Europameisterschaft
Demonstration spanischer Stärke
Die spanische Basketball-Nationalmannschaft ist erstmals Europameister! In einem einseitigen Duell fegten die Südeuropäer die junge serbische Auswahl mit 85:63 vom Platz. Zum Turnier-MVP wurde der überragende Pau Gasol (Foto) ernannt.
Von Joshua Wiedmann |
20.09.2009 | |
Bereits am Nachmittag fanden zwei Partien statt, die allerdings nur unter ferner liefen abgehandelt wurden. Im Spiel um Platz fünf bezwangen die Franzosen Kroatien knapp mit 69:62. Einige Stunden später unterlagen die Türken den Russen, die sich nun über den siebten EM-Rang freuen dürfen, deutlich mit 66:89.
Griechenland gegen Slowenien 57:56
In einem von harter Verteidigung geprägten Spiel um den Bronze-Platz hatten die Griechen das bessere Ende auf ihrer Seite. Sloweniens Bostjan Nachbar war es, der den letzten Wurf daneben setzte und damit Griechenland, das beinahe über die komplette Spieldauer in Führung gelegen war, den Sieg sicherte. Überragender Akteur auf Seiten der Hellenen: Sofoklis Schortsanitis, der die Partie mit 23 Punkten quasi im Alleingang entschied. Die Slowenen fanden nie ein Mittel gegen den 2,06-Meter-Center-Klotz und wussten sich oft nur per Foul zu helfen. Auf deren Seite punkteten der Tags zuvor überragende Erazem Lorbek (12 Punkte) und Jaka Lakovic (16 Punkte) am besten.
Schlüsselstatistik: Selbst im von stark von Verteidigung beeinflussten europäischen Basketball sind die 30 Prozent, die die Slowenen aus dem Feld trafen, schlichtweg zu wenig. Griechenland hingegen zeigte sich deutlich treffsicherer (51,9% 2FG).
Spanien gegen Serbien 85:63
Man konnte es beinahe schon als selbstverständlich ansehen, dass die spanischen Weltmeister mit ihren vielen Stars im Finale standen. Weniger selbstverständlich mag da ihr Endspielgegner angemutet haben: Die Serben waren zwar im Vorfeld als hochtalentierte Gruppe betitelt worden, die durchaus zum erweiterten Favoritenkreis gezählt wurde, doch hatten sich mit den Litauern, Slowenen oder Kroaten schlicht noch erfahrenere Mannschaften im Teilnehmerfeld befunden. Man konnte es somit durchaus als kleine Überraschung ansehen, dass die blutjunge Truppe vom Balkan – der älteste Spieler ist NBA-Mann Nenad Krstic (26 Jahre, Foto) – bis in das Finale vorrückte.
Nun fragten sich im Vorfeld der Partie allerdings viele, ob die Serben auch in der Lage sein würden, ihren Spielstil gegen die zuletzt wieder äußerst dominanten Spanier durchsetzen können würden, an denen sich zuvor auch die Griechen die Zähne ausgebissen hatten. In der Anfangsphase deutete viel darauf hin, dass es nicht gelingen sollte: Mit einer gewohnt aggressiven Verteidigung schränkten die
Mannen von der Iberischen Halbinsel die Wege der Osteuropäer ein und ließen vor allem deren Stars Krstic und Milos Teodosic, mit 32 Punkten am Vortag der Matchwinner, zu keinem Rhythmus finden. Bereits nach wenigen Minuten hatten sich die Spanier, die erneut gut den Ball bewegten und vor allem aus dem Doppeln gegen Pau Gasol (Foto) immer wieder Profit schlugen, einen formidablen Vorsprung herausgespielt (20:7). Die Serben blieben jedoch durch einen Dreier von Uros Tripkovic und einen Korbleger von Novica Velickovic bis zum Ende des ersten Viertels zumindest in Reichweite (24:14).
Spätestens das zweite Viertel gehörte dann jedoch einzig und allein den Spaniern und zeigte, wieso die Rot-Gelben 2006 den Weltmeistertitel gewonnen hatten: Hinten gaben sie den verzweifelt ackernden Serben keinen Raum zur Entfaltung – und wenn die Mannen vom Balkan dann doch mal bis in die Zone vorgedrungen waren, tat die Präsenz von Gasol den Rest; vorne hingegen spulten die Spanier immer wieder ein schön anzusehendes System ab, trafen von „Downtown“ oder fanden eben Gasol, der nie von Krstic eingeschränkt werden konnte. Schnell hatten sich die Spanier einen Vorsprung erspielt, der sich bei rund 20 Punkten einpendelte (44:24). Auch richtig spektakulär wurde es zwischenzeitlich, als erst Raul Lopez und dann Juan Carlos Navarro Pässe gen Korb schickten, die Gasol per Alley-Oop-Dunk in den Korb hämmerte. „Da ist der Ausdruck ‚spanisches Dream Team‘ gar nicht so falsch“, meinte DSF-Kommentator Frank Buschmann.
Sinnbildlich für die erste Halbzeit liefen dann die letzten zwanzig Sekunden der ersten Hälfte ab: Teodosic versenkte einen Dreier für die Serben und beendete damit die erste Halbzeit, so schien es, mit einem Hoffnungsfünkchen für die Osteuropäer. Die Spanier schalteten jedoch gedankenschnell um, spielten fix einen langen Pass zum auf der Gegenseite wartenden Gasol, der mit der Sirene den Ball in den Korb legte (52:29).
Zu Beginn der zweiten Halbzeit schien die Frage nach dem Europameister 2009 bereits beantwortet. Die Spanier nahmen nun sichtbar einen Gang raus und ihren Star, Pau Gasol, frühzeitig vom Feld. Dies nutzten die Serben zu einer kurzen Aufholjagd, als sie bis zur 27. Minute auf 58:44 verkürzen konnten. Zwei konzentrierte Aktionen des
Favoriten, der vor allem am offensiven Brett reihenweise Rebounds fischte, durch Marc Gasol und Rudy Fernandez (Foto) reichten jedoch, um die serbische Auswahl wieder in die Schranken zu weisen (62:44). Die Luft war nun, da sich der Vorsprung der Spanier wieder konstant auf dem 20-Punkte-Niveau bewegte, auf beiden Seiten spürbar raus. Auf Seiten der Serben probierte es der am Vortag herausragende Teodosic auf Teufel komm raus mit Einzelaktionen, doch auch er scheiterte ein ums andere Mal.
Der Europameister von Polen 2009, der würde, wie nach drei Vierteln feststand, aus Spanien kommen. Deren Coach Sergio Scariolo konnte es sich in weiten Teilen des Schlussabschnitts sogar leisten, seine Bankspieler auf das Parkett zu schicken – in Gefahr geriet der deutliche Sieg nicht mehr. Die Chancen nutzten insbesondere der junge Sergio Lull und Carlos Cabezas, die den völlig demoralisierten Serben mit mehreren guten Aktionen nun mehr denn je den Schneid abkauften (77:48). Das letzte Viertel war, entgegen aller Erwartungen, die man gemeinhin an ein Endspiel hat, ein Auslaufen beider Mannschaften.
Die Iberer durften sich damit zum ersten Mal überhaupt die europäische Krone aufsetzen. Vor zwei Jahren noch hatten die Russen und deren Guard J.R. Holden ihnen im eigenen Land in die Suppe gespuckt. Nun bleibt zu konstatieren, dass die Spanier in diesem Jahr der europäischen Konkurrenz haushoch überlegen waren, auch wenn sie sich bis zu den Ausscheidungsspielen nicht mit Ruhm bekleckert hatten. Für die Serben hingegen mag die hohe Finalniederlage (85:63) bitter sein, sie könnte sich jedoch hinsichtlich späterer Turniere als lehrreiche Erfahrung für diese hoffnungsvolle Truppe erweisen.
Schlüsselstatistik: Spanien agierte als Mannschaft herausragend, keine Frage. Doch Rückgrat und Go-to-guy war einmal mehr Pau Gasol – auch im Finale: In etwas mehr als 20 Minuten Spielzeit zimmerte der 2,13-Meter-Hüne eben mal ein Double-Double zusammen (18 Punkte, 11 Rebounds). Kein Wunder, dass Gasol schließlich auch zum MVP des Turniers ernannt wurde.



von Tiburon 21.09.09 um 00:59:17
Juuuuuuuuuugón!!!!!!!!!!!
von GoB13 21.09.09 um 03:55:16
scheisse, warum nur spanien??? es haette doch von mir aus jeder andere sein koennen... (jaja, ist mir egal ob sie es verdient habe oder nicht). aber wir wollen ja eh nicht europameister werden. naechstes jahr wird bei der weltmeisterschaft wieder der erste platz angegriffen
von eightch 21.09.09 um 08:52:45
die erste hälfte war der hammer was da an verteidigung und bilderbuchangriff gespielt worden ist (also bei den spaniern...) war echt traumhaft...
die letzten 1 1/2 viertel hätten sie sich dann auch schenken dürfen ;)
von king_handles 21.09.09 um 13:38:11
?spanisches Dream Team?
Es geht um das "European Dream Team". Dass es ein spanisches Dream Team ist, ist doch klar, sonst wäre's ja nicht die Natíonalmannschaft :P
von Mr_Kittles 21.09.09 um 14:12:03
Spanien hat richtig deftig gespielt. Basketballerisch 1A. Nur was Spanien so unsympathisch macht, ist die Arroganz, die zu jedem Zeitpunkt auf den Mienen der Spieler, Trainer und Fans zu sehen ist. Das find ich ehrlich gesagt schade..Daher hätte ich es jedem anderen Team mehr gegönnt, als Spanien.
von kaos 21.09.09 um 15:37:45
Arroganz? vielleicht Rudy aber alle andere finde ich ok.
Ab Viertelfinal sehr gut gespielt vorher aber nicht so dominat
von Gerald Wallace-Fan 21.09.09 um 17:08:35
Spanien ist ein würdiger Sieger!!!
von Mt.Mutombo 21.09.09 um 21:18:29
Spieltechnisch vollkommen verdienter Meister. Aber wie Kaos schon sagt, dieses ständige Gemeckere beim Schiri, das oftmals überzogene "WAAAAS??? IIIIICH?" Gesicht bei offensichtlichen Fouls und an Theatralik teilweise auch ganz spitze. Gut, gehört auch dazu, wenn man Meister werden will ;-)
Alles in allem verdient, ist mir lieber als die Griechen; das hat gar nix mit Griechen oder Rassismus oder sonst was zu tun, bevor ich falsch verstanden werde. Das Team ist mir mit seiner Spielweise einfach irgendwie unsympatisch :)
von Hurricane 21.09.09 um 22:17:08
Arroganz hin oder her Spanien hat verdient gewonnen und das mit den Schrie belabern ist doch auch im Fussball ussus :D
von justuskoch 22.09.09 um 20:23:55
zuerst solltet ihr mal euer bild von rudy aktualisieren ;-)
und ja ich mag diese spanische arroganz nicht und ich liebe das griechische spiel! die spielen jedes jahr super und zeigen klasse einsatz. spanulis hätte meiner meinung nach den MVP verdient obwohl sie nicht so gut abgeschnitten haben, der hat echt kalsse gespielt.
von mkay 22.09.09 um 22:19:01
ich stimme Mr Kittles und Justus voll und ganz zu. Das ewige Lamentieren war echt anstrengend. Bei Spanoulis war es ein schmaler Grat zwischen Genie und Wahnsinn. TO, Bomben-3er, TO, derber Dreier.. alternierend beinahe.
Spanien ist verdient EM geworden, unfassbar gute Defense. Aber sympathischer hat sie das alles nicht gemacht, eher im Gegenteil.