Baron Davis

Westside Story

Ihr wollt wissen, wer der Typ ist, der die Golden State Warriors in die Playoffs führen wird? Wie dieser es aus dem Ghetto in die NBA geschafft hat? Dann lest die Baron-Davis-Story.

Von Christoph Kummer
 16.11.2005 |

24. Februar 2005. Ein Tag der Freude. Nicht nur für Baron Davis, sondern auch für alle Fans der Golden State Warriors. Es war der Tag, an dem B-Diddy zu den Warriors in Oakland getradet worden war, zurück nach Hause. Zwar liegt die Bay Area einige hundert Kilometer von Barons Heimat Los Angeles entfernt, doch für amerikanische Verhältnisse ist dies ein Katzensprung.

Viele fragten sich, warum sich ein NBA-Star so darauf freuen konnte, für die Warriors zu spielen. Eine Franchise, bei der Missmanagement, Erfolglosigkeit und Unbeliebtheit zum guten Ton gehören. Eine Franchise, die seit gut einem Jahrzehnt die Playoffs anstrebt und trotzdem jede Saison scheitert. Eine Franchise, die unter anderem Gilbert Arenas und Chris Webber im Team hatte, aber nichts mit ihnen anzufangen wusste. Eine Franchise... ach, vergessen wir?s. Baron kam und alles änderte sich.

Doch zurück zum Anfang...

Dreams

Baron Davis (Foto) wurde am 13. April 1979 geboren und wuchs zusammen mit seiner Schwester Lisa bei seinen Großeltern in Compton auf. Luke und Lela Nicholson wussten von der Gewalt in der Nachbarschaft, den Gangs, die sich oft am helllichten Tag Schiessereien lieferten, und den Drogendealern um die Ecke. Sie taten alles dafür, um Baron und Lisa von der Straße fernzuhalten und sorgten für ein geordnetes Familienleben. Oft tummelten sich nebst den Nicholsons und ihren Enkeln ein Haufen Verwandte und Freunde im kleinen Haus in der Westside herum, sodass immer jemand zum Basketballspielen da war.

Baron liebte Basketball über alles, doch durfte er erst spielen, nachdem er seine Hausaufgaben gemacht hatte. Danach ging er mit seinen Freunden raus in den Hinterhof, wo sein Großvater einen 1,80 Meter großen Basketballkorb eingerichtet hatte. Der Untergrund bestand sowohl aus Straßenbelag als auch aus Rasenfläche und bot so kaum eine geeignete Unterlage fürs Spielen. Doch dem Spaß am Spiel tat dies keinen Abbruch und Baron warf, dribbelte und passte oft bis spät in den Abend hinein.

Nach Beendigung der Grundschule bekam Baron ein Basketball-Stipendium von der Privatschule Crossroads in Santa Monica angeboten. Obwohl er alles andere als begeistert war von der Idee, South Central verlassen zu müssen und stattdessen in Santa Monica zur Schule zu gehen, entschied er sich, das Angebot anzunehmen. Sich an die neue Umgebung mit potenziellen Anwälten und Ärzten zu gewöhnen, war schwierig für den Jungen aus der ?Hood?. So konzentrierte er sich vor allem auf Basketball und sein Ziel, einmal in der NBA zu spielen.

Als Baron 13 Jahre alt war, starb sein Großvater Luke. Um den Schmerz und die Trauer zu vergessen, spielte Baron noch öfter Basketball und arbeitete umso härter an seinem Spiel. Der kleine, rundliche Point Guard wuchs in den folgenden Monaten um viele Zentimeter, trainierte sich Muskelmasse an und ließ sein Ballhandling, seine Sprungkraft und sein Herz zu seinen größten Stärken werden.

Barons High-School-Karriere kam immer schneller ins Rollen, und er geriet vermehrt ins Fadenkreuz von NBA- und College-Scouts. Besonders Georgia Tech, die ?Marbury-Uni?, zeigte sich interessiert an Baron Davis und wollte ihn als Erben von Stephon Marbury nach Atlanta holen. Aber auch Duke, Kansas und UCLA ließen die Telefone in Crossroads läuten. Baron entschied sich für die UCLA, das College seiner Heimatstadt.

Sein erstes Jahr bei den UCLA Bruins war vom normalen Auf und Ab eines Freshman geprägt: In einem Spiel führte er die Mannschaft zum Sieg, im anderen fand nur selten ein Ball sein Ziel. Trotz der Inkonstanz gelang der Mannschaft der Einzug ins NCAA-Turnier, wo sie nach einem Erfolg über Miami auf die Michigan Spartans trafen. Dort passierte es: Nach einem spektakulären Dunk landete Baron unglücklich und zog sich einen Kreuzbandriss am linken Knie zu. Das bedeutete das Aus für die gesamte Saison 1997-98.

Während des Sommers erholte er sich von der Operation und lief schon im Dezember mit einer Metallschiene am Knie wieder auf. Er nahm nun mehr die Rolle des Teamleaders ein und führte UCLA mit einer Saisonbilanz von 22 Siegen und acht Niederlagen ins Turnier. Der Traum vom Gewinn des Titels platzte jedoch jäh in der ersten Runde, als die Detroit Titans die Bruins mit 56:53 aus dem Turnier kickten. Dennoch hatte Baron ein Monsterjahr hinter sich und somit endgültig das Interesse der NBA auf sich gezogen.

No More Fun And Games

Es war immer Barons Traum gewesen, bei den Lakers oder den Clippers in Los Angeles zu spielen. Oder zumindest zusammen mit Kevin Garnett in Minnesota. Aber nicht in Charlotte, nicht an der Ostküste. Und genau dort sollte er spielen, nachdem die Hornets ihn am Draft 1999 mit dem dritten Pick gezogen hatten. Nach anfänglichem Missmut über seine Lage fügte Baron sich schließlich und unterschrieb, nachdem ihm Coach Paul Silas das hervorragende Lineup mit Spielern wie Eddie Jones vor Augen geführt hatte.

Barons Rookie-Saison verlief nicht nach Wunsch: In keinem einzigen Spiel stand der Neuling in der Startformation und konnte nur so selten sein Potenzial ausschöpfen. Zusätzlich kam Teamkollege Bobby Phills bei einem Autounfall ums Leben und wühlte nicht nur ihn, sondern das ganze Team auf. Trotzdem schafften die Hornets den Sprung in die Playoffs, nachdem sie 14 der letzten 16 Spiele gewonnen hatten und trafen dort auf die Philadelphia 76ers. Ein deutliches 0:4 hinderte Charlotte jedoch am Einzug in die zweite Runde.

Vor Beginn der Saison 2000-01 nahm Baron sich vor, noch mehr in die Rolle des Anführers zu schlüpfen. Während der Offseason hatte er vor allem an seinem Ballhandling gefeilt und war nun heiß auf die neue Spielzeit. Ebenso sein Team, das sich im Sommer mit Jamal Mashburn und P.J. Brown verstärkt hatte, dafür aber Eddie Jones abgegeben hatte. Mit dem Weggang Jones? rutschte ?B-Diddy? in die Starting Five und hatte endlich die Möglichkeit, sich in seiner angestrebten Rolle zu entfalten.

Zusammen mit David Wesley, Elden Campbell, Mashburn und Brown war Baron Teil eines hervorragenden Teams, welches, ehemals belächelt, es nun mit jedem in der Liga aufnehmen konnte. Auch sein persönlicher Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Nebst einer Auszeichnung zum Spieler der Woche sorgte Baron vor allem während des All-Star-Wochenendes für Aufsehen, indem er am Slam-Dunk-Wettbewerb und am Rookie Game teilnahm und dort Spektakuläres zeigte.

?B.D.? gelang es in den darauffolgenden Playoffs, das Niveau seines Spiels nochmals zu steigern. Er führte die Hornissen in die zweite Runde. Doch hier war Endstation für den Baron und sein Gefolge: Die Milwaukee Bucks überwältigten die Hornets nach einer wilden, sieben Spiele umfassenden Serie.

Mit der gewonnenen Erkenntnis, nun zur Elite der NBA zu gehören, startete Baron voller Selbstvertrauen in die Spielzeit 2001-02. Und das zurecht. Er verbesserte seine Stats in allen Bereichen und beeindruckte Fans und Fachwelt mit einem Schnitt von 21,2 Zählern und 8,2 Assists im Monat Februar. Der Lohn für seine Leistung wurde im gleichen Monat ausbezahlt, indem Baron für die Teilnahme am All-Star Game nominiert wurde.

In der dritten Playoff-Präsenz in Folge war es wiederum Baron Davis, der sein Team mit überragenden Leistungen durch die Postseason führte. 25 Punkte, 9,3 Assists, und 9 Rebounds standen am Ende auf der Soll-Seite. Nur das Aus in der zweiten Runde gegen die New Jersey Nets, den späteren Ost-Champion, trübte seine sonst makellose Jahresbilanz.

Start From Scratch

In der folgenden Offseason brachen die Hornets ihre Zelte in North Carolina ab und zogen westwärts, nach New Orleans. Die Stadtregierung von Charlotte hatte sich geweigert, dem Team eine neue Halle zu bauen.

Nach der Teilnahme an der Basketball-WM in Indianapolis hatte Baron immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und startete so alles andere als optimal in seine erste Saison in Louisiana. Die Playoffs wurden zwar erreicht, doch konnten die Hornets nicht an die Leistungen vergangener Spielzeiten anknüpfen und schieden bereits in Runde Eins gegen Philly aus.

Den Sommer verbrachte Baron erneut in Krafträumen und Trainingshallen. Nach dem Abgang seines langjährigen Coaches Paul Silas und der Anstellung dessen Nachfolgers Tim Floyd dachte Baron über einen Wechsel zu einem anderen Team nach. Floyd musste handeln und holte Darrell Armstrong als neuen Backup-Partner für seinen Superstar nach New Orleans.

Die New Orleans Hornets starteten gut in die Saison, doch Verletzungen und Differenzen zwischen den Spielern, dem Managment und Coach Floyd zerstörten die Hoffnungen auf einen tiefen Playoff-Run. Sie scheiterten in der ersten Runde an Miami und Tim Floyd wurde gefeuert. Baron Davis dagegen hatte die beste Saison seiner Karriere gespielt und war zum zweiten Mal ins All-Star-Team gewählt worden.

Die Saison 2004-05 sollte die letzte für Baron Davis in New Orleans werden. Floyds Nachfolger Byron Scott tradete B-Diddy im Januar zu den Golden State Warriors, nachdem sein Team mit miserablen zwei Siegen in 30 Spielen in die Saison gestartet war und Baron die meiste Zeit verlezt am Spielfeldrand gesessen hatte.

Für Baron war der Wechsel an die Westküste wie die Rückkehr aus dem Exil. Er spielte nun besser denn je, harmonierte hervorragend mit seinen neuen Teamkollegen und verzauberte die Fans mit beeindruckenden Leistungen. Zwar reichte die Siegesserie nach seiner Ankunft nicht mehr für die Playoffs, doch macht sie Hoffnungen auf die aktuelle Spielzeit 2005-06, Hoffnungen auf den ersten Playoff-Einzug der Warriors seit 1994, Hoffnungen auf einen Baron Davis in Höchstform.

Und Hoffnungen auf einen Baron Davis als Retter der Westküste...




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von Crossover 30.05.2012 um 10:43:27


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