Olympiacos Piräus
Geld auf Olivenbäumen
Warmes Wetter, viele Scheine: Olympiakos Piräus lockt wieder zwei NBA-Profis nach Europa. Zum Ärger von NBA-Clubs, die Personalkosten sparen wollen, und US-Rechtsanwälten, die gegen den griechischen Topclub mobil machen.
Von Jens Möller |
11.08.2009 | |
„Gibt es da drüben eigentlich noch ein anderes Team?“ Diese Frage eines Fans der Houston Rockets in einem US-Fanforum zeigt, wie sehr Olympiakos Piräus in den vergangenen Wochen der Transfergerüchte zum Sinnbild für die Verlockungen des alten Kontinents wurde. Egal welcher NBA-Profi gerüchteweise über einen Wechsel nach Europa nachdachte, fast jedes Mal tauchte der Name „Olympiakos“ in den Schlagzeilen auf. Schon im Sommer 2008 trieben der schwache US-Dollar und die schleppende Nachfrage auf dem NBA-Spielermarkt Josh Childress von den Atlanta Hawks nach Piräus. In diesem Sommer buhlten die Griechen erst wochenlang um Nate Robinson, dann wollten die „Roten“ laut Gerüchten sogar Allen Iverson mit zehn Millionen US-Dollar Gehalt über den Atlantik locken.
Am Ende investierten die Olympiakos-Besitzer, die milliardenschweren Brüdern Panagiotis und Giorgos Angelopoulos, rund 20 Millionen US-Dollar in ihre beiden neuesten Eroberungen: Linas Kleiza (Foto, vorher Denver Nuggets) und Von Wafer (Houston Rockets). Kleiza soll rund fünf Millionen Euro Gehalt für zwei Jahre bekommen, Wafer etwa 4,4, ebenfalls für zwei Spielzeiten. Auch der griechische Staat freut sich, rund zehn Millionen Euro Steuern werden für die Gehälter fällig.
Kleiza und Wafer sind zwar eher NBA-Profis der Kategorie "Ergänzungsspieler", aber mit Potential nach oben. Ob beide Profis ihre Möglichkeiten aber in der ersten griechischen Liga und der Euroleague ausreizen werden, ist fraglich. Kleiza hat eine Ausstiegsklausel für den kommenden Sommer, falls sich die Nuggets dann entscheiden, ihm ein besseres Angebot zu machen. Wafers Agent dürfte ebenfalls so weise gewesen sein, seinem Klienten auf dem Papier eine frühzeitige Rückkehr offen zu halten.
Der Trend aus dem vergangenen Sommer, dass NBA-Durchschnittsprofis ihre Talente lieber in Europa vergolden lassen, hält also an. Spieler wie Nenad Kristic, Jorge Garbajosa, Carlos Delfino und Earl Boykins wechselten vor einem Jahr über den Atlantik. Das liegt zum einen daran, dass der alte Kontinent mittlerweile nicht nur finanziell, sondern auch sportlich ein lohnendes Ziel ist. In der Euroleague stimmt das Niveau, außerdem verschwindet man nicht völlig vom Radar der NBA-Clubs. NBA-Rookie Brandon Jennings (Milwaukee Bucks) zog es vergangenen Sommer jedenfalls vor, lieber ein Jahr als Jungprofi in Rom zu lernen, als umsonst für ein US-College aufzulaufen.
Den gleichen Schritt wagt jetzt das Highschool-Talent Jeremy Tyler. Der 18-Jährige wechselt nach Israel zu Macabi Haifa. Die Fortschritte des jungen Centers können auch daheim verfolgt werden, denn Macabi-Präsident Jeffrey Rosen lässt eine Reality-Show für das US-Fernsehen über den Basketballalltag seiner amerikanischen Profis produzieren. Der geplante Titel: Inside Israeli Basketball.
NBA-Clubs sparen, Olympiakos-Besitzer prassen
Die meisten Profis dürfte aber vorrangig das Geld interessieren, das es auf dem weniger reglementierten europäischen Spielermarkt zu verdienen gibt. Die NBA hat die Gehaltsobergrenze um 1,5 Prozent auf 57,7 Millionen US-Dollar pro Mannschaft gesenkt und außerdem alle Teams vor Umsatzrückgängen wegen der Wirtschaftskrise gewarnt. Man ist vorsichtig in diesen Tagen, darum war auch keine Franchise bereit, Linas Kleiza annähernd so viel Gehalt zu zahlen wie Olympiakos, das den ganzen Sommer den Litauer umworben hatte.
Kleizas Spieleragent klagt hingegen, dass sich Denver kaum um seinen Klienten bemüht habe. Nun wird sein Schützling in Griechenland wie ein Star bezahlt. Der Zwölf-Millionen-Dollar-Kontrakt ist der höchstdotierte Vertrag, der im europäischen Basketball in diesem Transfersommer geschlossen wurde. Die Denver Nuggets dachten gar nicht daran, sich langfristig für viel Geld an einen Rollenspieler zu binden. Die Franchise fährt einen harten Sparkurs, dem vor einem Jahr unter anderem ein Star wie Marcus Camby zum Opfer fiel. Für die kommende Saison haben die Nuggets mit Ach und Krach ihre Personalkosten unter die Grenze für die NBA-Luxussteuer gedrückt.
Auch im Fall Von Wafer (Foto) versuchten die Houston Rockets zu taktieren, lobten die Fortschritte des Guards in der vergangenen Saison, um dann doch abzuwinken. Angesichts der unsicheren Situation in Houston – Tracy McGradys erholt sich von seiner Knie-OP und Yao Ming fällt wegen einer Operation am Fuß die kommende Saison aus – muss Rocket-Manager Daryl Morey flexibel bleiben. Das hieß in diesem Fall, keine neuen Verbindlichkeiten einzugehen. Dafür hat jetzt Morey ebenso wie sein Kollege Mark Warkentien in Denver das Problem, ein Loch in der Spielerrotation stopfen zu müssen – am besten schön preiswert.
Bei Olympiakos Piräus dagegen scheint das Geld auf den Olivenbäumen zu wachsen. Die Angelopoulos-Brüder haben als Reeder und Stahlproduzenten ein Privatvermögen von mehr als drei Milliarden US-Dollar angehäuft. Nun werfen sie wie eine doppelte Griechenlandversion von Mark Cuban mit den Scheinen um sich, sodass US-Medien im vergangenen Sommer sogar spekulierten, ob sich die beiden Milliardäre im Sommer 2010 sogar an LeBron James heranwagen könnten, wenn dessen Vertrag in Cleveland ausläuft.
Die Olympiakos-Besitzer machten Josh Childress (Foto) im Sommer 2008 mit einem Dreijahresvertrag über 20 Millionen US-Dollar zum bestbezahlten Basketballer außerhalb der NBA. Auch Childress besitzt eine Ausstiegsklausel für eine Rückkehr, entschloss sich aber im Sommer zu bleiben und wird via Twitter seinen Lesern weiter vom sonnigen Strand in Griechenland schreiben.
Endlich Erzfeind Athen schlagen
Die neuen Millionentransfers zeigen, dass Olympiakos in der kommenden Saison nicht wieder dauernd seinem Erzfeind Panathinaikos Athen den Vortritt lassen will. Die Grünen aus Athen schlugen die Roten aus Piräus in allen Wettbewerben: im griechischen Pokalendspiel, im Meisterschaftsfinale und im Halbfinale des Euroleague-Top-Four. Mit den Neuzugängen dürfte Olympiakos nun die teuerste Mannschaft Europas aufs Parkett schicken. Mit dem 23-jährigen Kleiza bekommt die Mannschaft um Spielmacher Theo Papaloukas einen offensivstarken Flügelspieler. Aber ob der 24-jährige Wafer den abgewanderten Routinier Jannero Pargo (ebenfals ein Ex-NBAler) gleichwertig ersetzen kann, darf bezweifelt werden.
Während Piräus finanziell die Muskeln spielen lässt, sind „Panas“ Sommeraktivitäten eher unspektakulär. Athen verpflichtete den Star der University of Florida, Nick Calathes, der lieber nach Griechenland wechselte, als sich als schlechtbezahlter Rookie in der NBA zu versuchen. Noch einer, der ein gutes Gehalt in warmen Gefilden dem harten Broterwerb in der Knöchenmühle NBA vorzieht, auch wenn er beim Euroleague-Sieger wohl meistens auf der Bank sitzen wird.
Olympiakos US-Tour könnte von Anwälten gestört werden
Im Herbst wird auch jener rätselnde Fan aus dem Rockets-Fanforum sehen können, welcher Club da seinem Team einen Spieler weggeschnappt hat. Dann tritt Olympiakos Piräus für zwei Testspiele in den USA gegen NBA-Teams an. Zusammen mit Partizan Belgrad machen die Griechen einen Gegenbesuch zu den alljährlichen Europatouren der US-Liga. Olympiakos spielt Anfang Oktober gegen die San Antonio Spurs und reist dann nach Cleveland. Doch dort warten nicht nur LeBron James und die Cavaliers, sondern auch die Rechtsanwälte der Kanzlei „Yormick and Associates“. Denn dort kann man nicht verstehen, warum Olympiakos gerade mit Geld um sich wirft, wo der Club an anderer Stelle noch Schulden hat.
Die Anwälte wollen von Piräus fast 1,8 Millionen US-Dollar an ausstehenden Gehältern einfordern. Chris Morris, Ex-NBA-Profi (u.a. bei den New Jersey Nets, für die er 1993 in einem Spiel gegen Michael Jordan und die Bulls beim Dunk das Brett zerstörte) und ehemaliger Spieler von Olympiakos, hatte 2003 vor einem Bezirksgericht in Houston Recht bekommen, wonach Piräus ihm noch fast 1,3 Millionen US-Dollar an Gehalt und Anwaltskosten schuldet. Olympiakos hatte dem Spieler mitten in der Saison 2001/2002 einfach kein Gehalt mehr gezahlt, als Morris nicht zügig nach einer Knie-Operation wieder fit wurde.
Das sind wenig schöne Erinnerung an eine Zeit, als die Ligen Südeuropas eher als zwielichtige Arbeitgeber verschrieen waren, bei denen teure US-Profis schon mal nach Gutsherrenart vom Hof gejagt wurden. Morris damaliger Agent, Tom McLaughlin, bekam von einem Richter in Boston ebenfalls fast eine halbe Million US-Dollar an nicht bezahler Provision von Piräus zugesprochen. Olympiakos schuldet beiden das Geld noch immer.
McLaughlin kündigte nun auf der griechischen Sektion von Eurobasket.com an, dass die Verantwortlichen von Piräus mit diesen Forderungen konfrontiert werden, sobald sie im Oktober in den USA eintreffen. Neben den Anwälten und der Spielergewerkschaft AIPA (American International Players Association) sei auch das US-Justizministerium informiert. So solle Olympiakos gezwungen werden, die Gerichtsentscheidungen zu beachten, „die sie bislang total ignoriert haben“, schreibt der Agent. Ansonsten wolle man das Geld mit Druck von US-Sponsoren von Olympiakos, darunter Coca Cola, eintreiben, denen wenig an Negativschlagzeilen über ihre Beziehung zum griechischen Topclub gelegen sein kann.
Entgegen der medienwirksamen Millionentransfers gibt sich Olympiakos Piräus im Fall „Morris“ eher bedeckt und ließ eine Email-Anfrage von CROSSOVER aus der vergangenen Woche für ein offizielles Statement unbeantwortet. Bei Olympiakos haben die Transfers der vergangenen Tage jede Menge guter Schlagzeilen gebracht. Und noch geben die Griechen ihre Millionen lieber für neue Spieler als für Altlasten aus.
(Korrektur: Die Gehaltszahlen für Kleiza und Wafer wurden angepasst nach den Zahlen von hoopshype.com (14. August, 17.00 Uhr). Bei Kleiza (zwölf Millionen Euro) handelte es es sich offenkundig um eine Schätzung vor Abzug der Steuern. Wafers berichtetes Gehalt von fünf Millionen Euro (nach Abzug von Steuern) wurde leicht nach unten korrigiert.)






von mkay 11.08.09 um 17:34:57
Ich glaube schon, dass Pargo ersetzt werden kann. Auf jeden Fall sollte für Olympiacos diesmal mehr drin sein, als letztes Jahr. Aber ein "NBA-Team" in Europa verspricht auch nicht den gewünschten Erfolg.
Bin gespannt, wie sich die Roten schlagen.
Starker Artikel Jensen!
von Raquel 11.08.09 um 18:23:36
Da kann man mal den Unterschied zwischen Profi-Basketball in Deutschland und beispielsweise Griechenland gut sehen. Während sich die Griechen mal eben Kleiza und Von Wafer für 17 Mio. holen, plagen in der BBL so einige Teams mit der Insolvenz.
Ist ja fast wie bei Real Madrid (C. Ronaldo)
von BerlinAir 11.08.09 um 21:12:47
Nach welchen Regeln wird da gespielt? Wenn die NBA gegen europaeische Clubs spielt, sinds immer NBA-Regeln, oder?
Das ruiniert idR ja viel von der Defense. Na mal sehen...
von Webocat 12.08.09 um 11:48:41
ich versteh nicht was die mit Von Wafer wollen, der wird mit childress nicht harmonieren, also wird der von der bank kommen. also ich find für das team ist der überbezahlt.
kleiza wird da denk ich wohl gut einschlagen
von justuskoch 12.08.09 um 13:33:11
von wafer is einfach nur geil :-)
ich liebe seine spielweise und arrogante art...
und wieso sollte er nicht mir childress harmonieren?
von DK 12.08.09 um 13:57:56
Verstehe ich auch nicht so recht, warum Wafer mit Childress nicht harmonieren wird??
Und die 1.8 Millionen sind lächerlich für diesen Klub. Ich frage mich nur, warum sie die Schulden nicht begleichen wollen?
p.s.
ich glaube nicht, dass Piräus vor allem "Crossover" eine Antwort schuldig ist ;)
von nicoquanz 12.08.09 um 17:14:03
geht wohl bei den lächerlichen 1,8 mios ums prinzip das man dem großen amerika nicht klein bei geben will das ist wohjl auch der grund dieser transfers kann ich aber verstehen die nba gehaltsobergrenze ist lachhaft jeder club soll odhc wirtschaften wie er will!!!!
von Hurricane 12.08.09 um 18:30:22
Glaube nicht, dass es gehen würde was du gerade gesagt hast. Sonst werde zich Vereine Superstars on masse traden und dann Insolvenz anmelden müssen und dass wiederum würde zu einem drastischen Imageschaden führen und das will Mr Stern um jeden Verein verhindenrn.
von Suck My Diktiergerät 12.08.09 um 19:18:17
außerdem wäre die nba dann genauso langweilig wie die fußballbundesliga, bei der jedes jahr die 3 gleichen mannschaften 1 überraschungsmannschaft sich um den titel streiten...LLLAAAANNNGGGGWWWWWEEEEIIIILLLIIIGGG...
von Hurricane 12.08.09 um 23:12:41
Preis meinte ich und suck.. da stimme ich dir zu
von Webocat 13.08.09 um 11:09:09
die gehaltsobergrenze in der nba muss bestehen bleiben, das steht doch wohl außer frage
von justuskoch 13.08.09 um 16:35:04
ich frage euch:
sind 1,8 millionen wirklich lächerlich?
ich meine das ist eine summe die der normal deutsche nicht im ganzen leben verdient...
das ist viel kohle man solte auch 1,8 bei diesen riesen verträgen nicht unterschätzen..