Euroleague

Der kleine Unterschied

Die vier europäischen Topteams CSKA Moskau, FC Barcelona, Panathinaikos Athen und Olympiacos Piräus standen sich bei den Halbfinalspielen auf Augenhöhe gegenüber. Nach hochklassigen Partien kommt es am Sonntag zu einer Neuauflage des Finales von 2007.

Von Thomas Käckenmeister
 02.05.2009 |



Es sind meist die kleinen Dinge, die Großes bezeichnen. Als Ettore Messina (Foto oben), der charismatische Erfolgscoach von CSKA Moskau, am Freitagabend um kurz nach halb neun die Pressekonferenz beendet, gibt es einen solchen Augenblick.

Die anwesenden Journalisten haben den Raum zum Groflteil bereits wieder verlassen, in freudiger Erwartung auf den griechischen Klassiker zwischen Panathinaikos Athen und Olympiacos Piräus. Der italiensche Taktiker geht gelassen vom Podium, nimmt Glückwünsche der verbleibenden russischen Medienvertreter entgegen und klopft einem von ihnen zur Begrüßung auf die Schulter. Im gleichen Moment holt er tief Luft und pustet sich die tonnenschwere Last von der Seele.

Die vorletzte Hürde auf dem Weg zur Titelverteidigung ist genommen, der letzte Akt folgt am Sonntag. Dann werden, wie auch im Vorfeld dieses Final Fours, die Gazetten mit superlativen Storys gefüllt sein, in denen davon die Rede sein wird, welch enormen Stellenwert die höchste europäische Vereinsmeisterschaft 2009 besitzt. Am 3. Mai treffen nicht nur die beiden Coaching-Legenden Messina und Zeljko Obradovic (Panathinaikos) im Endspiel aufeinander, sondern es kommt auch zum Duell der beiden litauischen Nationalhelden Ramunas Siskauskas und Sarunas Jasicevicius.

Vor allem beim Spieler mit der Nummer neun können sich die mitgereisten Anhängerscharen Moskaus bedanken. Siskauskas' Glanzleistung in der zweiten Hälfte des Halbfinalspiels gegen Barcelona legte nicht nur den Grundstein für den späteren 82:78-Erfolg, sondern der 31-jährige Allrounder zog auch gleich das gesamte Mauerwerk für sein Team hoch und verputzt die Fassade. 25 seiner insgesamt 29 Zähler schenkt er teils überforderten Katalanen ein. Der Forward ist nach dem Seitenwechsel die Triebfeder dafür, dass der russische Vertreter den Vier-Punkte-Rückstand zur Halbzeit wendet. Er verantwortet alle Zähler während eines 11:0-Laufs zu Beginn des Schlussviertels, der die Russen die Kontrolle über Spiel beschert.



Zu Beginn des ersten Semifinales sucht Barcelona verstärkt sein Glück aus der Distanz - mit Erfolg. Im ersten Abschnitt setzen sich die Spanier nach vier erfolgreichen Drei-Punkte-Würfen bereits frühzeitig mit über zehn Punkten ab, ehe Moskau den Schlüssel für den Abwehrriegel findet. Die bekannte Verteidigungsleistung, die Partizan Belgrad im Viertelfinale an den Rand der Verzweiflung brachte, greift besser - im restlichen Spielverlauf finden nur noch sechs von 22 südländischen Versuchen von Downtown ihr Ziel. Auch die scheinbare Dominanz Barcelonas unter dem Korb kontert Trainerfuchs Messina mit einer Umstellung seines Systems. Der vierfache Euroleague-Sieger lässt Smallball spielen, um auf diese Weise die Geduld der spanischen Big Man beim Zonenkampf auf die Probe zu stellen. Das Resultat: Moskau bekommt 26 Freiwürfe zugesprochen (Barcelona nur die Hälfte) und Fran Vasquez muss wegen seines Übereifers als einziger Akteur das Spiel vorzeitig mit fünf Fouls beenden.

Während die Siskauskas-Show im Schlussabschnitt die Anhänger CSKAs in ihren Bann zieht, nutzt auch der bis zu diesem Zeitpunkt aufgrund von Foulproblemen kaum Akzente setzende Juan Carlos Navarro seine äußerst knappe Einsatzzeit (insgesamt 22:49 Min). Der spanische Weltmeister hält sein Team mit zwei Dreiern im Spiel. Gemeinsam mit dem Australier David Anderson (24 Punkte) stemmt sich der frisch gebackene MVP gegen die drohende Niederlage, die J.R. Holden letztlich mit drei getroffenen Freiwürfen in den Schlusssekunden besiegelt.

"Wir waren geduldig und gerieten nicht in Panik", verriet Messina nach der Partie sein Geheimrezept. "In der zweiten Halbzeit waren wir aktiver und nutzten die großartige Vorstellung von Siskauskas." Auf die Frage, ob er mit einer solchen Leistung gerechnet habe, konterte der Italiener nüchtern: "Darf gibt es großartige Spieler." Das zeichnet Messina seit jeher aus. Auch die Tatsache, dass er fließend auf spanisch antwortete, als ihm ein Landsmann des geschlagenen Gegners ausfragte - die Exzellenz dieses Turniers war in unsagbar vielen Facetten gegeben.



Dass aber zufällig Siskauskas' Landsmann Sarunas Jasikevicius im zweiten Halbfinale zwischen Panathinaikos und Olympiacos mit extremer Kaltschnäuzigkeit zum Sieg seines Teams beiträgt, ist bezeichnend für den ersten Teil des Turniers. Keine Mannschaft kann im griechischen Traditionsduell einen entscheidenden Vorsprung herausspielen, zu ausgeglichen präsentieren sich beide Vereine über die gesamte Spielzeit hinweg.

Am Ende erklingen die Jubelchöre der grünen Anhängerschaft noch lange nach der Schlusssirene - ein weiteres Indiz für den Stellenwert des Klassikers. Schon während des ersten Halbfinalspiels tauschten die beiden Fan-Blöcke erste Parolen aus. Auch während sich die  Mannschaften auf dem Parkett gegenüberstehen, kommt keine der griechischen Gruppen zur Ruhe. Der Rest der 13.238 Zuschauer, die insgesamt in der o2 World sind, erleben ein beinahe noch besseres Spiel als zum Auftakt: Beide Vereine schenken sich an beiden Ende des Feldes nichts. Neben erstklassigen Offensivaktionen bekomen die Besucher auch spektakuläre Blocks geboten.

Vor allem die Aktionen von Josh Childress werden wohl noch lange im Hinterkopf haften bleiben. Der ehemalige Atlanta Hawk rieb sich nach dem Seitenwechsel im Duell mit Mike Batiste auf, nachdem er infolge einer gescheiterten Abwehraktion seinen Mundschutz verloren und dennoch mit einem Foul bedacht worden war. Insgesamt zog Childress im direkten Vergleich mit Batiste zwar den Kürzeren (11 Punkte, 4 Rebounds und 3 Steals standen am Ende 19 Punkte und sechs Rebounds von Batiste gegenüber), sorgte aber mit einem hochkarätigen Dunk und einem Block gegen das Brett (nach einem Versuch von Antonis Fotsis) für zwei Highlights dieses groflartigen Basketballfestes.

Für weitere Glanzpunkte sorgten Lynn Greer seitens der Roten (18 Punkte, elf gezogene Fouls) sowie Vassilis Spanoulis (18 Punkte) und der montenegrinische Jung-Center Nikola Pekovic, der die entscheidenden Zähler zum hauchdünnen 84:82-Erfolg von Panathinaikos erzielte. Nach einem Pick-and-Roll-Anspiel vom bereits mehrfach erwähnten Jasikevicius (18 Punkte, 4/6 3FG, f¸nf Assists) änderte sich das Ergebnis ein letztes Mal.

Im Finale kommt es am Sonntag zur Neuauflage des Endspiels von 2007, als Panathinaikos in Athen knapp mit 93:91 gewann. Bisher standen sich beide Klubs dreimal in einem Final Four gegenüber, drei Mal feierten die Griechen am Ende. Wer den Cup in diesem Jahr hochhalten wird,  entscheidet sich ab 20 Uhr, u.a. live auf Eurosport. Ettore Messina wird dann wieder geduldig und gelassen agieren, um möglicherweise mit seinem fünften Euroleague-Sieg den zweiten Platz in der Geschichte (hinter Panathinaikos-Coach Obradovic, sechs Titel) einzunehmen. "Das Finale ist ein sehr ausgegliches Spiel", prognostiziert Messina, "Es ist sinnlos, irgendetwas vorherzusagen. Wir werden uns gut vorbereiten und hoffentlich am Ende gewinnen." Darauf hoffen  die griechischen Vertreter auch.

Bestleistungen der Halbfinalspiele


Punkte: 29, Ramunas Siskauskas (Moskau)
Rebounds: 10, Viktor Khryapa (Moskau)
Assists: 5, Theo Papaloukas (Piräus), Sarunas Jasikevicius (Athen), Jaka Lakovic (Barcelona)
Steals: 3, Josh Childress (Piräus), Viktor Khryapa (Moskau)
Blocks: 1, acht Spieler
Dreier: 4, Ramunas Siskauskas (Moskau), Sarunas Jasikevicius (Athen)
Effektivität: 28, Lynn Greer (Piräus), Ramunas Siskauskas (Moskau)




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von M&M 03.05.09 um 12:41:04


ich frag mich warum der bourousis oder wie der heißt von piräus den ball im letzten angriff bekommen hat es war doch klar dass der sich nicht gegen batiste durchsetzen kann...der ball hätte zu greer gemusst der hätte dann nen 2er oder 3er nehmen können
aber trotzdem 2 tolle spiele



von Basket-Magier 03.05.09 um 15:45:33


Zum ersten möchte ich Eurosport danken:)
dann den geilen Fans ..... (xorto magiko)
und zuletzt Donkey Kong



von Rip#5 03.05.09 um 17:31:34


Greer hätte im letzten Angriff den Ball in den Post bringen soll, als beide Verteidiger sich zu auf Greer konzentrierten, und Bourousis völlig frei war...als er dann den Ball bekam, war es zu spät, nochmal rauszupassen, o.Ä. ...



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