Olympia-Vorbereitung

Warten auf die Fortsetzung

Deutschland kämpft in Athen um ein Ticket nach Peking. Endlich darf auch Chris Kaman spielen, der beim letzten Testspiel noch auf der Bank saß. Ein guter Grund zu Optimismus in Sachen Qualifikation.

Von Peter Bieg, Thomas Käckenmeister
 14.07.2008 |

Es scheint wie eine spannende Serie, die im entscheidenden Moment endet. Die quälende Frage, wie es weitergeht, wird im Anschluss zumeist in einer kanppen Vorschau umrissen. Doch blickt man auf die Geschehnisse der Deutschen Nationalmannschaft bleibt nur die Phantasie, um sich auszumalen, wie ein möglicher Frontcourt aus den beiden NBA-Hünen Dirk Nowitzki und Chris Kaman aussehen könnte.

In den sechs Testspielen war der Center der Los Angeles Clippers das Gesprächsthema Nummer Eins. Seit gut einer Woche ist er in Deutschland, am letzten Mittwoch in Hamburg wurde erstmals in einer deutschen Halle begrüßt. Doch spielen durfte er noch nicht. Die Freigabe kam erst nach dem letzten Test gegen Kanada am vergangenen Freitag. Die Spannung steigt also, denn Dirk Bauermann garantierte seinem neuen Center Spielzeit: "Wenn wir etwas im Viertelfinale von ihm haben wollen, muss er in den ersten Spielen viel spielen."

Zu gern hätte der Head Coach der Bundesadler den 2,13 Meter großen Blondschopf bereits in Mannheim eingesetzt. Doch den ersten Rückschlag gab es für die knapp über 8.000 Zuschauer in der hochmodernen Mannheimer SAP-Arena bereits lange vor dem Anpfiff: Denn erneut wartete man vergeblich auf dessen Einsatz. Während sich seine Mannschaftskameraden auf dem Parkett mit Aufwärmen und Dehnen beschäftigten, fehlte vom großen Hoffnungsträger in Sachen Olympia-Qualifikation jede Spur.

Kaman gab es nur per Video

Immerhin, während der Teamvorstellung, wurde auch Kaman fälschlicherweise auf dem Videowürfel gezeigt, so dass er zumindest kurz und digital "anwesend" war. Ein erstes Angebot des DBB an die L.A. Clippers bezüglich der Versicherung des Neu-Deutschen wurde abgelehnt, was für Frustration und Unverständnis auf Seiten der Führungsriege des Deutschen Basketballbundes sorgte. So wurden auch während dem Spiel etliche Telefonate über den großen Teich geführt, um die Sache zu bereinigen, was schließlich auch gelang und Kaman für das vorolympische Qualifikationsturnier endlich einsatzfähig macht.

Fledermaus Dalembert

Samuel Dalembert war nicht nur digital, sondern auch physisch und psychisch anwesend und sorgte bereits beim Warm-Up für die ersten Lacher. Mit seinem komplett geöffneten Shirt, das den Riesen bei Sprints und Korblegern umflatterte, weckte er Erinnerungen an die Fledermäuse und Dwight Howards dieser Welt. Nach Spielende war es mit der guten Laune des Shotblockers allerdings vorbei. Frustriert vom Ausscheiden mit Foulhöchstzahl und der Niederlage, stampfte der Riese in Richtung Kabine.

Während der ausgeglichenen Anfangsphase (23:22. nach dem ersten Viertel) konnten mehrere, mehr oder minder interessante Beobachtungen gemacht werden: Kanadas Carl English (8 Pkt) ist einer der schlimmsten Ego-Zocker, die in letzter Zeit auf deutschem Boden ausgemacht werden konnten. Oft beanspruchte der Flügelspieler die Hälfte der vorgegebenen Angriffszeit für sich, ehe einer seiner Teamkollegen den Ball überhaupt in die Hände bekam. Zwar bezwang English, der im ersten Testspiel gegen Deutschland am Mittwoch in Hamburg noch groß auftrumpfte, seinen Gegenspieler Demond Greene des Öfteren aus dem Dribbling, traute sich dann aber nicht, gegen die deutschen Bigmen konsequent zum Ring zu gehen.

Schon zu Beginn hatten die großen Spieler der Nordamerikaner untern den Körben mit argen Foulproblemen zu kämpfen. Die recht pedantisch und mit wenig Fingerspitzengefühl zu Werke gehenden Schiedsrichter machten sich bei den Herren Anthony, Dalembert und Brempong alles andere als Freunde, so dass es den eben Genannten schwer fiel, einen Rhythmus zu finden. Vor allem Anthony (4 Pkt), der noch zwei Tage zuvor untern den Körben in der Hamburger Color Line Arena aufräumte wie ein Wilder, blieb vollkommen blass und konnte seine Power und Athletik nie ausspielen.

Wirklich spannend wurde es da schon eher an der Seitenlinie, wo die beiden Head Coaches von einem der Schiedsrichter getrennt werden mussten, um eine eventuelle Prügelei zu vermeiden. Jeweils mit einem technischen Foul bestraft, durften beide Streithähne ihre angestammten Plätze am Spielfeldrand wieder einnehmen.

Bereits zur Halbzeit gelang es der deutschen Mannschaft sich ein bisschen abzusetzen, der im ersten Viertel zurückhaltende Nowitzki hatte einige schöne Aktionen zum Korb und beim Stand von 38:28 führten die Jungs von Dirk Bauermann zum ersten Mal zweistellig. Schön anzuschauen war das ganze aber noch immer höchstens bedingt: Denn die pedantische Linie der Unparteiischen und das recht planlose Spiel der Gäste aus Kanada trugen rein gar nichts zur Attraktivität der Partie bei. Bis zur Pause wurde die deutsche Führung dann auf 47:32 hochgeschraubt, denn außer Würfen aus der Distanz, die ihr Ziel verfehlten und wilden Einzelaktionen blieben die Kanadier einiges schuldig und stellten bis dato keine große Herausforderung für eine besser aufgestellte deutsche Mannschaft dar. Dirk Bauermann konnte bereits in der ersten Spielhälfte viele Varianten ausprobieren und vor allem Jan Jagla gefiel mit insgesamt zwölf Punkten und guter Arbeit beim Rebound (9 Rebounds).

Kurzes Aufflackern von Athletik

In Sachen Höhepunkte bot das dritte Viertel wenigstens einige sehr vernünftige Ansätze, die für Begeisterung sorgten. Zunächst zeigte Dalembert (12 Pkt, 8 Reb) Patrick Femerling mit einem krachenden Putback-Dunk wie athletisch Menschen mit über 2,10 Meter Körpergröße sein können, bevor Olu Famutimi zur Präsentation seiner Sprungkraft einlud und sicherstellte, dass zumindest die Hälfte seiner mageren vier Pünktchen ausreichend spektakulär ausfielen.

Auch Philipp Zwiener (ein Punkt) konnte in dieser vielleicht besten Phase der Partie gefallen, zwar nicht durch das Erzielen von Punkten, aber durch starken Einsatz und Kampfgeist. Der Albatros nutzte seine knapp 16 Minuten Einsatzzeit, um seinen Anspruch auf einen Platz im Kader zu unterstreichen. Zwar wurde er bei einem seiner Drives zum Korb übel abgeräumt, aber das hielt ihn nicht davon ab, weitere Versuche zu unternehmen, wenngleich ihm die Einschüchterung anzumerken war. Dirk Nowitzki drückte nur äußerst sparsam aufs Gaspedal, war allerdings von keinem Kanadier wirksam zu verteidigen, und so führte Deutschland nach drei gespielten Vierteln mit 68:51.

Nach einer kurzen Phase des defensiven Tiefschlafes waren die Gäste zwar noch einmal auf zehn Punkte heran gekommen (68:58), dennoch geriet der Sieg vor heimischen Publikum nicht mehr ernsthaft in Gefahr, eben auch da Nowitzki ? bei Bedarf ? machen konnte, was auch immer er wollte. Insgesamt kam der Superstar der Dallas Mavericks auf 25 Punkte und war wie so oft bester Werfer der Partie und konnte vorzeitig auf der Bank Platz nehmen.

Kaman taucht auf

Dort traf er dann doch noch auf Chris Kaman, welcher mittlerweile unter großem Applaus in der Halle erschienen war und sich in Sachen Kommunikation mit den Mannschaftskameraden bereits gut integriert zeigte.

Chris Kaman und seine Leistung werden auch bitter nötig sein, wenn die Deutschen den Einzug ins olympische Turnier ernsthaft in Erwägung ziehen wollen. Gegen lust- und einfallslose Kanadier nach einer soliden Leistung zu gewinnen, ist die eine Sache, aber Mannschaften wie Brasilien, Griechenland oder Puerto Rico in Ausscheidungsspielen zu schlagen, ist etwas ganz anderes. Neben Nowitzki waren der bereits erwähnte Jagla sowie Sven Schulze die besten deutschen Spieler. Steffen Hamann (Foto) erzielte zwar elf (einfache) Punkte, konnte seine Rolle als Regisseur jedoch nicht ausfüllen und brachte lediglich den Ball von einem Ende des Spielfeldes zum anderen. Tim Ohlbrecht wirkte während seines vierminütigen Kurzeinsatzes verschlafen und nahezu lustlos, auch Konrad Wysocki, immerhin Teil der Starting Five, lies in seinen 8:46 Minuten Einsatzzeit viele Fragen offen.

Das sah zu Beginn der Vorbereitung noch ganz anders aus. Es waren vor allem die Neuen im Team, die bei Dirk Nowitzki ein positiven Eindruck erweckten. Neben Ohlbrecht (rechts im Bild), Wysocki und Zwiener (links im Bild), die ihr Ticket für Athen dank solider Aufgabenerfüllung lösen konnten, mussten Rouven Roessler und Gordon Geib vorzeitig ihre Koffer packen. Beide Bundesligaprofis sind derzeit auf der Suche nach einem neuen Verein. Ob der kurzzeitige Einsatz in der Nationalmannschaft für die Bewerbung positiv ausfällt, wird in nächster Zeit bekannt. Beide Spieler bereiten sich bereits auf das neue Spieljahr vor. Geib, der als letzter Akteur gestrichen wurde, da Kaman den Platz erhielt, verzichtete somit auch auf die Einladung des Bundestrainers, zum Erfahrungsgewinn mit nach Athen zu reisen. Bereits vor den ersten Länderspielen gegen Polen war auch der Frankfurter Dominik Bahiense de Mello nicht mehr im Team. Dennoch gewährte ihn Bauermann zum Dank einige Minuten in Halle/Westfalen gegne Polen.

Und somit bleiben zwölf Spieler, die trotz holpriger sechs Testspiele (zwei Siege über Polen, plus ausgeglichene Bilanz beim Supercup (Niederlage gegen Puerto Rico und Sieg über Slowenien) und gegen Kanada) gute Chancen haben dürften, das Olympia-Ticket zu lösen. Da Gastgeber Griechenland als Favorit ins Turnier geht, bleiben zwei Plätze übrig. Dafür kommen neben Deutschland noch fünf weitere Teams in Frage.


Die Gruppen im Überblick

Gruppe A (Brasilien, Griechenland, Libanon)
Gruppe B (Kapverden, Deutschland, Neuseeland)
Gruppe C (Kanada, Korea, Slowenien)
Gruppe D (Kamerum, Kroatien, Puerto Rico)

Hinweis: Alle nachfolgenden Zeiten sind Ortszeiten, für MESZ eine Stunde zurückrechnen.

Vorrunde:
Montag, 14. Juli 2008
13.00 Uhr Neuseeland gg. Kapverden 77:50
15.30 Uhr Korea gg. Slowenien 76:88
19.30 Uhr Kroatien gg. Kamerum 93:79
22.00 Uhr Griechenland gg. Libanon 119:62

Dienstag, 15. Juli 2008
13.00 Uhr Slowenien gg. Kanada 86:70
15.30 Uhr Kapverden gg. Deutschland 68:104
19.30 Uhr Kamerum gg. Puerto Rico 72:81
22.00 Uhr Libanon gg. Brasilien 54:94

Mittwoch, 16. Juli 2008
13.00 Uhr Kanada gg. Korea 79:77
15.30 Uhr Puerto Rico gg. Kroatien 81:95 
19.30 Uhr Deutschland gg. Neuseeland 89:71
22.00 Uhr Brasilien gg. Griechenland 69:89

Die beiden erstplatzierten Mannschaften erreichen das Viertelfinale, die drittplatzierten Mannschaften scheiden aus.

Viertelfinale
Freitag, 18. Juli 2008
13.00 Uhr, Spiel 13: Kroatien gg. Kanada 83:62
15.30 Uhr, Spiel 14: Slowenien gg. Puerto Rico 70:81
19.30 Uhr, Spiel 15: Deutschland gg. Brasilien 78:65
22.00 Uhr, Spiel 16: Griechenland gg. Neuseeland 75:48

Halbfinale
Samstag, 19. Juli 2008
19 Uhr, Spiel 17: Kroatien gg. Deutschland 76:70
22 Uhr, Spiel 18: Puerto Rico gg. Griechenland 63:88

Die beiden Gewinner der Halbfinalspiele sind für die Olympischen Spiele in Peking qualifiziert. Die beiden Verlierer spielen im Spiel um den dritten Platz um den einen verbleibenden Olympia-Platz.

Finale
Sonntag, 20. Juli 2008
Spiel 19: Deutschland gg. Puerto Rico 96:82

Der Gewinner ist für die Olympische Spiele qualifiziert.




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Kommentare

(7 Kommentare bisher)

von The_MVP 15.07.08 um 08:54:20


überträgt das dsf nur die vorrundenpartien oder auch ein deutsches vIertel oder halbfinale wenns so kommt?



von PPP 15.07.08 um 09:19:34


dsf überträgt alle spiele mit deutscher beteiligung



von Charlotte35 15.07.08 um 11:42:37


ja
vllt sollte man dazu noch sagen, dass das deutsche Spiel schon um 14:30 los geht.
15.30 bezieht sich auf die griechische Ortszeit.
Steht übrigens auch so auf der Seite des deutschen Basketball Bundes.



von Tomdawg 15.07.08 um 13:27:59


Der Hinweis steht auch im Artikel ;)



von Suck My Diktiergerät 15.07.08 um 17:28:48


tja, schönes erstes spiel gegen nahezu übermächtige kapverdianer. und ohlbrecht *g* 9min 8 punkte, 3 dunks :D



von king_handles 21.07.08 um 12:03:40


Gibt es gar kein Aufeinandertreffen von Griechenland und Kroatien?



von tamarindenpulpe 21.07.08 um 13:35:26


nee... wozu denn auch?



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