Antoine Walker
Walker bringt die Celtics ins Rollen - wie weit?
Seit Antoine Walkers Rückkehr nach Boston heißt es "Rollin' on the (Charles) River". Der eigentliche Trade-Steal war aber ein anderer: Gary Payton. Das neue alte Celtics-Team hat jetzt Lust auf mehr.
Von Lukas Oldenburg und Felix Then |
19.03.2005 | |
Sommer 2004. ?The Glove? fühlte sich ausgenutzt und betrogen. Direkt nach seiner Vertragsverlängerung in der Spielpause im Sommer 2004 bei den Los Angeles Lakers wurde Gary Payton für Spieler mit weniger Vergangenheit und mehr Zukunft zu den Boston Celtics getradet. Sobald er von diesem Tausch erfuhr, verkündete der siebenfache All-Star, lieber seine Karriere zu beenden, als sich das grüne Trikot der Celtics überzuziehen. Paytons Beweggründe waren für Basketballfans in aller Welt nicht schwer nachzuvollziehen: Für wenig Geld beim Titelaspiranten aus L.A. unterschrieben, um sein Leben als Basketballer mit einer Championship beenden zu können und dann zum Neuaufbau nach Boston geschickt, glaubte sich Payton von der ganzen Welt verraten.
Überraschend arrangierte er sich doch mit seiner neuen Situation und zog nach Massachusetts um. Trotz allem: Wirklich zuversichtlich konnte in Beantown keiner in die Zukunft blicken. Mit einem angepissten Altstar und vier nicht allzu viel versprechenden Rookies an Bord sah es so aus, als müssten die Celtics in diesem Jahr Lehrgeld zahlen. Zunächst schien sich das auch zu bewahrheiten: Mit einer Bilanz von fünf Siegen bei acht Niederlagen schloss man den ersten Monat der neuen Spielzeit ab. Noch vor drei Monaten konnte man in Boston stolz darauf sein, eher durchschnittliche Teams wie die Los Angeles Clippers nach doppelter Verlängerung geschlagen zu haben.
Am 16. März 2005 schaut alles anders aus: Erst wurde mit den Detroit Pistons der amtierende Meister mit einer 113:115-Niederlage (ebenfalls nach einer zweiten Extra-Spielzeit) nach Hause geschickt; Höhepunkt einer andauernden Serie, in der die Celtics zehn ihrer letzten elf Spiele und sechs in Folge gewonnen haben. Stellt sich nun die Frage: Was ist denn bloß auf einmal passiert?
Antwort: Kurz vor der Deadline wurde der schusswütige Antoine Walker per Trade zurück nach Beantown geholt. Der Steal schlechthin war allerdings ein anderer: Gary Payton. Der ging eigentlich als Teil dieses Trades nach Atlanta, doch die Hawks, die es nicht in die Playoffs, sondern einzig und allein möglichst tief unter den Salary Cap zieht, zahlten GP die Restsumme seines Vertrages aus, worauf der abgenutzte, aber immer noch wertvolle Handschuh wieder zurück nach Boston kam. Einen fantastischeren Trade kann man sich eigentlich kaum vorstellen... Jetzt laufen die Celts mit Payton, Pierce, Walker, Ricky Davis, Raef LaFrentz und Mark Blount auf, die durch Al Jefferson und Tony Allen solide ergänzt werden.
Die Mittelmäßigkeit der Atlantic Division könnte den plötzlich erstarkten Grünen dabei zu Gute kommen. Das Befremdliche an der nördlichen Ostküste ist erstens, dass sich dort bis heute noch kein einziges Team wirklich aus dem Playoff-Rennen geworfen fühlen muss. Und das erscheint zweitens umso befremdlicher, wenn man in Betracht zieht, dass es sehr gut sein könnte, dass gerade mal ein einziges Team aus dieser kuriosen Division in die Playoffs gelangen könnte (momentan wäre dies so). Und das war zu bestimmten Zeiten während dieser Saison wiederum auch nur dem Umstand zu verdanken, dass die Division-Ersten automatisch auf Platz drei der Conference gesetzt sind.
Lassen wir uns nicht veräppeln: Dieses Team ist mehr als nur leicht playofftauglich.
Die Weisheit von dem Blinden und dem Einäugigen lässt uns hier schlussfolgern, dass die Celtics in der besten Lage sind, dank ihrer miesen, aber wenigstens spannenden Division also einen schmucken dritten Playoffrang ergattern zu können.
Seit Walkers Rückkehr heißt es also "Rollin' on the (Charles) River". Die Grünen aus Neuengland sehen mit ihrer 37:29-Bilanz plötzlich fast spektakulär gut aus in ihrer Division. Ja, man könnte mit etwas Ironie sogar fast "dominant" sagen... Walker machte dabei in allen Spielen eine ausgesprochen gute Figur und gibt dem etwas verantwortungsmüden Paul Pierce endlich die nötige Entlastung. Auch wenn man den vielgescholtenen 'Toine' vor zwei Jahren eigentlich am liebsten nie mehr in Boston sehen wollte, so ist mit seiner Rückkehr eine kleine Euphoriewelle ins Team eingekehrt.
Und lassen wir uns nicht veräppeln: Dieses Team ist mehr als nur leicht playofftauglich. Nachdem man letztes Jahr noch als einer der miesesten Playoff-Teilnehmer aller Zeiten abgestempelt und folgerichtig mit 0-4 und einem durchschnittlichen Punkteunterschied von 16,8 Punkten von den Indiana Pacers in der ersten Runde in die Ferien geschickt worden war, haben die Celtics in diesem Jahr ganz andere Ambitionen. Als Erster der Atlantic Division und dem damit verbundenen dritten Platz in der Eastern Conference wäre der Gegner im Conference-Sechsten (aktuell die Chicago Bulls) zu suchen. Eine ähnlich peinliche Erst-Runden-Pleite wie im Vorjahr ist also nicht zu erwarten.
Ob der Rekordsieger tief in die Playoffs einziehen kann, hängt zu einem großen Teil von der Stimmung innerhalb der Mannschaft ab. Die ist momentan zwar gut, aber sowohl Paul Pierce, Ricky Davis, Antoine Walker als auch Gary Payton übernehmen gerne die Verantwortung, die sich meist in Form von Würfen im Statistikbogen niederschlägt. Sprich: Alle wollen ballern. Bleibt also zu hoffen, dass es keine kindischen Streitereien um Spielzeit und Wurfverteilung wie letztes Jahr bei den L.A. Lakers gibt. Ein Problem könnte auch die schlechte Verteidigung werden. Zudem sind die von Boston bevorzugten Fastbreaks in der Post-Season für gewöhnlich eher selten. Trotzdem ist dem Team aus Massachusetts einiges zuzutrauen.
Wagen wir zum Abschluss noch einen Blick in die Zukunft, so sticht ins Auge, dass nach dieser Saison die Verträge von Antoine Walker und Gary Payton auslaufen. ?Toine? wird wohl nicht schon wieder umziehen wollen, aber nur ungern größere Gehaltskürzungen akzeptieren. Der ?Glove? wird nach seinem 15. Jahr in der stärksten Basketballliga der Welt entweder bei einem Titelkandidaten unterschreiben oder aber seine Karriere beenden. Sein Verbleiben in Boston ist ziemlich unwahrscheinlich. Sollte er doch noch ein Jahr im alten Team von Larry Bird dranhängen, wird er das nicht bei seinem momentanen Salär tun.
Sind die erfolgreichen Boston Celtics mit Walker, Payton und Pierce also nur eine Eintagsfliege? Gut möglich. Mal sehen, was Danny Ainge also dieses Mal für Ideen hat. In jedem Fall stehen den Celtics spannende Playoffs und ein noch spannenderer Sommer bevor.



von reignman 19.03.05 um 13:13:17
nach dem ersten wirklich guten trade von celtics gm danny ainge ist ein relativ tiefer playoff-run im osten durchaus möglich. wie gesagt, möglich... denn ob die celtics tief genug für die postseason sind bleibt fraglich. zwar werden pierce, payton, davis, walker und co zunächst wohl noch zusammenhalten, doch was passiert nach dieser saison? werden die rookies im team stark genug sein die celtics nach ein paar abgängen weiter zu tragen? wir werden`s erleben...
von Fire008 19.03.05 um 13:48:20
Ich glaube dass al jefferson und tony allen richtige draft-steals waren. Natürlich leidet Jeffersons Spielzeit unter Walkers Rückkehr, aber er konnte mich auch davor schon überzeugen. Und Tony Allen kann auf einige sehr gute Spiele stolz sein, er übernimmt auch Verantwortung wie gegen Toronto zum Beispiel. Und die Celtics haben mit Pierce, Walker und Daivs drei immer gefährliche Scorer.
von the truth 19.03.05 um 13:53:22
sehr guter artikel, am ende allerdings etwas ungenau:
1. walker hat schon verkündet, unbedingt in boston bleiben zu wollen und dafür auch gehaltseinbußen in kauf zu nehmen. die frage, ob er auch für die midlevel-exception unterschreiben würde, verneinte er, dennoch scheint eine einigung im sommer bei ca. 9 Mio $ wahrscheinlich (aktuell verdient walker 13,5 mio).
2. man weiss aktuell gar nicht, ob paytons vertrag ausläuft, denn aus seinem alten (auslaufender) vertrag wurde er ja von den hawks rausgekauft, und bei vertragsunterschrift in boston wurden keine angaben zu vertragslänge oder -höhe gemacht. es könnte also durchaus sein, dass der vertrag des glove noch bis 2006 läuft.
von the truth 19.03.05 um 13:57:38
sehr guter artikel, am ende allerdings etwas ungenau:
1. walker hat schon verkündet, unbedingt in boston bleiben zu wollen und dafür auch gehaltseinbußen in kauf zu nehmen. die frage, ob er auch für die midlevel-exception unterschreiben würde, verneinte er, dennoch scheint eine einigung im sommer bei ca. 9 Mio $ wahrscheinlich (aktuell verdient walker 13,5 mio).
2. man weiss aktuell gar nicht, ob paytons vertrag ausläuft, denn aus seinem alten (auslaufender) vertrag wurde er ja von den hawks rausgekauft, und bei vertragsunterschrift in boston wurden keine angaben zu vertragslänge oder -höhe gemacht. es könnte also durchaus sein, dass der vertrag des glove noch bis 2006 läuft.
von Phleggenheimer 19.03.05 um 16:24:23
Ne die Celtics sind zwar von den Namen her ein gut bestücktes Team, doch in den playoffs wird es
''Wurfverteilungskämpfe''geben zwischen Walker,
Pierce, Payton und Davis.
Die Rollen werden dann nicht klar verteilt sein und bis dahin ist die ''Toine-Euphorie'' auch schon verflogen.
von presidentsamy 19.03.05 um 19:40:43
ich würde das nicht so blauäugig daherreden.
die division ist wirklich erschreckend schlecht und zweifellos wird boston sie als erster beenden.
danach können sie die erste runde ebenfalls gut überstehen.
aber danach warten immerhin noch miami, detroit und (?) indiana.
in der nächsten saison wird es dann auf den schultern der rookies zu einem sehr viel grösseren teil lasten.
aber eins ist auch jetzt zu jedem moment klar:
das gehirn ist der handschuh, der mann für die weiten lampen ist walker, der banger ist davis, der energy-drink die rookies. aber der mann für die entscheidenden szenen ist unumstritten pp.
das weiss auch der altmeister, und toine, der immerhin schon früher die (sehr gute) zweite geige gespielt hat.
die hierachie ist also lar, jetzt muss es nur noch so weitergehen.
verdient hätten es jedenfalls alle treuen bostoner.
(mir inklusive)
von drogenfranz (x-over) 22.03.05 um 20:15:37
Nachdem hier wegen einer Lächerlichkeit ein Streit losgebrochen ist, der weit unter die Gürtellinie gingen, sah ich mich gezwungen, die betreffenden zehn Beiträge zu löschen. Bitte diskutiert hier über den Artikel oder streitet euch woanders.
von k.o.c 22.03.05 um 22:15:51
*klatsch...klatsch..* cool, dass net grad jeder sonst was reinschreiben kann aber wenn es soooOOO KKRrrass war und unter die "gürtellinie" ging hätt ichs a gern gelesen ;(
;-)
von reignman 23.03.05 um 13:52:59
geht klar