Basketball Business

Erfolglos, kopflos, Job los

Nach vier Jahren voller Umbau-Maßnahmen und Misserfolg verlässt Präsident und General Manager Steve Patterson die Portland Trail Blazers. Folgt dem Rebuild nun der Rebuild?

Von René Radoi
 02.03.2007 |

Als Steve Patterson im Jahr 2003 als Nachfolger von ?Trader-Bob? Whitsitt nach Portland kam, stand die Franchise am Scheideweg: Einerseits ein hochkarätig besetztes Team mit regelmäßigen Playoff-Auftritten, andererseits jede Menge schlechter Stimmung, ein saumäßiges Image und eine Payroll so dick wie Shawn Kemp. Was sollte er also tun, der ehemalige General Manager der Houston Rockets, der das Championship-Team der Texaner Mitte der 90er konstruierte?

Aufgrund von Verlusten im dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich und einer Teamchemie, die kurz vorm Explodieren stand, reduzierte sich die Strategieauswahl recht rasch auf eine: Die Stinkstiefel loswerden, die Kosten senken und auf günstigere junge Spieler setzen. Also frisch ans Werk, die großen Namen getradet und den Rebuild eingeleitet. Rasheed Wallace, Bonzi Wells, Damon Stoudamire gingen, der vielversprechende Zach Randolph und Darius Miles sollten die neuen Eckpfeiler des Teams werden.

Wie bei einem Rebuild üblich, verpasste Portland die Playoffs, das erste Mal seit 21 Jahren. Auch abseits des Spielfeldes entwickelte sich nicht alles nach Pattersons Geschmack und die Trail Blazers wurden den Ruf der überbezahlten Bad Boys trotz zahlreicher Transaktionen nicht los. Randolph und Miles erhielten beide einen hochdotierten Vertrag, doch im gleichen Atemzug riss der Konkurs des Rose Gardens, der Spielstätte der Blazers, ein enormes Loch ins Franchise-Portemonnaie. Dieses Loch wurde letztendlich so groß, dass Besitzer und Milliardär Paul Allen die Stadt um finanzielle Zuwendungen bat und, nach ausbleibender Zustimmung, die Franchise sogar zum Verkauf anbot.

Diesen Tiefpunkt scheinen die Blazers nun durchschritten zu haben. Im Draft 2006 sicherte sich Neu-GM Patterson die Rechte an vielversprechenden Talenten wie Brandon Roy, Sergio Rodriguez und LaMarcus Aldridge, die zusammen mit dem zuletzt wiedererstarkten Randolph und den jungen Guards Jarrett Jack und Martell Webster einen starken Kern für eine erfolgreiche Zukunft bilden sollen. Auch das Umfeld in Oregon reagiert wieder freundlicher auf Jungs in Schwarz-Rot-Weiß. Warum also geht Patterson gerade jetzt?

Bis zum vergangenen Donnerstag besaß Paul Allen eine Option, Pattersons im Juni auslaufenden Vertrag zu verlängern. Von dieser machte er jedoch keinen Gebrauch, eine klare Aussage also über die gemeinsame Zukunft, die Patterson und die Blazers in Allens Augen haben. Pattersons Abschied ist somit nur die vorweggenommene Trennung nach einer misslungenen Beziehung.

Misslungen? Vom Verkauf der Franchise ist aktuell keine Rede mehr, die Verluste konnten auf etwa ein Drittel der Werte von 2003 reduziert werden und der Kader lässt am fernen Horizont ein hoffnungsvoll schimmerndes Licht erahnen. Trotzdem kann und wird Pattersons Amtszeit nicht als Erfolg bezeichnet werden. Zu viele Dinge liegen noch im Argen, zu tief sitzt die Schmach der schlechtesten Bilanz der NBA in 2005/2006 (nur 21 Siege bei 61 Niederlagen) und zu weit entfernt ist eben jener Lichtstreif am Horizont namens Erfolg.

Head Coach Nate McMillan steht ein junges, rohes Team zur Verfügung, dass es nun aufzubauen gilt. Wer ist dafür der richtige Mann? Interims-Manager Tod Leiweke, hauptamtlich Chief Executive Officer des Football-Teams der Seattle Seahawks, wird nur bis zum Sommer die Geschäfte führen. Danach könnte Kevin Pritchard vom Assistenten zum Chef aufsteigen, denn er gilt als eigentlicher Grund für den erfolgreichen Draft 2006. In den letzten Monaten der Saison 2004/2005 führte er kurzzeitig das Amt des Head Coaches und er ist bekannt für sein ausgesprochen feines Talent-Näschen.

Allerdings hat der 40-Jährige keinerlei Erfahrung beim Aufbau eines jungen Teams zum Playoff-Anwärter, weshalb auch bekanntere Namen wie Kiki Vandeweghe ins Gespräch gebracht werden. Vandeweghe brachte zuletzt die Denver Nuggets mit einer vieldiskutierten Strategie aus dem Keller in die Playoffs und könnte in Portland Ähnliches erneut vollbringen.

Die Entscheidung liegt letztendlich bei Paul Allen. Hoffentlich beweist der bei seiner Wahl eines Managers nochmal ein so gutes Händchen wie damals bei der Microsoft-Gründung mit Bill Gates.




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von bonzi 04.03.07 um 16:32:28


das hört sich doch gut an. so kann`s weitergehen



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