Europäischer Wettbewerb

Göttingen greift nach dem Titel

It's a matter of the heart. Es hätte keinen besseren Slogan für die gestrige Vorstellung der BG Göttingen 74 geben können. Eine Energieleistung sondergleichen brachte die Hausherren nach durchwachsener erster Hälfte zurück auf die Siegerstraße. Im Finalspiel am Sonntag können die „Veilchen“ ihre glänzende Saison mit einem Sieg über Samara krönen.

Von Dennis Klammer
 01.05.2010 |

Scavolini Spar Pesaro gegen Samara Krylia Krasnye 70:73

Beim Turniereröffnungspiel setzte sich erwartungsgemäß Samara mit 73:70 gegen Pesaro durch. In einer ausgeglichenen Partie sorgten die Duelle auf den großen Positionen für Furore. Samaras Ralph Biggs (11 P) und Michael Taylor Hicks übertrumpften sich gegenseitig mit Agilität und Leichtigkeit, während „Red Wing“ Marcus Douthit den Schwergewichtler Eric Williams der Italiener in Schach hielt. Hicks brachte das Momentum mit zwei krachenden Dunks auf die italienische Seite, doch die starke Verteidigung hielt die Russen im Spiel.

Nach der Halbzeit (44:44) riss Pesaros Marques Green das Spiel an sich. Zuckerpässe auf den oftmals frei stehenden Branko Cvetkovic (20 P) ließen das Trainerherz höher schlagen. Doch letztlich entschied Ernest Bremer (18 P, 4 A) von Samara das Aufbauduell für sich. Auch der Schnelligkeitsvorteil von Marcus Douthit gegenüber Williams war neben der Verteidigung (8:0 Blocks) ein siegbringender Faktor für die Russen. Topscorer Luis Flores (15 P) blieb trotz der Punkteausbeute blass.

Göttingen gegen Roanne 77:67

Die Ausgangssituation für Göttingen schien wie für sie gemacht. In eigener Halle spielend, vor 3.000 violett und weiß gekleideten Fans, empfingen sie ein französisches Team, das ohne ihren Topscorer Ralph Mims angetreten war. Dazu feierten wichtige BG-Schlüsselspieler, die in der Vergangenheit ebenfalls von Verletzungen gebeutelt waren, ihr Comeback. Eigentlich ein Selbstläufer.

Doch es kam anders. Göttingen startete, getragen durch die ihnen wohlgesonnene Atmosphäre in der Lokhalle, äußerst engagiert ins Spiel. Elf Teamfouls nach zehn Minuten zeigten jedoch eine gewisse Überambition. So sammelte Roanne fleißig Punkte am Wohltätigkeitsstreifen, während das Publikum das Tor zur Lokhölle aufbrach. Unter gellendem Lärm verließen die Schiedsrichter beim Stand von 16:26 nach dem ersten Viertel das Parkett, zudem hatten acht Göttinger Spieler mindestens ein Foul auf dem Konto.

Roanne, das mit einer Achter-Rotation spielte, suchte im zweiten Viertel vermehrt Dylan Page. War Etienne Brower im ersten Spielabschnitt noch der auffälligste Akteur, verlagerte sich das Spiel nun auf den Power Forward. 19 Punkte und fünf Rebounds verbuchte der US-Amerikaner im Spiel. Bei den Hausherren versuchte Taylor Rochestie, Göttingen in Schlagdistanz zu halten. Doch die Franzosen ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und bauten ihren Vorsprung zeitweise auf 20 Zähler aus (17:37). Vereinzelte Dreier von Robert Kulawick (11 P) und Rochestie verkürzten den Abstand zur Pause auf 13 Punkte (28:41).

In der Halbzeit fand Head Coach John Patrick anscheinend die richtigen Worte, denn in der zweiten Hälfte kippte das Spiel. Göttingen hielt die Intensität hoch, erlaubte sich jedoch weniger Fouls und konnte durch etliche Ballgewinne leichte Punkte im Fastbreak erzielen. Auch offensiv gelang den Niedersachsen mehr, während Roanne seine Treffsicherheit in der Kabine ließ. Ein Hustle-Sprung über die Bande vom Rekonvaleszenten Chester Frazier, der mit gebrochenem Mittelhandknochen spielte, heizte die Stimmung noch weiter an. So wurde ein Momentum geschaffen, das die Göttinger zu einem 29:10-Viertel anspornte. Ein Buzzerbeater aus gut acht Metern von Rochestie schickte die Veilchen mit 57:51 in den letzten Spielabschnitt.

Doch noch war die Messe nicht gelesen. Denn die Göttinger begannen ähnlich überengagiert wie in der ersten Halbzeit. Nach knapp 90 Sekunden wurde die Teamfoulgrenze erreicht, angespanntes Bangen auf den Rängen folgte. 59:59 hieß es acht Minuten vor Schluss. Beim Stand von 60:66 machte sich jedoch das kleine Aufgebot der Franzosen bemerkbar. Die Kräfte und die Konzentration ließen nach, zudem besaßen vier Spieler bereits vier Fouls. Pape-Philippe Amagou (9 P) versuchte zwar, die Baskets im Spiel zu halten, doch den überwältigenden finalen 17:1-Lauf der Göttinger zum 77:67 konnte er nicht stoppen. Mann des Spiels war abermals Taylor Rochestie, der 27 Punkte und vier Assists auflegte.

So sind die Göttinger dem ersten Titel der Vereinsgeschichte einen großen Schritt näher gekommen und blicken in freudiger Erwartung auf Sonntag, an dem sie auf den Gewinner des Auftaktspiels, Krylia Krasnye Samara, treffen.

Im Spiel um den dritten Platz trifft Pesaro am Sonntag um 13 Uhr auf die Roanne Baskets, ehe die Göttinger Veilchen um 16 Uhr ihren Traum vom EuroChallenge-Gewinn 2010 klar machen wollen. Auf www.Fibatv.com ist das Spiel kostenlos (nach Registrierung) live zu sehen.

 




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von Crossover 12.02.2012 um 13:50:17


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