Europameisterschaft
McCalebb entscheidet Krimi
Zum Auftakt in der Zwischenrunde F sichterte Bo McCalebb Mazedonien einen knappen Erfolg über Georgien. Weniger Probleme hatten derweil die Russen, die Finnland souverän besiegten, und Griechenland, das dank Nikos Zisis gegen Slowenien erfolgreich war.
Von Sven Labenz |
09.09.2011 | |

McCalebb lässt Mazedonien jubeln
(Mazedonien gegen Georgien 65:63)
Mit einem dramatischen 65:63-Erfolg über das wacker kämpfende Georgien stößt Mazedonien die Tür zum Viertelfinale, und damit zum größten Basketball-Erfolg der Geschichte, ganz weit auf. Überragender Akteur auf dem Parkett war wieder einmal Point Guard Bo McCalebb, der neben 27 Punkten, vier Rebounds sowie vier Steals, das Herz in der Crunchtime am richtigen Fleck hatte: Mit unwiderstehlichem Antritt hebelte er die georgische Defense aus und vollendete via Links-Korbleger zwei Sekunden vor dem Ende.
Georgien, weiterhin mit null Siegen auf dem Konto, startete furios und ging direkt 5:0 bzw. 7:2 in Führung - spektakulär dabei die Spieleröffnung mittels Alley-oop-Anspiel auf Sanikidze. Doch nach und nach fanden die favorisierten Mazedonier besser ins Spiel und provozierten zahlreiche Ballverluste (14:22). Am Ende standen 21 Turnovers bei Georgien zu Buche - zu viel, auch wenn man die Bretter mit 46:32-Rebounds dominierte.
Angeführt von Nikoloz Tskitishvili, der in 25 Minuten ein Double-Double mit 20 Punkte und 10 Rebounds ablieferte, steckten die Georgier nie auf und glichen immer wieder aus (32:32, 37:37). Nach erneutem Zwischensprint der Mazedonier (41:52), spitzte sich die Dramatik weiter zu: Knapp 1:40 Minuten vor Ende, waren die Mannen von Hedacoach Igor Kokoskov wieder in Schlagdistanz. Tskitishvili stellte zunächst mit einem Jump Shot und später zwei verwandelten Freiwürfen den Ausgleich her, eine kleine Sensation nach beeindruckender Aufholjagd lag in der Luft.
Doch dann schlug die große Stunde von Bo McCalebb, der bewies, dass er zu Recht bei einem der besten Teams (Montepaschi Siena) in Europa unter Vertrag steht. Mit seinen Punkten 26 und 27 stellte der Spielmacher den Endstand her, ein Verzweifelunsgwurf von der Mittellinie verfehlte sein Ziel und Mazedonien kann die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag mit einem Bein im Viertelfinale feiern.
Russland fliegt über Finnland (79:60)
Russland kann für Kaunas planen: Mit einem nie gefährdeten 79:60-Sieg wiesen Andrei Kirilenko & Co. die teilweise überforderten Finnen in die Schranken. Bereits im zweiten Viertel machten die Russen ernst und legten mit einem 15:6-Run den Grundstein für den späteren Erfolg. Highlights gab es für die 3.000 Zuschauer in dieser Phase genug: Die Osteuropäer brachten die skandinavische Korbanlage nicht nur einmal zum Beben. Mit einem Reverse-Alley-oop dürfte sich Andrey Vorontsevich in die Top-10 der Euro Basket 2011 geflogen haben.
Die Farben von Cheftrainer David Blatt spielten von Beginn druckvoll und trugen den Ball immer wieder unter den Korb, wo ganze 52 Punkte gelangen - die Finnen punkteten magere 18-Mal in der Zone und wirkten phasenweise körperlich mehr als unterlegen. Foul Trouble bei Ex-Skyliners Kimmo Muurinen & Co., bedingt durch aggressive, teilweise überharte Verteidigung, sorgte für noch mehr Dominanz der Russen unter dem Brett.
Als Topscorer taten sich Andrei Kirilenko sowie Shawn Huff (jeweils 14 Pkt.) hervor, beide benötigten dazu nur knapp 25 Minuten. Hendrik Dettmann, Ex-DBB-Coach, und seit einiger Zeit an der Seitenlinie der Finnen, hatte sich sein 300. Länderspiel als Nationaltrainer wahrlich anders vorgestellt, musste aber am Ende die Dominanz der Russen anerkennen, die in aktueller Verfassung durchaus zum erweiterten Favoritenkreis gezählt werden dürfen.
Zisis dreht am Ende auf
(Griechenland gegen Slowenien 69:60)
Dank einer sensationellen Crunchtime-Perfomance von Nikolaos Zisis bleibt Griechenland weiter auf Viertelfinal-Kurs. Mit einem 69:60-Sieg über Slowenien gewinnen die Hellenen das Verfolgerduell der Gruppe F.
Jenseits der 6,75-Linie ballte nicht nur Zisis immer wieder die Siegerfaust: Mit über 51 Prozent verwandelten Drei-Punkte-Würfen legten die Griechen den Grundstein zum Sieg von Downtown. So auch Top-Scorer Nikolaos Zisis (19 Pkt.), der zwei ganz große Würfe in den letzten 70 Sekunden einstreute und jegliches Aufbäumen der Slowenen im Keim erstickte.
Während sich kein Team in der ersten Halbzeit absetzen konnte und die favorisierten Griechen nie mehr als zehn Punkte Vorsprung erspielten, legte Slowenien nach dem Pausen-Tee los wie die Feuerwehr: Ein 21:7-Run im dritten Viertel drehte das Spiel, Power Forward Matjaz Smodis holte das berühmte Momentum auf die Habenseite (46:44) - die hochgelobte Defense der Hellenen schien gebrochen, vor allem Konstantinos Papanikolaou schoss eine Fahrkarte nach der nächsten.
Doch wir haben genug verrückte Basketball-Spiele gesehen, so auch bei dieser Europameisterschaft: Kurz nach der letzten Viertelpause nahm Griechenland das Verteidiger-Herz in beide Hände, stand wieder sicher, übernahm die Führung und sollte diese bis zum Ende nicht wieder abgeben. Kein Spiel für schwache Fan-Nerven.
Slowenien wehrte sich in Person von Point Guard Goran Dragic sowie 2.16-Riese Mirza Begic nach Kräften, doch Zisis & Fotsis fanden das Händchen von außen und brachen mit drei Dreiern in wenigen Sekunden den endgültigen Bann.
Griechenland bleibt damit auf Kurs, muss sich allerdings am kommenden Samstag im Duell gegen die ungeschlagenen Russen beweisen. Slowenien kann gegen Finnland mögliche leichte Punkte einfahren und das Rennen um Platz drei weiter offen halten.



von Crossover 30.05.2012 um 10:20:28
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