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Europameisterschaft

D wie "drastischer Erwartungsdruck"

In der EM-Vorrundengruppe D tummeln sich allerhand starke Mannschaften. Neben Titelmitfavorit Litauen geht auch die Türkei mit ehrgeizigen Zielen in die Europameisterschaft. Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch Ausrichter Polen und der Basketball-Zwerg Bulgarien.

Von Joshua Wiedmann
 05.09.2009 |

Bulgarien: Der Underdog (EM 2007: Nicht qualifiziert)

Es ist unschwer zu sagen, dass der Nationalmannschaft Bulgariens in einer Gruppe mit dem EM-Gastgeber sowie zwei Basketball-Schwergewichten (Litauen, Türkei) nur die Rolle des Außenseiters bleibt. Kein Wunder, haben die Osteuropäer auf internationalem Parkett doch schon lange nicht mehr ernsthaft von sich reden gemacht. Die letzten größeren Erfolge entstammen den 1960er Jahren, als die Nation einen dritten Platz bei der Europameisterschaft(1961) mit der bis dato letzten Olympia-Teilnahme (1964) krönte. Seitdem mussten sich bulgarische Mannschaften bei internationalen Turnieren zumeist mit hinteren Rängen begnügen – wenn sie denn überhaupt teilnehme durften: Von den letzten sieben Europameisterschaften war die Nation nur bei der im Jahre 2005 vertreten. Mit einem Ausscheiden auf Rang 13 endete das Turnier damals wenig erfolgreich.

Trotz der unschönen Bilanz der letzten Jahre keimte bei den Basketball-Interessierten am Schwarzen Meer zuletzt wieder Hoffnung. Mit einer Vielzahl junger, talentierter Spieler durfte man zurecht von der Qualifikation für die Kontinentalmeisterschaft in Polen träumen – ein Ziel, das prompt erreicht wurde. Der Inbegriff der neuen Hoffnung war und ist Aufbauspieler Ibrahim Jaaber. Der gebürtige US-Boy gehörte in der Qualifikationsrunde mit 16,0 Punkten, 5,1 Rebounds und 3,5 Assists zu den überragenden Akteuren und machte auch in der vergangenen Saison bei Italiens Topklub Lottomatica Rom einen hervorragenden Eindruck. Es ist umso bitterer, dass der gläubige Moslem Jaaber auf Grund des islamischen Fastenmonats Ramadan nicht an der Europameisterschaft teilnehmen wird können.

Die Bulgarier bürgerten daraufhin kurzerhand zwei weitere US-Amerikaner ein: Ob in Polen jedoch Andre Owens oder der zuletzt in Bonn spielende E.J. Rowland auflaufen wird – es darf nur ein nationalisierter Akteur für die Nationalmannschaft aktiv sein –, soll sich erst kurzfristig entscheiden. So oder so steht man vor einer schwierigen Aufgabe, auch wenn einige durchaus renommierte Spieler im Kader stehen werden: Neben den erfahrenen Todor Stoykov und Filip Videnov, der bei der EM 2005 mit durchschnittlich 22,7 Punkten noch zu den besten Punktesammlern zählte, darf man auch auf die Auftritte der beiden 23-jährigen Ivanov-Brüder Kaloyan und Deyan gespannt sein, die als zukünftiges Rückgrat der Nationalmannschaft gelten. „Wir gehen als Außenseiter, als Underdog in diese Europameisterschaft, daher wird es für uns einfacher sein“, glaubt Nationalcoach Pini Gershon. Ob Bulgarien tatsächlich von diesem Status wird profitieren können, muss abgewartet werden.

Schlüsselspieler: Todor Stoykov, Filip Videnov (kompletter Kader)

Türkei: Das Jahr davor (EM 2007: 11. Platz)

Für die türkische Nationalmannschaft ist die Europameisterschaft 2009 so viel wie der Prolog zweier hoffentlich erfolgreicher Jahre. Denn während das Turnier in Polen für die Mannschaft von Coach Bogdan Tanjevic möglichst von Erfolg gekrönt sein soll, schielt man gleichzeitig schon auf die in rund einem Jahr im eigenen Land stattfindende Weltmeisterschaft. Die EM in Polen ist eine erste wichtige Standortbestimmung im Hinblick auf das heimische Großereignis. „Die nächsten zwei Jahre sind äußerst belangvoll für den türkischen Basketball“, weiß auch NBA-Star Hedo Türkoglu (Foto).

Wer die Türkei bei internationalen Turnieren in den vergangenen Jahren beobachtet hat, wird wissen, dass sie talentmäßig stets zur Eliteklasse in Europa gehörte. Dass die Umsetzung in Erfolg jedoch des Öfteren nicht ganz so problemlos ablief, verrät ein Blick in die Geschichtsbücher: Zwar sind die Türken seit 1949 ausnahmslos bei der Endrunde einer Europameisterschaft dabei, ein Podestplatz gelang jedoch nur 2001 (zweiter Platz). Die letzten beiden Kontinentalmeisterschaften endeten auf einem elften respektive neunten Rang. Dass sich nun ändern soll, zeigte bereits die EM-Qualifikation, welche die türkische Equipe ungeschlagen mit sechs Siegen abschloss.

Nationalcoach Tanjevic ließ bereits bei der vorläufigen Nominierung des Kaders für Polen wissen, dass Talent nicht gleich einen sicheren Platz im Team bedeutet. Der 62-Jährige machte Nägel mit Köpfen und überging bei der Spielerwahl etwa Center Mehmet Okur, der als Primadonna der Mannschaft in den vergangenen Jahren oft für negative Schlagzeilen gesorgt hatte. Als Stützpfeiler des Teams sind Hedo Türkoglu und Forward Ersan Ilyasova (Foto) vorgesehen. Während der routinierte Türkoglu in der vergangenen Saison mit den Orlando Magic die NBA-Finals erreichte, gelang dem 22-jährigen Ilyasova in Barcelona ein weiterer Schritt auf der Entwicklungsleiter. Dahinter gehören Point Guard Kerem Tunceri und Center Oguz Savas, der den Ausfall von Veteran Kerem Gönlüm kompensieren soll, zur weiteren Riege der Leistungsträger.

Wie weit die neuformierte türkische Mannschaft es schaffen kann, ist schwer zu prognostizieren. Zu oft schon konnte die talentierte Truppe den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. „Sie sind oft nur einen Schritt vom Erfolg entfernt, aber gleichzeitig der Selbstzerstörung und dem Mittelmaß noch näher“, schreibt der Journalist Paul Nilsen. Ob sich das Blatt in diesem Sommer, ein Jahr vor der EM im eigenen Lande, wendet, vermag wohl keiner zu sagen – das Talent für große Taten ist jedoch allemal vorhanden.

Schlüsselspieler: Hedo Türkoglu, Ersan Ilyasova, Kerem Tunceri (kompletter Kader)

Litauen: Gefangen im Umbruch (EM 2007: 3. Platz)

Die Basketball-Großmacht Litauen steht im September in Polen vor einer nicht allzu einfachen Aufgabe. Die Erwartungen an die Mannschaft von Nationalcoach Ramunas Butautas sind einmal mehr sehr hoch, gleichzeitig geht man auf Grund der Absage gleich mehrerer prominenter Akteure mit einem durchaus schwerwiegenden Handicap in die Europameisterschaft. Nachdem Ramunas Siskauskas bereits vor rund einem Jahr seinen Abschied aus der Nationalmannschaft verkündet hatte, gaben nun auch Sarunas Jasikevicius und Rimantas Kaukenas ihren Verzicht bekannt. Dass jedoch auch ohne den Edel-Backcourt die Ansprüche nicht sonderlich heruntergeschraubt werden, zeigt die Tatsache, dass der litauische Verband als EM-Minimialziel kurzerhand das Halbfinale ausgab.

Wirft man einen Blick auf den Kader der Litauer, wird deutlich, dass diese auch ohne einige ihrer Vorzeigespieler talentmäßig immer noch zur creme de la creme in Europa gehören. Beinahe alle Spieler sind bei europäischen Topvereinen zu Hause. Besonders auf den großen Positionen tummelt sich eine Vielzahl arrivierter Namen: Neben den Lavrinovic-Zwillingen Ksistof und Darjus sowie Robertas Javtokas wird auch Ex-Denver-Nugget Linas Kleiza (Foto) in Polen auflaufen. Der erfahrene Forward Simas Jasaitis komplettiert einen Frontcourt, der auch ohne die NBA-Akteure Zydrunas Ilgauskas und Darius Songaila einiges an Klasse besitzt.

Wegweisend wird jedoch sein, inwiefern die Ausfälle auf den kleinen Positionen kompensiert werden können. Hier liegt die Last vor allem auf den Schultern von Point-Guard-Talent Mantas Kalnietis und dem 30-jährigen Mindaugas Lukauskis, der jedoch im Nationalteam bisher nie über die Rolle des Ergänzungsspielers hinausgekommen war. „Wir bauen gerade ein neues Team auf und ich habe wirklich Vertrauen in meine Spieler“, bekräftigt Nationalcoach Butautas. Angesichts des Abschieds mehrerer Legenden ist der große Wurf in diesem Jahr jedoch fraglich.

Schlüsselspieler: Linas Kleiza, Ksistof Lavrinovic, Robertas Lavtokas (kompletter Kader)

Polen: Auf den Heimvorteil hoffen (EM 2007: 13. Platz)

In der Vergangenheit spielte die Basketball-Nationalmannschaft Polens auf internationaler Ebene zumeist nur eine untergeordnete Rolle. Die letzte Europameisterschaft – 2007 in Spanien – schlossen sie auf einem wenig bemerkenswerten 13. Rang ab. Zuvor nahm man vier Mal überhaupt nicht an der Kontinentalmeisterschaft teil. Hinsichtlich der diesjährigen Europameisterschaft werden Statistiken und zurückliegende Ergebnisse jedoch kaum von Belang sein: Als Gastgeber hoffen die Polen auf den großen Wurf.

Dass die aktuelle Mannschaft der Polen jedoch mitnichten basketballtechnisches Treibholz ist, beweist ein Blick auf den Kader. Besonders im Frontcourt sind die Rot-Weißen gut bestückt: Neben NBA-Millionär Marcin Gortat (Foto rechts) und Moskaus Big Man Maciej Lampe (Foto links) wird auch die polnische Legende Adam Wojcik im Alter von 39 Jahren noch einmal die Sneakers schnüren. Der Europa-erfahrene Symon Szewczyk vervollständigt die Riege unter dem Korb. Durch die Einbürgerung von David Logan, der in der vergangenen Euroleague-Saison durchschnittlich 16,9 Punkte für Asseco Prokom erzielte, steht den Polen nun auch auf den Guards-Spots ein starker Punktesammler zur Verfügung.

Im Großen und Ganzen wird es für Polen in der hervorragend besetzten Gruppe D jedoch nur über gutes Teamspiel gehen. „Wir brauchen die volle Unterstützung unserer Fans und müssen als Mannschaft gut harmonieren, um für eine Überraschung sorgen zu können“, sagt der israelische Nationalcoach Polens, Muli Katzurin. Beim Supercup in Bamberg zeigte das Team auch ohne den verletzten Marcin Gortat bereits gute Ansätze.

Schlüsselspieler: Marcin Gortat, Maciej Lampe, David Logan (kompletter Kader)




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von nicoquanz 05.09.09 um 13:08:03


wohl mit abstand die schlechteste vorrundengruppe bei dieser em



von Gerald Wallace-Fan 06.09.09 um 09:11:48


Ja, kann mich nicoquanz nur anschliessen, die schlechteste Vorrundengruppe dieses (hoffentlich) spannenden Turniers!!!



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