieg 78kg und schaff es auch zu dunken. und in der halle manchmal auch mit 2 händen....ich mein selbst mein bruder der 1,90 ist und zwar dünn aber mit sport nix am hut hat schafft es einen dunk hinzulegen....und auch wenn ben mehr dunks auf lager hat als ich (was ich auch locker zugebe), sollte dass kein wunder sein da er ja in der beste liega der welt mit einigen der besten atlethen spielen will...
aber trozdem hat mir der artikel gut gefallen ;-)
von Styler 11.08.05 um 14:22:42
Gordon ist einer der besten bangspieler der nba, ja aber er wird nie ein starter dafuer ist seine defens zu schlecht, zu schlecht. er kann da nichts. er kann eigentlich nur dreier, einw enig nervenstark ist er auch
ach ja, an seinem colege wurde er gordon der kleine genannt *lllllllllllllllloooooooooooooooooooooooooollllllllll*
von tj 11.08.05 um 15:57:02
ich fand den poser post von k.o.c besser als den artikel...just kidding
von Dre 11.08.05 um 16:43:35
finde den artikel super! den mr. gordon hatte ein paar wahnsinns spiele... wow, hat dieser kerl einen schnellen wurf, schneller als lucky luke... damn haute er die bälle gegen die bobcats (glaube ich!) rein, als er über 20 punkte im letzten viertel machte... wahnsinn dieser spieler...
von Bob 11.08.05 um 17:02:06
Guter Artikel, bis auf die eher lahmen Vergleiche wie :"Wenn er doch in der Crunch Time für die Bulls so wichtig ist wie die Tomatensauce bei der Spaghetti Bolognese." ->Geschmacksache :) "Dass er auf dem Feld ziemlich schnell ziemlich heiß wird und innerhalb kürzester Zeit seine Jumpshots versenkt, ist bei ihm schon genauso Standard wie eine Viereinhalb-Millionen-Arbeitslosenzahl in Deutschland."
Falls du Vergleiche der Art brauchst, meld dich einfach. "Wichtig wie die Schnürsenkel für den Schuh!"
War nicht ernst gemeint :). Super Artikel!!!
von Ender 12.08.05 um 15:22:33
Super Artikel!!!!
Ben Gordon ist für mich der Top-Joker der NBA.
P.S.: Ich bin 1.90 m und kann auch stopfen.
von @Ender 12.08.05 um 16:03:55
"P.S.: Ich bin 1.90 m und kann auch stopfen."
Wenn denn?
von @Ender 12.08.05 um 16:04:06
"P.S.: Ich bin 1.90 m und kann auch stopfen."
Wen denn?
von Dax 12.08.05 um 19:16:36
die kunst beim dunken, ist das man durch den "traffic jam" zu dunken. 1 gegen 0 kann sogar kidd dunken, obwohl der ne geringe Sprungkraft hat.
von fl@sh 12.08.05 um 21:38:31
eure dunkfähigkeiten könnt ihr auch wo anders klären! hier gehts um ben gordon! nur ma zur info...
meiner meinung nach ist ben der beste 6th man der liga und er wird auch trotz seiner alibi defense ein sehr guter starter werden! er wird mal ein sehr guter spieler werden!!!
von Ender 13.08.05 um 13:59:44
Ých bin deiner Meinung.
Ben Gordon ist einfach der beste 6th Man!!!!!!
von stef the chef 18.08.05 um 01:10:59
jea harrymann du bi sde rbeste geiler artikel repspect...naja zu ben gordon möchte ich mich nciht weiter äußern....all star potenzial hat jeder der gut in der offensive ist und dunken kann...ist halt so...defenshat da her weniger mit zu tun...geil harry