Amerikameisterschaft

Zu zweit allein

Während die Europameisterschaft in Polen immer näher rückt, ist die Kontinentalmeisterschaft über dem großen Teich schon in ihrer zweiten Phase. Bei der „FIBA Americas Championship“ in Puerto Rico mussten sich mit den Jungferninseln und Venezuela die ersten zwei Nationen verabschieden; Brasilien und Puerto Rico haben sich derweil als Favoriten herauskristallisiert.

Von Manuel Baraniak
 01.09.2009 |

Statistiken mögen nicht immer die ganze Wahrheit offenbaren, manchmal nicht mehr als ein Fünkchen. Doch bei den Zahlen, die das brasilianische sowie puertorikanische Team während der ersten Gruppenphase der Amerikameisterschaft auflegten, wird deutlich, warum diese beiden Mannschaften mittlerweile als Favoriten auf den Titel angesehen werden müssen.

Beide Nationen gewannen als einzige Teams jedes ihrer vier Vorrundenspiele. Während die Brasilianer ihre Gegner mit durchschnittlich 15,5 Punkten in die Knie zwangen, schlugen die Puertorikaner ihre Gegenüber sogar mit 18,3 Zählern Differenz. Die Lateinamerikaner um Aufbauspieler Carlos Arroyo hielten ihre Gegner dabei bei einer beachtlich niedrigen Wurfquote von 38,4 Prozent aus dem Feld.

Was vor allem auffällig war, ist die Tatsache, dass die Puertorikaner meist nur ein gutes Viertel benötigten, um auf die Gewinnerstraße zu gelangen. Die Mannen von Nationaltrainer Manolo Cintrón erzielten im dritten Viertel durchschnittlich 12,8 Zähler mehr als ihre Kontrahenten. Der Head Coach scheint in der Pause stets die richtigen Worte zu finden. Denker und Lenker des puertorikanischen Spiels ist derweil Carlos Arroyo (Foto). Der Point Guard ist innerhalb seiner Mannschaft bester Punktesammler (18,3 PpG), Korbvorleger (5,8 ApG) und Schütze aus dem Feld (68,8% FG) in einem.

Derweil hielten in der Gruppe B die Brasilianer die gegnerischen Teams nicht nur bei einer Feldwurfquote von 40,6 Prozent, durch eine aggressive Verteigung erzwangen die Mannen von Head Coach Moncho Monsalve pro Spiel fast 17 Ballverluste. Auf der Gegenseite stellt Leandro Barbosa (Foto), wie zu erwarten war, den Topscorer des Teams. Der Shooting Guard der Phoenix Suns verbuchte bis dato 18,5 Zähler pro Partie.

Mit Anderson Varejao (Cleveland Cavaliers, 14,5 PpG), Tiago Splitter (Caja Laboral, 10,5 PpG), Alex Garcia (Universo BRB, Brasilien, 10,3 PpG) und Marcelo Huertas (Fortitudo Bologna, 10,0 PpG) kommen vier weitere Akteure auf eine zweistellige Punkteausbeute. Alle fünf Spieler treffen dabei sogar mehr als 50 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld. Mit Varejao und Splitter haben die Südamerikaner zudem zwei Akteure in ihren Reihen, die an den Brettern aufräumen. So erspielten sich die Brasilianer bisher einen Rebound-Vorteil von rund acht abgegriffenen Bällen mehr als die Gegner.

Dabei hatte die Auswahl Brasiliens in der Gruppe B mit Argentinien und der Dominikanischen Republik nicht gerade leichte Konkurrenz. Während gegen die „Gauchos“ eine starke erste Hälfte zum Sieg genügte, mussten die Brasilianer gegen die „DomRep“ bis zum Schlussviertel warten, als Al Horford und Charlie Villanueva ausfoulten, ehe sie das Spiel drehen konnten.

Die Dominikaner mussten als Geheimfavorit neben der Schlappe gegen Brasilien noch eine empfindliche Niederlage einstecken: In ihrem letzten Gruppenspiel setzte es ein 87:89 gegen Argentinien nach Verlängerung. Und somit stehen die Karten für die Dominikanische Republik ungleich schlechter, da sie den Sieg über Venezuela, das ausgeschieden ist, nicht mit in die zweiten Gruppenphase nehmen dürfen. Erwartungsgemäß waren es derweil die drei NBA-Akteure Francisco Garcia (Foto, Sacramento Kings, 20,5 PpG), Al Horford (Atlanta Hawks, 13,3 PpG, 9,3 RpG) und Charlie Villanueva (Detroit Pistons, 16,5 PpG, 9,3 RpG), sowie Luis Flores (Hapoel Holon, Israel, 13,8 PpG, 4,5 ApG), die die Mannschaft von Head Coach Scott Roth anführten.

Eindeutige Anführer auf Seiten Argentiniens sind Luis Scola (Foto, Houston Rockets) und Pablo Prigioni (Real Madrid). Während Zweitgenannter als Point Guard das argentinische Spiel lenkt (6,8 ApG – Bestwert des Turniers), stellt Scola mit 23,5 Punkten im Schnitt nicht nur den teaminternen Topscorer, der Power Forward ist bisher der erfolgreichste Werfer der Amerikameisterschaft. Dabei tat sich der amtierende Olympia-Dritte zu Beginn schwer und legte mit Niederlagen über Venezuela und Brasilien einen Fehlstart hin. Nach der Schlappe gegen Letztgenannte rastete ein Argentinier nach dem Spiel in der Kabine auch aus und zerlegte den Locker Room. Eine Strafe über 5.000 Dollar folgte.

Zwar scheinen sich die Argentinier durch zwei Erfolge hintereinander wieder erholt zu haben, dennoch muss hinter Scola und Prigioni mehr kommen. Durch die vielen Absagen und Ausfälle renommierter Akteure müssen plötzlich Rollenspieler wie Paolo Quinteros (Basket Zaragoza 2002, Spanien) oder Leonardo Gutierrez (Atenas de Cordoba, Kolumbien) mehr Verantwortung und potentiell auch Punktelast schultern. Mit Wurfquoten von 26,7 respektive 28,6 Prozent aus dem Feld ist dies jedoch kein leichtes Unterfangen.

Abschlusstabelle der Gruppe A:

Nation W L Punkte
1. Puerto Rico 4 0 8
2. Uruguay 3 1 7
3. Kanada 2 2 6
4. Mexiko 1 3 5
5. Jungferninseln 0 4 4

Abschlusstabelle der Gruppe B:

Nation W L Punkte
1. Brasilien 4 0 8
2. Argentinien 2 2 6
3. Dominikanische Republik 2 2 6
4. Panama 1 3 5
5. Venezuela 1 3 5

In der heute beginnenden zweiten Gruppenphase werden die vier Erstplatzierten der beiden Vorrundengruppen zusammengefasst. Dabei werden nur jene Siege und Niederlagen übernommen, die gegen im Turnier verbleibende Mannschaften erzielt wurden. Während in Gruppe A alle Teams gegen die Jungferninseln bestehen konnten, gelang in Gruppe B der Auswahl aus Venezuela nur gegen Argentinien ein Sieg, welche also eine Niederlage streichen dürfen.

In dieser Zwischenrunde darf jede Mannschaft noch einmal in vier Partien ran, eben jeweils gegen die Teams aus der anderen Gruppe. Die vier Erstplatzierten nach der zweiten Gruppenphase qualifizieren sich nicht nur für das Halbfinale der Amerikameisterschaft, sie sichern sich somit auch ein Ticket für die Weltmeisterschaft in der Türkei 2010.

Randnotizen, Zahlen und Altbekannte

Konnte Carlos Arroyo bisher derart überzeugen, so klopfen auch einige NBA-Teams beim Puertorikaner an. Der Point Guard stand zuletzt in Diensten Maccabi Tel-Avivs und hat auch noch zwei Jahre Vertrag beim israelischen Euroleague-Teilnehmer, könnte aber in beiden Spielpausen aus seinem Vertrag aussteigen. Arroyo will sich erst nach Ende des Turniers ob einer NBA-Rückkehr äußern, mit den Boston Celtics und Milwaukee Bucks soll es aber schon einmal zwei Interessenten geben.

Während Arroyo unter anderem mit einer überragenden Wurfquote glänzen konnte, stürzte diese bei den Mexikaner in ihrem Spiel gegen Kanada in den Keller. Nur 13 ihrer 60 Feldwürfe (21,7% FG) konnten die Lateinamerikaner dabei versenken. Letztlich hatte die Auswahl Mexikos nur 40 Zähler erzielen können. Noch nie markierte eine Mannschaft bei einer Amerikameisterschaft weniger Punkte. Die Kanader kamen dabei auf ganze 95 Punkte, gleichbedeutend mit der zweithöchsten Ausbeute im bisherigen Turnierverlauf. „Heute Abend war der peinlichste Moment meiner Karriere“, gab Mexikos Cheftrainer Arturo Guerrero nach der Partie zu Protokoll.

Bisher nur mit positiven Stimme ob des Turnierverlaufs bedacht, will sich der puertorikanische Verband nun auch für die Weltmeisterschaft 2018 bewerben. Die Insel in der Karibik war bisher einmal Gastgeber einer WM, und zwar 1974. Zudem will sich Puerto Rico als Ausrichter der Jugendweltmeisterschaft im kommenden Jahr bewerben.

Neben den zuvor genannten NBA-Akteuren geht noch ein weiterer Teilnehmer der Amerikameisterschaft in der nordamerikanischen Profiliga auf Korbjagd: Joel Anthony (Foto), in Diensten der Miami Heat, konnte für das kanadische Team bis dato äußerst effizient abschließen: 63,3 Prozent seiner Feldwürfe fanden das Ziel. Dies nutzte der Center für 11,3 Punkte im Schnitt.

Auch sonst gibt es Spieler, die dem ein oder anderen Basketballinteressierten ein Begriff sein dürften. So führte Esteban Batista (Libertad de Sunchales, Argentinien) die Auswahl Uruguays mit 18,3 Punkten und 12,8 Rebounds pro Partie (Turnierbestwert) zu drei Siegen und einer guten Ausgangsposition für den Kampf um das Halbfinale. Der 25-jährig Big Man absolviete von 2005 bis 2007 insgesamt 70 Partien für die Atlanta Hawks.

Ein ehemaliger NBA-Akteur steht in Reihen Venezuelas: Oscar Torres lief von 2001 bis 2003 für die Houston Rockets, wo der heute 32-Jährige immerhin für durchschnittlich 16,5 Minuten das Parkett betreten durfte, und Golden State Warriors auf. Danach wechselte er nach Europa, wo er unter anderem für Khimki und CSKA Moskau spielte. Mit der Auswahl Venezuelas schied Torres nun aber nach der Vorrunde aus. Der Swingman konnte 12,5 Zähler pro Begegnung (38,9% FG) markieren.

Ein ehemaliger BBL-Akteur von Rang und Namen ist ebenfalls in Puerto Rico am Start. Filiberto Rivera, einst für die Artland Dragons aktiv und zuletzt in Diensten der Brose Baskets Bamberg stehend, kann mit der Auswahl Puerto Ricos auf einen bisher optimalen Turnierverlauf zurückblicken. Bei den vier Siegen steuerte der Aufbauspieler 6,5 Zähler und 2,3 Assists bei.

In Reihen Kanadas läuft mit Jermaine Anderson der letztjährige Aufbauspieler der Walter Tigers Tübingen auf. Der 26-Jährige stand von allen Nordamerikanern bisher am längsten auf dem Feld (25,3 MpG). Zwar kann Anderson mit keiner guten Wurfquote überzeugen (30,4% FG), mit 4,8 Assists verteilte er aber die meisten Korbvorlagen seines Teams und traf bisher jeden seiner 15 Freiwurfversuche.




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Kommentare

(7 Kommentare bisher)

von Suck My Diktiergerät 01.09.09 um 21:31:02


sehr sehr geiler artikel...aber is der titel zufällig vom king höchstpersönlich (also nich lebron, nicht bernard) marsimoto inspiriert?



von Oxymoron 02.09.09 um 12:23:30


Ersteinmal Danke. Und ja, Marsimotos Albumtitel kam mir dabei in den Sinn, wobei - um bei deutschen MCs zu bleiben - Misanthrop auch einmal diesen Teil in einem seiner Texte verwendet. ;)



von TheKing 03.09.09 um 22:20:58


wieso machen die amis nicht mit?



von Suck My Diktiergerät 03.09.09 um 22:41:27


wenn ichs richtig verstanden hab: in dem turnier gehts nur um die wm, und für die sind die usa dank olympiasieg bereits qualifiziert.



von TheKing 03.09.09 um 22:43:52


achso ok danke



von nicoquanz 06.09.09 um 13:49:22


mit den amis ist es so das sie aber wenn sie lust gehabt hätten auch teilnhemen können um den titel zu verteidigen oder??



von Rockwilder 06.09.09 um 21:06:33


Die USA sind als Olympiasieger automatisch für die WM qualifiziert.



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