Ricky Rubio
Ricky Rubios steiniger Weg in die NBA
Führt die Karriere des talentierten spanischen Jung-Stars Ricky Rubio bereits in diesem Jahr in die NBA? Derzeit steht sein spanischer Arbeitgeber, DKV Joventut Badalona, in den Schlagzeilen aufgrund fragwürdiger Machenschaften.
Von Marcos Garcia |
10.06.2009 | |
Das spanische "Jahrhunderttalent" Ricky Rubio (DKV Joventut Badalona) hat vor etwas mehr als einem Monat seine Teilnahme am NBA Draft dieses Jahres angekündigt. Der 18-Jährige wird dabei als einer der Top-Picks – zwischen Position zwei und fünf gemäß den „Mock Drafts“ – gehandelt, wobei zur Zeit die Memphis Grizzlies, die Oklahoma City Thunder und die Sacramento Kings am meisten Interesse bekundet haben. Ein Trade kann jedoch nicht ausgeschlossen werden und so sollen auch die New York Knicks ein Auge auf den jungen Aufbauspieler geworfen haben, um in Hinblick auf 2010, wenn LeBron James in den Big Apple geholt werden soll, ein starkes Team aufzubauen. Neuesten Gerüchten zufolge sollen auch Boston und Houston, die keine Rechte auf einen Erstrunden-Pick besitzen, an einem Trade mit Memphis, die an zweiter Stelle ziehen dürfen, interessiert sein. Diese drei letzten Stationen wären allesamt sehr attraktiv für den Silbermedaillengewinner von Peking.

Ricky Rubio im Olympischen Finale gegen Team USA.
In Spanien spalten sich die Expertenmeinungen, aber eine große Mehrheit erachtet die Entscheidung als verfrüht, auch wenn viele diese aus finanziellen Gründen verstehen. Ab nächster Saison plant die NBA eine weitere Verkürzung des Salary Caps, was für europäische Spieler einerseits das Problem mit sich bringt, sich aus laufenden Verträgen in ihren Stammvereinen freizukaufen und andererseits langfristig die Chancen auf einen hochdotierten NBA-Vertrag sinken lassen. Aus spielerischer Sicht sind sich die meisten einig, dass es für den Spieler besser wäre, noch ein oder zwei Jahre in Europa auf höchstem Niveau zu spielen, um als „fertiger“ Spieler in die USA zu gehen.
Sein Verein Joventut Badalona hat nach den Olympischen Spielen von Peking, bei denen Rubio als 17-Jähriger die Welt mit seinen tollen Fähigkeiten verzaubert hatte, seinen Vertrag bis 2011 verlängert. Dabei wurde sein Gehalt von 70.000 auf knapp über 200.000 Euro aufgestockt, gleichzeitig die Ablöseklausel auf 4,75 Millionen Euro festgesetzt. Diese wurde aus Schutz vor den "Großen" des europäischen Klubbasketballs festgelegt und nicht, um einen allfälligen Wechsel Rubios in die NBA zu verhindern. Rubios Umfeld und sein Verein hatten sich geeinigt, dass er sich 2010 für den Draft anmelden würde und dass man dann, ähnlich wie im letzten Jahr mit Rudy Fernandez, über die Ablöse verhandeln würde.
Angesichts der Veränderungen in der NBA und der Aussichten, dass der Point Guard bereits dieses Jahr unter den Top Fünf gedraftet werden könnte und wohl auch aufgrund verschiedener geldgieriger Agenten und Leuten aus dem Umfeld seiner Familie, hat Rubio sich nun entschlossen, bereits dieses Jahr den Schritt zu tätigen.
Der Verein hat daraufhin erklärt, dass er dem Spieler keine finanziellen Erleichterungen zur Freigabe geben würde, da das bei der Vertragsverlängerung so nicht vereinbart worden war. Man kann den Verein verstehen. Es geht dabei um die Problematik, die in den letzten Jahren immer wieder aufgekommen ist, dass NBA-Franchises nur ein minimales Entgelt für Transfersummen ausgeben können und diese somit zwischen Spielern und Vereinen in Europa abgewickelt werden müssen.
Aus europäischer Sicht ist es sicherlich nicht ganz fair, dass die größten Talente, die hierzulande ausgebildet werden, immer wieder von der NBA abgeworben werden und die Vereine auf dem hiesigen Kontinent immer wieder finanziell Einbußen auf sich nehmen müssen. Man stelle sich einmal vor, europäische Fussballklubs würden nun bekanntgeben, dass man für Transfers von Spielern aus Südamerika nur noch ein Maximum von einer Million Euro bezahlen wird – die Fußballwelt würde gewiss Kopf stehen.
Ricky Rubio hat nun entschieden, seinen Verein zu verklagen und dies aufgrund zweier Ursachen: Erstens sei die Diskrepanz zwischen seinem Gehalt (wie erwähnt knapp 200.000 Euro) und seiner Ablöse (4,75 Mio.) viel zu groß. Diesbezüglich gibt es in Spanien bereits einen Präzedenzfall im Fußball, als einem Spieler aus der Jugendabteilung Real Madrids in ähnlicher Situation recht gegeben wurde. Zweitens hat der Klub, der wie so viele Sportvereine in Spanien verschuldet ist, den Vertrag mit Rubio an das Steueramt verpfändet, womit der Spieler faktisch Eigentum desselben geworden ist. Die Anwälte des Spielers mahnen dabei, dass dies ohne Benachrichtigung des Spielers geschehen sei. Obwohl auch diese Vorgehensweise auf der iberischen Halbinsel üblich ist, hat sich Joventut da ein bisschen ins eigene Fleisch geschnitten.
Die ganze Polemik, die sich ergeben hat, könnte allerdings umsonst sein, denn noch ist gar nicht sicher, ob Rubio überhaupt schon diesen Sommer den Sprung über den Teich wagt. Er wird diesen Schritt nur tätigen, falls er von einem Team gewählt wird, bei dem er mit Spielzeit und langfristigen Perspektiven (er möchte auf keinen Fall wie Sergio Rodriguez bei Portland ein paar Jahre nur "garbage time" spielen) rechnen kann, wie zum Beispiel bei den Knicks. Ansonsten wäre es gut möglich, dass er noch mindestens ein weiteres Jahr in Europa bleiben würde und dies bei einem Arbeitgeber, den er angezeigt hat. Zumindest eine kontroverse Situation, da Joventut sich bei einem allfälligen Wechsel innerhalb Europas bezüglich der Ablösesumme bestimmt unflexibel zeigen würde.
Der blutjunge Aufbauspieler der Grün-schwarzen aus dem Vorort von Barcelona wird nun in den nächsten Tagen in die USA fliegen, um verschiedene Städte zu besuchen und sich ein besseres Bild über die interessierten Franchises zu machen. New York, Memphis, Oklahoma City und Sacramento scheinen sichere Stationen auf dieser Reise, allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass vielleicht noch weitere Teams verdeckt an einer Verpflichtung Rubios arbeiten.
In den nächsten Wochen wird sich Rubio, zusammen mit Familie und Berater, wohl eine klarere Vorstellung über seine unmittelbare Zukunft machen. Eine endgültige Entscheidung darf wohl aber erst am 25. Juni, sprich am Tag der Auslosung selbst, erwartet werden.
Ricky Rubio Highlights der Saison 2008/09






von almaen 11.06.09 um 00:06:02
Auf der dritten Steintafel, die Moses leider fallen ließ (siehe die Doku dazu von Mel Brooks), da stand auch was von "Du sollst keine Berater haben, die an Provisionen verdienen." Hätt' er mal festgehalten, sowas würde heute, niucht nur im Basketball, ganz nützlich sein.
von YAM 11.06.09 um 08:07:26
Aha. Dann lieber keine Ahnung haben und sich von den Vereinen ständig unter Marktwert über den Tisch ziehen lassen, oder einen Berater auf Honorarbasis anheuern, der sich keine allzu große Mühe geben muss, weil sein Lohn unabhängig von abgeschlossenen Deals immer gleich bleibt. Es gibt Gründe, warum es diese Haie gibt und genug schlechte GMs, die zu ihren Opfern werden.
von justuskoch 11.06.09 um 17:10:36
meiner meinung nach is rubio viel zu sehr gehyped oder wie mans auch schreibt^^
ich denke er wird die erwartungen nicht im geringsten erfüllen und so einer wie ridnour werden oder mike conley eher rollenspieler
von almaen 11.06.09 um 17:40:57
@YAM: Ich verstehe deinen Einwand. Aber letztendlich ist es fraglich, ob ein Teenager durchblickt, wer ihn jetzt am wenigsten ausnimmt, der Berater oder der Verein, oder gar die Familie. Und sind Rookie-Verträge nicht weitgehend genormt? Wie will ein Verein ihn da dieses Jahr über den Tisch ziehen. Um die ganz dicken Millionen geht es erst in drei Jahren.
Letztendlich besteht das Risiko, dass ein zu früher NBA-Eintritt ihn in seiner Entwicklung behindert und er später eben nicht so dicke Verträge abgreifen kann wie er es als Flop tun würde.
Die lieben Lehman-Zertifkate-Kunden fühlten sich auch gut beraten...
von YAM 11.06.09 um 23:10:51
Mit den Rookie-Verträgen gebe ich dir Recht. Ein fähiger Berater kann aber dennoch einiges an Land ziehen, auch wenn sein Schützling nicht so wirklich geil ist (man denke da mal Jerome James).
Was ich eigentlich nur sagen wollte - ohne Berater ist ein junger Typ verloren, das geht dann mit Werbeverträgen und PR weiter... wer soll sich darum kümmern? Deshalb halte ich's an der Realität vorbeigedacht, Berater allgemein zu bannen, oder an was du gedacht hast. Ist hat Buiseness, gehört dazu.
von Webocat 12.06.09 um 08:44:23
oder man macht es halt wie sam cassel, aber der hatte auch oft recht günstige verträge