Olympische Spiele
Ein Thriller zum Abschluss
Im spannendsten Spiel des Tages siegte Argentinien über Griechenland. Spanien, Litauen und die USA hatten bei ihren Viertelfinal-Begegnungen keine Probleme und dürfen ebenso auf olympisches Edelmetall hoffen.
Von Björn Lehmkühler |
21.08.2008 | |
Spanien ? Kroatien 72:59
Im ersten Spiel des Tages konnten sich die favorisierten Spanier mit 72:59 gegen Kroatien durchsetzen. Bereits in den ersten Spielminuten war der Weltmeister hellwach und konnte den entscheidenden zweistelligen Vorsprung herausspielen, welchen er bis zur Schlusssirene souverän verteidigte. Während Pau Gasol in dieser Spielphase neun seiner insgesamt 20 Punkte markierte, hatte die kroatische Auswahl nach sechs Minuten erst einen einzigen Punkt erzielt. Ende des ersten Viertels waren mit 22:11 bereits die Weichen für das Weiterkommen der Iberer gestellt.
Zwar kamen die Kroaten fortan vor allem defensiv zunehmend besser ins Spiel und konnten die folgenden Viertel ausgeglichen gestalten, doch die schnelle und engagierte spanische Verteidigung machte den Mannen von Jasmin Repesa stark zu schaffen. Nur 37,7 Prozent schoss Kroatien über das Spiel gesehen aus dem Feld und auch die Rebounds dominierte Spanien mit 36:29.
?Sie haben sehr aggressiv verteidigt und uns nicht ermöglicht, den Ball einfach laufen zu lassen?, erkannte Repesa die defensive Stärke der Spanier an. Gleichzeitig nahm er jedoch auch seine Spieler in die Kritik: ?Wir haben zu viele offene Würfe verfehlt. Es ist schwer gegen Spanien zu gewinnen, wenn du schlecht wirfst.?
Spanien hingegen traf fast jeden zweiten Wurf (49,1% FG) und steht nach einer guten Teamleistung im Halbfinale, in welchem nun Litauen wartet. Neben Pau Gasol, der mit 20 Punkten und zehn Rebounds sein erstes Double-Double des olympischen Turniers erzielte, trafen Felipe Reyes (13) und José Manuel Calderón (10) zweistellig. Bester Werfer der Kroaten war Center Marko Banic mit 15 Zählern.
Litauen ? China 94:68
Der Traum von olympischem Edelmetall ist nun auch für China ausgeträumt. Mit 68:94 ging der Gastgeber gegen Litauen unter, nachdem er im ersten Viertel noch gut mithalten konnte. 17:19 stand es nach zehn Minuten aus Sicht der Asiaten, ehe die Balten das Tempo anzogen und Mitte des zweiten Viertels einen wichtigen 14:6-Lauf hinlegten.
?Meiner Meinung nach war die starke Verteidigung heute der Schlüssel zum Sieg?, beschrieb Ramunas Batautus nach Spielende, weshalb sein Team sich immer weiter absetzen konnte. Nur 36,4 Prozent der Würfe fielen für China, was nicht zuletzt auf die litauische Defense zurückzuführen ist. Die Europäer trafen hingegen selbst starke 54 Prozent ihrer Würfe, darunter 41,9 Prozent von jenseits der Dreierlinie, und erzielten im zweiten bis vierten Viertel mit 22, 29 bzw. 24 Zählern hohe Werte.
Besonders Point Guard Sarunas Jasikevicius (23 Pkt, 6 Ast) war vom schwachen chinesischen Backcourt nicht zu stoppen und traf fünf seiner sechs Drei-Punkte-Versuche. Auch Nuggets-Forward Linas Kleiza (15 Pkt, 7 Reb) und Routinier Ramunas Siskauskas (15 Pkt, 5 Reb) wussten zu überzeugen. Die chinesischen NBA-Stars Yao Ming (19 Pkt, 7 Reb) und Yi Jianlian (11 Pkt, 9 Reb) erbrachten zwar einmal mehr eine insgesamt überzeugende Leistung, konnten ihr Land gegen die ausgeglichenen und treffsicheren Litauer jedoch erwartungsgemäß nicht zu einem Überraschungserfolg führen.
USA ? Australien 116:85
Als Bucks-Center Andrew Bogut siebeneinhalb Minuten vor Ende der ersten Hälfte den 30:33-Anschlusstreffer erzielte, lag noch ein Hauch von Sensation in der Luft. Bis dahin hatten die Korbjäger von ?Down Under? hervorragend mitgehalten und ihren zuletzt starken Eindruck bestätigt. Doch nach zwei Zauberaktionen von Kobe Bryant stand es bereits 37:30 und die US-Boys bauten den Vorsprung mit einigen erfolgreichen Einzelaktionen langsam aus. Schließlich traf Deron Williams mit einem Last-Second-Dreier zur schmeichelhaften 55:43-Pausenführung.
Und nach dem Seitenwechsel sollte der Vorsprung nicht mehr einstellig werden. Im Gegenteil: Mit 34:18 ging das dritte Viertel an die NBA-Stars, welche nun immer besser ins Laufen kamen und ihre Würfe hochprozentig verwandelten. 56,6 Prozent lautete am Ende die US-amerikanische Trefferquote, gegenüber 42,9 Prozent der Australier. Frappierend war auch das ungleiche Rebound-Verhältnis von 57:28. Dabei griff sich Team USA ganze 19 Rebounds am offensiven Brett ab.
Für das ?Redeem Team? trafen Bryant (25 Pkt, 5 Reb, 4/7 3FG), LeBron James (16 Pkt, 9 Reb, 4 Stl) und Carmelo Anthony (15 Pkt, 5 Reb) am sichersten. Dwyane Wade und Dwight Howard nutzen ihre überlegene Athletik für je acht Punkte und acht bzw. sieben Rebounds. Bei den Australiern überzeugte der erste 20-jährige College-Aufbau Patrick Mills mit 20 Punkten, während Bogut mit vier Punkten in elf Minuten Einsatzzeit blass blieb.
Argentinien ? Griechenland 80:78
Es bedurfte keiner prophetischen Fähigkeiten, um vorherzusagen, dass dieses vierte Viertelfinale das ausgeglichenste und damit spannendste werden würde. Und diese Erwartung wurde mehr als erfüllt. 40 Minuten lang war der Spielstand eng. Zwar konnten sich die extrem treffsicheren Argentinier (43,8% 3FG) zweimal bis auf sieben Punkte absetzen, doch die kämpferischen Griechen wussten ihrerseits in der Verteidigung zu überzeugen und trafen vor allem gegen Ende der Partie einige Male von außen.
So auch Panagiotis Vassilopoulos, der 30 Sekunden vor Ende bei ablaufender Wurfuhr einen Dreier mit Brett zum 78:80-Anschluss verwandelte. Der erneut überragende argentinische Top-Scorer Emanuel Ginobili (24 Pkt, 6/13 3FG) dribbelte die Uhr herunter, verfehlte jedoch rund zehn Sekunden vor Schluss seinen Dreierversuch, sodass den Griechen eine letzte Chance zum Sieg blieb. Doch auch Vassilis Spanoulis konnte nicht einnetzen und so jubelten am Ende eines hochklassigen und dramatischen Spiels die Südamerikaner.
Da weder die Medaillenfavoriten aus Spanien und Griechenland, noch Gastgeber China den USA auch nur ansatzweise gefährlich werden konnten, ist auch Argentinien krasser Außenseiter im Halbfinal-Duell mit den NBA-Stars. Doch mit solch erfahrenen und spielstarken Akteuren wie Ginobili, Carlos Delfino (23 Pkt, 5/8 3FG), Andres Nocioni (12) oder Luis Scola (11 Pkt, 8 Reb) sollte zumindest Bronze drin sein. Für Griechenland erzielte Antonis Fotsis mit 17 Punkten und zehn Rebounds ein Double-Double.
Bestleistungen der Viertelfinals:
Punkte: 25, Kobe Bryant (USA gg. AUS)
Rebounds: 10, Pau Gasol (Spanien gg. KRO), Antonis Fotsis (Griechenland gg. ARG)
Assists: 6, Sarunas Jasikevicius (Litauen gg. CHI)
Steals: 5, Pablo Prigioni (Argentinien gg. GRI)
Blocks: 3, Pau Gasol (Spanien gg. KRO), Ksystof Lavrinovic (Litauen gg. CHI)
Dreier: 6, Emanuel Ginobili (Argentinien gg. GRI)
Damit kommt es am morgigen Freitag zu folgenden Halbfinals:
1. Spanien gegen Litauen
2. USA gegen Argentinien



von Crossover 30.05.2012 um 10:36:59
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