Euroleague-Wochenrückblick
Die Luft ist raus
Am 9. Spieltag der Euroleague-Hauptrunde 2011/2012 gab es von zwölf Partien nur ein Spiel, das nicht mit mindestens zehn Punkten Differenz entschieden wurde. Und genau dieser Sieg von Montepaschi Siena war besonders, denn die Italiener fügten dem überlegenen FC Barcelona die erste Saisonniederlage zu. Bamberg hingegen hat nur noch theoretische Chancen auf die Top16.
Von Thomas Käckenmeister |
16.12.2011 | |
Bamberg scheitert an eigenen Erwartungen
Alles war angerichtet für die großen Feierlichkeiten in Bamberg. Ein Sieg hätte den Brose Baskets die Tür für die nächste Runde in der Euroleague geöffnet. Erstmals wäre damit eine deutsche Mannschaft, seit der Formatänderung mit zweiter Gruppenphase in Europas Königsklasse, in die Top16 eingezogen. Doch gegen die rotzfrech aufspielende Truppe von Zalgiris Kaunas war an diesem Abend in der erneut ausverkauften Stechert Arena nichts zu holen.
Bamberg fand keinen Fuß aufs Parkett und musste von Anfang bis Ende einem Rückstand hinterher rennen. 14 Punkte Differenz (30:44) waren es zur Halbzeit, phasenweise fast 20 Zähler nach dem Seitenwechsel. Bamberg wollte ein ums andere Mal die Initiative ergreifen, konnte aber den Schalter nicht endgültig umlegen. Einerseits bedingt durch eigene Fehler, wie beispielsweise zwei Ballverluste innerhalb kürzester Zeit von Julius Jenkins, dann durch die Kaltschnäuzigkeit der schussstarken Litauer, die insgesamt neun ihrer 23 Downtown-Versuche einnetzten. Bamberg hingegen brauchte 13 Anläufe, ehe Jenkins erstmals aus der Distanz traf. Durch diesen Treffer flackerte die Hoffnung noch einmal bei den Fans auf, auch den Bamberger Spielern fuhr ein Motiviationsschub durch die Knochen. Doch bis auf sieben Zähler kamen sie nicht mehr an Kaunas heran.
Am Ende musste Bamberg eine 68:82-Heimniederlage hinnehmen, in der Predrag Suput mit 16 Zählern bester Korbjäger der Hausherren war. Der sprungstarke Sonny Weems sammelte 14 Punkte, Litauens National-Guard Mantas Kalnietis kam ebenfalls auf 14 Zähler und fünf Assists.
"Meine Enttäuschung kann ich kaum in Worte fassen, vor allem über das Wie der Niederlage", sagte Bambergs Coach Chris Fleming nach der Niederlage. "Druck als Grund für das Auftreten kann ich mir nicht vorstellen, wir haben ein Euroleague-Budget, -Umfeld und trainieren entsprechend – da spielt Druck keine Rolle. Die kollektive Investition war einfach nicht hoch genug, wir haben am Anfang verpennt, mit Energie und Einsatz unser Spiel durchzusetzen. Ein Weiterkommen wird nun sehr schwierig, auch wenn wir von unserer Seite aus alles versuchen werden."
Bamberg hat trotz der Niederlage noch theoretische Chancen aufs Erreichen der Top16: Gewinnt Zagreb nächste Woche in Kaunas und schafft Bamberg bei Panathiniakos Athen die Sensation, ist die nächste Runde noch möglich. Bei einer Bamberger Niederlage sind die Franken definitiv aus dem Rennen.
Erste Saisonniederlage für Barcelona
In Siena ereignete sich das spannendste Spiel des neunten Spieltags. Zu Gast war der haushohe Favorit FC Barcelona. Standen sich beide Teams in der ersten Hälfte noch auf Augenhöhe gegenüber, traten die Katalanen nach dem Seitenwechsel aufs Gaspedal und gingen mit einer 47:59-Führung ins Schlussviertel. Von diesem Defizit ließ sich das Team um Igor Rakocevic (21 P) und David Andersen (6 P, 12 R) jedoch nicht abschrecken und brachte den eigenen Offensivmotor auf Hochtouren: Mit einem 30:15-Schlussviertel gelang den Italienern eine kleine Sensation. 72 Sekunden vor Schluss lag Barca noch mit drei Zählern in Front, ehe Punkte von Andersen sowie Freiwürfe von Pietro Aradori (20 P, 4 R) und Rakocevic den 77:74-Sieg perfekt machten. Die Niederlage können die Spanier aber verschmerzen, denn sie führen weiter in Gruppe D, gefolgt von Siena.
Kantersiege im Überfluss
Beim Blick auf die anderen Ergebnisse wird eines deutlich: Bereits ausgeschiedene Mannschaften wie Asseco Prokom (68:41-Niederlage bei Unics Kazan), Charleroi (88:53-Pleite in Mailand) oder Union Olimpija (80:59-Niederlage bei Galatasaray) wehrten sich kaum gegen die Konkurrenz.
Auffallend hoch setzten sich Piräus (86:61 gegen Cantú), Tel Aviv (96:57 gegen Efes Istanbul), Caja Laboral (90:55 gegen SLUC Nancy) und Real Madrid (101:83 gegen Belgrad) durch.
Ein Lebenszeichen zeigte Bilboa, das auswärts bei Fenerbahce Ülker mit 70:80 gewann und damit die letzte Chance auf die Top16 wahrte. Malaga hingegen hat das Ticket für die nächste Runde schon in der Tasche. Die Spanier siegten in Zagreb mit 67:82.
Auch im Spitzenspiel der Gruppe B zwischen Moskau und Panathinaikos war die Entscheidung schnell gefallen. Die roten Russen dominierten letztlich mit 91:75 und bleiben als einziges Team der Euroleague-Saison 2011/2012 noch ungeschlagen.
Die Gruppen im Überblick
Gruppe A: Wer hätte das gedacht? Bennet Cantú hat sich in Gruppe A vorzeitig das Ticket für die nächste Runde gesichert. Vier Teams - neben Cantú sind das Piräus, Fenerbahce und Caja Laboral - weisen eine Bilanz von fünf Siegen und vier Niederlagen auf. Bilbao (4-5) und SLUC Nancy (3-6) haben am Tabellenende kleine bis keine Chancen aufs Weiterkommen.
Gruppe B: Moskau (9-0), Panathinaikos (6-3) und Malaga (4-5) sind durch. Dahinter darf sich, aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs mit Bamberg, Zalgiris Kaunas (3-6) fast schon freuen. Vorausgesetzt ist ein Heimsieg gegen Zagreb (2-7) am letzten Spieltag. Bamberg (3-6) belegt in Gruppe B den fünften Rang und kann nur durch einen Sieg bei Panathinaikos Athen bei einem gleichzeitigen Sieg Zagrebs über Kaunas auf den Top16-Zug aufspringen.
Gruppe C: Madrid (7-2), Tel Aviv (6-3) und Efes Istanbul (5-4) können für die Top16 planen. Dahinter kämpfen Partizan Belgrad (4-5) und Armani Mailand (3-6) am letzten Spieltag um den finalen Platz in der Runde der besten 16 Teams des Kontinents. Spirou Charleroi (2-7), das in der Qualifikation Alba Berlin besiegte, ist Tabellenletzter.
Gruppe D: Die Teams für die Top16-Runde stehen in dieser Gruppe bereits fest: Barcelona (Bilanz: 8-1), Siena (7-2), Unics Kazan (6-3) und Galatasaray Istanbul (4-5). Eher zum Vergessen verlief die Saison für den polnischen Klub Asseco Prokom (1-8) und den slowenischen Vertreter Union Olimpija (1-8).
MVP des 9. Spieltags: Nenad Krstic (CSKA Moskau)
Nenad Krstic (Foto) von CSKA Moskau steht nicht in der Starting Five des 9. Euroleague-Spieltags, trotz 17 Punkten und zwölf Rebounds gegen den Titelverteidiger Panathinaikos Athen. Der Grund ist simpel: Moskau dominiert im Kollektiv, sodass der gut laufende Ball scheinbar wie von allein den offenen Mann findet, der dann nur noch vollstrecken muss. Ähnliches gilt übrigens auch für Krstics Teamkollegen Viktor Khryapa, der im selben Spiel 16 Zähler, sieben Rebounds, vier Assists und zwei Steals verbuchte.
Starting Five des 9. Spieltags
G: Pietro Aradori (Siena): 20 P, 4 R
G: Henry Domercant (Kazan): 18 P, 8 R
F: Lior Eliyahu (Tel Aviv): 16 P, 9 R, 6 A
F: Nikola Mirotic (Madrid): 21 P, 8 R
C: Erazem Lorbek (Barcelona): 22 P, 5 R



von Crossover 30.05.2012 um 10:16:50
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