Andrei Kirilenko

Russischer Klebstoff

Zehn Spielzeiten hat Andrei Kirilenko nunmehr in der NBA verbracht, allesamt bei den Utah Jazz. Dabei konnte sich der Small Forward als sogenannter „Glue Guy“ einen Namen machen. Da sein Vertrag ausgelaufen ist und der Lockout andauert, ist aber fraglich, ob Kirilenko weiterhin die Jazz zusammenhalten wird.

Von Christian Mannsbart
 05.08.2011 |

17,8 Millionen Dollar sind eine Menge Holz. Jenes stapelte Andrei Kirilenko rein bildlich gesehen in der vergangenen Spielzeit vor seiner Hütte im schönen Utah. Doch nun sind die fetten Zeiten vorbei, denn der Monstervertrag des schmächtigen Swingmans ist abgelaufen. Der Wert des Small Forwards sollte also neu berechnet werden.

Während seiner Zeit im Mormonenstaat hat Kirilenko (Foto) durch ein Arsenal an halb bis voll ausgeschöpften Fähigkeiten auf sich aufmerksam gemacht. Manchmal sah es so aus, als wäre der gewiefte Verteidiger und Shotblocker sein Geld wert. Dann folgten wieder Momente, in denen man Kirilenko mit dem Coach hadern sah, weil dieser seine mangelnde offensive Aggressivität angemahnt hatte. Doch die Zeit des Head Coaches Jerrys Sloan ist Geschichte; aber auch Kirilenko könnte es für die Jazz bald sein.

Kirlenko ist nach dem Wegbröckeln des Urgesteins Jerry Sloan das einzige Überbleibsel aus der „Stockalone“-Ära. Immerhin zehn Spielzeiten lang hat der gebürtige Russe bisher die Sneaker für das Team aus dem Mormonenstaat geschnürt. Gedraftet wurde Andrei Gennadjewitsch Kirilenko im Auswahlverfahren 1999. Nachdem er daraufhin noch zwei weitere Jahre bei ZSKA Moskau aufgelaufen war, spielte er von 2001 bis 2003 mit John Stockton und Karl Malone zusammen.

Einer seiner größten Erfolge war ihm 2007 gelungen, als Kirilenko mit dem russischen Nationalteam Europameister wurde. Den entscheidenden Wurf gegen die Spanier versenkte damals zwar J.R. Holden, doch Kirilenko hatte die Offensive bis zu dieser Sekunde mit 17 Punkten getragen. Statt den Topscorer mimt Kirilenko aber meistens den vielseitigen Akteur. Am 3. Januar 2006 vollbrachte der Flügelspieler ein wahres Kunststück: Er erzielte in einem Saisonspiel gegen die Los Angeles Lakers 14 Punkte, neun Assists, acht Rebounds, sieben Blocks und sechs Steals. Solche Werte von jeweils über sechs waren noch niemandem seit 1973 gelungen, als die zählbaren Statistiken um die Kategorien Steals und Blocks erweitert worden waren.

Kevin O’Connor, der General Manager der Jazz, muss nun die Frage klären, ob und wie Kirilenko (weiter) ins Team eingebunden werden könnte. Und vor allem, ob sich der Forward aufgrund seiner 30 Jahre nicht bald auf dem absteigenden Ast befindet. Da der gebürtige Russe regelmäßig rund ein Viertel der Saisonspiele pausieren muss, kann und wird der General Manager Kirilenko nicht noch einmal einen derart hoch dotierten Vertrag anbieten. Ebenso wenig steht fest, dass der Neu-US-Bürger (seit Januar dieses Jahres besitzt Kirilenko die US-amerikanische Staatsbürgerschaft) auf ein niedrigeres Angebot eingehen würde. Auch Kirilenko würde natürlich gerne eine Meisterschaft gewinnen. Ob das in Utah gelingt, ist auf Grund eines soliden und vor allem sehr jungen Kaders sehr fraglich.

Der Small Forward beteuert derweil, Utah bleibe seine erste Option. Nur um ohne lange zu zögern hinterher zu schieben, dass es einige andere Teams gäbe, für die er wirklich gerne auflaufen würde. Was Kirilenko und Ron Artest bzw. Metta World Peace als vereinter Defensivterror beispielsweise in Los Angeles ausrichten könnten, mag man sich gar nicht ausmalen. Oder aber was passieren würde, wenn es „AK 47“ für ein Veteranenminimum nach Miami ziehen würde.

Da der Lockout nun seit einem Monat andauert, könnte Kirilenko auch den Weg nach Europa einschlagen. Neben einem Engagement in Russland stand dabei auch ein Wechsel zu Real Madrid im Raum. Zumindest hatte sich der Flügelspieler selbst mit dem spanischen Topclub in Verbindung gebracht; ein angestrebtes Jahresgehalt Kirilenkos von 5,8 Millionen Dollar soll den Madrilenen aber doch zu hoch gewesen sein. „Wenn ich in Europa spiele, dann nicht für ein halbes Jahr, sondern für längere Zeit“, soll der Forward in diesem Zusammenhang gesagt haben.

Fest steht, dass die Jazz Kirilenko vermissen, wenn er nicht aufgestellt ist. In der letzten Saison verpasste der Small Forward 18 Saisonspiele, hauptsächlich weil Rücken und Wade zwickten. Die Jazz gerieten ohne Kirilenko ordentlich ins Straucheln und gewannen nur sechs Partien, während sie doppelt so viele verloren.

Der Schlüssel zur Bedeutung des Swingmans liegt in der Gabe, ein Spiel defensiv zu kontrollieren. Genau diese Fähigkeit braucht ein defensiv schwaches Team wie Utah dringend. Kirilenko ist der defensive Anker und somit für Utah der momentane „Glue Guy“. Unter Head Coach Tyrone Corbin (Foto) spielen die Jazz hauptsächlich eine 2-3-Zone. Kirilenko rotiert gut und ist ein gefürchteter Helpside-Shotblocker. Durch diese Fähigkeit kann er seinem defensiv chronisch Fußlahmen Kollegen Al Jefferson und dem etwas zu klein geratenen Paul Millsap zur Hilfe eilen. Auch kann der Defensivterror die Wurfflut eines Kevin Durant zumindest eindämmen, wenngleich die Füße mit zunehmendem Alter zusehends langsamer werden.

Auch dem ehemaligen Lakers-Coach Phil Jackson ist die Bedeutung des Swingmans nicht verborgen geblieben. „Er kann ein Spiel durch seine Länge und Fähigkeit, Würfe zu blocken, entscheidend beeinflussen – Kirilenko ist der Schlüssel zum Spiel der Jazz“, sagte er vergangene Saison vor dem letzten Saisonspiel gegen Utah.

Die Jazz benötigen neben Raja Bell einen weiteren Veteranen. Die Sophomores Gordon Hayward und Derrick Favors, die Rookies Alec Burks und Enes Kanter sowie auch C.J. Miles (24 Jahre) brauchen jemanden, der ihnen an beiden Enden des Feldes Konstanz vorlebt. Und die ist vor allem bei Auswärtsspielen gefragt. Kirilenko nimmt beständig sieben bis acht Würfe pro Spiel. Zuhause trifft er beinahe 50 Prozent seiner Versuche, auswärts immerhin 43 Prozent. Die Dreierquote war mit 36,7 Prozent die zweitbeste seiner Karriere. 35 Prozent in fremder Halle können sich sehen lassen: ein Bestwert im Team! Wirft Kirilenko auf den heimischen Ring, sind es sogar 39 Prozent. Die defensiven Qualitäten wurden bereits angesprochen.

Letzten Endes bleibt im beschaulichen Utah dann doch alles an den Peseten hängen: Sollte Kirilenko in Erwägung ziehen, für vier bis sechs Millionen spielen zu wollen und ins Budget passen, wäre O’Connor gut beraten zuzugreifen. Will der Forward mehr Geld, müssen sich die Verantwortlichen nach einer anderen Lösung umsehen und beispielsweise einen Trade für Mehmet Okur anvisieren, um so einen defensivstarken, offensiv konstanten Veteranen ins Team zu holen. Denn irgendein Spieler muss die Jazz als Klebstoff doch zusammenhalten.




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Kommentare

(7 Kommentare bisher)

von AC 05.08.11 um 15:25:38


Gabs mal nicht ne Saison, wo AK47 über 3 Blocks und 2 Steals aufgelegt hat? Und außerdem hat der ne coole Ehefrau :)



von eightch 05.08.11 um 16:03:03


ja da haben alle gedacht das seine leistungen mal explodieren werden... er ist gut aber nicht der überspieler geworden den der ein oder andere in ihm gesehen hat... trotzdem und gerade als sechster mann von der bank wohl eine verstärkung bzw. das zünglein and der wage für so ziemlich jedes team mit playoffambitionen...



von RedWater 05.08.11 um 20:20:26


die Chancen Kirilenko zu halten stehen sicherlich nicht sehr schlecht. Kirilenko hat ja bereits verlauten lassen, dass es ihm primär nicht ums Geld geht. Utah müsste nur ordentlich Verstärkung im Backcourt holen. Mit einem überladenen Frontcourt sollte dies aber kein Problem sein



von eightch 08.08.11 um 09:09:10


^^ist das geil - das hat melo und james und so ziemlich jeder andere profi auch schon gesagt... wenn ich den satz noch mal lesen muss fahre ich selber übern teich und mach den nate robinson mit dem lügner ;)



von RedWater 08.08.11 um 18:17:40


Kirilenko ist aber nicht James oder Anthony ;) Er hat ein anderes Marketingpotential und seine Zukunft ist auch eher die eines Edelreservisten und nicht die eines Superstars, geschweige denn Co-Star. Er ist ja auch schon 30.
Soviel Knete wie der in den letzten 6 Jahren bei den Jazz verdient hat, da plagt ihn einfach nur ein schlechtes Gewissen. Das haben die Europäer doch den Amis vorraus :D



von Wizardsfanvier 08.08.11 um 18:43:47


Wenn die Europäer ein so gutes Gewissen haben, dann frage ich mich, wo Finanzkrisen und Co herkommen.



von Indiana 08.08.11 um 19:25:40


Also wenn ich das richtig in Erinnerung habe hat doch der ganze Shitstorm in Amerika angefangen und rollt seit dem mehr oder weniger heftig über den Globus und lässt immer mal nen großen Brocken irgendwo liegen ?? Hat zwar nix mit B-ball zu tun aber ich behaupte einfach mal das Andre sich deswegen das Tatoo hat machen lassen (prove me wrong ^^)



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