Michael Jordan

"Es geht um Teamwork"

Michael Jordan spricht im Interview über seine Karriere, den europäischen Basketball und die Marke Jordan.

Von Thomas Käckenmeister
 25.10.2006 |

Anmerkung: Das nachfolgende Interview wurde uns vom Veranstalter zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.


Herr Jordan, warum sind Sie in Europa, und was bezwecken Sie mit Ihrer Europa-Tour?

Im Oktober sind wir in Berlin, Paris, London, Barcelona und Mailand, um zu erklären, was Jordan als Marke bedeutet: Was in Amerika schon bekannt ist, wollen wir jetzt auch in Europa demonstrieren, nämlich unsere Leidenschaft für unsere Produkte - für deren Herstellung genauso wie für ihre Ausstrahlung. Kurz: Die Leidenschaft für Teamwork und ähnliche Attribute. Wir hoffen, dass zukünftig noch mehr europäische Athleten diese Mission verstehen werden und wir uns noch besser mit Europa verbinden können.


Was werden Sie während der Tour unternehmen?

Wir veranstalten ein All-American Camp. Was in den Staaten ein Klassiker ist, soll jetzt auch in Europa nach demselben Prinzip ablaufen. Ich glaube, dadurch haben wir eine gute Möglichkeit, mit den Spielern der Zukunft in Kontakt zu treten. Nur so können wir die Kids erreichen und ihnen einen Teil der Basketball-Philosophie vermitteln, wie wir sie bei Jordan vertreten. Es wird Spaß machen. Ich habe schon lange nicht mehr die Möglichkeit gehabt, mich mit den Jugendlichen aus Europa auszutauschen. Darauf freue ich mich. Ich will ihnen das Gefühl vermitteln, was es aus Sicht der Marke Jordan heißt, ein All-American zu sein.


Wie würden Sie Ihre Basketball-Philosophie beschreiben?

Das ist ganz einfach: Sei ehrlich zum Spiel. Wenn du dich anstrengst, Arbeit und Leidenschaft investierst, wirst du belohnt. Dadurch, dass entweder deine Ambition oder deine Liebe zum Spiel erfüllt wird. Meine Liebe für das Spiel ist sehr groß. Weil ich als Sportler immer ehrlich war, war das Spiel treu und redlich zu mir. Was ich den Jugendlichen vermitteln will: Wenn du nach einer Abkürzung suchst, wirst du eine Abkürzung erhalten. Also ist mein Rat: Wenn ihr euch ehrlich anstrengt und euch aufopfert, wird sich die Mühe auf lange Sicht hoffentlich auszahlen.


Was war der größte Moment ihrer Basketball-Karriere?

Das ist schwer zu sagen! Da gab es einige. Das Größte war der Gewinn der letzten Meisterschaft. Denn um etwas zu wiederholen, musst du immer wieder an denselben Punkt zurück, an dem du warst, als du noch nichts gewonnen hattest. Den Hunger zu entwickeln und zu beweisen, dass du der Beste bist, obwohl du es schon fünfmal geschafft hast. Beim sechsten Mal bedeutet das: Du musst dich neu erfinden, immer wieder die Herausforderung annehmen - das kann sehr hart sein. Es ist ein Wettkampf mit dir selbst, nicht nur mit deinem Gegner. Um in der Früh aufzustehen, zu trainieren, an deinem Wurf zu arbeiten und all die Sachen zu tun, um in Form zu bleiben, musst du vor allem deinen inneren Schweinehund besiegen. Die Meisterschaft 1998 zu gewinnen, war für mich das Härteste und zugleich Befriedigendste, das ich erleben musste.


Worauf kommt es an, um auf Dauer erfolgreich zu sein?

Um Dinge wiederholen zu können, und mehr als einmal zu gewinnen, muss der Antrieb von innen kommen. Ein gutes Beispiel dafür ist Lance Armstrong - schließlich hat er es siebenmal geschafft! Wenn jemand das erste Mal gewinnt, ist das eine Riesenleistung. Ich glaube, viele kennen das Bedürfnis, sich beweisen zu wollen. Du willst mehr leisten, als von dir erwartet wird. Ich bin ziemlich sicher, dass niemand erwartet hätte, dass Michael Jordan sechs Meisterschaften in Chicago gewinnt. Viele dachten, wir würden nicht einmal eine gewinnen. Aber wenn du es einmal geschafft hast, willst du beweisen, dass du es auch zweimal schaffst. Dann sagen sie, du schaffst es nicht dreimal in Folge - also beweise ich es. Ich trete zurück, spiele wieder und beweise es wieder und wieder. Du setzt dich selbst ständig unter Druck, weil du die anderen immer überbieten willst.

So muss deine Persönlichkeit sein. Bei mir war und ist es noch immer so. Ich will beweisen, dass Jordan als Marke auch außerhalb Europas erfolgreich wachsen kann und sich eine Verbindung zu den europäischen Athleten aufbauen lässt.


Wie sieht Ihr Engagement bei den Charlotte Bobcats aus, und was wollen Sie erreichen?

Ich glaube nicht, dass das Wohl der Marke von dieser Entscheidung abhängt. Jordan als Marke wäre so oder so stark - ob ich bei den Bobcats bin oder nicht. Ich weiß um meine Verbindungen zur NBA - sei es durch meine Beziehungen oder durch meine Grass-Roots-Aktionen mit All American Camps. Es rückt die Sache nur in ein anderes Licht und hält mir vor Augen, dass ich immer stark mit dem Basketball verbunden bin. Die Leute wussten, dass ich wegen der Marke - und was sie seit langem repräsentiert - in Verbindung mit dem Sport geblieben bin. Jetzt werden sie erkennen, dass ich zwar hinter den Kulissen war, aber immer in Kontakt zur Marke stand. Durch meine Arbeit bei den Bobcats werden die Leute wieder mehr von mir zu sehen bekommen.


Was halten Sie von europäischen Basketballern?

Noch viel mehr Europäern werden dem Beispiel von Pau Gasol, Dirk Nowitzki oder Tony Parker folgen und zu uns kommen. Diese Jungs haben übernommen, was wir in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Sie haben ihre Fähigkeiten perfektioniert und demonstrieren sie nun in der NBA. Das ist einer der Gründe, warum wir nach Europa kommen: um mit denen in Kontakt zu treten, die in Zukunft die Marke Jordan vertreten werden und in der NBA spielen könnten.

Ich glaube, die Europäer haben sich deshalb so dramatisch verbessert, weil die NBA auf sie und ihre Ligen einen so großen Einfluss hatte. Und sie werden noch besser werden. Das zwingt eine Menge Amerikaner, ihren Stil zu ändern und sich mehr auf die Grundausbildung zu konzentrieren. Die Europäer sind sehr vielseitig und setzen ihr Basketballwissen nicht nur in einem Bereich ein. Sie haben bewiesen, dass sie auf unterschiedlichen Positionen einsetzbar sind. Das wird nicht viel häufiger zu beobachten sein - auch in den USA.


Was halten Sie von europäischen Ligen?

Glauben Sie mir, wenn ich an Europa denke, denke ich an die Basketball-Ligen. Ich habe sie gesehen, gegen sie gespielt - und ich glaube, sie haben sich verbessert und werden sich weiter verbessern in dem Maße, in dem sie erkennen, was es braucht, um besser zu werden. Es ist also nicht so, dass sie mich überraschen. Sie haben sich unheimlich schnell entwickelt und ihr Hunger, ein Teil der NBA und damit Teil der besten Spieler der Welt zu sein, war schon immer vorhanden.


Was repräsentiert die Marke Michael Jordan?

Es geht darum, zu definieren, wer ich bin. In den letzten 20 Jahren hat das gut funktioniert. Die Leute wollen immer noch viel mehr wissen, und wir versuchen, ihnen neue Beispiele zu geben: Die Carmelos (Anthony) und Derek Jeters (Baseball-Profi) mögen nicht alles annehmen, wofür Michael Jordan steht, aber sicherlich haben sie einen Teil davon und entwickeln das auch weiter. Derek Jeter zum Beispiels ist anders als Michael Jordan, und Carmelo ist auch ganz anders als Michael Jordan - trotzdem haben beide ähnliche Qualitäten. Darin liegt die Schönheit, die diese Marke darstellen möchte.


Welche Werte möchte die Marke Jordan vermitteln?

Unsere Firmenwerte betonen ein hohes Maß an Entschlossenheit, Hingabe, harter Arbeit, Enthusiasmus und Führungsqualität. Diese Qualitäten spielen alle zusammen und hängen direkt mit der Sportart Basketball zusammen. So haben die Marke und die Art, wie ich spielte, schon immer zusammengehört.

Wenn Sie das Produkt sehen, sehen Sie die Leidenschaft der Leute, die es hergestellt haben. Sie sehen die Liebe und das Verlangen, das uns der Entwicklungsprozess abverlangt. Die hohe Qualität der Produkte, die Zusammenarbeit, die sich zwischen meinen und den Ideen der Designer entwickelt; das alles spielt zusammen und beeinflusst das Produkt. Wir haben hohe Standards und wollen nichts einfach so machen. Wir stecken eine Menge Entschlossenheit, Anstrengung und harte Arbeit in die Produkte. Darum geht es der Marke, und darum ging es mir, als ich noch Basketball spielte.


Welche Rolle spielen Sie bei der Marke Jordan?

Meine Rolle ist es, bei der Entwicklung des Produkts zu helfen. Ideen und Konzepte zu entwickeln, die vermitteln, was ich früher als Spieler ausdrücken konnte. Es geht um Teamwork. Ich würde nicht sagen, dass ich das Mastermind bin, das hinter all den Kreativprozessen der Firma steht. Es gefällt mir, wenn ich die Anstrengungen und Wünsche innerhalb der Firma inspiriere. Gemeinsam versuchen wir dann sicherzustellen, dass Produkt und Botschaft zu meiner Persönlichkeit passen, zu dem passen, wie ich spielte, und was ich als Spieler repräsentierte. Meine Aufgabe ist es, die Werte immer wieder zu vermitteln und klarzustellen, was sie mir bedeuten.


Kann sich die Marke weltweit ausbreiten? Ich denke, das ist schon geschehen. Es geht jetzt hauptsächlich darum, Hintergründe und Bedeutung der Marke zu erklären. Ich glaube, die Leute, die die Marke wahrnehmen, haben noch nicht voll verstanden, worum es geht: Wir wollen einfach klarstellen, dass die ganze Geschichte der Marke verstanden wird. Wir sind ein weltweit agierende Marke. Wir müssen das nur noch besser herausstellen, damit es die Leute auch wirklich verstehen.


Was kann man von der Marke Jordan in nächster Zeit erwarten?

Wir werden eine Menge Spaß haben. Und damit meine ich, dass wir bei der Entwicklung der neuen Schuhe keine Anstrengungen scheuen werden. Ich glaube, das neue Konzept - "The Stealth" - wird den Leuten noch besser erklären, was die Marke schon seit längerem vertritt. Wir sind schon eine Weile auf dem Markt, haben attackiert und sind in dem, was wir tun, so etwas wie der Marktführer.

Wir haben die Möglichkeit, mein Leben, und das, wofür Michael Jordan in seiner langen Karriere stand, auf eine andere Art zu erzählen. So, wie ich an das Spiel heranging - nämlich so, dass du dir nie sicher sein konntest, was ich als nächstes mache. Ich stehe direkt über dir, greife dich an. Ich könnte das ganze Spiel so weitermachen, ohne dass du merkst, wie ich 45 Punkte erzielt habe. Alles, was wir in den letzten 22 Jahren geschaffen haben, hängt eng damit zusammen, wie ich als Spieler war.

Das Beste und Unglaublichste der Geschichte haben wir uns für den Air Jordan 23 aufgespart. Es ist schwer, davon zu sprechen, weil wir immer noch in der Entwicklungsphase stecken. Das heißt, ich setze mich mit Tinker Hatfield (Vizepräsident von Nike) und dem Team zusammen, und wir gehen meine Karriere durch. Wir überlegen uns, wie wir die Sache weiterspinnen können, damit alles zusammenpasst und unsere Botschaft für den Konsumenten weiter klar ist. Das macht unheimlich viel Spaß. Ich glaube, das verstehen die Leute nicht so recht: Ich bin stolz darauf, dass ich sehr viel Zeit in die Firma investiere, um sicherzustellen, dass ich mehr als meinen Namen zur Verfügung stelle. Es ist ein großer Teil von mir. Es ist ein Teil meiner Geschichte. Ein Teil davon, was ich die letzte Zeit über dargestellt habe. Ich werde nur soviel verraten: Die nächsten eineinhalb Jahre wird sich alles um die "23" drehen.




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Kommentare

(8 Kommentare bisher)

von astrit 25.10.06 um 12:38:43


ich finde auch jordans sind unglaublich gut , sie passen sich deinem fuß an und gehen nicht schnell kaputt.das ist qualität.
aber ich bleibe reebok treu AI3



von Conroe 25.10.06 um 13:47:30


schade das es nicht selbst die möglichkeit gab ihn zu interviewen.
die fragen genauso wie die antworten hören sich so sehr nach vorgefertigter medienware an.
wahrscheinlich sind die fragen von nike in auftrag gegeben worden oder sowas ;-)
aber trotzdem schön, dass ihr auch sowas hier einstellt.



von presidentsamy 26.10.06 um 14:54:47


naja ich finde dass dieser artikel schon ein enormes maß an werbung ist...
die (wenigen) fragen, die sich nicht auf "jordan als marke" beziehen, hätte man sich auch selbst beantworten können...



von fl1p 26.10.06 um 17:45:25


2 words : Standard Interview.
Da kann ich meinem Vorredner nur zustimmen. Ich denke mal die Verkaufszahlen sind nicht gerade prickelnd.Da nutzen die jungs von Nike die zeit um neue produkte rauszubringen und werbung zu machen; auf dieses interview bezogen, werden sie schon n paar Neukunden gewinnen können,die betonung liegt auf "neu",denn mal ehrlich,alle in meinem alter sind mit dieser marke groß geworden,viel hat sich nich verändert.Nur jetzt wo sie rote zahlen schreiben(meine nicht nike im ganzen,sondern nur die marke "Jordan") bringen sie "innovative" produkte auf den markt wie Jordan-Jeans und wiedereinmal Jordasneakers(wie viel Air-Jordan haben die schon rasugebracht?)



von Yinka Dare 31.10.06 um 19:51:48


Wie kann man bei solch hohen Preisen rote Zahlen schreiben ?



von fl1p 03.11.06 um 23:54:23


Ganz einfach-> Verkaufszahlen sinken rapide.



von KAF 04.11.06 um 00:24:03


Kann mir nicht vorstellen, dass die Marke Jordan rote Zahlen schreibt. Für mich waren die Produkte immer etwas "besonders", so wie es bei den meisten Basketballfans der Fall sein wird. Da bin ich auch bereit etwas tiefer in die Tasche zu greifen.



von fl1p 04.11.06 um 00:54:32


Da hab ich mich falsch ausgedrückt.Gemeint is,das die Führungsetage(vielleicht) nicht zufrieden ist, mit den verkaufszahlen insgesamt.Natürlich ist das eine wage aussage.Weitaus realistischer wäre das ganze als promotour(auf die hh und berlin visite bezogen) abzustempeln.Dann hat aber mein teorie einen wahrheitsgehalt von 0,01%.Wie gesagt,das waren die ersten gedanken die mir durch den kopf gegangen sind.



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