U20-Europameisterschaft

Zittern von Anfang bis Ende

Bei der U20-Europameisterschaft in Griechenland durchlebten die deutschen Nachwuchskorbjäger (Foto: Robin Benzing) ein Wechselbad der Gefühle. Nach knappen Niederlagen und Achtungserfolgen mussten sie bis zuletzt zittern, um nicht in die B-Division abzurutschen.

Von Thomas Käckenmeister
 25.07.2009 |

Am Ende war Henrik Rödl zufrieden. Erleichtert sprach der Bundestrainer der deutschen U20-Nationalmannschaft der Herren nach dem letzten Spiel gegen Israel (75:72) ein "großes Kompliment an meine Mannschaft" aus, weil sie "in dieser schweren Situation die Nerven bewahrt hat. Ich bin stolz, dass das Team sich trotz der Rückschläge nicht aufgegeben hat und heute toll gekämpft hat. Natürlich haben wir uns einen anderen Tabellenplatz vorgenommen, aber nach den zwei unglücklichen Niederlagen in der Vorrunde haben wir heute diesen wichtigen Sieg erkämpft und unser Minimalziel 'Nichtabstieg' erreicht."

Dabei hätte alles vollkommen anders kommen können. Doch Konjunktive haben spätestens seit den Zitatlawinen eines Frank Buschmanns nichts mehr im Sport zu suchen, sind sie doch die Fluchtstätten der Verlierer.

Gleich zum Auftakt des Turniers ging den Deutschen gegen Kroatien die Luft nach Verlängerung aus, obwohl sie lange Zeit das Kommando bestimmten. Mit 91:86 unterlagen die vom Neu-Ulmer Robin Benzing (33 Punkte) und Bastian Doreth (Franken Hexer, 21 Punkte) angeführten Bundesadler die erste Partie unglücklich, hatten sie doch in der 35. Minuten noch mit sieben Zählern (70:63) geführt. Doch Foulprobleme bei Maurice Stuckey (Brose Baskets Bamberg), Thomas Schoeps (Alba Berlin), Elias Harris (Gonzaga University, USA) und eben auch Benzing ließen das Heft aus der Hand gleiten.

Am Folgetag kam es erneut zu einem Krimi. Und wieder gab es kein Happy End für die U20-Korbjäger. Nach einer knappen 77:79-Pleite gegen Serbien fand sich Deutschland plötzlich im Pool der Mannschaften wieder, die um den Verbleib in der A-Division bzw. den Abstieg in Gruppe B spielen. Gegen die Balkan-Basketballer sahen sich Harris (24 Punkte), Benzing (23) und Co. bereits nach dem ersten Viertel mit zehn Punkten in Rückstand und lagen zu keinem Zeitpunkt der Begegnung in Führung. Dennoch war die Schlussphase höchstbrisant: Harris erzielte sieben Zähler in Folge und brachte Deutschland 23 Sekunden vor Schluss auf 73:75 heran. Philipp Schwethelm traf zehn Sekunden vor Ende zum 77:77, doch Serbien konterte eiskalt mit einem Korbleger zum Sieg.

Zwei Pleiten in zwei Tagen zehren gewöhnlich nicht nur an der Psyche, sondern auch an den körperlichen Kräften. Dennoch stämmte sich Rödls Truppe im dritten und letzten Vorgruppenspiel gegen die starken Ukrainer, die sie mit einer starken Mannschaftsleistung (vier Spieler punkteten zweistellig) mit 75:62 besiegten. Fünf Minuten vor Schluss führten die ING-DiBa-Korbschützen mit 73:56 und zeigten sich bereit für die Abstiegsrunde.

In den Relegationspartien hießen die Gegner Slowenien, Belgien und Israel. Außerdem war zwischen allen Partien jeweils ein Tag spielfrei, um die Kräfte wieder zu mobilisieren.

Das große Zittern setzte sich unwesentlich gegen die Slowenen fort. Mit 77:86 gingen die Deutschen unter, u.a. aufgrund 13 unbeantworteter Punkte des Gegners nach dem Seitenwechsel, und benötigten nun zwei Siege, um die Rückstufung in die Gruppe B zu verhindern. Die Begegnung sollte jedoch nicht nur für mehr Druck im deutschen Lager sorgen, sondern auch sportliche Narben hinterlassen. Erneut schied Robin Benzing (14 Punkte) mit fünf Fouls vorzeitig aus, Elias Harris (15) musste genäht werden und Maurice Stuckey (5) musste per Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden. Später wurde bei ihm ein Steißbeinbruch diagnostiziert.

Gegen Belgien erspielten sich die Nachwuchsadler dann den höchsten Sieg dieses Turniers. Zwar trat Deutschland ohne Stuckey an, konnte aber dennoch ein "Endspiel" gegen Israel nach einem deutlichen 85:53-Erfolg erzwingen. Vor allem in der zweiten Hälfte drehten Tibor Pleiß (17 Punkte) und Kollegen auf und erzielten nach dem Seitenwechsel insgesamt 51 Punkte. Belgien kam nur auf 22 Zähler.

Die Spannung blieb im letzten und entscheidenden Spiel gegen Israel bis zum Schluss. Die Nervösität war beiden Mannschaften anzusehen. Am Ende führten aber erneut Benzing (21 Punkte) und Harris (10) ihre Kollegen an. An der Freiwurflinie sicherte Schoeps den wichtigen und hart erkämpften 75:72-Sieg, sodass Deutschland weiterhin in der A-Gruppe spielt.

Am Ende kann Deutschland also doch noch den Kopf aus der Schlinge ziehen, obwohl nicht wenige vor der Europameisterschaft damit rechneten, dass diese talentierte U20-Truppe Chancen auf Edelmetall gehabt hätte.

Was bleibt, ist die Vorfreude auf die neue Saison in der Basketball Bundesliga. Dort wird Robin Benzing (Foto), der beste Punktesammler des Turniers (22,2 PpG), für ratiopharm Ulm auf Korbjagd gehen. Vorher will der Nachwuchs-Spieler noch beim A-Nationalmannschaft-Lehrgang von Dirk Bauermann in Leverkusen zeigen, was er drauf hat: "Die Hoffnung, bei der A-Nationalmannschaft dabei zu sein, ist natürlich immer da. Deshalb will ich beim ersten Lehrgang in Leverkusen richtig Gas geben.“

Bester deutscher Rebounder der deutschen U20-Basketballer war übrigens Elias Harris, der 6,4 Boards (15. des gesamten Turniers*) einsammelte. Bastian Doreth war mit 2,6 Vorlagen (14.) und 1,6 Ballgewinnen (13.) gleich in zwei Teamstatistiken bester Deutscher und Tibor Pleiß schickte mit 1,5 Blocks pro Spiel (4.) die meisten Würfe zurück zum Absender.

Bis Sonntag kämpfen die Mannschaften noch um die Goldmedaille auf Rhodos. Alle Informationen sowie alle Ergebnisse gibt es auf der offiziellen Website fibaeurope-u20men.com.

* Stand der Statistiken: 24. Juli 2009




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von Mr_Kittles 25.07.09 um 17:21:35


Danke für den Artikel :-)

Gute Besserung an Mo an dieser Stelle, auch wenn er nich mehr in Ehingen rockt :-P



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