Olympische Spiele

Ausgeknockt

Nachdem Litauen und Argentinien aus dem Halbfinale geworfen wurden, kämpfen Spanien und die USA am Sonntag um die Gold-Medaille. Während sich die Iberer vom Ausfall Calderons nichts anmerken ließen, wurden die Südamerikaner von Verletzungen geschwächt.

Von Manuel Baraniak
 23.08.2008 |

Spanien gegen Litauen 91:86

 

Während die spanische Nationalmannschaft zum ersten Mal seit 1984 wieder in einem Halbfinale der Olympischen Spiele stand, waren die Litauer zum fünften Mal in Folge unter die letzten Vier eingezogen. Dabei standen die Vorzeichen für die Iberer nicht sehr günstig, mussten sie doch auf ihren etatmäßigen Aufbauspieler Jose Calderon verzichten, der sich im Halbfinale gegen Kroatien an der Leiste verletzte. An seiner Stelle rückte Raul Lopez in die Startformation.

Zu Beginn versuchten die Spanier vermehrt, nah am Brett zu punkten und gingen hauptsächlich über Pau Gasol, der stets eng von Robertas Javtokas bewacht wurde. Der litauische Big Man hatte allerdings bereits nach viereinhalb Minuten zwei Fouls auf seinem Konto. Auf Grund einiger Ballverluste lagen die Litauer nach etwa der Hälfte des Anfangsabschnitts mit fünf Punkten zurück. Auch gestatte man den Spaniern zu viele Offensiv-Rebounds. Die Balten hatte ihre erste Führung des Spiels Rimantas Kaukenas zu verdanken, der innerhalb einer Zeitspanne von zwei Minuten alle sieben Zähler seines Teams erzielte. Durch einen erfolgreichen Dreipunktewurf von Jorge Garbajosa und einem Drei-Punkte-Spiel von Carlos Jimenez hatten die Spanier die Führung jedoch wieder zurück gewonnen und führten nach dem ersten Viertel mit 21:19.

Der Start des zweiten Abschnitts war von einigen Fouls geprägt. Nach gut zwei Minuten verzeichnete die litauische Mannschaft bereits vier Team-Fouls. Gegen Linas Kleiza wurde sogar ein unsportliches Foul gepfiffen, nachdem dieser Felipe Reyes beim Fastbreak angegangen hatte. Bei einem 20:28-Rückstand nahm Litauens Head Coach Ramunas Butautas eine Auszeit – und fand scheinbar die richtigen Worte. In der Verteidigung konnte man die spanische Offensive ein wenig zum Stocken bringen, während auf der anderen Seite Simas Jasaitis und Ksystof Lavrinovic die offensive Hauptlast schulterten. Die beiden waren insgesamt für 17 der 23 litauischen Punkte des zweiten Viertels verantwortlich und waren vor allem von jenseits der Dreipunktelinie nicht zu bremsen. So nannten die Litauer eine Minute vor der Pause einen Sechs-Punkte-Vorsprung ihr Eigen. In einer leicht turbulenten Schlussphase sahen sich die Balten dann benachteiligt, als zuerst Lavrinovic trotz eines sauberen Blocks sein drittes Foul angehängt wurde – so viele hatte auch Javtokas bereits auf seinem Konto – und ein wenig später Ricky Rubio nach einem Foul mit der Schlusssirene noch einmal zwei Freiwürfe zugesprochen wurde. So betrug der Rücktand Spaniens zur Halbzeit nur noch zwei Zähler.

Als nach knapp zwei Minuten Marijonas Petravicius sein drittes und viertes Foul kassierte, hatte der dritte Big Man Litauens mit Foul-Probleme zu kämpfen. Doch die Spanier konnten davon zunächst nicht Profi schlagen, und verloren einige Male den Ball. Nachdem der amtierende Weltmeister nach 15 Sekunden noch ausgeglichen hatte, benötigten sie über drei Minuten, ehe sie wieder aus dem Feld erfolgreich waren. Vier Minuten später konnten die Iberer dann kurzzeitig die Führung übernehmen. Kurz zuvor mussten sie jedoch eine Schrecksekunde hinnehmen: Nachdem Rudy Fernandez nach einem Zusammenprall mit Lavrinovic in der Zone ausgeknockt wurde und eine Zeit lang auf dem Boden lag, musste die Neuverpflichtung der Portland Trail Blazers benommen auf der Bank Platz nehmen. In wiederum ereignisreichen Schlusssekunden brachte Jasaitis seine Mannschaft mit einem Dreier in Führung, ehe Pau Gasol den Ball mit Foul durch den Ring stopfte und durch den anschließenden Freiwurf die Partie wieder ausglich. Im Gegenzug traf Lavrinovic wieder einen Dreier, ebenso mit Foul, so dass Litauen mit vier Zählern Vorsprung in den Schlussabschnitt ging.

Dort verfehlte Javtokas an der Freiwurflinie seinen ersten Wurf überhaupt, nachdem er zuvor perfekt aus dem Feld und von der Linie getroffen und allein zehn Punkte im dritten Abschnitt markiert hatte. Javtokas kassierte bei einem Alley-Oop-Anspiel von Ricky Rubio auf Gasol jedoch wenig später sein viertes Foul und wurde von Petravicius ersetzt, welcher aber kurz nach seiner Einwechslung ausfoulte. Zu diesem Zeitpunkt kam dann erstmals wieder Rudy Fernandez aufs Parkett – und wie: Zunächst brachte er seine Mannschaft durch einen Fastbreak-Dunk mit 73:71 in Führung, ehe er im nächsten Angriff einen Dreier folgen ließ. Im Gegenzug stahl er Lavrinovic den Ball und hängte diesem auf der anderen Seite dessen fünftes Foul an. Nachdem Rudy beide Freiwürfe versenkt hatte, lag Spanien sechs Minuten vor Ende mit vier Zählern vorn. Wenig später beging Kleiza sein zweites, unsportliches Foul und musste daher das Feld verlassen. Eine Minute später betrug der Rückstand Litauens schon sieben Punkte, ehe Saruns Jasikevicius sein Team wieder in Schlagdistanz brachte. Bei noch 67 Sekunden zu spielen betrug der Rückstand Litauens, ebenso wie bei verbleibenden sechs Sekunden, drei Zähler, doch Jimenez machte an der Freiwurflinie den Finaleinzug Spaniens perfekt.

An der Linie standen die Spanier insgesamt 44 Mal und hatten damit 18 Freiwurfversuche mehr auf ihrem Konto als Litauen. Bei den Wurfquoten an sich waren allerdings die Balten überlegen, jedoch leisteten sich diese über das Spiel hin zu viel Ballverluste (18 TO). Pau Gasol war auf Seiten Spaniens mit 19 Zählern Topscorer, dicht gefolgt von Rudy Fernandez (18 Zähler). Felipe Reyes (13) und Carlos Jimenez (11) punkteten ebenso noch zweistellig. Das Guard-Trio um Raul Lopez, Ricky Rubio und Juan Carlos Navarro konnte den Ausfall von Calderon nicht kompensieren und verfehlte zusammen jeden seiner zwölf Wurfversuche. In den Reihen Litauens erzielten fünf Spieler mehr als zehn Zähler, darunter Jasikevicis (sechs Assists) und Jasaitis (5/10 3FG, acht Rebounds) mit jeweils 19 Punkten die meisten. Dagegen blieben Ramunas Siskauskas (sieben Zähler, 2/4 FG) und Linas Kleiza (elf Minuten, 0/4 FG) blass.

Nach der Partie sprach Ricky Rubio vom Finaleinzug als einen Traum, der wahr geworden sei. Schließlich steht die spanische Nationalmannschaft nun erst zum zweiten Mal in einem olympischen Endspiel. Den Sieg widmete der 17-jährige Jungstar dem verletzten Calderon. Ob dieser im Finale wieder einsatzfähig sein wird, steht noch nicht fest. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren und dem zweiten Platz bei der Europameisterschaft 2007 sind die Spanier also auch bei den Olympischen Spielen wieder im Finale vertreten und haben somit eine Medaille sichern. Die Litauer hingegen zogen zum fünften Mal in Folge im olympischen Halbfinale den Kürzeren.





Artikel-Funktionen

Bewerte diesen Artikel:
5.00
(1 Bewertung bisher)
 

Speichere diesen Artikel:


Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von TNT 23.08.08 um 13:47:29


Schade dass die Argentinier solches Verletzungspech hatten, sonst hätte es echt spannender werden können.



von flashbang 23.08.08 um 17:03:10


weiss einer um wieviel uhr und wo das finale morgen übertragen wird?



von PPP 23.08.08 um 17:15:29


einfach mal selber schauen unter

www.gidf.de



von Oxymoron 23.08.08 um 19:58:34


@flashbang: Eurosport soll ab 8:15 das Finale komplett übertragen.

Nachtrag: ESPNs Chris Sheridan berichtet, dass Raptors-GM Bryan Colangelo gesagt hat, dass Calderon definitiv ausfallen wird.



Du benötigst einen myCrossover-Account um Artikel kommentieren zu können!

 Registrieren oder  Einloggen

 





Du bist nicht eingeloggt. Jetzt bei myCrossover registrieren.
  •  
    Passwort vergessen?