Europäischer Wettbewerb

Gleichung voller Unbekannter

Die Mannschaften aus der Beko BBL, die in der Saison 2011/2012 in der Eurochallenge an den Start gehen, wissen nur bedingt, was sie erwartet. In den Gruppen der deutschen Vertreter aus Bonn, Oldenburg, Göttingen und Quakenbrück finden sich gleich mehrere Teams, deren Aufstellungen selbst hartgesottenen Experten Kopfzerbrechen bereiteten. CROSSOVER hat für Euch versucht, etwas Licht ins Dunkel der ersten Runde in der Eurochallenge zu bringen.

Von Peter Bieg, Thomas Käckenmeister
 07.11.2011 |

Gruppe A

BK BEMACO SPU NITRA (Slowakei)

Bei BK Bemaco Spu Nitra handelt es sich um ein Team aus der Slowakei. In der dortigen „Extraliga“ belegt man derzeit mit einer Bilanz von 6:3 den zweiten Tabellenplatz und im Kader der Slowaken finden sich einige Spieler, die aus ihren vorherigen Teams oder durch ihre Teilnahme an internationalen Wettbewerben auch dem ein oder anderen deutschen Fan ein Begriff sein könnten. Der 26-jährige Robert Vaden (1,96 Meter, Shooting Guard/Small Forward) wurde dabei im Jahr 2009 in der zweiten Runde von den Charlotte Bobcats gedrafted, anschließend wurden seine Rechte an die Oklahoma City Thunder weitergereicht. Ein NBA-Spiel hat Vaden bisher allerdings nie absolviert, weshalb er sich jetzt in Europa seine Sporen zu verdienen versucht. Vaden ist ein guter Werfer und vielseitiger Spieler, der seinen Weg auch auf dem alten Kontinent machen sollte. Weitere bekannte Namen sind der 2,16 Meter große litauische Center Darius Silinskis (27 Jahre) und der junge Big Man Ater Majok (2,10 Meter, 24 Jahre) aus dem Sudan. Komplettiert wird das Team vorrangig von slowakischen Nationalspielern. Auch wenn es schwer fällt, die exakte Stärke von Nitra einzuschätzen, sollten die Slowaken für ihren Gruppengegner aus Oldenburg ein schlagbarer Gegner sein.

BALONCESTO FUENLABRADA SAD (Spanien)

Ein schwierigeres Unterfangen dürfte da wohl eher ein Sieg gegen das Team aus Fuenlabrada darstellen. In der spanischen ACB beheimatet, verfügt die Mannschaft mit Spielern wie Lubos Barton (2,02 Meter, Small Forward, 31 Jahre, Tschechoslowakei), Kirk Penney (1,96 Meter, Shooting Guard, 31 Jahre, Neuseeland) und Shotblocker Mouhamed Sene (2,11 Meter, Center, 25 Jahre, Senegal) über eine Reihe international bekannter Spieler, die auch in der Beko BBL zu den größeren Namen gehören würden. In Kombination mit starken und zum Teil noch recht jungen Spielern aus Spanien geht Fuenlabrada so als leichter Favorit ins Rennen um den ersten Gruppenplatz.

NORRKÖPING DOLPHINS (Schweden)

Die Norköpping Dolphins aus Schweden sind die größte Unbekannte in dieser Gruppe. Mit dem bereits 40-jährigen Fred Drains (1,95 Meter, Small Forward) und Shooting Guard Andrew Mitchell (1,81 Meter, 32 Jahre) stehen zwar auch zwei US-Amerikaner im Kader. Allerdings sind auch sie alles andere als „Big Names“ im europäischen Basketball. Hinzu kommen vornehmlich Spieler aus dem Norden und Nordosten Europas (Schweden, Finnland, Litauen, Lettland), so dass die Dolphins mit Fug und Recht als „Wundertüte“ bezeichnet werden dürfen, die auf keinen Fall unterschätzt werden sollte.

EWE BASKETS OLDENBURG

Mit einem beinahe komplett ausgewechselten Kader – nur Rickey Paulding, Robin Smeulders und Coach Predrag Krunic blieben an der Hunte – gehen die EWE Baskets aus Oldenburg in der Beko BBL und der Eurochallenge ins Rennen. Zunächst werden sich die „Donnervögel“ finden und auf dem Spielfeld harmonieren müssen. Das wird einige Zeit beanspruchen, klappte in Ansätzen allerdings bereits ganz gut. Jedoch haben die Verantwortlichen bei der Verpflichtung neuen Spielermaterials darauf geachtet, dass das Etikett "BBL-Erfahrung" in der Vita vermerkt ist. Bis auf US-Guard Kenny Hasbrouck sowie die beiden Youngster Christopher Razis und Sead Sehovic haben alle Neuzugänge schon mindestens ein Jahr Bundesliga gespielt. Mit Bobby Brown (ehemals Berlin), Adam Chubb (Gießen, Bremerhaven, Quakenbrück, Berlin) und Ronnie Burrell (Bonn) zählen prominente Veteranen zum Aufgebot. Jannik Freese und Dominik Bahiense de Mello suchen in Norddeutschland eine neue Herausforderung, während Milan Majstorovic nach einem Jahr in Spanien wieder ins Nest der Donnervögel zurückkehrt.

Oldenburg hat trotz dieses Fast-Komplett-Umbaus nichts an Qualität eingebüßt. Mit etwas Fine-Tuning durch das bosnische Basketball-Brain Krunic ist Oldenburg fast schon sicher für die Playoffs gesetzt und sollte auch in der Eurochallenge eine gute Rolle spielen können. Einzig die mangelnde Erfahrung am Bankende, an dem ausschließlich eigener Nachwuchs an das Profitum herangeführt werden soll, dürfte schmerzen, wenn auf mindestens einen der Leistungsträger in Liga oder EuroChallenge-Wettbewerb verzichtet werden muss.

Gruppe B

ARMIA (Georgien)

Das Sparbuch nützt nichts im Tresor. Armia hat den Kader ordentlich aufgemotzt und NBA-Guard Sundiata Gaines, den puertorikanischen Nationalspieler Guillermo Diaz sowie Scharfschütze Jeremy Richardson verpflichtet. Mit diesem Trio sowie dem 2,13-Meter-Schweden Joakim Kjellbom ist Armia durchaus etwas zuzutrauen in Gruppe B.

BG GÖTTINGEN

Michael Meeks ist der einzige Akteur, der 2010 mit den Veilchen die EuroChallenge gewann. Die anderen Spieler haben die Uni-Stadt verlassen. Meeks assistiert heuer an der Seite von Coach Stefan Mienack, der als Coach sein internationales Debüt geben wird. Louis Dale ist der einzige Spieler der BG, der auch in der Vorsaison für Göttingen in Europa, genauer gesagt im Eurocup, auf Korbjagd ging. Deshalb dürfte der Auftritt der Niedersachsen vor allem Pluspunkte im Erfahrungsammeln einbringen. Ein Weiterkommen ist dennoch relativ unwahrscheinlich.

ZZ LEIDEN (Niederlande)

Der ehemalige Frankfurter und kanadische Nationalspieler Jevohn Shepherd geht für Leiden auf Korbjagd, ebenso wie der frühere BBL-Akteur Seamus Boxley. Auf der Eins dirigiert Thomas Jackson das Spiel der Holländer, die mit Mohammed Kherrazi sogar einen Marokkaner in ihren Reihen haben. Sean Cunningham und Gabriel Kennedy komplettieren die Nordamerika-Fraktion, die anderen Akteure standen aus den Niederlanden. Inwieweit das Team von Coach Toon Van Helfteren das Zeug für eine Überraschung hat, bleibt abzuwarten.

BESIKAS ISTANBUL (Türkei)

Deron Williams und Semih Erden sind die Superstars in Reihen der Türken. Doch wie lange wird der Goldmedaillengewinner von Peking 2008 noch die Besiktas-Fäden in der Hand halten. Wenn der NBA Lockout endet, dürfte der US-Amerikaner schnell zurück zu den Nets flüchten. Nichtsdestotrotz werden sich nicht nur die Göttinger Fans auf ein Wiedersehen mit den Türken freuen, standen sich beide Teams doch im Vorjahr insgesamt dreimal gegenüber. In dieser Saison dürfte das Duell klar an die Basketballer aus Istanbul gehen, denn nicht nur die NBA-Profis, sondern auch die talentierten Zoran Erceg und Marcelus Kemp verheißen ein anderes Kaliber als das des Bundesligisten.

Gruppe G

BC "MINSK-2006“ (Weißrussland)

Aus Weißrussland kommt der BC „Minsk-2006“ in die Eurochallenge. Neben vielen Spielern aus dem Heimatland des Klubs finden sich mit „Veteran“ Courtney Eldridge (1,78 Meter, 31 Jahre, Point Guard), Justin Hawkins (2,01 Meter, 26 Jahre, Small Forward), Devon Hardin (2,11 Meter, 25 Jahre, Center), Justin Knox (2,05 Meter, 22 Jahre, Power Forward) und Julius Hodge (2,01 Meter, 28 Jahre, Small Forward) vor allem US-Amerikaner im Kader. Diese verfügen im Falle von Hodge und Hardin sogar über NBA- bzw. zumindest Summer League-Erfahrung. Wenn es gelingt, diese Mischung von Weißrussen und US-Amerikaners entsprechend aufeinander abzustimmen, sollte Minsk das ein oder andere Spiel gewinnen können. Mit einer Bilanz von 3:0 führt man die weißrussische „Premier League“ in jeden Fall unangefochten an.

TÜRK TELEKOM ANKARA (Türkei)

Die deutschen Nationalspieler Heiko Schaffartzik und Jan Jagla haben in den vergangenen Jahren bereits für Türk Telekom Ankara gespielt und auch in dieser Saison finden sich prominente Basketballer in der Aufstellung des Klubs vom Balkan:

Der 32-jährige, NBA-erfahrene (Utah Jazz) erfahrene Center Mehmet Okur (2,12 Meter) ist dabei der mit Abstand bekannteste Name, aber auch Spieler wie „Scharfschütze“ Simas Jasaitis (2,01 Meter, 29 Jahre, Small Forward, Litauen) oder „Raubein“ Kaspars Kambala (2,05 Meter, 32 Jahre, Center, Lettland) haben seit Jahren auf höchstem europäischem Niveau und mit den Nationalmannschaften ihrer jeweiligen Ländern eine Menge Erfahrung gesammelt. Neben Point Guard Darius Washington (1,88 Meter, 25 Jahre, USA) finden sich ansonsten vor allem einheimische Spieler im Kader von Türk Telekom. Da man auch in der heimischen TBL sehr gut mithält (3:1 Siege), sollte Türk Telekom auch in der Eurochallenge die erste Gruppenphase überstehen können.

PINAR KARSIYAKA (Türkei)

Mit Pinar Karsiyaka findet sich in dieser Vorrundengruppe noch eine zweite Mannschaft aus der türkischen TBL. Die Teammitglieder von Karsiyaka sind dabei allerdings bei weitem nicht so bekannt wie die Starspieler von Türk Telekom Ankara und auch in der TBL (1:3 Siege) steht man schlechter dar. Der ehemalige Berliner Center Jovo Stanojevic (2,08 Meter, 34 Jahre, Serbien) ist der prominenteste Spieler der Türken und scheint seine Karriere als Weltenbummler ausklingen lassen zu wollen. Der 33-jährige Mire Chatman (1,88 Meter, Point Guard) aus den USA ist dabei ebenso erfahren wie Stanojevic und war bereits in Lettland, Frankreich, Russland, Italien und eben auch der Türkei aktiv. Der Kader wird von vielen einheimischen komplettiert und Karsiyaka dürfte für den deutschen Vertreter aus Bonn einen schlagbaren Gegner darstellen.

TELEKOM BASKETS BONN

Bei den Telekom Baskets Bonn war einiges los in der Sommerpause. Nach und nach haben sich die Rheinländer vom alten Kader verabschiedet. Darunter fielen prominente Opfer wie der Dauerverletzte Vincent Yarbrough, Nationalspieler Tim Ohlbrecht und Leistungsträger Nic Wise. Die Gründe für diesen harten Schritt sind eindeutig. Der Saisonabschluss auf dem 13. Platz war der schlechteste seit den letzten fünf Jahren für das Team von Coach Michael Koch.

Um diese schlechte Platzierung nicht zu wiederholen und wieder an alte Erfolge zu knüpfen, wurde rund um die verbliebenen Chris Ensminger, Fabian Thülig und Jonas Wohlfahrt-Bottermann an einem Kader mit Erfahrung und Talent gebastelt. Die Osteuropäer Zvonko Buljan, Simonas Serapinas und Benas Veikalas passen dabei genau ins Konzept, da alle drei bereits im internationalen Geschäft tätig waren. Passende Talente fanden die Bonner einerseits in nationalen Akteure wie Andrej Mangold oder Daniel Hain und andererseits im Amerikaner Tony Gaffney. Die größte Verantwortung lastet auf den Schultern von Jared Jordan. Nach einem Jahr Abstinenz in Griechenland soll der Point Guard mit seiner Spielweise wieder für eine Einheit bei den Bonnern sorgen und den Erfolg zurückbringen.

Die ersten Wochen der neuen Beko BBL-Saison haben gezeigt, dass die Bonner gut gerüstet sind, um wieder in den Kampf um die Playoffplätze in der Beko BBL einzugreifen. Derzeit liegt man mit einer Bilanz von 6:1 Siegen auf dem zweiten Tabellenplatz. Mit viel Selbstvertrauen und mannschaftlich geschlossenen Auftritten könnte die Mannschaft von Head Coach Mike Koch so auch die erste Runde der Eurochallenge trotz einer respektablen Gruppe überstehen.

Gruppe H

SZOLNOKI OLAJ (Ungarn)

In der Saison 2010/2011 nahmen die Ungarn erstmals an der EuroChallenge teil. Schon damals hielt Point Guard Obie Trotters die Fäden von Szolnoki fest in der Hand und erzielte in acht Spielen, von denen die Osteuropäer fünf gewannen, durchschnittlich 19,4 Punkte, 4,3 Rebounds und 5,3 Assists. In dieser Saison mussten die Ungarn durch die Qualifikation, um sich für den dritthöchsten europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. In der heimischen Liga müssen sie sich vor niemandem verstecken, gelangen ihnen zuletzt doch fünf Siege in Serie. Bei Szolnoki ist Trotter Dreh- und Angelpunkt. Von den vorrangig nationalen Kräften im Team sind Bigman Marton Bader und der Serbe Marko Derasimovic als alternative Scoring-Option zu nennen. Ob das allein reicht, um die nächste Runde zu erreichen, ist fraglich.

TROVOLOU KERAVNOZ (Zypern)

Winsome Frazier dürfte BBL-Fans noch ein Begriff sein, stand der athletische Off-Guard doch einst im Aufgebot der Telekom Baskets Bonn. Nun zockt der Ami auf der mediterranen Insel. 2009 nahm er mit Bonn an der EuroChallenge teil und legte 11,9 Zähler pro Spiel auf. Zuletzt holten die Zyprioten, bei denen Akteure aus halb Europa spielen, vier Siege in Folge in der heimischen Liga.

ARTLAND DRAGONS

In der Saisonvorbereitung unterlagen die Niedersachsen gegen Gran Canaria in der Eurocup-Qualifikation. Das deutliche Scheitern zeigte, dass die Drachen von der Qualität her noch nicht oben mitspielen können. Deshalb ist die Teilnahme an der EuroChallenge erneut gegeben. Im letzten Jahr holten die Drachen acht Siege aus zwölf EuroChallenge-Begegnungen.

Quakenbrück muss in einigen Spielen der Gruppenphase auf die international erfahrenen Akteure Bryan Bailey (Daumenprellung) und Nathan Peavy (Augenverletzung) verzichten. Dennoch sollte auf der Guard-Position dank Wirbelwind David Holston und des kürzlich verpflichteten Goran Jeretins die Qualität vorhanden sein, um mit einer schlagkräftigen Formation die nächste Runde zu erreichen.

PAU LACQ ORTHEZ (Frankreich)

Lange ist es her, als Orthez international erfolgreich war. 1984 holten die Franzosen den Korac Cup. 2001 liefen sie in der einzigen Spielzeit der FIBA SuproLeague auf. Damals im Aufgebot: die Pietrus-Brüder Mickael und Florent, Boris Diaw und der ehemaligen NBA-Lulatsch Gheorghe Muresan. Die letzte von neun nationalen Meisterschaften gewann Orthez 2004. In dieser Spielzeit läuft es für die Franzosen in der heimischen Pro A. Zuletzt feierten sie, angeführt von Antoine Mendy (11,4 PpG) und dem 22-jährigen Swingman Florian Lesca, vier Siege hinter einander. US-Guard Mustafa Shakur soll gemeinsam mit Slaven Rimac und Landsmann Teddy Gipson den Aufbau übernehmen in einem Team, dass einerseits erfahrene Leute im Aufgebot weiß (z.B. Rimac, Jg, 1974), aber auch einige Jungspunde (z.B. Diop, Jg. 1992).




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von Crossover 30.05.2012 um 10:17:11


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