NBA Europe Live Tour
NBA-Zirkus in Köln: Zweiter Tag
Am zweiten Tag in der Domstadt und dem letzten Tag der Europatour gab es zweimal das Duell USA gegen Europa. Am Ende stand eine nicht ganz neue Erkenntnis.
Von Jens Möller |
12.10.2006 | |

Am letzten Tag der Europa-Tournee trafen Sieger und Verlierer des Vortages aufeinander. Bei allen NBA-Akteuren waren die Akkus nach der Saisonvorbereitung und dem einwöchigen Trip durch Europa sichtlich erschöpft. Doch auch die beiden europäischen Teams, Maccabi und Moskau, hatten große Mühe beim zweiten Spiel innerhalb von 24 Stunden.
Maccabi Elite Tel Aviv gegen Phoenix Suns
Im ersten Spiel des Tages trafen die beiden Verlierer des Vortages aufeinander. Die Phoenix Suns machten gegen den israelischen Meister Maccabi Elite Tel Aviv zunächst dort weiter, wo sie im Spiel gegen die 76ers aufgehört hatten. Vorne vertändelten sie reihenweise den Ball, hinten fingen sie sich zu viele einfache Punkte ein. Nach einer Woche in Europa, gespickt mit Trainingseinheiten und Freundschaftsspielen, schien bei einigen Suns-Spielern der Kopf noch müder als die Beine zu sein. Allein Boris Diaw verlor in den ersten fünf Minuten des Spiels drei Mal den Ball.
Trotzdem sorgten die Suns für das erste Highlight des Spiels. All-Star Shawn Marion schnappte sich ein Alley-Hoop-Anspiel von NBA-MVP Steve Nash und stopfte den Ball mit einer Hand durch die Reuse. Maccabi ließ sich jedoch nicht beeindrucken und nutzte die Lücken in der Suns-Defensive. Nach einem Viertel lag das US-Team bereits mit 21:32 zurück. Erst als die Distanzschützen der Suns im zweiten Viertel anfingen, ihre Dreipunktewürfe zu treffen, allen voran Steve Nash und Leandro Barbosa, kam Phoenix wieder heran. Tel Aviv rettete einen Drei-Punkte-Vorsprung in die Kabine: Halbzeitstand 60:57.
Das dritte Viertel plätscherte so dahin. Die Suns gingen knapp in Führung, jedoch merkte man, dass beiden Teams langsam die Luft ausging. Während es auf den Rängen merklich ruhiger wurde, glänzte auf dem Parkett dann und wann der wieselflinke Aufbauspieler Will Bynum von Maccabi, in der vergangenen Saison noch bei den Golden State Warriors unter Vertrag. Seine Drives zum Korb hielten den israelischen Meister im Spiel.
Hatte Tel Aviv die Suns zu Beginn der Spiels mit ihrer Zonenverteidigung geärgert, wurden die Beine der Maccabi-Spieler gegen das schnelle Phoenix-Passspiel immer schwerer. Konsequenz: Nach vier Minuten im vierten Viertel hatten die Suns einen Vorsprung von elf Punkten herausgeholt. Die spektakulärsten Punkte der Partie stopfte Boris Diaw durch das Netz, als der Franzose einen krachenden Tipp-In-Dunk verwandelte. Tel Aviv war besiegt.
Leandro Barbosa, unbestritten der Spieler in Köln mit dem schnellsten Antritt, vergrößerte noch den Vorsprung. Am Ende hatte der Brasilianer beim letztlich ungefährdeten 119:102-Sieg der Suns 27 Zähler auf dem Konto. Nash-Backup Marcus Banks erzielte 21 Punkte, Shawn Marion kam auf 14 und Boris Diaw markierte zehn Zähler (acht Rebounds).
Wie platt die Israelis am Ende waren, zeigten zwei Airballs von US-Forward Rodney Buford kurz vor Schluss der Partie. Buford hatte die Lacher in der Halle auf seiner Seite; er kam trotzdem auf 16 Punkte. Erfolgreichster Werfer für Maccabi war Will Bynum (20 Punkte), gefolgt vom Litauer Simas Jasaitis (18) und dem starken 20-jährigen Youngster Lior Eliyahu (zwölf Punkte, acht Rebounds). Dessen Draft-Rechte haben sich die Orlando Magic in diesem Sommer gesichert (44. Pick). ?Meine Spieler konnten am Ende kaum noch laufen?, sagte Maccabi-Coach Neven Spahija anschließend. Angesprochen auf die an die NBA angelehnte lange Spielzeit von 48 Minuten, sagte er: ?Wir hätten auch bei vier mal zehn Minuten nicht gewonnen.?
Philadelphia 76ers gegen CSKA Moskau
Als kurz vor 21 Uhr die Mannschaften vorgestellt wurden, hatten sich die Ränge in der Kölnarena wieder merklich gefüllt. 13.300 Zuschauer, 500 weniger als am Vorabend, wollten das letzte Spiel in Köln verfolgen. Ihre Aufmerksamkeit zog nach einem langsamen Spielbeginn (13:7 für die Sixers nach acht Spielminuten) vor allem Philly-Star Allen Iverson auf sich. Er spielte vor den Heerscharen von AI-Trikot-Trägern seinen Gegenspieler J.R. Holden, selbst auch nicht der Langsamste, schwindelig. Den ?Ahs? und ?Ohs? bei Iversons Crossovern folgten dann ?Wows?, als der heimliche Star des Abends auftrumpfte.
Sixers-Center Samual Dalembert räumte die CSKA-Spieler gleich reihenweise am Brett ab, sodass sich die Spieler des Euroleague-Champions kaum mehr in die Zone trauten. Anders als noch am Vortag, als die zweite Fünf der Sixers die Aufholjagd gegen die Suns gewannen, gab Head Coach Maurice Cheeks seinen Startern viel Spielzeit. So nutzte vor allem Dalembert die Gelegenheit und sammelte Selbstvertrauen gegen die Langen in den CSKA-Reihen um Matjas Smodis, David Andersen und Thomas van den Spiegel. Mit ?Sam? in der Mitte hielten die Sixers Moskau zur Halbzeit bei läppischen 30 Punkten (47:30).
Auf Seiten Moskaus hielten in der Folge vor allem der emsige Smodis und J.R. Holden dagegen. Gegen das Highlight des Tages konnten aber auch sie nichts ausrichten. Allen Iverson spielte den Ball bei einem Fastbreak auf den heran fliegenden Andre Iguodala. Der krachende Alley-Hoop war?Iggys? beste Szene des Spiels, er spielte ansonsten wie Kollege Chris Webber eher unauffällig. Als CSKA mit einer Zone die Sixers in leichte Bedrängnis brachte, zeigte sich die Vielseitigkeit und Tiefe eines NBA-Teams. Philly-Coach Cheeks brachte kurzerhand Scharfschütze Kyle Korver, der mit einem Dreier zum 68:49 traf.
Das letzte Viertel war ein Auslaufen der NBA-Stars. Dalembert beförderte einen weiteren CSKA-Wurfversuch Richtung Zuschauerränge, während Allen Iverson sichtlich Spaß am Spiel fand. Drei Minuten vor Spielende läutete Maurice Cheeks den Feierabend für den unumstrittenen Publikumsliebling in Köln ein. AI beendete seinen Arbeitstag mit 28 Punkten, neun Assists und fünf Rebounds. Den 85:71-Sieg der Sixers brachten die Helden der Aufholjagd des Vorabends, die Bankspieler, über die Bühne.
Bester Spieler des Spiels war Samual Dalembert. Der 2,12 Meter große Center blockte fünf Würfe, griff sich 18 Rebounds und zeigte mit 15 Punkten sogar ungeahntes Offensivpotential. ?Wenn er so spielt wie heute, ist er eine One-Man-Show in der Defensive?, lobte Iverson seinen Teamkameraden nach dem Spiel. ?Von ihm seht ihr in dieser Saison eine Menge.? Neben Iverson und Dalembert punkteten nur Webber (13) und Korver (zehn) zweistellig.
?Mit ihrer Defensive haben sie uns vor riesige Probleme gestellt?, sagte CSKA-Coach Ettore Messina. Um dieses Bollwerk zu knacken, seien jedoch die Beine seiner Spieler zu müde gewesen. Auf Seiten Moskaus war US-Guard Trajan Langdon mit 16 Punkten der sicherste Werfer, gefolgt von Smodis (13), Anderson (11), Holden (10) und van den Spiegel (10). Anderson und van den Spiegel griffen auch jeweils neun Rebounds. Theodoros Papaloukas spielte nur sieben Minuten (ein Punkt, drei Assists) auf Grund einer leichten Verletzung am Bein, die er sich im Spiel gegen Tel Aviv zugezogen hatte.
Mit dem Sieg gegen Moskau sicherten sich die Philadelphia 76ers den inoffiziellen ersten Platz bei dem Miniturnier in Köln. Insgesamt behielten die NBA-Teams bei allen drei Begegnungen
mit den europäischen Mannschaften die Oberhand. Mike D?Antoni, Headcoach der Phoenix Suns und früher Spieler und Trainer in Italien, sprach nach dem Spiel gegen Maccabi über die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Spitzenmannschaften: ?In den letzten zwanzig Jahren hat sich viel verändert. Neben den Grundlagen, die immer gut waren, wird hier jetzt viel athletischer gespielt. Es ist besser geworden. Aber ein Team wie Maccabi würde in der NBA große Schwierigkeiten haben.?



von reignman23 13.10.06 um 09:47:48
kann ich mich nur anschliessen. warn netter abend ;-)
besonders rodney buford hat mich beeindruckt. gut, seine zwei airballs am ende waren auch eher seiner verlorenen motivation aufgrund der drohenden niederlage als seiner kondi zugeschrieben. dafür hat er aber einige sixers alt aussehen lassen. bynum zog gut und ist hammerschnell, hatte aber imho wenig blicke für die mitspieler.
außerdem muss ich leider die arbeit der refs etwas kritisieren: dalembert parkte mindestens 3 mal länger als 3 sek in der zone bevor er dann nen pass kam und punktete. naja, showtime halt...
von mkay 13.10.06 um 12:17:53
schließ ich mich an, die 3-sek.regel wurde glaub ich für den abend eingestellt.
aber sehr geile Fotos
und jens, deine Frage an David Stern, sehr feierlich :), Jan hat mir das Video geschickt!
von babygirl cologne 2006 philadelphia 76er´s 14.10.06 um 07:06:26
es war für mich der erste basketball abend der mich sehr begeistert hat.seitdem interessiert es mich auch deutlich mehr vielleicht kann einer von euch mir ein paar fragen beantworten?...
würde mich auch sehr über das viedeo freuen :)
lg aus hamburg
von Jensen 15.10.06 um 22:41:39
Das "Video" gibt es auf nba.com. Dort findet man alle Pressekonferenzen der beiden Tag zum nochmal genießen.
Bilder von den beiden Tagen findet ihr unter
[flickr.com]
von KingCrunch 16.10.06 um 01:42:11
Ja, Jens hätt auch noch dazuschreiben können, dass er seine Frage ca. bei Minute 25 stellt in der Pressekonferenz mit David Stern, und an Nash die Frage irgendwann im zweiten Teil.... sehr nice Job, Jungs.
"Its Jens Möller from Crossover-Online, Germany" , jetzt wird STern erstmal abchecken lassen, was hier so geht und die Artikel, die die NBA kritisieren, sperren lassen, hehe :-)