NBA Europe Live Tour
Clippers und Suns siegen in Europa
Die Clippers absolvierten ihr erstes Vorbereitungsspiel in Moskau siegreich. Auch die Phoenix Suns hatten wenig Probleme in Rom.
Von Johannes Käfer, Max Lambertz |
07.10.2006 | |
Los Angeles Clippers - BC Khimki Moskau 98:91
(ml) Die Taktik: Da Tim Thomas mit Rückenproblemen geschont und Sam Cassell in dieser frühen Phase der Saison noch nicht verheizt werden sollte, starteten die Clippers mit Shaun Livingston als Aufbauspieler und Corey Maggette auf dem Flügel. In der Verteidigung spielten sie eine konsequente Mann-gegen-Mann-Verteidigung und switchten auch bei Blöcken ihre Gegenspieler nicht. Ging der Ball unter den Korb, wurde oft gut ausgeholfen, die anschließend nötige Rotation funktionierte allerdings noch nicht. In der Offensive versuchten die CLippers entweder, schnell zu spielen oder die individuelle Überlegenheit einzelner Spieler zu nutzen. Dies geschah allerdings nicht durch plumpe Isolation, sondern war in recht intelligente Spielsysteme eingebunden.
Moskau versuchte hingegen die individuelle Unterlegenheit der eigenen Spieler in einer sehr beweglichen 2-3-Zone zu verstecken. Kam der Ball dabei unter den Korb, wurde sofort gedoppelt oder gar getrippelt. Offensiv versuchten die Center zunächst mit Würfen von außen Platz für die Penetration zum Korb zu schaffen.
Der Spielverlauf: Gleich zu Beginn verdeutlichten die Clippers ihre athletischen Vorteile. Beinahe jeder Korbversuch der Russen in Brettnähe wurde geblockt, wodurch sich immer wieder Möglichkeiten zum Schnellangriff ergaben. Dabei tat sich insbesondere Corey Maggette hervor, der einige Fouls zog und auch erfolgreich abschließen konnte. Aber auch die beiden anderen Backcourt-Spieler Cuttino Mobley und Shaun Livingston wussten offensiv zu überzeugen. Defensiv sah das Ganze allerdings noch recht dürftig aus. Mit schnellem Passspiel und vielen Blöcken kam Moskau immer wieder zu offenen Würfen, trafen davon allerdings nur äußerst wenige. So gelang es den Clippers recht schnell, einen Zehn-Punkte-Vorsprung zu erspielen.
Gegen Ende des ersten Viertels erhielt das Spiel einen kleinen Bruch, als Moskau den von den Dallas Mavericks gedrafteten Pavel Podkolzin einwechselte. Dieser zeigte fortan Chris Kaman seine Grenzen auf, forcierte einige Ballverluste und war auch offensiv eine Bereicherung. In jedem Fall eine ordentliche NBA-Visitenkarte, die Podkolzin da abgab. Hinzu kam, dass nun auch local hero Yaroslav Korolev auf dem Feld stand und mit einigen unglücklichen Aktionen zeigte, warum er in der letzten Saison kaum Minuten gesehen hat.
Davon ließ sich Coach Mike Dunleavy allerdings nicht entmutigen und wechselte im Verlauf des zweiten Viertels immer wieder mutig durch. Zeitweise spielte er sogar mit Elton Brand und James Singleton gegen Podkolzin unter dem Korb. Enttäuscht wurde er dabei von keinem seiner Spieler, sowohl Singleton, als auch Daniel Ewing und Quentin Ross fügten sich nahtlos in die Mannschaft ein. Zwar erreichte man nicht mehr die Dominanz von Spielbeginn, dies lag allerdings auch an einer mittlerweile deutlich verbesserten Offensivleistung der Russen. Dank einer starken Überlegenheit beim Rebound behielt man allerdings bis zur Halbzeit (42:51) eine recht beruhigende Führung.
In der zweiten Halbzeit taten dann beide Teams zu Beginn nur noch das Nötigste. Wie wenig ernst das Spiel genommen wurde, zeigt dabei alleine die Tatsache, dass ein Moskauer Spieler einen Fastbreak vertändelte, obwohl er völlig ungestört alleine auf den Korb zulief, und auch bei den Clippers das ein oder andere verrückte Alley-oop-Anspiel daneben ging. Erst als der Vorsprung Mitte des vierten Viertels schon deutlich angewachsen war, versuchte Moskau mit neuen Verteidigungsmethoden dem Spiel noch eine Wendung zu geben. Doch weder die Ganzfeldpresse noch das konsequente Doppeln des ballführenden Spielers konnten die Clippers sonderlich beeindrucken, sodass der Sieg nie ernsthaft in Gefahr geriet.
Das Fazit: Die wichtigste Erkenntnis des Spiels lautet eindeutig: Corey Maggette ist zurück. Furchtlos wie eh und je attackierte er den Korb und zog dabei Fouls noch und nöcher. Von der Angst vor einer erneuten Knöchelverletzung war dabei nichts zu sehen. Eine schöne Sache, auch wenn er bis zu Saisonbeginn noch an seiner Freiwurfquote arbeiten muss. Ansonsten war der Moskauer Gegner - trotz zweistelliger Punkteausbeute Ademola Okulajas - eigentlich zu schwach, um ein ernsthaftes Fazit zu ziehen. Bedenklich stimmt allerdings die fehlende Gefahr von außen. Ohne die fehlenden Scharfschützen Sam Cassell und Tim Thomas wurde heute fast komplett auf das Werfen von außen verzichtet. Trotzdem alles in allem ein überzeugender Sieg der Clippers, auch wenn das Ergebnis (91:98) eher knapp war.
Phoenix Suns - Virtus Lottomatica Rom 100:93
(jk) Auch die Phoenix Suns gewannen ihr Vorbereitungsspiel in Europa, allerdings im italienischen Rom. Sie erzielten gegen Virtus Lottomatica Rom einen knappen, aber dennoch deutlichen 100:93 Sieg, bei dem Shawn Marion mit 19 Punkten Topscorer der Gäste war. Raja Bell und der Brasilianer Leandro Barbosa erzielten jeweils 18 Punkte, Steve Nash verteilte neun Assists. Das Ergebnis fiel relativ knapp aus, da sich die Suns von jenseits der Dreierlinie ziemlich viele Fahrkarten erlaubten, insgesamt fanden 20 von 31 Versuchen nicht das Ziel.
Beste Scorer für Rom waren David Hawkins, der vor zwei Jahren einige Spiele für die Houston Rockets absolvierte, mit 22 Punkten und Dejan Bodiroga mit 17 Zählern. Während des Spiels mit seiner Leistung sowie nach dem Spiel in seinem Interview machte Hawkins deutlich, was sein Karriereziel ist: ?Das war Extramotivation für mich. Das ist das ultimative Ziel (die NBA). Hoffentlich werde ich dort eines Tages wieder sein. Aber im Moment bin ich in Rom und konzentriere mich auf die Euroleague und die italienische Liga.?
Amare Stoudemire kam nicht zum Einsatz. Sein Knie bereitete ihm wieder Sorgen, sodass er einige Trainingseinheiten nicht absolvieren konnte oder früher abbrechen musste. ?Das Problem ist, dass wir wollen, dass er erstmal jeden Tag richtig trainiert, und das kann er nicht,? so Coach Mike D?Antoni. ?Ich werde ihn nicht spielen lassen, bevor er ein bestimmtes Level erreicht hat!? Es sieht demnach so aus, als würde der zweite Superstar der Suns auch in Köln in den beiden Vorbereitungsspielen am Dienstag gegen die Philadelphia 76ers und am Mittwoch gegen ein europäisches Team (entweder Maccabi Tel Aviv oder CSKA Moskau) fehlen.



von DK 07.10.06 um 12:35:09
Meiner Meinung nach war P.Podkolzin eher schlecht an diesem Abend. Mit seiner Größe könnte er viel mehr tun. Ich glaube am Ende hatte er nur 6 Punkte, seine quote war richtig mies. Kaman kam viel besser rüber und machte seine Punkte mit Fadeaways und hookshots. Podkolzin ist einafch zu langsam.Mich wunderts warum die Mavs ihn so lange behielten.
von presidentsamy 07.10.06 um 12:57:57
schöner artikel, allerdings ist es traurig zu sehn dass die clippers das europaspiel nicht ernst nehmen, man sollte doch wenigstens ehrlichen hustle erwarten dürfen..
schlimmer noch ist es aber dass moskau das spiel ebenso wenig ernst nimmt.
wenn man schonmal die chance hat gegen nba-stars zu spielen, sollte man wirklich kämpfen bis zum letzten und auch den zuschauern was bieten (womit keine 10 misslungenen alley-oops gemeint sind)
von Jam3000 07.10.06 um 13:01:58
Guter Artikel, die ergebnisse sind aber eigentlich aussagekräftig, 7 Punkte Unterschied in beiden Games d.h. der Abstand zwischen NBA und Europa wird kleiner und kleiner, bis er sich in hoffentlich naher Zukúnft auflöst.