Sergio Llull und Felipe Reyes
Spartakus und sein Gefährte
Real Madrid ist Gruppengegner von Alba Berlin in der Euroleague. Zwei Spieler in Reihen der Spanier stehen dabei besonders im Mittelpunkt: Center Felipe Reyes und Nachwuchsaufbau Sergio Llull.
Von Marcos Garcia (mg), Willi Dressler (wd) |
05.02.2009 | |
Shooting Star und Hoffnungsträger
Sergio Llull gehört die Zukunft bei Real Madrid
(mg). Er ist mit 21 Jahren der jüngste Spieler im Kader von Real Madrid, aber seine außergewöhnlichen Qualitäten bringen Sergio Llull immer mehr Spielzeit und Verantwortung ein, die der Point Guard mittlerweile mit immer außergewöhnlicheren Leistungen (wie zuletzt im Europaligaspiel gegen den Erzrivalen Regal Barcelona) zurückzahlt.
Llull wurde am 15. November 1987 in Mahón, Hauptstadt der zweitgrößten Baleareninsel Me-norca, geboren, wo er bei Salle Mahón schnell sein Talent unter Beweis stellte. Bei seinem Heimtverein erzielte er als Junior sagenhafte 71 Punkte in einem Spiel, was Scouts aus ganz Spa-nien aufmerksam machte. Zur Saison 2003/04 wurde er von Básquet Manresa (spanischer Meister 1998) für das Nachwuchsteam verpflichtet.
Nach zwei guten Spielzeiten im B-Team kam schließlich im Jahr 2006 das Debüt für Manresa in der Liga ACB, der höchsten spanische Spielklasse. In jener Saison absolvierte Llull für die Mannschaft elf Spiele, bevor das Team in die Liga EBA absteigen musste. Die Saison 2006/07 bestritt er bereits als Stammspieler des Teams und im Mai 2007 kam schließlich der überraschende Transfer zu den ?Königlichen?, mit denen er bereits im Playoff-Finale 2007 gegen Barcelona den Titel gewann.
In der Folgesaison begann Reals Head Coach Joan Plaza dem jungen Menorquiner langsam aber stetig mehr Spielzeit zu geben und ihn so im Schatten von Ex-Utah-Jazz-Spieler Raúl López auf-zubauen. Die Früchte dieser Arbeit ernteten Spieler und Verein bereits in der aktuellen Saison, als Llull den verletzungsbedingten Ausfall von López erfolgreich kompensierte.
Endgültig ins Rampenlicht spielte sich der talentierte Spielmacher beim knappen Sieg Reals über Barça, an dem er mit zwölf Punkten im Schlussviertel maßgeblichen Anteil hatte. Dieses Spiel war es, in dem er sich in die Herzen der Fans des ?weißen Ballets? spielte und mittlerweile zu-sammen mit Sergio Rodríguez sowie Ricky Rubio zu den größten Talenten Spaniens auf der Point Guard-Position gezählt wird.
Die Qualitäten Llulls basieren in erster Linie auf seinen athletischen Fähigkeiten. Er ist mit 1,90 Meter ein relativ großer Point Guard, der aber sehr schnell auf den Beinen ist und eine enorme Sprungkraft besitzt, wie er immer wieder mit sensationellen Dunks unter Beweis stellt. Diese Fä-higkeiten erlauben es ihm, den gegnerischen Spielmacher problemlos über eine längere Distanz über das ganze Feld unter Druck zu setzen und in der Offensive viel Zug zum Korb und ein blitz-schnelles Fastbreak-Spiel zu entwickeln.
Natürlich besitzt er aufgrund seiner jungen Jahre noch verbesserungswürdige Schwächen im Spiel: So überdreht er manchmal gerne, wenn es teilweise besser wäre, das Tempo zu drosseln. Auch seine Wurfquote aus der mittleren und langen Distanz ist ? wenn auch nicht schlecht ? noch ausbaufähig. Ansonsten kann man, im Einklang mit vielen iberischen Basketballexperten, von einem Spieler mit NBA-Potential sprechen.
Spartakus unter den spanischen Brettern
Felipe Reyes ist Herz und Seele von Real Madrid
(wd). Felipe Reyes Cábanas befindet sich im besten Basketballer-Alter. Das stellt der Star von Real Madrid derzeit Woche für Woche unter Beweis. Mitte März feiert der Center seinen 29. Geburtstag ? und spielt besser als jemals zuvor. Mit 17,7 Punkten im Schnitt liegt Madrids Topscorer momentan auf dem vierten Rang der spanischen ACB-Liga. Hinzu kommen neun Rebounds pro Partie, was ligaweit den zweitbesten Wert darstellt. Das Ranking der Performance Points, in dem sämtliche Statistiken aufgerechnet werden, führt Reyes gar an (24,1 Punkte im Schnitt) und ist somit ein heißer Kandidat auf den MVP-Titel der regulären Saison. Dieser fehlt ihm in seiner umfangreichen Trophäensammlung noch, doch er würde ihn sicher gerne gegen einen Titel mit seiner Mannschaft eintauschen.
Reyes ist das Herz von Real Madrid und der unangefochtene Leader des ?weißen Basketball-Ballets?. Dabei ist der Kapitän des spanischen Traditionsclubs eigentlich ein ruhiger Vertreter auf dem Parkett. Äußerst selten sieht man ihn lamentieren oder mit den Schiedsrichtern diskutieren. Reyes macht vielmehr durch Leistung auf sich aufmerksam und reißt seine Mannschaftskameraden mit seinem beispielhaften Einsatz und seiner enormen Willensstärke mit. Damit kompensiert er auch seine mit 2,06 Meter für einen Center relativ geringe Körpergröße und gilt seit Jahren als einer der komplettesten und besten Spieler Europas auf seiner Position, der mit einem ungeheuren Zug zum Korb und einem brillanten Stellungsspiel beim Rebound ausgestattet ist. Dazu ist sein Mitteldistanzwurf eine der zuverlässigsten Angriffswaffen für Real.
Die Entschlossenheit, die er seit seiner Kindheit zu den größten Stärken zählt, hat ihm den Spitznamen ?Espartaco? (dt. Spartakus) eingebracht. Jede der Mannschaften, für die er bislang aufgelaufen ist, hat davon profitiert. 1999 debütierte der im andalusischen Córdoba geborene Reyes im Alter von 18 Jahren in der ACB für den Madrider Club Estudiantes, für den er umgehend zum Leistungsträger wurde, und gewann 2000 prompt die Copa del Rey, den spanischen Pokal. Zuvor war er bereits Junioren-Europa- und Weltmeister mit Spanien geworden.
Sein Wechsel zum Stadtrivalen und Erzfeind Real Madrid im Jahr 2004 war der teuerste in der Geschichte des Vereins und sorgte für allerhand Aufruhr und kritische Stimmen. Der Erfolg sollte Reyes, der als legitimer Nachfolger der Real-Legende und dem ersten Spanier in der NBA, Fernando Martín, gilt, allerdings recht geben. Mit Real gewann er 2005 gleich in seiner ersten Saison die spanische Meisterschaft und 2007 gar das Double aus ACB-Titel und ULEB-Cup.
Seit seinem Debüt in der spanischen Nationalmannschaft 2001 ist er auch hier an der Seite von weiteren Superstars wie Pau Gasol oder Juan Carlos Navarro unverzichtbar geworden und hat zahlreiche Erfolge feiern dürfen wie die Vizetitel bei den Europameisterschaften 2003 und 2007, die olympische Silbermedaille in Peking 2008 und seinen bislang größten Triumph, die WM-Krone mit den Iberern im Jahr 2006. Mittlerweile hat er über 120 Länderspiele bestritten und wird hier wohl bald seinen älteren Bruder Alfonso, der es auf 140 Einsätze für Spanien brachte, übertreffen. Alfonso, einer der besten Spieler Spaniens in den 1990ern, ist das große Idol von Felipe. Gemeinsam haben sie 2000 für Estudiantes die Copa del Rey geholt sowie EM-Bronze 2001 und EM-Silber 2003 für ihr Heimatland.
Die Euroleague konnte bislang jedoch keiner der beiden gewinnen. Felipe hat in dieser Saison allerdings die Chance dazu. Und er ist wie immer entschlossen genug.



von almaen 05.02.09 um 11:07:58
Und ich bin schon irre begeistert, heute dabei zu sein, Real mal live spielen zu sehen. Auch wenn ALBA wohl eine 30-Punkte-Klatsche kriegt. (In den TOP-16 gilt dann eher das olympische Motto.)
von Odin 05.02.09 um 12:45:22
wo wird das spiel übertragen?
von Tomdawg 05.02.09 um 13:28:51
Bewegte Bilder gibt es über bbl.tv, das die Partie live unter anderem im Internet überträgt. Der RBB sendet von 22.35 Uhr an eine 20-minütige Zusammenfassung der Höhepunkte.
[morgenpost.de]
von BerlinAir 05.02.09 um 16:09:53
In der O2-World gibt es sicher keine 30-Punkte-Klatsche fuer Alba. Llull hin, Reyes her.
von bergerto 05.02.09 um 17:25:43
@almaen positiv denken....wir werden die albatrosse schon zum sieg brüllen;)
und wenn nicht wenigstens guten bball vom weißen ballett sehen:)
von dreiergott 05.02.09 um 18:28:37
ich glaube kaum, dass alba mit 30 punkten gegen real verlieren wird. alba ist zu hause immer doppelt motiviert (vor allem in der euroleague) und deswegen ist nicht mal der gedanke abwegig, dass alba gewinnen koennte.
ich meine , wer haette denn gedacht, dass alba zu hause rom, badalona und istanbul schlagen konnte? und diese drei sind ungefaehr vom selben kaliber wie real (vor allem rom)
von almaen 05.02.09 um 23:21:50
@begerto
Ich bin so schnell wie möglich nach dem Spiel nach Hause geeilt, um meinen Vormittags-Kommentar zu relativieren: Real war 30 Minuten lang eine Enttäuschung und ja, wir haben wie blöde gebrüllt, nicht nur, weil ALBA 30 Minuten lkang sensationell gespielt hat, sondern auch, weil die Schiris uns genug Anlässe dafür gaben.
Geiler geht's nur, wenn ALBA auch noch gewinnen würde... (und das muss man mit so einer Führung im Rücken eigentlich auch...)
Boah, ich könnte mir jetzt hier so den Frust runter schreiben, ich lasse es besser. Aber eins muss man noch tadeln: Berliner, die Halle war nicht voll!
(Zum Thema 30 Punkte: Zuletzt hatte ich das Heimspiel gegen Ljubljana gesehen, mit der Leistung heute hätte das mit der Klatsche geklappt.)
von almaen 05.02.09 um 23:33:23
Sorry, "bergerto", nicht begerto. (Das ist der Frust...)
von Le-Roi-Diaw 07.02.09 um 13:56:29
Kleine Verbesserung Manresa ist damals in die LEB abgestiegen