Konrad Wysocki

„Spanien und Italien reizen mich“

Im Sommer 2009 verließ Nationalspieler Konrad Wysocki die Beko BBL in Richtung Polen. Beim Eurocup-Teilnehmer PGE Turow Zgorcelec geht er in dieser Saison auf Korbjadg. Im Interview spricht er über den Weggang aus Frankfurt, die Nationalmannschaft, das Duell mit Jan Jagla und seine persönlichen Ziele.

Von Thomas Käckenmeister
 10.12.2009 |

Wie bewertest du die letzte Saison bei den Deutsche Bank Skyliners Frankfurt?

Jede Saison bringt neue Erfahrungen mit sich und so war das natürlich auch in Frankfurt. Es war meine erste Saison in einer Mannschaft, die auf europäischem Niveau gespielt hat, in der Eurochallenge, und die stark genug gewesen wäre um den Deutschen Meister Titel mitzuspielen. Leider konnten wir unser Talent und unsere Stärken nicht effektiv auf das Basketballfeld bringen und hatten so eine recht enttäuschende Saison.

Woran lag es, dass du in Frankfurt nicht an die positive Entwicklung aus Ulmer Zeiten anknüpfen konntest?

Die Frankfurter Mannschaft war natürlich um einiges ausgeglichener als das noch in Ulm der Fall war. Ich wurde von einem wichtigen Schlüsselspieler zu einem Rollenspieler und habe versucht, mich der Mannschaft so nützlich wie möglich zu machen. Ich hatte jeden Tag starke Gegenspieler und musste mich immer wieder neu beweisen.

Trotzdem denke ich, dass meine Entwicklung positiv weitergeht. Je mehr Spielzeit (Vertrauen) man bekommt oder je mehr Verantwortung man übernehmen muss (Selbstvertrauen), desto schneller und weiter kann man über sich hinauswachsen. Das war in Frankfurt für mich nicht der Fall, aber ich habe das Spiel viel beobachten können und auch so meinen Teil dazugelernt.

Warum hast du dich letztlich für einen Weggang aus Frankfurt entschieden?

Es war einfach nicht die richtige Situation für mich. Es gab zu viele Faktoren, von denen ich dachte, dass sie mir in der momentanen Phase nicht helfen werden, einen besseren Basketballer aus mir zu machen. Weiter auf europäischen Level zu spielen, war natürlich auch ein wichtiger Faktor, was Frankfurt ja diese Saison nicht spielt.

Wysocki (Mitte, springend) beim Pokalfinale 2009 gegen Alba Berlin (Foto: Sebastian Eickhoff).

Hast du dich für einen Wechsel nach Polen entscheiden, weil keine bzw. zu wenige Angebote aus der Beko BBL vorlagen? Oder gab es vielleicht andere Gründe?

Die Situation diesen Sommer war natürlich sehr angespannt. Man hat während der EM noch gesehen, wie viele Spieler ohne Verträge dastanden. Es stimmt, dass kein großes Interesse aus der BBL da war, und ich wollte nicht den ganzen Sommer auf ein passendes Angebot warten. Turow Zgorzelec war eine starke polnische Mannschaft (Vize Meister), spielte Eurocup, und mit Sasa Obradovic als Trainer habe ich gedacht, kann ich nicht viel falsch machen.

Welche Erfahrungen hast du bisher in Polen gemacht?

Wir haben bisher recht viel durchmachen müssen. Der Start in die Saison war nicht ganz so wie geplant, wir haben nur sechs von zehn Spielen in der polnischen Liga gewonnen und unser erstes Eurocup Spiel knapp verloren. Der Club trennte sich von Coach Obradovic, und so haben wir jetzt einen Neuanfang. (Der neue Head Coach heißt Andrej Urlep.)

Ansonsten sind die Auswärtsfahrten die reinste Katastrophe, wegen der polnischen Straßenverhältnisse.

Was allerdings sehr gut funktioniert ist die bei uns diskutierte Deutschen-Quote. Hier müssen zwei Polen zu jeder Zeit auf dem Feld stehen, was den jungen Polen viel Selbstvertrauen gibt. Fast jedes Wochenende gibt es mindestens einen Polen, der ein tolles Spiel mit 20 oder mehr Punkten absolviert.

Wie sieht dein Alltag abseits des Basketballs aus? Wie kommst du mit Land und Leuten zurecht?

Es ist der ganz normale Sportleralltag! Der Fokus liegt auf Basketball, sich gut ernähren und ausgeruht und ausgeschlafen zu jeden Training erscheinen. Natürlich versucht man sich ab und zu mal abzulenken, was bei mir aber recht schwer ist, da die Städte, Görlitz und Zgorzelec nicht viel bieten können. Die nächst größeren Städte sind Breslau oder Dresden, jeweils eine Stunde Fahrtzeit.

Die Menschen sind freundlich und die Preise unschlagbar. In Polen bekommt man Vorspeise, Essen und Getränk für umgerechnet keine fünf Euro. Da lohnt es sich nicht zu kochen.

Welche Rolle bekleidest du im Team von Turow?

Wir haben eine gute Mannschaft mit vielen talentierten Spielern. Ich fühle mich in der Mannschaft wohl, wurde gut aufgenommen, und wir verstehen uns alle prima. Ich versuche natürlich, meine Vorteile so gut wie möglich zu nutzen, ob das im Rebounding, in der Verteidigung oder im Angriff ist. Allerdings haben wir mit dem neuen Coach auch wieder einen ganz anderen Spielstil bekommen und müssen uns jetzt wieder neu finden.

Siehst du dich mittelfristig wieder in der Beko BBL?

Natürlich würde ich gerne bald wieder in die BBL zurückkehren. Deutschland ist meine Heimat und dort habe ich auch Familie, Freunde und alles, was man so braucht. Allerdings ist es auch ein schönes Erlebnis, die Basketballwelt aus einem anderen Land kennenzulernen. Die Fans, der Hype, das ganze Drumherum ist eben doch von Land zu Land ganz anders.

Tun die Beko BBL und ihre Klubs zu wenig, um deutsche Nationalspieler in der Liga zu halten?

Ich finde es einfach nur traurig zu sehen, dass so viele deutsche Spieler, die eigentlich in der BBL spielen möchten, fast gezwungen werden, sich Jobs im Ausland zu suchen. Es scheint nicht weiter wichtig zu sein, ob Nationalspieler oder nicht, die Deutschen Spieler sind bei den meisten Teams nur da, um die vier deutschen Positionen auf dem Spielerbogen zu füllen. An Einsatzzeit ist da, mit einigen Ausnahmen, kaum zu denken.

Wo siehst du dich in den kommenden Jahren in der Nationalmannschaft - gerade auf der Small Forward-Position? Dort droht mit Robin Benzing und Elias Harris ja geradezu ein Streit um Einsatzzeit?

Streit wird es da sicher nicht geben. Die Rotation zwischen jung und alt hat diesen Sommer ja schon ganz gut geklappt. Es ist doch schön zu sehen, dass man viele Alternativen auf einer Position hat und man sollte sich darüber freuen, anstatt Streit vorauszusagen.

Ich freue mich schon wieder auf den nächsten Sommer und auch wieder auf die Herausforderung mich mit den jungen Wilden messen zu dürfen.

Während du für die Nationalmannschaft bereits bei den Olympischen Spielen und der EM 2009 angetreten bist, standest du in der Saison 2008/09 erstmal im Clubwettbewerb auf internationalem Parkett (Eurochallenge mit Frankfurt; 7,3 PpG, 7,0 RpG in 24,6 MpG). In dieser Saison trittst du mit Turow im EuroCup an. Wie groß ist der Unterschied zwischen EuroChallenge und EuroCup? Hilft dir das Kräftemessen auf internationaler Ebene, um dein Spiel zu verbessern?

Der europäische Wettbewerb ist sehr wichtig, finde ich. Nicht nur, dass man eine Abwechselung von seinem normalen Ligaspielen hat, sondern man hat Spieler und Mannschaften gegen sich, gegen die man in einem Spiel viel mehr lernt als in der normalen Liga Saison.

Die Mannschaften sind alles klasse Teams, die teilweise knapp an der Euroleague gescheitert sind. Große Namen, ob Trainer oder Spieler, traditionsreiche Arenas, traumhafte Städte, und enthusiastische Fans – mehr braucht man als Profisportler nicht.

Ich freue mich auf die EuroCup-Saison und hoffe, dass sie für uns nicht allzu schnell vorbei ist.

Zurzeit stehst du bei Turow im Schnitt knapp 20 Minuten auf dem Feld und sammelst 5,4 Zähler und 5,1 Rebounds pro Begegnung. Ähnliche Werte weist auch dein Nationalmannschaftskollege Jan Jagla bei Asseco Prokom auf. Vor kurzem haben wir auch ihn interviewt. Am 19. Dezember wird das Duell zwischen euren Clubs landesweit im polnischen Fernsehen übertragen. Welchen Stellenwert hat diese Partie für dich?

Ich freue mich auf das Treffen mit Jan. Er spielt bei Prokom in der eindeutig stärksten Mannschaft Polens und hat sich dort schon mehrfach bewiesen, vor allem in der Euroleague. Die Partie hätte natürlich um einiges mehr Brisanz, wenn wir beide noch ohne Niederlage wären, wie wir es eigentlich hätten sein sollen. So sind wir der Außenseiter und hoffen, dass wir in eigener Halle ein gutes Spiel abliefern können.

Du wirst nächstes Jahr 28 Jahre alt. Wie viel Jahre Basketball stecken noch in dir?

Das ist eine Frage, die für mich sehr schwer zu beantworten ist. Solange mein Körper mitmacht und ich Spaß habe am Basketball werde ich weiterspielen. Aber ich weiß natürlich auch, dass es nicht für immer sein wird, und es noch ein Leben nach Basketball geben muss. Ich spiele oft mit dem Gedanken, einen richtigen Job anzufangen, vor allem wenn es im Basketball mal nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Aber ich denke, ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir und wäre enttäuscht von mir, wenn ich die Schuhe an den Hagel hänge, ohne zu testen, wie weit ich es noch schaffen kann.

Bei welchem Verein oder in welcher Liga würdest du gern mal auf Korbjagd gehen wollen?

Spanien oder Italien für eine Saison würden mich noch reizen, weil der Basketball dort einfach noch mal einen anderen Stellenwert hat.




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Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von zagretz 10.12.09 um 18:13:39


Es tut gut, so einen mannschaftsdienlichen Spieler in der Nationalmannschaft zu wissen. Es ist genau wie du sagst, man sollte sich nicht um eine Position streiten, sondern sich ergänzen und sich gegenseitig durch den guten Wettbewerb verbessern. Danke für diese Einstellung, die du dem Sport gibst und viel Glück in Polen!



von Lovethatgame 10.12.09 um 18:24:02


"Ich finde es einfach nur traurig zu sehen, dass so viele Deutsche Spieler, die eigentlich in der BBL spielen möchten, fast gezwungen werden, sich Jobs im Ausland zu suchen. Es scheint nicht weiter wichtig zu sein, ob Nationalspieler oder nicht, die Deutschen Spieler sind bei den meisten Teams nur da, um die vier deutschen Positionen auf dem Spielerbogen zu füllen. An Einsatzzeit ist da, mit einigen Ausnahmen, kaum zu denken".

....gezwungen werden sich Jobs im Ausland zu suchen.
Na, da klingt mir doch sehr viel Frust raus. Polen scheint wohl nicht das gelobte Land zu sein. Kleiner Wink in den Süden Europas inklusive !
Nationalspieler spielen in Deutschland eine tragende Rolle! Er hätte diese sicher gespielt, wenn Preis und Leistung sich hätten vereinbaren können. Es gibt gerade in diesem Jahr sehr viele deutsche Spieler mit starken Spielanteilen und tollen Ergebnissen. Mir gefällt die Entwicklung.



von rüdi 11.12.09 um 17:50:11


Min. 2 deutsche Spieler zu jeder Zeit auf dem Parkett. Was in Polen funktioniert, sollte auch bei uns eingeführt werden.



von Cabalios 13.12.09 um 23:23:20


schönes Interview. Führt ihr das eigentlich (wie z.B. bei Jagla) per mail mit den Spielern oder am Telefon oder wie läuft das bei euch genau ab?
Als studierter Architekt von einer Elite Uni kommend dürfte es für Konrad nach der B-Ball Zeit auf jeden Fall kein übliches "Loch" geben. :-)



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