Basketball-WM

Jugoslawien gewinnt - Bodiroga gegen den Rest der Welt!

In einem hartumkämpften Finale hatte Argentinien gegen Jugoslawien fast die ganze Zeit die Nase vorn. Doch ein Mann hatte etwas dagegen: Dejan Bodiroga kam, sah und wie so häufig siegte er auch.

Von mario
 10.09.2002 |


Bodiroga bejubelt seinen schätzungsweise vierhundertsten und gleichzeitig wichtigsten Titel!
Die letzten Sekunden der regulären Spielzeit dürften auf Seiten der Argentinier einen faden Beigeschmack hinterlassen haben. Die Jugoslawen stehlen den Ball, doch Power Forward Luis Scola holt ihn sich sieben Sekunden vor Schluss an der Mittellinie zurück und geht alleine zum Dunk. Der Pfiff des Schiedsrichters holt den jungen, zukünftigen San Antonio Spur jedoch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Fünftes Foul von Scola, dem an diesem Tag nach Fabricio Oberto besten Argentinier. Die Zeitlupe bewies: Scola hatte nur den Ball geschlagen und Divac nicht berührt.
Der NBA-erfahrene Center hatte nun aber die Riesenchance, sein Team von der Freiwurflinie zum Weltmeister zu machen. Doch wenn es mal nicht läuft, kommt auch noch Pech dazu. Divac, der das Spiel mit einer Feldwurfquote von 1/10 und einer Freiwurfquote von 1/6 abschließt, verwirft beide Freiwürfe. Die Argentinier spielen den Pass auf Hugo Sconochini der die Jugoslawen wie Slalomstangen umkurvt und schließlich beim Korbleger von Marko Jaric gefoult wird. Jubel auf der argentinischen Bank, doch der Pfiff des Schiedsrichters bleibt aus. Mit Wut im Bauch gehen die Underdogs in die Verlängerung.
Hier behielten die Jugoslawen dank Punkten von Stojakovic und Bodiroga die Oberhand. Argentinien hatte den Faden verloren und der verletzte Ginobili versuchte, im Alleingang das Spiel zu kippen- ohne Erfolg! Besonders schade war das für den argentinischen Center Fabricio Oberto, der die scheinbar übermächtige Center-Garde des Welt- und Europameisters mit tatkräftiger Unterstützung seiner Kollegen Ruben Wolkowyski und Luis Scola völlig demontierte. Die Bilanz der Argentinier: Oberto 28 Punkte, 10 Rebounds, Wolkowyski 11 Punkte und 6 Rebounds und Scola von der Bank 11 Punkte und 4 Rebounds. Geradezu erbärmlich mutet dagegen die Bilanz der jugoslawischen Center an: Koturovic 3 Punkte, 0 von 7 Feldwürfen, Divac wie angesprochen nur 3 Punkte und zwei Matchbälle vergeben, Tomasevic 6 Punkte, 5 Fouls.

Immer mit dem Auge für den besser postierten Mitspieler...
Vor dem Spiel waren sich die Experten einig, dass die Argentinier die Oberhand behalten würden, wenn sie unter dem Korb einigermaßen dagegenhalten könnten. Wider Erwarten wurde dieses WM-Finale dennoch nicht unter dem Korb entschieden. Die Geschichte des Spiels ist jedoch eine andere. Die Geschichte dieses Finales ist, wie so viele europäische Finalspiele der letzten Jahre, die Geschichte des Dejan Bodiroga. Dieser Bodiroga ist ein Phänomen, eine Art europäischer Larry Bird. Bodiroga ist eigentlich zu langsam, zu dünn, zu schlaksig, um auf diesem hohen Niveau mitzuspielen. Bodiroga hat auch keinen guten Wurf, er ist weltweit bekannt als miserabler Dreierschütze und auch seine Wurfbewegung ist alles andere als schulmäßig.
Eben dieser Bodiroga schafft es jedoch mit schöner Regelmäßigkeit, Spiele zu entscheiden. Und er lässt es seine Gegner sogar schon vorher wissen, dass er sie schlagen wird- und zwar im Alleingang! Von der Bank gekommen, ergreift Dejan im letzten Viertel die Kontrolle. Er trifft einen weiten Dreier mitten ins Gesicht seines Verteidigers und bringt sein Team wieder heran. Die Schlussphase gehört einzig und allein Bodiroga: In den letzten 2:16 Minuten markiert der Guard/Forward/Center neun Punkte in Serie und sorgt praktisch alleine für die Overtime. Dejan macht in dieser Phase alles: Er nimmt in der Defense Kontakte seines viel größeren und stärkeren Gegners Wolkowyski auf, holt sich den Ball schon unter dem eigenen Korb und spielt danach eigentlich Eins-gegen-Fünf. Und genau das ist das Bemerkenswerte an Bodiroga: Er hat einfach irgendwann das Verlieren verlernt. Egal, wie aussichtslos es aussehen mag, der 2,05 große Schlaks findet einen Weg, zu gewinnen. Dejan Bodirogas Bilanz in diesem Finale: 27 Punkte, 8 von 13 aus dem Feld, 9 von 10 Freiwürfen, 6 Rebounds und 3 Assists. So sieht Effektivität aus!
Diese Siegerqualitäten sind es auch, die Jugoslawiens Meistercoach Svetislav Pesic veranlassten, Dejan an seine neue Wirkungsstätte nach Barcelona zu holen. Ademola Okulaja wird das weniger gefreut haben, denn der Vertrag des deutschen Forwards (in der letzten Saison MVP der Katalanen) wurde deshalb nicht mehr verlängert.
Die Argentinier, die ein großes Turnier gespielt haben, müssen auf die nächste WM vertröstet werden. Vielleicht findet sich ja bis dahin ein argentinischer Bodiroga. Momentan gibt es nur einen, und der gewinnt- Grundregel- (fast) immer!




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von Crossover 30.05.2012 um 10:44:05


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