Euroleague-Vorschau
Gesucht: Teilnehmer für Paris
Die Euroleague-Saison 2009/10 startet. 24 Mannschaften aus Europa kämpfen um vier Plätze für das Final Four, das nächstes Jahr in Paris ausgetragen wird. Die Favoriten der diesjährigen Königsklasse heißen Barcelona, Tel Aviv, Panathinaikos und Piräus. Für Deutschland starten die EWE Baskets Oldenburg (Rickey Paulding, Foto). Crossover stellt alle 24 Teams vor.
Von Peter Bieg (bie), Thomas Käckenmeister (tk), Dennis Rzesnik (dr) |
21.10.2009 | |
Gruppe D: Große Namen zu Gast in Oldenburg
Panathinaikos Athen (Athen, GRE)
(dr). Der amtierende Euroleague-Champion ließ den Erfolgskader des Vorjahres größtenteils unverändert, lediglich der junge, serbische Point Forward Milenko Tepic und US-Grieche Nick Calathes von den Florida Gators stießen neu zum Team.
Die große Stärke des griechischen Meisters liegt auch weiterhin in dem sehr tiefen und hochklassigen Backcourt mit Dimitris Diamantidis, Vassileos Spanoulis und Sarunas Jasikevicius. Diese drei Spieler sind allesamt sehr gefährlich aus dem Athener High Pick’n’Roll, der zur Zeit wohl stärksten Offensivwaffe in Europa, und verschaffen so den Schützen Drew Nicholas und Stratos Perperoglu auf dem Flügel offene Würfe beziehungswiese den Brettspielern Mike Batiste und Nikola Pekovic einfache Punkte nahe am Korb.
Problematisch könnte sich der verletzungsbedingte Ausfall des Routiniers Kostas Tsartsaris am Brett auswirken. Dort ist man jetzt mit den eben erwähnten, aber angeschlagenen Batiste, Pekovic und Antonios Fotsis zwar hochklassig, aber relativ dünn und etwas klein besetzt. Eine Schwäche, die Panathinaikos schon 2007/2008 ein frühes Ausscheiden in der Zwischenrunde bescherte.
Überhaupt war es in der Vergangenheit desöfteren so, dass die Mannschaft nach einem Titelgewinn satt wirkte und Coach Zelimir Obradovic nicht vermochte, sie ausreichend zu motivieren. Hält diese Serie an oder schafft es Altmeister Obradobvic diesmal, sein Team wieder pünktlich zum Frühjahr in Topform zu bringen? Dann werden sie wieder nur schwer zu schlagen sein.
Schlüsselspieler: Dimitris Diamantidis, Vasselios Spanoulis, Nikola Pekovic, Sarunas Jasikevicius
Real Madrid (Madrid, ESP)
(dr). Seit 1993 standen die Königlichen in keinem Final Four mehr, jetzt soll der neu verpflichtete italienische Erfolgscoach Ettore Messina den Club wieder in das europäische Finalturnier führen. Dafür öffneten Präsident Florentino Perez und Manager Jorge Valdano die Geldschatulle und verpflichteten eine Ansammlung von hochkarätigen Einzelspielern, die meist sehr gut, aber doch nicht allererste Klasse in Europa sind.
Prägend für die Teams von Coach Messina waren in der Vergangenheit oft das langsame Spiel und sehr tiefe Rotationen, es gab praktisch keine Stammplätze und auch keinen Qualitätsabfall bis zum elften Mann hin.
Auch das diesjährige Team der Madrilenen ist tief besetzt, mit Novica Velickovic, Vladimir Dasic und Rimantas Kaukenas verpflichtete er, für ein spanisches Team ungewöhnlich viele, Osteuropäer. Sie sollen dabei helfen, den eher langsamen Spielstil besser übertragen zu können. Denn gerade die Spanier bevorzugen naturgemäß einen eher, für die ACB typischen, schnellen Spielstil und dürften einige Zeit brauchen, um sich vollends an das neue Tempo zu gewöhnen. Somit ist auch eher damit zu rechnen, dass die volle Stärke erst im Frühjahr erreicht werden wird, wenn der jetzt noch bunt zusammengewürfelte Haufen zu einem Team zusammengewachsen ist.
Der neue Point Guard der Hauptstädter kam aus Vitoria, heißt Pablo Prigioni und ist seit Jahren einer der besten Aufbauspieler Europas. Gerade sein Pick’n’Roll mit Luis Scola bzw. später Tiago Splitter stellte die Gegner immer wieder vor kaum lösbare Probleme. Nun soll der erfahrene Argentinier das Ensemble der Madrilenen dirigieren. Backup-Aufbau und Nationalspieler Sergio Llull, Scorer Rimantas Kaukenas und die beiden Shooter Travis Hansen sowie Louis Bullock komplettieren einen tief besetzten Backcourt.
Probleme hatte Madrid in der Vorbereitung am Brett durch den verletzungsbedingten Ausfall der kompletten Center-Garde um den MVP der spanischen Liga Felipe Reyes, den defensivstarken Belgier Tomas van den Spiegel und den Litauer Darjus Lavrinovic. Deshalb wurde kurzerhand mit Cheikh Samb ein NBA-erfahrener Big Man nachverpflichtet.
Reyes und Van den Spiegel werden noch länger ausfallen, und so fehlen den Spaniern wichtige Anspielstationen am Brett, denn sowohl Lavrinovic als auch die Power Forwards Jorge Garbajosa, Axel Hervelle und Novica Velickovic sind wurfstarke Spieler von Außen und aus der Mitteldistanz, aber keine Wühler mit großartigem Rücken-zum-Korb-Spiel.
Fügt sich dann aber alles im Frühjahr zusammen, zählen die Madrilenen zum engeren Favoritenkreis auf den Titel, allein der Coach garantierte in der Vergangenheit praktisch die Final Four-Teilnahme.
Schlüsselspieler: Felipe Reyes, Luis Bullock, Jorge Garbajosa, Pablo Prigioni
Armani Jeans Mailand (Mailand, ITA)
(dr). Die vom italienischen Modezaren gesponsorten Mailänder zeichneten sich in der vergangenen Saison durch eine eher am US-Spielstil orientierte Vorgehensweise aus. Die wurfstarken Guards Jobey Thomas, David Hawkins und Mike Hall kreierten viel aus dem Eins gegen Eins und warfen nur, wenn sie den Ball hatten, die Center Pape Sow und NBA-Veteran Maurice Taylor waren für das Einsammeln der Fehlwürfe zuständig.
Doch mit dieser Taktik schied man in der italienischen Meisterschaft bereits in der ersten Playoff-Runde aus und so modifizierte man die Ausrichtung des Teams etwas.
Zwei litauische Nationalspieler sollen die Startformation verstärken und etwas mehr europäischen Stil ins Team bringen. Center Marjonas Petravicius kam vom Eurocup-Sieger Lietuvos Rytas Vilnius, der defensiv-und wurfstarke Forward Jonas Maciulis vom litauischen Traditionsteam Zalgiris Kaunas.
Dazu gelang den Männern aus der Lombardei ein echter Coup mit der Verpflichtung der italienischen Allzweckwaffe Stefano Mancinelli vom abgestiegenen, mehrfachen Meister aus Bologna.
Ganz abschwören wollte man der Philosophie der wurfstarken Amerikaner dann aber doch nicht und so finden sich mit auf den Außenpositionen mit Mike Hall, Alex Acker und Morris Finley drei Spieler, die in der Kombination viele Gegner der unteren Euroleague-Preisklasse vor defensive Probleme stellen dürften. War Sow letzte Saison offensiv keine wirkliche Option am Brett, hat man mit Petravicius dort jetzt einen echten Wühler positioniert, der den Werfern auch mehr Platz verschaffen dürfte.
Die Verpflichtungen jedenfalls hören sich recht vielversprechend an, und die Mailänder dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf das Erreichen der Top16 machen.
Schlüsselspieler: Alex Acker, Jonas Maciulis, Morris Finley, Marjonas Petravicius
Asseco Prokom (Gdynia, POL)
(dr). Der entthronte polnische Meister, frisch umbenannt von Sopot zu Gdynia, richtet auch in der neuen Saison wieder sein komplettes Spiel auf die US-Importe aus. Fünf Amerikaner stehen in der Startformation. Geblieben ist der drittbeste Punktesammler der letztjährigen Euroleague, der eingebürgerte Pole David Logan (17,3 PpG). Zu ihm gesellt sich Ex-NBA Supertalent und Ex-Superkiffer Qyntel Woods, der nach einer unglücklichen Station in Bologna Mitte der vergangenen Saison zu den Polen stieß sowie Ex-Dukie Daniel Ewing auf der Spielmacherposition. Beide kennen keine schlechten Würfe, viele andere Scoring-Optionen hat das Team aber auch nicht.
Neu zum Team hinzugestoßen ist der deutsche Nationalspieler Jan Jagla, ebenfalls nicht bekannt für die allerbeste Wurfauswahl, aber ein Spieler, der ins Konzept passt. Er ist groß, hat Reichweite bis an die Dreierlinie und kann, wenn es sein muss, auch Verantwortung übernehmen. Inwiefern er sein Temperament dabei zu zügeln weiß, ist aber eine andere Frage.
Die Polen stellen sicherlich neben den Oldenburgern das schwächste Team der Gruppe, mit dieser sehr auf die Offense und Isolation fokussierten Spielweise dürfte schwer etwas zu holen sein.
Schlüsselspieler: David Logan, Jan Jagla, Qyntel Woods, Daniel Ewing
BC Khimki (Region Moskau, RUS)
(dr). Letztes Jahr verpflichtete das Team aus dem Großraum Moskau mit Carlos Delfino und Jorge Garbajosa teure NBA-Rückkehrer, so hoffte man auf den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte, und auch die erste Euroleague-Teilnahme schien in Reichwiete. Es sollte nicht gelingen. Gerade der Argentinier Delfino enttäuschte, der Coach musste gehen und im Frühjahr übernahm der Italiener Sergio Scariolo.
Der Mann eben, der im Sommer Weltmeister Spanien endlich auch den ersten Europameistertitel bescherte, führte die Russen noch bis ins Finale des zweithöchsten europäischen Wettbewerbs, des Eurocups, wo man dem litauischen Nachbarn aus Vilnius jedoch knapp unterlag.
Die Euroleague ließ aber eine Wild Card springen, sodass dieses Jahr trotz der 1-3-Finalniederlage in der russischen Liga gegen CSKA Moskau doch noch die Teilnahme an der Euroleague möglich wurde.
Scariolo änderte die Philosophie des Teams: Statt spektakulärer Verpflichtungen großer Namen holten sich die Russen zwar auch namhafte, aber eher grundsolide Spieler wie die beiden Backup-Spielmacher der spanischen Nationalmannschaft, Carlos Cabezas und Raul Lopez. Gerade Cabezas war schon in Malaga der verlängerte Arm des Trainers auf dem Spielfeld und dürfte dazu beitragen, dass dessen Stil noch schneller umgesetzt wird.
Aber auch unter dem Brett stellt Khimki ein durchaus gefährliches Aufgebot. Die beiden athletischen und massigen Center Robertas Javtokas und Timofey Mozgov machen unter dem Korb keine Kompromisse, dunken den Ball, wann immer sich die Möglichkeit ergibt durch die Reuse. Und der technisch versierte Litauer Paulius Jankunas ergänzt das kraftvolle Duo hervorragend.
Hier zeigt sich zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie System in den Verpflichtungen des Clubs, der zuvor vorwiegend durch spektakuläre Namen auf sich aufmerksam machte, diese aber so bunt zusammenwürfelte, dass am Ende meist nichts dabei herauskam. Der von Scariolo eingeschlagene Weg des Kollektivs dürfte da erfolgversprechender sein.
Schlüsselspieler: Robertas Javtokas, Timofey Mozgov, Carlos Cabezas, Paulius Jankunas
EWE Baskets Oldenburg (Oldenburg, GER)
(tk). Bei der Gruppenauslosung zur neuen Euroleague-Saison hatte so mancher Verantwortlicher der europäischen Spitzenklubs Fragezeichen in den Augen: Wo liegt denn bitte Oldenburg? Das norddeutsche Städtchen gibt in der Saison 2009/10 sein Debüt in Europas Königsklasse, mit einem Kader, der durch eines besticht: Zusammenhalt.
Vor der Saison 2007/08 wurde das Team der Donnervögel runderneuert. Die Früchte der Arbeit, die vor allem an der Kontinuität und Geduld festzumachen waren, konnten letzte Saison in der Beko BBL geerntet werden. Die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte garantierte die Teilnahme an der Euroleague. Die Donnervögel von Head Coach Predrag Krunic geben als offizielles Ziel das Überstehen der Hauptrunde an. Dieses Ziel ist bei einem Blick auf die Konkurrenz sowie die eigene Teamzusammensetzung durchaus realistisch.
Das dreiköpfige Oldenburger Monster, das international für Angst und Schrecken sorgen soll, setzt sich aus Jason Gardner, Je’Kel Foster und Rickey Paulding zusammen. Diese drei Spieler werden für die Hauptlast der Offensivaktionen verantwortlich zeichnen. Inwiefern auch der direkt vom College verpflichtete Off-Guard Joshua Carter eine Angriffsoption einnehmen wird, bleibt abzuwarten. Die Funktion als Joker hat Carter bereits in der Bundesliga unter Beweis gestellt. Gut möglich, dass Krunic dieses Ass auch im Euroleague-Wettbewerb aus dem Ärmel zaubern wird.
Mit Ruben Boumtje-Boumtje haben die Oldenburger einen Center mit Gardemaß im Aufgebot, der großgewachsene Spieler der Gruppengegner vor schwere Aufgaben stellen wird. Vor allem defensiv ist „RBB“ eine Festung im Baskets-Spiel. Auf dem großen Flügel lauern mit Milan Majstorovic und Jasmin Perkovic zwei Spieler alter Schule, die mit ihrem unberechenbaren und leidenschaftlichem Spiel wichtige Rollen in der Rotation einnehmen. Ebenfalls als Arbeiter ist Marko Scekic bekannt, der als Ersatzmann für Boumtje-Boumtje einige Minuten im knallharten Kampf um den Einzug in die Top16-Runde finden dürfte. Dass Krunic den deutschen Spielern im Team (Daniel Strauch, Daniel Hain, Acha Niej, Marco Buljevic) Einsatzzeit gewährt, ist fast auszuschließen.
Oldenburg hat einen großen Vorteil im Vergleich zu den anderen Mannschaften: Die Spieler kennen zum einen ihre Kollegen sehr gut und zum anderen sind sie mit den Systemen von Coach Krunic vertraut. Diese Pluspunkte gilt es nun auszuspielen, sodass die Konkurrenz irgendwann auch weiß, wo genau Oldenburg liegt.
Schlüsselspieler: Jason Gardner, Rickey Paulding, Ruben Boumtje-Boumtje
| Teil 1: Gesucht: Teilnehmer für Paris |
| Teil 2: Gruppe A: Barcelona mit großen Zielen |
| Teil 3: Gruppe B: Dreikampf um den Gruppensieg |
| Teil 4: Gruppe C: Maccabi Tel Aviv greift nach der Meisterschaft |
| Teil 5: Gruppe D: Große Namen zu Gast in Oldenburg |



von Crossover 30.05.2012 um 10:16:46
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