Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Europäischer Wettbewerb

Sensation verpasst

Nach einer überragenden Eurocup-Saison musste Alba Berlin sich im Finale in Vitoria Power Electronics Valencia geschlagen geben. 50 verrückte Fans der Berliner reisten über verschiedene Wege zum Final Four an, der Großteil konnte aufgrund des Vulkans Eyjafjallajökull aber nicht anreisen, sodass sich 2.000 Fans in der Berliner o2 World zum Halbfinale trafen, um den Finaleinzug zu feiern.

Von Patrick Schweitzer
 19.04.2010 |

Halbfinale: Power Electronics Valencia gegen Panellinios Athen 92:80

Die Spanier, die ohnehin als Topfavorit in dieses Final Four gingen, unterstrichen ihre Favoritenrolle im Duell gegen die Athener eindrucksvoll. Nachdem sich die Griechen zu Beginn noch gut behaupten konnten und Mitte des ersten Viertels auch mit 10:15 führten, zog Valencia daraufhin das Tempo deutlich an, sodass sie am Ende des ersten Viertels bereits mit 28:22 führten. Im zweiten Viertel gelang Valencia dann ein 8:0-Lauf, der deren Führung schon auf 39:27 ausbaute, den Athen mit einem 0:7-Lauf aber kontern konnte. Jedoch war in der gesamten ersten Halbzeit auf den jungen französischen Point Guard Nando de Colo von Valencia Verlass, der fünf seiner sechs Dreierversuche verwandeln konnte und insgesamt zur Halbzeit schon 20 Punkte erzielt hatte, denen er in der zweiten Halbzeit aber keinen weiteren folgen lassen sollte. So konnte sich Valencia bereits zur Halbzeit auf 53:39 absetzen.

Auch in der zweiten Halbzeit ließ die Intensität Valencias nicht nach, sodass es nach Ende des dritten Viertels weiterhin einen beruhigenden Vorsprung gab. Athen wechselte nun noch einmal seine Taktik und machte das Spiel deutlich schneller, sodass sie vier Minuten vor Schluss sogar wieder auf sechs Punkte herangekommen waren. Dies sollte am Ende aber dennoch nicht ausreichen, vor allem weil Valencia während des Spiels 55 Prozent seiner Dreier verwandeln konnte, sodass Valencia am Ende den zweiten Finaleinzug in das Eurocupendspiel seit 2003 feiern konnte, den sie übrigens auch damals gewinnen konnten.

Bei den Spaniern punkteten sechs Spieler zweistellig; Nando de Colo war der Topscorer mit 20 Punkten, zudem kam der 2,17-Meter-Riese Kosta Perovic auf 13 Punkte und sieben Rebounds, und der spätere Finals MVP Matt Nielsen auf 16 Punkte und sechs Assists. Bei Athen ragte der US-Amerikaner Devin Smith heraus, der auf 29 Punkte bei 10/14 Versuchen aus dem Feld kam. Der Ex-Berliner Chris Owens kam auf neun Punkte und vier Assists.

Nach dem Spiel merkte der Trainer Valencias, Neven Spahija, schon richtig an, dass solch eine defensive Leistung nicht für das Finale reichen würde und dass sich sein Team in der Beziehung deutlich steigern müsste, was sie ja auch eindrucksvoll in die Tat umsetzen sollten.

Alba Berlin gegen Bizkaia Bilbao 77:70

Die Ausgangssituation schien fast aussichtslos für die Albatrosse: Julius Jenkins hatte seine Gehirnerschütterung noch nicht auskuriert, Blagota Sekulic war drei Tage zuvor im Training umgeknickt, Derrick Byars hatte starke Rückenschmerzen und Jurica Golemac machte sein zweites Spiel, nachdem er wegen eines Handbruchs sieben Wochen ausgefallen war. Zudem hatte Bilbao einen klaren Heimvorteil, da Bilbao nur 60 Kilometer von Vitoria entfernt liegt, und noch gestärkt wurde, da wegen des Vulkanausbruchs nur 50 Fans aus Berlin anreisten. Dafür öffnete für dieses Halbfinale auch die Heimstätte der Albatrosse, die o2 World, ihre Pforten, zu der gut 2.000 Fans hinpilgerten, um Alba begeistert anzufeuern.

Dennoch sollte sich Alba in einer starken Vorstellung am Ende gegen den Favoriten durchsetzen, sodass sie als erstes deutsches Team in das Eurocup-Finale einzogen. Ein ähnlicher Erfolg war Alba bereits 15 Jahre zuvor gelungen, als die Berliner im Finale des Korac-Cups Stefanel Mailand bezwingen konnten. Nach einem ausgeglichenen ersten Viertel, das 18:18 endete, übernahm Alba im zweiten Viertel immer mehr das Kommando. Alle angeschlagenen Spieler konnten eingesetzt werden, so auch der MVP der Bundesliga, Julius Jenkins, der drei Wochen lang gefehlt hatte. Alba konnte immer wieder sein Pick-and-Roll erfolgreich einsetzen, an dessen Ende fast immer Center Adam Chubb stand, der bereits zur Halbzeit 15 Punkte erzielt hatte und so seinem Team einen knappen Vorsprung von 35:30 besorgen konnte.

Alba blieb auch in der zweiten Halbzeit hochkonzentriert und konnte vor allem durch Adam Chubb, aber auch durch eingestreute Dreier von Immanuel McElroy, Rashad Wright und Julius Jenkins, einen Vorsprung von sieben bis zehn Punkten konstant halten, sodass es zu Beginn des vierten Viertels 56:49 zu gunsten Albas stand. Dies wollte sich Alba im letzten Viertel nicht mehr nehmen lassen. Trotz einiger Schrecksekunden, in denen Bilbao bis auf drei Punkte herankommen konnte, behielt Alba durchgehend die Kontrolle über das Spiel. Zu verdanken war dies dem weiterhin überaus erfolgreichen Adam Chubb, sowie zwei Dreiern von Immanuel McElroy, der bereits von Wadenkrämpfen geplagt war. Als Julius Jenkins 30 Sekunden vor Schluss einen weiteren Dreier versenken konnte, der Alba neun Punkte in Front brachte, stand der Finaleinzug der Berliner fest, den die Berliner Spieler in einem Kreis sowie mit den wenig mitgereisten Fans feierten. Auch in der o2 World war die Stimmung hervorragend, wo der Finaleinzug mit „Finale“-Gesängen lautstark gefeiert wurde.

Bei Alba war Center Adam Chubb der alles überragende Spieler mit 27 erzielten Punkten, sowie sieben Rebounds. Zudem kam Immanuel McElroy auf 13 Punkte bei 3/3 Dreiern, Julius Jenkins auf elf Punkte und Derrick Byars auf zehn Punkte. Bei Bilbao waren Chris Warren mit 14 und Jerome Moiso mit zwölf Punkten die erfolgreichsten Spieler.

Der Trainer der Berliner, Luka Pavicevic, meinte nach dem Spiel, dass Offensive wie Defensive entscheidend für den Erfolg waren, zudem waren Disziplin, Aggressivität und Gelassenheit wichtige Faktoren. Zudem bedankte er sich bei den Fans, die bis zu 26 Stunden lang mit dem Bus angereist waren.

Spiel um Platz 3: Bizkaia Bilbao gegen Panellinios Athen 76:67

So trafen am frühen Sonntagabend die beiden Verlierer der Halbfinale aufeinander. Athen musste dabei auf den Topscorer des Vorabends, Devin Smith, verzichten, der verletzt ausfiel. Nach einem relativ ausgeglichenen ersten Viertel (17:15), erzielten die Athener einen 0:11-Lauf im zweiten Viertel, sodass die beiden Mannschaften beim Stand von 35:39 in die Kabine gingen.

Nachdem den Basken zu Beginn der zweiten Halbzeit ein 9:0-Lauf gelang, war es nun wieder ein sehr ausgeglichenes Spiel, sodass Bilbao mit einer knappen Führung in das Schlussviertel ging (58:54). Das Spiel wurde nun immer physischer, jedoch konnte sich das Team aus Bilbao am Ende beflügelt durch den Heimvorteil durchsetzen, sodass es die Eurocup-Saison auf dem dritten Platz abschließen konnte.

Beste Punktesammler auf Seiten Bilbaos waren Alex Mumbru mit 16 und Marko Banic mit 15 Punkten; zudem kam Axel Hervelle zwar nur auf drei Punkte, dafür aber auch auf zehn Rebounds, vier Assists und drei Steals. Bei den Griechen kamen nur Ian Vougioukas mit 17 und Roderick Blakney mit elf Punkten auf eine zweistellige Punkteausbeute.

Finale: Alba Berlin gegen Power Electronics Valencia 44:67

Die vielen Berliner Fans warteten nun gespannt auf das Eurocup-Finale, jedoch traf man sich diesmal nicht in der o2 World, da dieses Großereignis für den deutschen Basketball auch im regionalen Fernsehen live übertragen wurde.

Jedoch konnten die Berliner von Beginn an nicht an ihre hervorragende Leistung aus dem Halbfinale anknüpfen, was sich jedoch noch nicht im ersten Viertel widerspiegelte, da auch Valencia sehr nervös begann. So begann zwar der Spanier Victor Claver die Partie mit einem krachenden Dunking, ansonsten blieb das erste Viertel aber fade, sodass es mit 10:11 aus Sicht der Berliner in das zweite Viertel gehen sollte. Bis dahin hatte nur der deutsche Nationalspieler Steffen Hamann eine anständige Leistung gebracht und kam auf fünf Punkte. Doch schon im zweiten Viertel sollte dieses sehr einseitige Finale aus deutscher Sicht leider entschieden werden. Mit einem 0:11-Lauf zu Beginn des zweiten Viertels setzte sich Valencia richtungsweisend ab, da die Berliner in der Offensive einfach viel zu ideenlos waren. Die unheimlich starke Verteidigung Valencias verhinderte immer wieder das noch am Vortag so erfolgreich praktizierte Pick-and-Roll der Berliner. Bestes Beispiel dafür war Adam Chubb, der nach 27 Punkten im Halbfinale diesmal auf magere zwei Pünktchen kam. Valencia ging mit einer 22:36-Führung in die Halbzeitpause; noch nie erzielte ein Team so wenig Zähler in einer Halbzeit in einem Eurocup-Finale.

Wer auf ein Aufbäumen der Albatrosse in der zweiten Halbzeit gehofft hatte, sollte bitter enttäuscht werden. Auch wenn Alba sich redlich bemühte und die Arbeit in der Defensive deutlich steigern konnte, sollte es trotzdem nicht reichen, da in der Offensive einfach überhaupt nichts lief. Da Valencia das Pick-and-Roll sehr gut verteidigte und damit Albas Big Men vollkommen ausschalten konnte, erhoffte man sich zumindest einige erfolgreiche Distanzwürfe der Guards, die jedoch eher Mangelware blieben. So ging Alba mit einem 33:48-Rückstand in die Viertelpause; ein Sieg Albas schien nur noch von theoretischer Natur. Im letzten Viertel zog Valencia in der Offensive das Tempo sogar noch einmal ein bisschen an, sodass sie teilweise mit bis zu 25 Punkten in Front lagen. Alba fand offensiv nachwievor keine Antwort und musste sich am Ende einem deutlich überlegenen Gegner aus Valencia geschlagen geben.

Bei Alba konnte kein Spieler zweistellig punkten, am besten waren die beiden Guards Derrick Byars und Steffen Hamann mit jeweils neun Punkten. Zudem warf Alba gerade einmal 30 Prozent aus dem Feld, während die Spanier 48 Prozent ihrer Wurfversuche verwandeln konnten. Bei Valencia war Center Kosta Perovic mit 17 Punkten erfolgreichster Werfer; zum MVP wurde jedoch der australische Forward Matt Nielsen gewählt, der sieben Punkte und sechs Rebounds erzielte. Beim Interview zeigte er sich aber ganz bescheiden und stellte den Teamerfolg in den Vordergrund.

Albas Trainer Luka Pavicevic meinte nach dem Spiel, dass Alba ein nahezu perfektes Spiel hätte abliefern müssen, um das Spiel zu gewinnen, was ihnen jedoch nicht gelang, da Offensive und Defensive, vor allem im zweiten Viertel, zu schwach waren. Der Trainer Valencias, Neven Spahija, zeigte sich nach dem Spiel verständlicherweise überaus glücklich und meinte, dass es für den Erfolg entscheidend gewesen wäre, dass sie sich Albas Stil, dem langsamen Spiel, angepasst hätten.

Power Electronics Valencia ist damit der verdiente Sieger des Eurocups in 2010. Jedoch sollte man Albas gesamte Saisonleistung nicht durch dieses enttäuschende Finale schmälern, da Alba Berlin eine hochklassige Saison im Eurocup gespielt hat und durch diesen Finaleinzug dem deutschen Basketball eine hervorragende Perspektive bietet, die in Zukunft durch weitere Erfolge auch anderer deutscher Basketballklubs sehr erfolgreich aussehen könnte.

 




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von Crossover 26.05.2012 um 23:06:42


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