Euroleague-Vorschau

Die wahre Königsklasse

Die NBA mag die besten Individualisten der Welt in ihren Teams beheimaten. Der beste Basketball schon wird seit Jahren in Europa gespielt, wo in der Euroleague Klubs voller Stars des Alten Kontinents und aus Amerikaner mit gepflegtem Teamsport um die Krone kämpfen.

Von Peter Bieg (bie), Thomas Käckenmeister (tk)
 18.10.2008 |

Ein Blick ins Geschichtsbuch

Was sich heute Euroleague nennt und unter dem Dach der ULEB (Abkürkung von "Union des Ligues Européennes de Basketball", zu deutsch: "Union europäischer Basketball-Ligen") in der Saison 2000/01 zum ersten Mal ausgetragen wurde, existierte unter anderer Bezeichnung bereits viel länger und gehört heute zu den traditionsreichsten Wettbewerben im europäischen Basketball überhaupt.

Bereits 1958 wurde der "Europapokal der Landesmeister" durch die FIBA (Abkürzung für "Fédération Internationale de Basketball", zu deutsch: "Internationale Basketball-Föderation") eingeführt. Eine alljährliche Runde, in der die Meister der jeweiligen FIBA-Landesverbände gegeneinander antraten, um so den "Meister der Meister" küren zu können, ganz ähnlich zur aus dem Fußball bekannten "Champions League".

Im Jahr 2000 kam es allerdings zu einer folgenreichen Spaltung auf höchster Ebene des europäischen Basketballs: Die unabhängige ULEB, gegründet von bedeutenden Klubs, darunter auch solche aus Spanien, Griechenland und Italien, entstand mit dem Ziel, einen eigenen, wirtschaftlich effizienteren Wettbewerb ins Leben zu rufen.

So fand in der Saison 2000/01 die Erstauflage der "Euroleague" statt. Während der Europapokal der Landesmeister im Jahr 2000 zum letzten Mal ausgetragen wurde und für ein Jahr durch die von der FIBA getragenen "Suproleague" ersetzt wurde, existiert seit der Saison 2001/02 nur noch die Euroleague als "Königsklasse" des europäischen Vereinsbasketballs.

Der Europapokal der Landesmeister sowie die einmalig ausgetragene Suproleague wurden über Jahrzehnte hinweg von Mannschaften aus Süd- und Osteuropa dominiert; keine deutsche Mannschaft hat es je geschafft, in diesen Wettbewerben in ein Endspiel vorzustoßen. Allerdings wurden in den Jahren 1978 (München), 1980 (Berlin), 1982 (Köln), 1989 und 1999 (jeweils München) zumindest Finalspiele beziehungsweise ab 1988 das sogenannte "Final Four" in Deutschland ausgetragen.

Die erfolgreichste Mannschaft im Europapokal der Landesmeister ist Real Madrid (Spanien) mit insgesamt acht Titeln, gefolgt von Pallacanestro Varese (Italien) mit fünf und CSKA Moskau (Russland) mit vier Titeln. Geprägt wurde der Wettbewerb in der jüngeren Vergangenheit von Spielern wie Arvydas Sabonis (Zalgiris Kaunas, Litauen, später in der NBA für die Portland Trail Blazers aktiv), Toni Kukoc (Jugoplastika Split, Jugoslawien, später u.a. Chicago Bulls) oder auch Drazen Petrovic (Cibona Zagreb, Kroatien, später u.a. New Jersey Nets).

Geschlossene Gesellschaft

Die heutige Euroleague besteht aus 24 Mannschaften. Nur in der Saison 2001/02 wurde sie kurzzeitig auf 32 Mannschaften aufgestockt, die in vier Gruppen per Los unterteilt werden und in der die Klubs in einer ersten Gruppenphase gegeneinander antreten. Es handelt sich hierbei um eine "geschlossene" Liga, das bedeutet, dass einzelne Verbände oder sogar einzelne Mannschaften feste Startplätze besitzen und Jahr für Jahr in der Königsklasse antreten dürfen. Momentan sind die 24 Startplätze so vergeben, dass je vier Mannschaften aus Italien und Spanien, drei griechische Equipen, zwei Teams aus Frankreich und der Türkei, sowie je eine Mannschaft aus Deutschland, Israel, Kroatien, Russland, Polen, Serbien, Slowenien und Litauen antreten dürfen. Außerdem ist ein Platz für den Gewinner des ULEB-Cups reserviert.

Dieser Modus wurde in den vergangenen Jahren teils heftig kritisiert, ermöglicht er doch Vereinen die Teilnahme an der höchsten europäischen Spielklasse, ohne dafür tatsächlich Landesmeister sein zu müssen, sofern man eben über einen dieser festen Startplätze verfügt. Mit dem FC Barcelona, Tau Ceramica, Zalgiris Kaunas, Olympija Ljubljana, Olympiakos Piräus und Cibona Zagreb gibt es sechs Mannschaften, die seit dem Bestehen der Euroleague in bisher jeder Saison auch an diesem Wettbewerb teilgenommen haben. So wird Cibona Zagreb auch in dieser Spielzeit wieder als einziger kroatischer Vertreter im Wettbewerb präsent sein, ohne allerdings den Meistertitel im eigenen Land gewonnen zu haben. Begründet wird dieses "Vergabeverfahren" für die Startplätze von den Verantwortlichen zumeist mir der großen Tradition und starker Leistungen der entsprechenden Vereine in der Vergangenheit. Im Falle Zagrebs ist diese Argumentation zwar nicht von der Hand zu weisen, dennoch bleibt fraglich ob eine solche Historie und ruhmreiche Leistungen in vergangenen Jahrzehnten als Kriterien für die Vergabe von Plätzen in sportlichen Wettbewerben der Gegenwart die Hauptrolle spielen sollten.

Bambergs trauriger Rekord

Die erste Auflage der ULEB Euroleague gewann Kinder Bologna aus Italien in der Saison 2000/01. Amtierender Titelträger ist der russische Verein CSKA Moskua. Auch die Euroleague wird seit ihrem Bestehen von finanz- wie auch spielstarken Vereinen aus dem Süden und Osten des Kontinents beherrscht. Mit Maccabi Tel Aviv (Israel), Panathinaikos Athen (Griechenland) und CSKA Moskau (Russland) schafften es bereits drei Teams, sich den Titel mehr als einmal zu sichern.

Mannschaften aus Deutschland konnten in der Euroleague bisher wenig Akzente setzen. Lediglich die Brose Baskets aus Bamberg stellten im Jahr 2007 einen traurigen Rekord auf: Bei der Niederlage am 24. Januar gegen Partizan Belgrad gelang es der Truppe des damaligen Trainers Dirk Bauermann, lediglich 37 Punkte in 40 Minuten Spielzeit zu erzielen.

Viele Spieler, die noch vor wenigen Jahren in der Euroleague für Furore sorgten, sind mittlerweile über den großen Teich in die NBA gewechselt - oder auch bereits wieder aus den USA zurückgekehrt. Emanuel Ginobili (heute San Antonio Spurs), Pau Gasol (mittlerweile L.A. Lakers), Andres Nocioni (Chicago Bulls), Luis Scola (derzeit Houston Rockets), Anthony Parker, Andrea Bargnani (beide Toronto Raptors) oder auch Juan Carlos Navarro (vergangene Saison bei den Memphis Grizzlies, jetzt wieder beim FC Barcelona) sind nur einige der bekanntesten Namen, die mittlerweile oder zwischenzeitlich den Sprung gewagt und auch gemeistert haben. Mit Dimitrios Diamantidis, Theodorus Papaloukas und Dejan Bodiroga gab und gibt es allerdings auch immer wieder Spieler, die der Versuchung widerstehen und trotz zahlreicher Angebote ihre gesamte Karriere in Europa verbringen.

Auch in diesem Jahr werden zum einen Spieler ihr Können zeigen, die demnächst auch in der NBA für Aufsehen sorgen wollen. Hierbei sind insbesondere Ricky Rubio (DKV Joventut) und Brandon Jennings (Virtus Roma) zu erwähnen, denen wir in unserer Artikelreihe "Future in Focus" genauere Betrachtung schenken werden. Alle Zuschauer erwartet eine spannende Saison mit vielen bärenstarken Mannschaften, die teilweise auch sehr starke Zugänge aus der NBA (z.B. Josh Childress (ehemals Atlanta Hawks), Carlos Array (ehem. Orlando Magic) oder Gordan Giricek (zuletzt Phoenix Suns)) zu vermelden hatten.

Die Gruppen in der Übersicht

Gruppe A: Maccabi Electra (Tel Aviv, ISR), Olympiacos (Piräus, GRE), Unicaja (Malaga, ESP), Cibona Zagreb (Zagreb, KRO), Le Mans (Le Mans, FRA), Air Avellino (Avellino, ITA)

Gruppe B: Montepaschi Siena (Siena, ITA), FC Barcelona (Barcelona, ESP), Panathinaikos (Athen, GRE), Zalgiris Kaunas (Kaunas, LIT), Asseco Prokom (Sopot, POL), SLUC Nancy (Nancy, FRA)

Gruppe C: Tau Ceramica (Vitoria, ESP), Fenerbahce Ülker (Istanbul, TUR), Virtus Roma (Rom, ITA), Union Olimpija (Ljubljana, SLO), DKV Joventut (Badalona, ESP), Alba Berlin (Berlin, GER)

Gruppe D: CSKA Moskau (Moskau, RUS), Partizan Igokea (Belgrad, SRB), Real Madrid (Madrid, ESP), Efes Pilsen (Istanbul, TUR), AJ Milano (Mailand, ITA), Panionios On Telecoms (Athen, GRE)

Auf den nachfolgenden vier Seiten werden alle 24 Spitzenvereine unter die Lupe genommen. Von welchen Klubs erwartet ihr ein Vordringen in Final Four, das Anfang Mai 2009 in der Berliner o2 World ausgetragen wird?




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Kommentare

(14 Kommentare bisher)

von Hanan 18.10.08 um 16:55:47


Maccabi Electra ??!!heißen die jetz wirklich so oder is des ein fehler???



von Tomdawg 18.10.08 um 17:12:45


Das ist kein Fehler:

[maccabi.co.il]



von Hanan 18.10.08 um 17:23:59


cool ok danke...ich vermiss den kaffee(elte)^^



von TNT 18.10.08 um 19:53:17


Gruppe A ist schon ultratough, da hat ALBA echt Glück gehabt. Bin mal gespannt was sie reissen, hoffentlich ist der neue Slowene die erhoffte Hilfe in der Lowpostdefense.



von Suck My Diktiergerät 18.10.08 um 23:59:25


naja, irgendwie ist jede gruppe recht hart ;)
hoffen wir mal dass alba wenigstens die erste runde übersteht.



von rüdi 19.10.08 um 11:14:24


Hat Bodiroga es nicht mal bei Portland versucht?



von Tomdawg 19.10.08 um 11:40:30


@ rüdi:

Dieses Zitat sagt eigentlich alles über Bodiroga: "Many basketball observers consider him the best player never to play for a National Basketball Association team."

Der "Magic Johnson Europas" wurde zwar 1995 an 51. Stelle von den Sacramento Kings gedraftet, spielte aber nie jenseits des Atlantiks, sondern ausschließlich in Europa:

1984/85 BC Masinac (CRO)
bis 1989/90 Proleter Zrenjanin (CRO)
1990/91 Zadar (CRO)
1991/92 Zadar (CRO)
1992/93 Stefanel Trieste (ITA)
1993/94 Stefanel Trieste (ITA)
1994/95 Olimpia Milan (ITA)
1995/96 Olimpia Milan (ITA)
1996/97 Real Madrid (ESP)
1997/98 Real Madrid (ESP)
1998/99 Panathinaikos (GRE)
1999/00 Panathinaikos (GRE)
2000/01 Panathinaikos (GRE)
2001/02 Panathinaikos (GRE)
2002/03 Barcelona (ESP)
2003/04 Barcelona (ESP)
2004/05 Barcelona (ESP)
2005/06 Lottomatica Rome (ITA)



von rüdi 19.10.08 um 12:49:36


Da hab ick ihn doch glatt mit Aleksandar Djordjevic verwechselt. Mein Fehler!



von Frido 19.10.08 um 17:06:58


auf albas website spielt lottomatica rom in dieser gruppe, nicht virtus...welche site hat den fehler?



von Suck My Diktiergerät 19.10.08 um 17:09:42


ich hab tickets für das spiel (mal wieder kostenlos *g*, wie die drei anderen für albas bbl heimspiele :D ) und laut ticket spielt alba gegen LOTTOMATICA Rom



von Tomdawg 19.10.08 um 18:26:56


Der Klub heißt korrekt "Pallacanestro Virtus Roma".

Lottomatica ist seit 2002 deren Sponsor.

Das "Virtus" ist vergleichbar mit dem deutschen Vereinszusätzen Eintracht oder Fortuna, denn Virtus (lat.) bedeutet nichts anderes als Tapfer- oder Tüchtigkeit, wird aber auch als "Inbegriff altrömischer Manneswürde" verstanden.



von Mr_Kittles 25.10.08 um 11:56:42


Erstmal ein danke für die zahlreichen Infos, hab so einiges garnicht gewusst :D
Aber hier kommt auch schon die "Kritik":
Bei Efes Pilsen Istanbul steht, dass Cenk Akyol eine Center-Hoffnung ist...??!! Entweder hab ich das falsch interpretiert, oder es hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen...denn Akyol ist ein Guard.

Das zweite ist, dass Efes wohl den "besten Kader des Hauptstadtklubs" hat. Hauptstadtklub? :D Ich bitte euch, Istanbul is nich die Haupstadt der Türkei -.-

Ansonsten nochmal Danke an euch, macht weiter so ;-)



von Tomdawg 25.10.08 um 13:14:25


Hi Mr_Kittles.

Danke für das aufmerksame Lesen und das Entgegenbringen dieser groben Schnitzer.



von jjthenugget 25.10.08 um 13:35:08


Sorry wenn der Eintrag nicht zum Thema passt, aber ich hab voll die brennende Frage: Nächste Woche ist NBA Tip-off und auf der Premiere Homepage steht noch nichts von Übertragungen-strahlen die noch aus??



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