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Europameisterschaft

Litauen muss Segel streichen

Nach einer deutlichen Niederlage gegen Spanien hat die Auswahl aus Litauen keine Chance mehr auf das Erreichen des Viertelfinales. Nach einer Schlappe gegen Slowenien muss der EM-Gastgeber aus Polen zittern, während die türkische Mannschaft auch über Serbien triumphieren konnte.

Von Manuel Baraniak
 15.09.2009 |



Spanien gegen Litauen 84:70

Im Duell zweier Basketballnationen, die während dieser Europameisterschaft bisher hinter den Erwartungen geblieben waren, enttäuschten zu Beginn die Spanier. Die Iberer erwischten zwar den besseren Start, blieben sodann aber fast sieben Minuten ohne Korberfolg aus dem Feld, ehe Marc Gasol erfolgreich in der Zone bedient wurde (14:20, 10. Spielminute). Während die Litauer ihrem Kontrahenten durch eine aggressive Verteidigung das Offensivspiel schwer machten, konnte auf der Gegenseite vor allem Mantas Kalnietis überzeugen. Der 23-jährige Aufbauspieler erzielte in den ersten zehn Minuten acht Punkte, traf zwei seiner drei Drei-Punkte-Würfe und verteilte zudem drei Assists. So führten die Balten vor dem zweiten Durchgang mit 24:15.

Sich wie ausgewechselt präsentieren mag eine oft benutzte Phrase sein, legt aber nahezu perfekt die Leistung Spaniens im zweiten Durchgang dar. Zwar beging Marc Gasol in den ersten beiden Angriffen jeweils ein Offensiv-Foul, doch in der Folge sollte es kaum noch spanische Fehler geben. Während die Mannschaft von Head Coach Sergio Scariolo stets Druck auf die ballführenden Litauer ausübte, dies teils mit einer Ganzfeld-Verteidigung, agierten die Spanier auch besser im Rebound und fanden langsam zu ihrem Offensiv-Rhythmus. So verstrichen sieben Minuten, ehe Linas Kleiza per Distanzwurf die ersten litauischen Zähler im zweiten Viertel markierte. Die Spanier waren jedoch zu jener Zeit schon auf 38:24 davongezogen. Die Balten kamen vor der Pause aber immerhin auf acht Zähler heran.

Als Kleiza für sein Team Anfang des dritten Abschnitts auf fünf Punkte verkürzen konnte, erstickten die Spanier dieses litauische Strohfeuer durch eine weiterhin konzentrierte Defensivarbeit und initiierten ein um das andere Mal einen Schnellangriff. Suchte der amtierende Weltmeister einmal den Korberfolg über das Halbfeldspiel, so ging der Ball immer wieder zu Pau Gasol (Foto). Der Big Man der Los Angeles Lakers erzielte allein im dritten Abschnitt acht Zähler und war kaum zu stoppen. Nachdem Felipe Reyes in der Schlussphase des dritten Viertels sechs Punkte in Folge markierte hatte, betrug der Vorsprung Spaniens schon 20 Zähler. Trotz dieses großen Rückstands unterstützten die litauischen Anhänger auch im Schlussviertel lautstark ihre Mannschaft, sodass die Balten nach einem 8:0-Lauf sieben Minuten vor Ende auf 16 Zähler herankamen. Bei noch 52 Sekunden zu spielen waren es sogar nur noch zwölf Punkte Rückstand, im Vergleich zum Spiel gegen Großbritannien ließen sich die Iberer den Vorsprung nicht mehr nehmen.

Nach dieser Niederlage und der zweiten Schlappe in der Zwischenrunde hat die litauische Auswahl nun keine Chancen mehr auf ein Erreichen der KO-Runde. Damit stehen die Balten erst zum zweiten Mal überhaupt nicht in einem EM-Viertelfinale. Vor allem ihre insgesamt 19 Ballverluste wurden den Balten zum Verhängnis. Marijonas Petravicius (13 Punkte, acht Rebounds), Arturas Jomantas (11) und Robertas Javtokas (10) verbuchten eine zweistellige Punkteausbeute. Auf Seiten Spaniens überzeugten vor allem Pau Gasol (19 Punkte, acht Rebounds, drei Blocks, 8/10 FG) und Juan Carlos Navarro (13 Zähler, 3/6 3FG).

Schlüsselstatistik: Spanien eröffnete das zweite Viertel mit einem 23:0-Lauf. Während dieser Phase verfehlte jeder der elf litauischen Feldwürfe sein Ziel, die Balten verloren zudem fünfmal das orangene Leder.


Slowenien gegen Polen 76:60

Während Sloweniens Head Coach Jure Zdovc auf Goran Dragic und wiederum Matjaz Smodis verzichten musste, nahm Polens Trainer Muli Katzurin ungezwungen Änderungen in der Starting Five vor: Entgegen den ersten vier Turnierspielen saßen Maciej Lampe und Michal Ignerski beim spieleröffnenden Sprungwurf auf der Bank. Der neu in die Startformation gerückte Szymon Szewczyk war derweil für die ersten fünf polnischen Punkte verantwortlich und erhielt im ersten Viertel vor allem von David Logan Unterstützung. Auf der Gegenseite lief bei den Slowenen offensiv nicht viel zusammen, als einzig Primoz Brezec und Erazem Lorbek überhaupt einen Feldkorb erzielten. So gingen die bisher so stark aufspielenden Slowenen auch mit einem 11:17-Rückstand in den zweiten Abschnitt.

Dort stotterte nun aber auch der polnische Offensivmotor, als der EM-Gastgeber in den ersten vier Minuten jeden seiner acht Würfe aus dem Feld vergab. Sami Udrih versenkte auf der Gegenseite zwei Drei-Punkte-Würfe, sodass die Partie wieder ausgeglichen war (17:17, 14. Spielminute). Nachdem sich die Slowenen einen kleinen Vorsprung erspielen konnten, brachte wieder Szewcyk sein Team zurück ins Spiel. NBA-Akteur Marcin Gortat (Foto) fand zwar kaum den Abschluss, durch sieben Rebounds und drei geblockten Würfen in den ersten zwölf Minuten erntete der Center der Orlando Magic aber schon Sprechchöre und dominierte das Spiel unter den Brettern.

Zwar gingen die Polen nur mit einem Rückstand von zwei Zählern in die zweite Hälfte, doch wie schon nach dem ersten Abschnitt startete die polnische Auswahl äußerst schwach. Krzysztof Szubarga markierte nach ganzen sieben Minuten den ersten Feldkorb, bis dahin hatten die ersten sechs polnischen Wurfversuche ihr Ziel verfehlt sowie waren sechs Bälle in den Händen der Slowenen gelandet. In der Verteidigung hatten die Polen sodann vor allem gegen Lorbek ihre Probleme. Der Big Man Barcelonas waren in zwei aufeinanderfolgenden Angriffen von "Downtown" erfolgreich und brachte seine Mannschaft mit 49:32 in Führung (28. Spielminute). Die Polen kamen viereinhalb Minute vor Ende der Partie noch einmal auf 15 Punkte heran, ein anschließender Drei-Punkte-Wurf von Jaka Lakovic brachte aber die Vorentscheidung.

Mit 20 Zählern war Erazem Lorbek letztlich nicht nur der Topscorer der Begegnung, mit neun Rebounds und fünf Assits lieferte der Big Man ein erstklassiges Allround-Spiel ab. Es folgten Jaka Lakovic (14 Punkte, sechs Assists) und Primoz Brezec (zwölf Zähler). Auf Seiten Polens kam Szymon Szewczyk und David Logan auf je 15 Punkte, Marcin Gortat markiete sechs Punkte, zehn Rebounds und drei Blocks. Im letzten Zwischenrundenspiel gegen Spanien am kommenden Mittwoch müssen die Polen auf jeden Fall gewinnen, um sich noch Chancen auf ein Weiterkommen zu erhalten.

Schlüsselstatistik: Die Diskrepanz der Quoten aus dem Zwei-Punkte-Bereich. Während die Slowenen dort knapp 58 Prozent (19/33 2FG) ihrer Versuche verwandeln konnten, trafen die Polen nur 38,5 Prozent (15/39 2FG). Zudem leistete sich der EM-Gastgeber ganze neun Ballverluste mehr als ihr Gegenüber.


Serbien gegen Türkei 64:69 (OT)

Die Serben konnten im Spiel gegen die bereits im Vierterfinale stehende türkische Auswahl auf ihre angeschlagenen Akteure Stefan Markovic, Ivan Paunic und Milenko Tepic zurückgreifen, angeführt wurde die Mannschaft vom Balkan zunächst aber von Milos Teodosic. Der 22-jährige Aufbauspieler erzielte im Anfangsabschnitt nicht nur acht Zähler, sondern verteilte auch fünf Assists und war damit an jedem serbischen Korberfolg direkt beteiligt. Dass die Türken aber mit einem 20:18-Vorteil in den zweiten Abschnitt starteten, hatte das neben Frankreich noch ungeschlagene Team bei dieser Europameisterschaft Ersan Ilyasova (Foto) zu verdanken, der in den ersten zehn Minuten sieben Zähler markierte.

Den Dunk von Miroslav Raduljica ausgenommen, bleiben beide Mannschaften die ersten drei Minuten des zweiten Abschnitts ohne Feldkorb, sodass sich fortan eine ausgeglichene Begegnung gestaltete. Allein in der ersten Hälfte wechselte die Führung zwölfmal. Als Hedo Turkoglu Mitte des dritten Viertels nach sieben Fehlwürfen seinen ersten Treffer aus dem Feld erzielte, hatte sich die türkische Mannschaft das erste Mal ein kleines Polster erspielt (38:44). Teodosic traf kurz vor der Schlusssirene einen wichtigen Distanzwurf, der sein Team vor Beginn des letzten Viertels wieder auf drei Zähler heranbrachte.

Die Serben blieben dort stets in Schlagdistanz und gingen durch einen erfolgreichen Distanzwurf von Teodosic 43 Sekunden vor Ende der Partie mit 64:63 in Führung. Nachdem Semih Erden nur einen seiner beiden Freiwürfe verwandeln konnte, hatten die Serben bei noch 28 Sekunden auf der Uhr den Ball - doch sie begingen einen 24-Sekunden-Regelverstoß. Mit dem letzten Angriff narrten die Türken ihren Gegenüber, als der an der Mittellinie einwerfende Kerem Tunçeri den Ball ins eigene Feld zu Hedo Turkoglu spielte und der den nach vorne gelaufenen Tunçeri für einen Korbleger bediente. Doch der Guard verfehlte und der türkische Tip-in fiel nur Zehntelsekunden zu spät in den Korb, sodass es in die Verlängerung ging.

Mit einer 65:64-Führung im Rücken klaute Turkoglu bei noch 40 Sekunden zu spielen Teodosovic den Ball und bediente Ilyasova, der den Schnellangriff vollendete. Milenko Tepic' Distanzwurf zum Ausgleich fand seinen Weg nicht ins Netz und Kerem Tunçeri sicherte den Türken an der Freiwurflinie den Erfolg. Überragend in Reihen der Sieger war Ilyasova, der mit 22 Punkten (4/6 3FG) und elf Rebounds ein Double-Double verbuchen konnte. Ömer Asik kam als einziger weitere Türke auf eine zweistellige Punkteausbeute, verwandelte aber nur einen seiner elf Freiwürfe. Auch Turkoglu blieb insgesamt schwach und verfehlte 15 seiner 16 Feldwürfe. Auf Seiten Serbiens konnte einzig Milos Teodosic (16 Punkte, acht Assists, sechs Rebounds) überzeugen. Nenad Krstic (elf Zähler, sieben Rebounds) und Novica Velickovic (12/ 7), die anderen beiden serbischen Punktelieferanten bisher, trafen zusammengerechnet nur drei ihrer zwölf Versuche aus dem Zwei-Punkte-Bereich.

Schlüsselstatistik:
Auch wenn sich die Türken äußerst schwach von der Linie präsentierten (18/31 FT, 58 Prozent), so waren es die zwölf Ballgewinne, die stark ins Gewicht fielen. Den 18 Ballverlusten Serbiens standen zwölf Turnover der türkischen Auswahl gegenüber.


Randnotiz

Wie der europäische Basketballverband FIBA Europe nun bekannt gab, muss der lettische Big Man Kaspars Kambala eine Sperre von vier Pflichtspielen absetzen und eine Geldstrafe von 6.000 Euro begleichen. Kambalas hatte kurz nach Abpfiff der Partie gegen Deutschland Steffen Hamann einen Ellenbogenschlag verpasst und dem Aufbauspieler so einen Backenzahn ausgeschlagen.




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von Crossover 03.09.2010 um 04:23:29


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