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Europameisterschaft

Showdown zwischen Spanien und Serbien

Spanien und Serbien heißen die beiden Mannschaften, die am Sonntag das Finale bei der Europameisterschaft in Polen bestreiten werden. Während sich die Iberer klar gegen Griechenland durchsetzten, siegten die Serben in einem Overtime-Krimi gegen Slowenien.

Von Joshua Wiedmann
 19.09.2009 |

Frankreich gegen Türkei 80:68

In der ersten von vier Begegnungen des Tages trafen am frühen Nachmittag zwei Verlierer vom Vortag aufeinander; zumindest für die Franzosen ging es nunmehr darum, sich mit einem Sieg direkt für die Weltmeisterschaft 2010 zu qualifizieren. Auch wenn die Türken für das Großereignis im eigenen Lande bereits auf der Startliste stehen, so waren es doch zunächst sie, die der Partie ihren Stempel aufdrückten.

Nach einem guten Beginn beider Mannschaften war es Hedo Türkoglu, der mit einem Drei-Punkte-Wurf die Drangphase der Osteuropäer einleitete (6:12). Die Türkei zeigte sich in der Folge an beiden Enden des Spielfelds konzentrierter, gedankenschneller und netzte aus allen Lagen hochprozentiger ein. Insbesondere die beiden Ömers – Ömer Asik und Ömer Onan – bekamen die Franzosen selten in den Griff. Die Equipe um Tony Parker wiederum bekam zeitweise keinen Fuß auf den Boden und produzierte die ganze Palette an Spielfehlern – von vergebenen Freiwürfen und Korblegern über Ballverluste und Fouls –, die einen Coach zur Weißglut treiben. Vor allem Ronny Turiaf und Boris Diaw schmissen reihenweise Bälle weg. Der zwischenzeitliche Stand von14:33 bedeutete die höchste Führung für die Türkei.

Spätestens Ende des zweiten Viertels begann sich jedoch das Blatt zu wenden. Was auf Seiten der Franzosen zuvor partout nicht hatte gelingen wollen, funktionierte nun immer besser. Zugleich ergriff nun die Wurf- und Passschwäche Besitz von den Türken, die sich zu oft im Eins-gegen-eins verzettelten. Tony Parker (Foto) begann auf französischer Seite nun heißzulaufen: Der quirlige Aufbauspieler übernahm die Regie und traf immer wieder wichtige Würfe. Die Türkei blieb im vierten Viertel rund sechs Minuten ohne Korb und besiegelte damit eine hohe Niederlage, nach der es so zunächst nicht gerochen hatte.

Schlüsselstatistik: Tony Parker war Denker und Lenker der französischen Auswahl. „Monsieur Longoria“ punktete nicht nur nach Belieben (28 Zähler), sondern öffnete auch Räume für seine Mitspieler (10 Assists), die so besonders in der zweiten Hälfte oftmals ungestört abdrücken konnten.
 

Russland gegen Kroatien 69:76

Auch beim Spiel zwischen Russland und Kroatien lag nach dem Ausscheiden im Viertelfinale das Augenmerk auf der WM-Qualifikation. Bereits in der Zwischenrunde hatten sich die Mannschaften ein Duell auf Augenhöhe geliefert (62:59) und auch nun lieferten sich die beiden osteuropäischen Teams ein lange Zeit enges Gefecht.

Nach ausgeglichenen ersten fünfzehn Minuten erarbeiteten sich die Russen bis zur Halbzeitpause ein kleines Polster (41:33). Besonders die Forward Sergey Monia und Andrey Vorontsevich setzten den Kroaten in dieser Phase gehörig zu. Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein noch intensiveres Spiel, in dem beide Mannschaften zwar nicht mit vielen Korberfolgen, aber dafür mit harter Verteidigung glänzten. Die kroatische Auswahl konnte die Partie schnell wieder ausgewogen gestalten und sich im letzten Viertel gar leichte Vorteile verschaffen. Für die entscheidenden Akzente war dann der überragende Roko-Leni Ukic (Foto) verantwortlich: Erst setzte der NBA-Akteur den kroatischen Center Sandro Nicevic zweimal mustergültig in Szene, dann traf er beim Stand von 67:70 einen vorentscheidenden Drei-Punkte-Wurf. Russland hatte anschließend nichts mehr entgegenzusetzen.

Schlüsselstatistik: Die Kroaten trafen nicht nur aus dem Feld sicher (49% FG), sondern bewiesen auch von „beyond the arc“ ein gutes Händchen. Zwar schoss die Mannschaft von Jasmin Repesa nur zehn Dreier, traf davon aber immerhin fünf.


Spanien gegen Griechenland 82:64

Die Vorzeichen für diese Partie waren – aus Sicht der Griechen – alles andere als gut gewesen: In einem Duell gegen die wiedererstarkten Spanier, ohne Theo Papaloukas und Dimitrios Diamantidis, und dann auch noch mit einem Overtime-Viertelfinale in den Knochen, bestehen können? Es gibt sicher einfachere Aufgaben. Es zeigte sich letzten Endes auch, dass den Griechen die Mittel fehlten, um gegenhalten zu können. Vor allen Dingen aber präsentierte sich Spanien schlicht zu dominant.

Der Weltmeister legte vor rund 10.000 Zuschauern in Katowice los wie die Feuerwehr und erspielte sich im Handumdrehen eine Führung. Vor allem Pau Gasol (Foto) machte den Hellenen in der Zone gehörig zu schaffen. Zugleich blieben die Griechen dank großer Verbissenheit, woraus immer wieder Offensiv-Rebounds resultierten, zunächst in Schlagdistanz. Forward Georgios Printezis brachte von der Bank aus frischen Wind ins Spiel und machte erstmals mit einem Tip-Dunk auf sich aufmerksam. Weitere Zähler von Printezis ließen den griechischen Rückstand zwischenzeitlich auf fünf Punkte schmelzen (26:21).

Die Spanier konnten sich vorerst zwar keinen dramatischen Vorsprung herausspielen, doch gelang es ihnen scheinbar mühelos, die Griechen an der kurzen Leine zu halten. Auch als Coach Sergio Scariolo seinem Star Gasol im zweiten Viertel eine längere Pause gönnte, hielten die Iberer den Spielrhythmus aufrecht. Insbesondere Juan Carlos Navarro und der hart am Brett arbeitende Felipe Reyes sorgten nun für Akzente. Auf der Gegenseite tat sich Griechenland gegen die bewegliche Verteidigung der Spanier äußerst schwer und kam nur selten zu offenen Würfen. Damit hatte besonders Aufbauspieler Vasileios Spanoulis, der von Ricky Rubio stets unter Druck gesetzt wurde und dessen Aktionen immer wieder in Ballverlusten endeten, so seine Schwierigkeiten.

Nach dem Halbzeittee (49:40) machten die Spanier dort weiter, wo sie vor dem Seitenwechsel aufgehört hatten. Die Griechen verließen nun sichtbar die Kräfte und der Glaube, wohingegen Gasol und Kollegen weiterhin das Tempo hochhielten und nun ihrerseits zahlreiche zweite Chancen durch Offensiv-Rebounds nutzten. Bereits Mitte des dritten Viertels schienen die Spanier der sichere Sieger zu sein. Allein die Einwechslung von Printezis und Nick Calathes brachte kurzzeitig noch einmal eine gewisse Dynamik in das griechische Spiel.

Im letzten Viertel vertraute Spaniens Coach Scariolo auf seine Bankgarde und gab seinen Startern eine längere Schonzeit. Dennoch blieb der Titelfavorit am Drücker und hob seinen Vorsprung auf teilweise über 20 Zähler an. Es bleibt festzuhalten, dass den Griechen ohne ihren Edel-Backcourt einige Waffen fehlten, um den variablen und beweglichen Spaniern paroli bieten zu können. Die Rot-Gelben peilen ihrerseits nun am Sonntag (wieder einmal) den ersten EM-Titelgewinn an.

Schlüsselstatistik: Die Spanier fanden öfters den offenen Mann (19 Assists; Griechenland: 9), trafen dadurch hochprozentiger aus dem Feld (57%; 40%) und von „Downtown“ (39%; 25%).
 

Serbien gegen Slowenien 96:92 OT

Die zweite Halbfinalpartie zwischen Serbien und Slowenien war wie erwartet geprägt von großem Einsatz und vielen physischen Aktionen. Beide Mannschaften beackerten sich 40 Minuten lang und bestärkten damit das Klischee der harten osteuropäischen Basketball-Schule.

Den besseren Einstieg in die Begegnung fanden die Serben (6:2), die bisher mit ihrem jungen Team für viel Furore gesorgt hatten. Nach insgesamt jedoch äußerst zerfahrenen ersten Minuten bekamen die Slowenen das Geschehen in den Griff: Serbien fand nun eine Zeit lang kein Mittel mehr gegen die äußerst physische Spielweise der Slowenen, die immer wieder zu einfachen Zählern von der Freiwurflinie kamen. Besonders Bostjan Nachbar (Foto) und Erazem Lorbek verbuchten viele erfolgreiche Aktionen am Korb und waren in erster Linie für den 13:0-Lauf ihrer Nation verantwortlich. Erst die Einwechslung von Big Man Kosta Perovic riss die Serben aus ihrer minutenlangen Punktenot: Der 2,17-Meter-Riese setzte sich ein ums andere Mal am Korb durch und zeichnete so für schnelle elf Zähler seiner Mannschaft verantwortlich, die nun wieder in Reichweite war (19:21).

Im Anschluss behielten die Slowenen allerdings wieder klar die Oberhand. Zu verdanken hatten sie das besonders Erazem Lorbek: Der Forward vom FC Barcelona war in großen Teilen des Spiels von keinem serbischen Kontrahenten in den Griff zu bekommen und punktete anscheinend nach Belieben. Nach Zählern seines ebenfalls herausragenden Bruders Domen Lorbek und NBA-Center Primoz Brezec hatten die Mannen von der Balkanhalbinsel den Vorsprung auf zehn Punkte ausgebaut (21:31). Bis zur Halbzeit (35:45) blieben die Slowenen klar die kontrollierende Mannschaft.

Was die Lorbek-Brüder für Slowenien waren, das war Milos Teodosic für Serbien. Als die Mannschaft von Coach Dusan Ivkovic in der zweiten Hälfte am Stuhl der Slowenen sägte, ergriff der bei Olympiacos Piräus spielende Guard die Initiative: Mit zwei Dreiern, einem Lay-Up und mehreren Treffern von der Freiwurflinie hielt der 22-Jährige seine Auswahl bis zum Ende des Spiels im Rennen. Nach Dreiern von Domen Lorbek und Goran Jagodnik, der gleich zweimal von „Downtown“ eintütete, schienen die Slowenen rund zwei Minuten vor Schluss wieder die Oberhand zu gewinnen (70:75). Während Teodosic und Nenad Kristic (Foto) jedoch für Serbien vom „Stripe“ punkteten, verpasste es Jaka Lakovic, von selbigem aus die Entscheidung herbeizuführen. Dies bestrafte erneut Teodosic, der 22 Sekunden vor Spielende einen Dreier zum 79:79 traf.

In der Verlängerung gingen die jungen Serben schnell in Führung (86:80). Slowenien schien nun, da Erazem Lorbek (25 Punkte) ausgefoult hatte, ein klarer Go-to-guy, der die wichtigen Würfe nimmt, zu fehlen. Durch Punkte von Domen Lorbek und Bostjan Nachbar kamen die Mannen von Coach Jure Zdovc aber nochmal in Schlagdistanz (89:88). Erneut war es dann der eiskalte Milos Teodosic, der keine Nerven zeigte und einen wichtigen Wurf von der Drei-Punkte-Linie aus versenkte. Die nun stark dezimierten Slowenen fanden darauf keine Antwort mehr.

Schlüsselstatistik: 1/10 – das war die Feldwurfausbeute von Jaka Lakovic. Nur vier Punkte standen für den 31-Jährigen schlussendlich zu Buche – der erfahrene Guard vom FC Barcelona war schlichtweg kein Faktor gegen die hart verteidigenden Serben und zog im Duell mit Serbiens Aufbauspieler Teodosic (32 Punkte) klar den Kürzeren.




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von Crossover 12.03.2010 um 14:15:48


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