Olympische Spiele
Golden Girls
Wie zu erwarten war, kamen die beiden überragenden Teams aus den USA und aus Australien ins Finale des Damen-Basketballturniers in Peking. Der Weg dorthin war für beide vorgezeichnet, auch wenn der Favorit aus den USA im Halbfinale kurz unerwartet Nerven zeigte.
Von Christian Gerne |
26.08.2008 | |
Der Weg ins Finale war für das Damen-Team der USA eigentlich eine Pflichtaufgabe. Nach drei olympischen Titeln in Folge war es auch dieses Jahr wieder das erklärte Ziel, mit der Gold-Medaille um den Hals die Heimreise anzutreten.
Waren die Vorrunde, sowie das Viertelfinale gegen Korea (104:60) noch etwas mehr als eine leichte Trainingseinheit, so wartete im Halbfinale mit Russland ein deutlich stärkerer Gegner auf die US-Girls. Die russische Mannschaft hatte im Viertelfinale bereits die Spanierinnen (84:65) eliminiert und war nun heiß auf mehr. In den Reihen der Russinnen traf das Team USA auf eine alte Bekannte: Becky Hammon, die Aufbauspielerin von ZSKA Moskau, hatte Anfang 2008 die russische Staatsbürgerschaft angenommen und wurde in die russische Nationalmannschaft berufen.
Der Anfang des Spiels war von großer Nervosität geprägt. Viele Ballverluste und vergebene Chancen sorgten dafür, dass das Spiel auch für die Zuschauer zur Qual wurde. Die US-Amerikanerinnen konzentrierten sich zeitweise viel zu sehr auf Becky Hammon, die immer wieder gedoppelt wurde. Dies schaffte Freiräume für deren Mitspielerinnen, vor allem für die starke Centerin Maria Stepanova (ehemals Phoenix Mercury). Zur Halbzeit führten die USA daher knapp mit 33:32.
Die Halbzeitansprache von US-Trainerin Anne Donovan schien zumindest einen Teil der Mannschaft erreicht zu haben, allen voran Diana Taurasi (Phoenix Mercury), die sowohl in der Offensive als auch in der Defensive zusammen mit Sylvia Fowles (Chicago Sky) für den nötigen Druck sorgte. Am Ende konnte das Team USA mit 67:52 einen weiteren Sieg verbuchen, welcher ihnen die vierte Finalteilnahme bei Olympischen Spiele in Folge garantierte.
Der Gegner der Amerikanerinnen wurde in der zweiten Halbfinalbegegnung zwischen den überragenden Australierinnen und der Gastgebermannschaft aus China ermittelt. Während die Chinesinnen, angeführt von der Topscorerin des Turniers Lijie Miao (17,9 PpG), das Team aus Weißrussland im Viertelfinale besiegt hatten, konnte sich Australien durch einen Erfolg über die extrem schwachen Tschechinnen (79:46) für das Halbfinale qualifizieren. Mit Lauren Jackson (Seattle Storm), Tully Bevilaqua (Indiana Fever), Penny Taylor (ehem. Phoenix Mercury), Belinda Snell (ehem. Phoenix Mercury), Erin Phillips, Laura Summerton (beide ehem. Connecticut Sun), Kristi Harrower (Minnesota Lynx) und Suzy Batkovic (ehem. Seattle Storm) profitieren die Aussies ähnlich wie das US-Team von jahrelanger WNBA-Erfahrung.
Dies machte sich dann auch in einer sehr einseitigen Partie bemerkbar, die Australien trotz Abwesenheit von Penny Taylor (verstauchter Knöchel) mit großer Überlegenheit (90:56) für sich entscheiden konnte. Zum Leidwesen der Aussies machte sich während des Spiels auch eine Verletzung bei Lauren Jackson bemerkbar, die nach den Olympischen Spielen operativ behandelt werden muss.
Am 23. August 2008 war es dann soweit: Die beiden führenden Mannschaften der Weltrangliste, die ihre Gruppen in der Vorrunde dominiert hatten, standen sich also im Finale gegenüber. Die einen galten als klarer Favorit (USA) mit drei olympischen Titeln in Folge und einem gesunden Kader, die anderen (Australien) boten zwei angeschlagene Top-Spielerinnen auf. Die Vorraussetzungen hätten unterschiedlicher nicht sein können.
Ob das der Grund für den Spielverlauf war, bleibt ungewiss, doch die Australierinnen hatten einen rabenschwarzen Tag erwischt. Gerade einmal 24 Prozent der Würfe aus dem Zwei-Punkte-Bereich fanden den Weg in den Korb, während die Amerikanerinnen nach Belieben punkteten. Auch in der Defensive kam Australien nicht ins Spiel, während die US-Girls hingegen routiniert verteidigten und sich somit eine 47:30-Halbzeitführung erarbeiten konnten.
Lediglich Belinda Snell (15 Punkte) und Lauren Jackson (20 Punkte) spielten bei Australien in Normalform, doch dies reichte nicht, um das auf jeder Position gut agierende Team der Vereinigten Staaten von ihrem Weg abzubringen.
Am Ende mussten sich die Australierinnen den USA deutlich mit 65:92 geschlagen geben. Bei den USA erlangte Lisa Leslie (14 Punkte, sieben Rebounds) mit diesem Sieg bereits ihre vierte Goldmedallie in einem olympischen Basketballfinale. Dies wird vermutlich jedoch die Letzte sein, da sie nach dem Spiel das Ende ihrer Nationalmannschaftkarriere bekannt gab.
Im Spiel um Bronze konnten sich wie erwartet die Russinnen, angeführt von einer extrem starken Becky Hammon (22 Punkte), mit 94:81 gegen die Chinesinnen durchsetzen.
Ergebnisse:
Viertelfinale :
China - Weißrussland (77:62)
Australien - Tschechische Republik (79:46)
USA - Südkorea (104:60)
Russland - Spanien (84:65)
Halbfinale :
Russland - USA (52:67)
China - Australien (56:90)
Spiel um Platz drei:
Russland - China (94:81)
Finale:
USA - Australien (92:65)
Bestleistungen des Turniers:
Punkte: 30, Lauren Jackson (Australien gg. LAT, Vorrunde)
Rebounds: 19, Djénébou Sissoko (Mali gg. CHI, Vorrunde)
Assists: 7, vier Spielerinnen
Blocks: 3, zehn Spielerinnen
Steals: 6, drei Spielerinnen
Dreier: 6, Yeon Ha Beon (Korea gg. AUS, Vorrunde)



von Crossover 30.05.2012 um 10:37:07
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