Olympische Spiele
Klare Angelegenheiten
Während die deutsche Nationalmannschaft in ihrem letzten Spiel ein Debakel erlebte, gingen mit der Ausnahme der Partie Argentinien gegen Russland auch die restlichen Spiele klar und deutlich aus. Dabei überraschte Australien gegen das bis dato ungeschlagene Litauen.
Von Manuel Baraniak |
19.08.2008 | |
USA gegen Deutschland 106:57
Sowohl für die USA als auch für die deutsche Nationalmannschaft ging es in diesem letzten Vorrundenspiel um nichts mehr. Die US-Amerikaner standen schon als Gruppenerster fest, für die Deutschen war nach der knappen Niederlage gegen China der Viertelfinal-Zug abgefahren. So wollte man das olympische Basketballturnier wenigstens würdevoll abschließen. Am Ende sollte es aber ein Debakel werden: Das 57:106 war eine der höchsten Niederlage in der deutschen Länderspielgeschichte überhaupt. Vor acht Jahren verloren die DBB-Herren beim Vier-Nationen-Cup gegen Frankreich einmal mit 47:105, was bis dato als die höchte Pleite einer Herren-Nationalmannschaft gilt. In seinem 209. und letztem Länderspiel durfte der Nationalmannschafts-Kapitän Patrick Femerling dabei von Beginn an ran. Auch Sven Schultze startete.
Schon zu Beginn konnte man erahnen, dass die deutsche Mannschaft keine Chance gegen dieses US-Team haben würde. Mit einem 8:0-Lauf startete das "Redeem Team" in die Begegnung, nach sieben Minuten nannten sie schon eine 23:5-Führung ihr Eigen. Dabei nahm der sonst so offensivscheue Jason Kidd sogar einen Wurf aus dem Feld - seinen zweiten überhaupt im gesamten Turnierverlauf - und traf auch seinen Dreier. Die Deutschen hingegen setzten neun ihrer ersten zehn Würfe aus dem Feld daneben. Nach Schultzes erfolgreichem Dreipunktewurf nach gut drei Minuten dauerte es weitere knapp vier Minuten, bis mit Chris Kaman wieder ein deutschen Spieler den Ball erfolgreich durch den Ring befördern konnte. Nach Ende des ersten Viertels liefen die deutschen Korbjäger bereits einem 12:31 hinterher. Bei den US-Amerikaners zeigten sich vor allem Dwight Howard, der acht seiner 22 Punkte in den ersten zehn Minuten versenkte, und LeBron James, welcher zehn seiner insgesamt 18 Zähler im Anfangsabschnitt markierte, korbgefährlich.
Den sieben deutschen Ballverlusten im ersten Viertel folgten im zweiten Abschnitt schnell zwei weitere Turnovers. Nach zwei gespielten Minuten betrug der Rückstand somit ganze 27 Punkte. Dann kam das DBB-Team aber ein wenig besser ins Spiel. Vor allem Konrad Wysocki konnte sich innerhalb weniger Sekunden durch einen Steal, Punkte am Brett und einen erfolgreichen Dreier ein wenig in Szene setzen. Die Deutschen versuchten vermehrt, den Weg zum Korb zu suchen, wohingegen die Amerikaner ein um das andere Mal aus der Distanz abschließen konnten. Allein LeBron James traf nach zwei Dreiern im ersten Viertel zwei weitere Mal von "Downtown". Insgesamt zeigte sich die USA diesmal deutlich treffsicherer von außen (42,3% 3FG) als in den bisherigen Spielen. Nach ausgeglichenen, letzten acht Minuten stand es zur Halbzeit 29:53 aus Sicht der Deutschen.
Nach der Pause verzeichneten wiederum die US-Amerikaner den deutlich besseren Start für sich. Howard mit einem Drei-Punkte-Spiel und Kobe Bryant mit zwei Dreiern, welchen er wenig später einen dritten folgen ließ, brachten ihr Team mit 33 Punkten in Front. Demond Greene markierte nach dreieinhalb Minuten die ersten deutschen Zähler nach der Halbzeit. Mit einem krachenden Dunk und einem Slam mit Foul setzten James bzw. Dwyane Wade dann noch einmal jeweils ein spektakuläres Ausrufezeichen. Sowohl Pascal Roller als auch Jan-Hendrik Jagla konnten kurz vor Viertelende per Dreipunktewurf den Spielstand ein klein wenig annehmlicher gestalten. Dennoch betrug der Rückstand vor den letzten zehn Minuten 37 Zähler. Dreieinhalb Minuten vor Ende des Viertels wurde Dirk Nowitzki mit Applaus verabschiedet. Sowohl er als auch Kaman und Femerling standen im letzten Viertel dann nicht mehr auf dem Parkett.
Auch US-Head-Coach Mike Krzyzewski ließ im Schlussabschnitt seine Starting Five auf der Bank Platz nehmen. Seine Mannen boten noch einmal ein paar sehenswerten Aktionen: Unter anderem spielte sich das Aufbau-Duo Chris Paul und Deron Williams jeweils einen Alley-Oop zu, während bei den Deutschen die jungen Spieler um Tim Ohlbrecht, Philip Zwiener oder Wysocki vermehrt Spielzeiten sehen durften. Doch auch die zweite Garde hatte der deutlichen Pleite am Ende nichts mehr entgegenzusetzen.
Mit 14 Punkten war Nowitzki der Topscorer seiner Mannschaft. Allerdings traf er nur vier seiner zehn Würfe aus dem Feld, sammelte aber zudem acht Rebounds. Jagla (zehn Punkte, sechs Rebounds) punktete als einziger, weiterer Deutscher im zweistelligen Bereich. Bis auf Robert Garrett, Steffen Hamann und Femerling fand jeder Spieler Deutschlands erfolgreich den Weg zum Korb. Als Mannschaft traf das DBB-Team nur 30 Prozent seiner Feldwürfe, zudem leisteten sie sich 18 Ballverlusten, verteilten nur neun Assists und waren im Rebound klar unterlegen (38:53). Im US-Team punkteten fünf Spieler im zweistelligen Bereich, darunter Howard am häufigsten. Mit 22 Zählern und zehn Rebounds kam der Center auf ein Double-Double.
In Deutschland stellte man sich derweil die Frage, ob dies wirklich Dirk Nowitzkis vorerst letztes Länderspiel gewesen sei. Nationaltrainer Dirk Bauermann hat die Hoffnung jedoch nicht aufgegeben. So habe ihm Nowitzki gesagt, er werde die NBA-Saison zu Ende spielen und dann sehen, wie er sich fühlle und wo er im Juni stehen werde. Während für die deutsche Mannschaft das Turnier nun also beendet ist, geht es für das US-Team im Viertelfinale gegen Australien weiter. Wohin der Weg der Amerikanier führen soll, gab Krzyzewski nach der Partie vor: "Wir freuen uns, dass wir die Vorrunde ungeschlagen beendet haben und nun in die Endrunde gehen. Es ist Zeit, eine Gold-Medaille zu gewinnen."
| Teil 1: Klare Angelegenheiten |
| Teil 2: Griechenland und Spanien siegen deutlich |
| Teil 3: Australien mit Überraschung gegen Litauen |



von Crossover 30.05.2012 um 10:37:10
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