Olympische Spiele
Mission erfüllt
Mit neuem Rezept zu altem Erfolg: Olympia-Gold geht wieder in die USA. Spanien und Argentinien feiern ebenfalls ihr Edelmetall. Das olympische Turnier sah am letzten Tag Tränen, den Auftritt eines künftigen Weltstars und jede Menge Punkte.
Von Jens Möller und Christian Guse |
25.08.2008 | |
Das Finale: Spanien gegen USA 107:118
(jm). "Ich bin stolz auf unsere Jungs", sagte Mike Krzyzewski nach dem Finale in Peking. "Mission Gold" erfüllt. Der Head Coach der US-Nationalmannschaft wirkte sichtlich erleichtert nach dem 118:107-Sieg gegen starke Spanier. Auf Krzyzewski lastete vor den Olympischen Spielen jede Menge Druck. Bei seinem Dienstantritt vor drei Jahren sollte der erfahrene College-Coach nichts weniger umsetzen als eine kleine Revolution. Seit 2000 hatten die US-Spieler kein wichtiges internationales Turnier mehr gewonnen, sich stattdessen mit Arroganz und technischen Mängeln vor der Welt blamiert.
Krzyzewski nominierte mit Blick auf Peking 2008 einen festen US-Kader und verprellte mit der kategorischen Anwesenheitspflicht zu Terminen wie der zweitklassigen Amerikameisterschaft einige NBA-Stars, die bis dahin gewohnt waren, die Termine mit der US-Nationalmannschaft eher wie persönlich geplante Audienzen zu handhaben. Kein Allen Iverson, kein Tim Duncan, kein Kevin Garnett. Stattdessen trugen nun Spieler wie Michael Redd und Carlos Boozer das US-Trikot, NBA-Kennern zwar ein Begriff, aber im Vergleich zu den mit großen Namen gespickten "Dream Teams" zuvor doch zweite Wahl.
Coach "K" ging es um die Teamchemie. Lieber einige Rollenspieler mehr als motzige Stars, die sich gegenseitig die Punkte neiden. "Take nothing for granted." Einen Zettel mit diesem Spruch liess er jedem seiner Jungs wie Dwight Howard an den Spind kleben (Foto: André Voigt). Und die neue Mischung ging auf. "Diese Mannschaft hat einen tollen Charakter. Sonst hätten wir kein Team schlagen können, dass einen ebenso tollen Charakter hat", sagte Krzyzewski nach der Partie gegen Spanien.
Die Südeuropäer verlangten den US-Profis im olympischen Finale alles ab. Zwar hatten Kobe Bryant und Co. im Gruppenspiel die Spanier noch mit 119:82 aus der Halle geprügelt, aber jedem Beobachter war klar, dass Head Coach Aito Garcia seine Jungs ? den Weltmeister von 2006 ? für den Kampf um Gold noch einmal perfekt auf den Favoriten einstellen würde.
In der Wukesong-Arena konnten die US-Amerikaner zwar in der ersten Halbzeit mit ihrem ? schon im ganzen Turnierverlauf nicht zu stoppenden ? Tempobasketball einen 14-Punkte-Vorsprung herausholen. Vor allem Dwyane Wade war nicht zu halten. Doch die Spanier blieben dran, dank einer nahezu perfekten Vorstellung in der Offensive. "Sie waren unglaublich", sagte LeBron James nach dem Spiel. Auf fast jeden US-Angriff fanden die Iberer im Gegenzug die passende Antwort. 69:61 führten die US-Profis zur Halbzeit. 130 Punkte in einer Halbzeit: Das olympische Turnier sah ein spektakuläres Ende.
Die Spanier zeigten, dass ihre Topspieler längst ein Niveau erreicht haben, auf dem früher fast ausschließlich Spieler aus dem Basketballmutterland zauberten. Pau Gasol von den Los Angeles Lakers ließ Dwight Howard ? den kommenden NBA-Superstar ? ein ums andere Mal wie einen unbedarften ? und in der Tat ? 22-Jährigen aussehen. Turnier-Topscorer Gasol hatte am Ende 21 Punkte auf dem Konto, einen weniger als Rudy Fernandez, Spaniens kommendem Star (...mehr). Fernandez hämmerte in der zweiten Halbzeit einen Dunk über Dwight Howards Kopf hinweg durch die Reuse. Dann versenkte er acht Minuten vor dem Ende der Partie einen Dreipunktewurf zum 89:91 aus Sicht der Spanier.
Als die US-Spieler durch Kobe Bryant, Deron Williams und Howard wieder auf 99:89 davon gezogen waren, war es erneut Fernandez mit einer Distanzbombe, der das Spiel eng hielt. Dann zahlte der Spanier doch Lehrgeld. Gegenspieler Bryant (am Ende 20 Punkte und sechs Assists) warf einen ? für normale Spieler ? unmöglichen Dreipunktewurf, traf und wurde dabei von Fernandez gefoult. Es war dessen fünftes Foul. Mit 22 Punkten ? darunter fünf Dreiern ? beendete Spaniens Bester die Partie. US-Assistenztrainer Nate McMillan wird die starke Vorstellung gefreut haben: Fernandez wechselt für die kommende NBA-Saison zu seinen Portland Trail Blazers.
Als die Spanier durch einen erneuten Dreipunktewurf ? diesmal von Teamkapitän Carlos Jiménez ? wieder auf 104:108 verkürzten (2:28 Minuten vor dem Ende), machten die US-Profis schließlich den Sack zu. Wade, mit 27 Punkten bester Werfer des Spiels, netzte einen Dreipunktewurf ein und die Spanier kamen nicht wieder heran. "Es war eines der besten Spiele in der Geschichte des internationalen Basketballs", meinte Mike Kzyzewski nach dem Spiel. "Es brachte das Beste in uns hervor." Keine Sekunde habe man gegen diesen Gegner abschalten dürfen, sagte LeBron James (14 Punkte, sechs Rebounds). "Großen Respekt für Spanien?, lobte er. Dann verkündete der "King" aber die Botschaft des letzten Olympiatages: "USA is back on top again!"
Als Verlierer sahen sich nach einem spektakulären Spiel die Spanier aber nicht. Die Silber-Medaille ist der größte Erfolg seit den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, wo es ebenfalls Silber gab. "Dieses Finale sagt eine Menge darüber aus, was für ein Team wir sind und dass wir verdient an dieser Stelle stehen", sagte Pau Gasol.
Stolz war der NBA-Star von den Los Angeles Lakers auch auf das Teamküken. Der 17-jährige Ricky Rubio von ULEB-Cup-Sieger Joventut Badalona (...mehr) vertrat wieder den verletzten Spielmacher José Calderon (Toronto Raptors). Er spielte soviel Minuten wie kein anderer Spanier (29) und sammelte sechs Punkte, sechs Rebounds, drei Assists und drei Steals.
Rubio ist der jüngste Basketballspieler, der jemals eine olympische Medaille gewonnen hat. Nach diesem Turnier dürften Experten anfangen, die Tage zu zählen, bis Spaniens Wunderkind das erste Spiel in der NBA macht.



von Suck My Diktiergerät 27.08.08 um 12:50:39
schick schick. hab mir gestern ne HD-wiederholung von beiden spielen angesehen. und dabei fiel mir was auf. prigioni ist ja verdammt genial. warum spielt der nicht in der nba??
kobe hat seinen mvp status bewiesen...im letzten viertel an 15 punkten oder so beteiligt gewesen...wow. und dann das 4 punkte spiel. wow.