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Euroleague

Ganz große Griechen

Panthinaikos feiert nach einem Krimi gegen CSKA Moskau die fünfte Euroleague-Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Die Athener sahen lange Zeit wie der sichere Sieger aus, bis Moskau die Chance zur Entscheidung in den eigenen Händen hielt. Das Wochenende im Rückblick.

Von Thomas Käckenmeister
 04.05.2009 |

Es sind diese Situationen, die nur der Sport schreiben kann. Trainer hoffen am Ende knapper Begegnungen darauf, die Entscheidung selbst herbeiführen zu können. Nicht durch Abwehraktionen, sondern durch geplante Offensivaktionen. Im Training werden die Systeme bis zum Erbrechen verinnerlicht, im echten Spiel paart sich das Können mit Erwartungsdruck.

CSKA Moskau erhielt am Ende des Finales eine solche Möglichkeit, den Titelgewinn der höchsten europäischen Spielklasse zu wiederholen. 2008 besiegte die Truppe von Head Coach Ettore Messina überlegen Maccabi Tel Aviv mit 91:77. In Berlin sollte der fünfte Europaliga-Pokal für den italienischen Erfolgscoach folgen. "In der zweiten Hälfte spielten wir mit viel Herz", kommentierte Messina das Endspiel auf der anschließenden Pressekonferenz. "Am Ende waren einige Kleinigkeiten ausschlaggebend", denn Moskau kämpfte bis zum letzten Wimpernschlag - um letztlich doch mit leeren Händen dazustehen.

"Wir versuchten, zum Korb zu ziehen", erklärte Ramunas Siskauskas die letzten fünf Sekunden des Spiels. "Aber es gab keine Möglichkeit dazu. Also mussten wir einen langen Wurf nehmen. Ich habe versucht, die Situation zu lesen und das Heft in die Hand genommen." Der Litauer war im Halbfinale gegen den FC Barcelona der Erfolgsgarant, als er sein Team im Schlussabschnitt mit elf Punkten in Folge auf die Siegerstraße führte. Im Finale gegen Panathinaikos hatte Siskauskas die Chance, die Aufholjagd seines Team mit einem erfolgreichen Distanzwurf zu krönen. "Ich glaube nicht, dass es ein schlechter Wurf war, aber ich habe ihn vergeben", bilanzierte der 31-jährige Flügelspieler, der seinen dritten Titelgewinn in Folge (2007 mit Panathinaikos, 2008 mit CSKA) verpasste.

Nach einer starken ersten Hälfte der treffsicheren Griechen entwickelte sich nach dem Kabinengang ein wahrhaftes Hitchcock-Finale. Panathinaikos versenkte im zweiten Abschnitt sieben von zehn Dreier und schraubte die Führung auf 20 Zähler zur Halbzeit. Nach einem erfolgreichen Distanzwurf von Vassilis Spanoulis kurz nach Wiederbeginn betrug das Zwischenergebnis 51:28.

Die Anhänger der "Grünen" wähnten sich bereits in ausgiebiger Feierlaune, als Moskau zu knallharter Abwehrarbeit überging und verstärkt den Ball unter den Korb brachte. Neben lediglich acht zugelassenen Athener Punkten im dritten Abschnitt zogen die Spieler von CSKA in dieser Phase neun Fouls, erhielten 14 Versuche von der Freiwurflinie und erzwangen sechs Ballverluste beim Gegner. Die Dominanz der Südeuropäer brach allmählich zusammen; vor Anbruch der letzten zehn Spielminuten behauptete das Team von Zeljko Obradovic nur noch einen 53:46-Vorsprung.

Die große Bühne war somit für den letzten Akt der Spielzeit 2008/09 bereitet. Spannung paarte sich mit Dramatik, Emotionen fuhren Achterbahn. Im Schlussakkord wurde dem Finale auch die damit verbundene Bedeutung zuteil. Beide Teams hatten noch einige Reserven im Tank, um in den verbleibenden zehn Minuten weiterhin zu brillieren.

Als Matjaz Smodis seitens Moskaus einen verzögerten Wurf im Nachhintenfallen aus der Zone zum 50:56 traf, schwappte die Euphoriewelle, auf der zuvor die PAO-Fans ritten, in den CSKA-Block. Smodis selbst schrie und ballte die Fäuste, um seinem Siegeswillen Ausdruck zu verleihen und die Teamkollegen mitzureißen. Obwohl Athen sich kurz darauf mit einem 15:4-Lauf wieder etwas Luft verschaffte, blieben die Spieler von CSKA Moskau hartnäckig. Siskauskas und J.R. Holden hielten die Russen im Spiel.

40,9 Sekunden vor Spielende lag Athen nur noch mit vier Zählern in Front (70:66). Als die Griechen innerhalb von acht Sekunden nicht den Ball über die Mittellinie bringen konnten, war es erneut Siskauskas, der 31,9 Sekunden vor dem Ende mit einem Dreier den Rückstand auf einen Zähler verkürzte.

Nach dem fünften Foul von Viktor Khyrapa an Dimitrios Diamantidis trat der fünffache Verteidiger des Jahres an die Linie und bewies Nervenstärke. Auf der Gegenseite blieb auch Siskauskas ohne Tadel und traf zwei Freiwürfe zum 71:72 aus CSKA-Sicht.

Es blieben 8,5 Sekunden, die über Sieg oder Niederlage entscheiden sollten. Sarunas Jasicevicius, der zuvor drei von fünf Dreier traf und mit vier Vorlagen das PAO-Spiel dirigierte, brachte daraufhin nur einen seiner zwei Freiwürfe im Korb unter. Moskau fand zurück ins Spiel und hatte nun 5,8 Sekunden Zeit, um mit dem letzten Wurf die Partie zu entscheiden. Siskauskas' Wurf hinter der Dreierlinie, den er über Drew Nicholas hinweg abfeuert, springt vom Ring an das Brett - und daneben. Die Sirene ertönt. Panathinaikos gewinnt nach einer nervenaufreibenden Schlussphase mit 73:71.

"In der Halbzeit sagte ich zu meinen Spielern, dass CSKA eine großartige Mannschaft ist und sie ihre Spielweise ändern und aggressiver spielen werden. Das ist eingetreten", sagte Obradovic nach dem Finale. Der Trainerfuchs feierte seinen insgesamt siebten Euroleague-Titel (1992 Partizan Belgrad; 1994 Joventut Badalona; 1995 Real Madrid; 2000, 2002, 2007 und 2009 mit Panathinaikos Athen) und hat damit drei Titel Vorsprung auf die zweitplatzierten Alexander Gomelsky, Pedro Ferrandiz, Ettore Messina und Bozidar Maljkovic mit jeweils vier Trophäen.

Ein Platz in den Geschichtsbüchern

Ebenfalls vier Euroleague-Meisterschaften konnte der Litauer Sarunas Jasicevicius als Spieler bisher gewinnen. Er ist der erste Profi, der die europäische Königsklasse mit drei verschiedenen Teams (2003 mit Barcelona; 2004 und 2005 mit Tel Aviv; 2009 mit Pananthinaikos) gewinnen konnte und erst der vierte Akteur überhaupt mit vier solcher Erfolge.

Einen Titel mehr darf der 34-jährige Fragiskos Alvertis seit Sonntag sein Eigen nennen. Seit 1991 geht der 2,06 große Forward für Panathinaikos auf Korbjagd und feierte alle bisherigen Euroleague-Meisterschaften der Vereinsgeschichte (1996, 2000, 2002, 2007, 2009) mit. Neben Alvertis stehen Aldo Ossola und Clifford Luy mit ebenfalls fünf Europapokalen auf einer Stufe, an erster Stelle steht aber weiterhin Dino Meneghin, der in den siebziger Jahren mit Varese fünf Titel einfuhr und zwei weitere Ende der Achtziger mit Mailand gewann.

Zum MVP des Final Four wurde Vassilis Spanoulis gewählt. Der schusstarke Guard sammelte im Endspiel 13 Punkte und erzielte im Knallerduell gegen Olympiacos Piräus 18 Zähler. "Es ist unglaublich", beschrieb der ehemalige Houston Rocket seine Emotionen nach der Champagnerdusche, die der Pokalübergabe folgte.

In der Kabine feierten die Grünen weiter. Auch die etwa 2.000 Athener Anhänger, die an beiden Tagen des Final Four für Stimmung in der mit 13.238 Plätzen besetzten o2 World sorgten, sangen noch lange nach der obligatorischen Einspielung des Queen-Klassikers "We are the Champions".

Panathinaikos ist der Champion Europas im Jahr 2009. Das Finale war ein Leckerbissen für viele Geschmäcker: Offensiv wie defensiv boten beiden Vereine eine Spitzenleistung. Dass Basketball bis zur allerletzten Sekunde Spannung verspricht, stellte sich beim Final Four-Turnier in Berlin einmal mehr heraus - es war die beste Werbung, die es für den Basketballsport geben kann.

Barcelona wird Dritter, Navarro MVP

Im kleinen Finale ließ der FC Barcelona den müde wirkenden Griechen von Olympiacos Piräus, die ohne Jannero Pargo und Josh Childress aufliefen, keine Chance. Mit 95:79 wurde den Zuschauern zwar ein offensivreiches Spiel mit zahlreichen Höhepunkten geboten, doch von Beginn an war klar, welche Mannschaft das bedeutungsloseste Spiel dieses Wochenende gewinnen würde.

Lynn Greer (19 Punkte) und Ionnis Bourousis (17) waren die besten Korbjäger bei Piräus. David Anderson war zum wiederholten Male Topscorer der Katalanen mit 20 Zählern.

Am Abend zuvor wurden in einer feierlichen Zeromonie die Auszeichnungen dieser Saison verliehen. Juan Carlos Navarro gewann die erste MVP-Trophäe seiner Euroleague-Laufbahn, dankte aber selbstredend seinen Teamkameraden für die großartige Saison und die insgesamt zehnte Final Four-Teilnahme der Teamhistorie.

Auch die All-Euroleague-Teams wurden veröffentlicht: Im All Euroleague First Team stehen Terrell McIntyre (Montepaschi Siena), Juan Carlos Navarro (FC Barcelona), Igor Rakocevic (Tau Ceramica), Ioannis Bourousis (Olympiacos Piräus) und Nikola Pekovic (Panathinaikos Athen). Die Nominierten der zweiten Garde heißen Theo Papaloukas (Olympiacos Piräus), Vassilis Spanoulis (Panathinaikos Athen), Ramunas Siskauskas (CSKA Moskau), Erazem Lorbek (CSKA Moskau) und Tiago Splitter (Tau Ceramica).

NBA oder Europa - das ist hier die Frage?

Während des Turniers standen natürlich auch brennende Frage der Presse zur Debatte. Die Medien stichelten die Coaches der beiden Finalisten mit den kursierenden Gerüchten, ob für sie ein Wechsel in die NBA attraktiv erscheint.

"Ich bin sehr glücklick in Europa als Trainer von Panathinaikos", negierte Obradovic alle Spekulationen ob eines Wechsels nach Übersee. "Ich liebe europäischen Basketball. Ich glaube, die NBA ist ein Wettbewerb, den sich jeder gern ansieht. Es gibt viele Coaches in Europa, die bereit sind, in der NBA zu arbeiten. Aber ich persönlich habe nie daran gedacht. Die NBA ist eine Show, in Europa müssen wir hingegen jedes Spiel gewinnen. Das ist unser Leben."

Sein Gegenüber, Ettore Messina, schlug in dieselbe Kerbe: "Ich bin dankbar für die gute Publicity, die die Medien durch diesen Tratsch bewirken. Solange bis dieser Tratsch in einem wirklichen Telefonat gipfelt, reden wir über gar nichts", betrachtete Messina die eine Seite der Medaille. Andererseits: "Wenn all dieser Klatsch dazu führt, das mich niemand anruft, haben wir das Problem." Messina hatte nach diese Statement die Lacher auf seiner Seite.

Fakt ist, dass der Vertrag des 49-Jährigen in diesem Sommer ausläuft, er aber CSKA Moskau als erste Option sieht ("Mein erster Gedanke ist, mit CSKA zu sprechen."). Fest steht außerdem, dass die vakanten Coaching-Posten in der NBA weniger werden: Die Sacramento Kings suchen einen Chefcoach mit NBA-Erfahrung, die Toronto Raptors scheinen Jay Triano langfristig binden zu wollen und die New Jersey Nets schenken ihrem Head Coach Lawrence Frank weiterhin das Vertrauen.

Das bedeutet, dass Messina nach den Gesprächen mit der Moskauer Vereinsführung, die Gerüchten zufolge im kommenden Spieljahr Budgetrestriktionen von bis zu 20 Prozent verkraften muss, auch potentieller Nachfolger des Barcelona-Coaches Xavier Pascual werden könnte, sollten die Spanier nicht den Titel in der heimischen ACB gewinnen. Als dritte Option ist derzeit das Team seiner Heimatstadt, Armani Jeans Milano, im Gespräch. Der Sommer wird also interessant für den Euroleague Trainer des Jahres 2006.

Gregg Popovich, ein Basketballpromi unter vielen

Das Euroleague Final Four ist auch immer ein Tummelplatz für zahlreiche Korbsportkoryphäen. Auch in Berlin versammelte sich die Crème de la crème des europäischen Basketballs.

Neben u.a. George Zidek, David Rivers, Ademola Okulaja, Matej Mamic, Ansu Sesay und Julius Jenkins war auch Gregg Popovich, Head Coach der kürzlich in den NBA Playoffs gescheiterten San Antonio Spurs, zugegen. Der bärtige Mann besuchte nicht nur die Spitzenbegegnungen in der o2 World, sondern auch das Nike International Junior Tournament (NIJT), das parallel im Velodrom ausgetragen wurde.

Ob Popovich den ein oder anderen Akteur genauer unter die Lupe genommen hat, bleibt sein Geheimnis. Fest steht aber, dass fünf Akteure des NIJT besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Ins Tournament-Team wurden folge fünf Akteure gewählt:

Nenad Miljenovic (FMP), 1,94 m, 8.4.1993
Augustus Peciukevicius (Lietuvos Ritas), 1,90 m, 28.3.1991
Tommasso Ingrosso (Siena), 2,05 m, 9.6.1992
Jonas Valanciunas (Leituvos Ritas), 2,11 m, 6.5.1992
Dejan Musli* (FMP), 2,12 m, 3.1.1991
* MVP des NIJT in Berlin

Abschließend bleibt nur festzuhalten, dass das Euroleague Final Four 2009 eines der besten überhaupt war. Dank Eurosport wurde die Spannung in die Wohnzimmer transportiert. In der Halle sorgten die angereisten Fans für eine außergewöhnliche Atmosphäre.

Die im Vorfeld befürchteten Auseinandersetzungen zwischen den Fanlagern blieben aus - einzig verbale Drohungen wurden ausgetauscht. Eine ausreichende Zahl an Sicherheitskräften und Polizei war vorhanden, um jeden Ansatz von Gewalt notfalls sofort zu bremsen. Obwohl das Münz- und Schlüsselverbot in der Halle griff, gelang es einigen Anhänger dennoch, Trillerpfeifen und Feuerzeuge mit in die Arena zu bringen. Dass auch diese Gegenstände als Wurfgeschosse hätten dienen können, muss keinem gesagt werden.

Die überempfindlichen Auflagen der Euroleague haben dem Turnier dennoch nichts an seinem Reiz genommen. Panathinaikos geht als verdienter Sieger hervor. Dank einer großartigen leidenschaftlichen Leistung und dank Fans, die ihre Mannschaft durchgehend in beiden Spielen lautstark unterstützten. Es war großer Sport in der deutschen Hauptstadt - von ganz großen Griechen. Es sind diese Situationen, die nur der Sport schreiben kann.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von Pucki 05.05.09 um 07:59:34


Hier noch ein weiteres Video mit der genialen Stimmung der PAO-Fans: [youtube.com]



von Webocat 05.05.09 um 10:43:00


die final 4 war wirklich ne gute werbung für den basketball. die spiele haben wir sehr gefallen, großer sport



von M&M 05.05.09 um 17:49:44


und der kommentar hat mich auch positiv überrascht, war echt gut, besser als zdf bei olympia und allstargame



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