Euroleague

Der Eintopf wird zur Kloßbrühe

Aus einem brodelnden Eintopf mit unklarer Konsistenz und einer kaum zu beschreibenden Farbe wird langsam aber sicher klare, feine Kloßbrühe - die Euroleague-Saison schreitet voran und es wird absehbar, welche Teams sich auf die Top 16 freuen dürfen und wessen Investitionen in diesem Jahr umsonst waren. Erfreulicherweise sind auch die Brose Baskets aus Bamberg nach einem Auswärtssieg noch gut im Rennen. CROSSOVER blickt für Euch in den Suppentopf.

Von Peter Bieg
 09.12.2011 |

07./08. Dezember- 8. Spieltag:

CSKA Moskau gegen KK Zagreb 87:74

Knapper, als es das Endergebnis aussagt, verlief die Partie zwischen CSKA Moskau und KK Zagreb in der russischen Hauptstadt. Dank der besseren Nerven und der überlegenen Individualisten gelang es CSKA allerdings dennoch, auch ohne Andrei Kirilenko, im achten Spiel in Serie unbesiegt zu bleiben. Wie gut und tief besetzt die Mannschaft des Armeesportklubs wirklich ist, wird unter anderem daran sichtbar, dass mit Sammy Mejia ein Spieler, der überhaupt erst in vier Partien eingesetzt wurde, mit 13 wichtigen Punkten in nur knapp 18 Minuten Spielzeit zu einem entscheidenden Faktor avancierte. Nur Center Nenad Krstic (14 Pkt, 9 Reb, Foto links) und Jamon Gordon (18 Pkt) punkteten noch höher für CSKA. Krunoslav Simon (21 Pkt, 5 Ast), Sean May (13 Pkt) und Josh Heytvelt (19 Pkt, 5 Reb) waren die besten Werfer für Zagreb, das sich keine Hoffnungen mehr auf das Erreichen der nächsten Runde machen kann.

Zalgiris Kaunas gegen Panathinaikos 59:94

Schon zur Halbzeit war dieses Spiel beim Stand von 19:41 für Panathinaikos so gut wie entschieden. Das zweite Viertel (5:26) brach den Gastgebern in dieser Partie bereits früh das Genick, zumal Zalgiris ohne Point Guard Ty Lawson auskommen musste, der im Vorfeld der Partie entlassen wurde. Nick Calathes, Steven Smith (je 18 Pkt) und Mike Batiste (13 Pkt) punkteten zweistellig für den amtierenden Champion aus Athen, Sonny Weems (16 Pkt, 12 Reb) und Marko Popovic (14 Pkt) gelang dieses Kunststück für die Litauer. Den Zuschauern wurde dank einiger spektakulärer Dunks von Mike Batiste und eines absoluten Zuckerpasses von Nick Calathes im Fastbreak (auf Batiste) trotz des klaren Ergebnisses zumindes eine gute Show geboten.

Gescrap BB Bilbao gegen Bennet Cantu 64:67

Gianluca Basile stellte in dieser umkämpften, ungeheuer spannenden und intensiven Partie einmal mehr unter Beweis, dass er zu den abgezocktesten Veteranen der Euroleague gehört. Beim Spielstand von 64:64 waren noch 2,9 Sekunden auf Shot- und Gameclock, als sich der Italiener die Kugel nach dem Einwurf schnappte und eiskalt zum 64:67-Sieg für Cantu einnetzte. Basile traf dabei einen unglaublichen Dreipunktwurf mit Ablauf der Spielzeit, über die ausgestreckten Arme seines Verteidigers hinweg, im Rückwärtsfallen, aus circa neun Metern Entfernung ohne jegliche Ringberührung. Ein Wahnsinnswurf von Gianluca Basile, der nicht nur den Korb, sondern auch Mitten in die Herzen aller Heimfans traf und die frenetischen Anhänger Bilbaos in tiefer Trauer stürzte.

Zuvor hatte auf Seiten Bilbaos vor allem Marko Banic überzeugt (16 Pkt, 5 Reb), auch Roger Grimau (11 Pkt), Janis Blums und Kostas Vasiliadis (je 10 Pkt) scorten zweistellig. Die Gäste aus Cantu überzeugten mit einer guten Teamleistung und trafen 43,4% ihrer Versuche aus der Distanz (10/23). Bester Werfer war Vladimir Micov (13 Pkt, 3/3 3FG), der aber von seinem Teamkollegen Basile (7 Pkt, 2/7 3FG) klar in den Schatten gestellt wurde, weil dieser zur richtigen Zeit einen unglaublichen Treffer aus dem Hut zauberte (siehe Video).

So fasste Micov (Cantu) das Spiel aus seiner Sicht nach der Schlusssirene zusammen: „Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, wie sich das Team gerade fühlt. Wir verdienen es, in der Euroleague zu sein und dieser Sieg ist ein großer Schritt in Richtung Top 16. Wir haben in der zweiten Hälfte schlechte gespielt und Bilbao hat uns unter großen Druck gesetzt. Sie sind mit Sicherheit kein schlechtes Team, sie haben eine Menge guter Spieler und wir hatten ein hartes Spiel erwartet. Sie haben im dritten Viertel großartig verteidigt, aber in unserem Team hat einfach jeder seine Rolle gespielt. Wer möchten diesen Sieg feiern, müssen uns aber auch auf die italienische Liga konzentrieren, denn dort spielen wir derzeit überhaupt nicht gut.“

SLUC Nancy gegen Fenerbahce Ülker 53:73

Ohne NBA-Rückkehrer Nicolas Batum (Foto rechts) war für Nancy auch vor heimischem Publikum nichts zu holen. Gegen Fenerbahce gab es eine 20-Punkte-Schlappe, kein Viertel konnten die Franzosen für sich entscheiden. Der Ex-Trierer Jamal Shuler (17 Pkt) war bester Werfer für SLUC, auch Center Akin Akingbala (11 Pkt, 9 Reb, 4 Blk) machte eine gute Figur. Curtis Jerrells (14 Pkt, 5 Reb), James Gist (16 Pkt, 7 Reb) und Bojan Bogdanovic (14 Pkt) sammelten die meisten Punkte für Fenerbahce, das weiterhin an der Spitze von Gruppe A rangiert.

Anadolu Efes gegen Armani Milano 84:70

EA7 Emporio Armani Milano wollte unbedingt siegen, um die Chancen auf den Top 16-Einzug zu wahren, doch es wurde früh klar, dass dieses Unterfangen ohne NBA-Rückkehrer Danilo Gallinari extrem schwer werden würde. Ersan Ilyasova brachte mit einem sehenswerten Block gegen Hairston beim Dunking-Versuch zum Ende des ersten Viertels erstmals richtig Pfeffer in die Partie und sicherte den Gastgebern aus Istanbul das Momentum. Ein 11:0 Run für Efes, aus dem eine 20 Punkte-Führung resultierte, entschied die Partie dann bereits im zweiten Viertel. Eine 45:27 Führung stand zur Halbzeit für Efes zu Buche und auch vor Beginn des Schlussabschnitts lag man noch immer komfortabel mit 66:52 in Front. Nach dieser Niederlage im ersten Spiel ohne Gallinari haben die Mailänder keine Chance mehr auf das Erreichen der Runde der letzten 16.

Dementsprechend enttäuscht zeigte sich Sergio Scariolo, der Head Coach der Mannschaft aus der Modemetropole, nach Spielende: “Es war ein sehr wichtiges Spiel für uns, um unsere Chance auf die Top 16 zu wahren, und wir haben diese Chance in einer schrecklichen Art und Weise verspielt. Anadolu Efes ist ein sehr starkes Team mit vielen Waffen auf allen Positionen. Sie hatten einen guten Start und haben früh einen respektablen Abstand hergestellt, weil sie von unseren Fehlern in der Verteidigung profitieren konnten. Wir haben versucht, im dritten Viertel zurück zu kommen, aber daran haben sie uns sehr gut gehindert. Es ist nicht einfach zurück zu kommen, wenn du gegen ein solches Team mit 20 Punkten im Rückstand bist.“

Sinan Güler war mit 14 Punkten Topscorer für Efes, insgesamt vier Spieler der Türken punkteten zweistellig, alle eingesetzten Akteure konnten sich als Scorer in die Statistik eintragen, hinzu kam eine exzellente Wurfquote aus der Distanz (53,5% 3FG bei 15 Versuchen). Malik Hairston (17 Pkt) versuchte lange Zeit, das Ruder für die Gäste herum zu reissen und punktete ebenso wie vier seiner Teamkollegen im zweistelligen Bereich.

Asseco Prokom gegen Union Olimpija 67:52

Ein miserables drittes Viertel von Olimpija (23:3) entschied diese ansonsten ausgeglichene Partie und bescherte Prokom somit den ersten Sieg im achten Spiel der diesjährigen regulären Saison. Bei Olimpija fehlten mit Varda, Woodside und Green eine ganze Reihe wichtiger Spieler, die im Vorfeld des Spiels entlassen wurden. Gleich drei Spieler erzielten 12 Punkte für das polnische Spitzenteam (Jerel Blassingame, Lukasz Seweryn und Przemyslaw Frasunkiewicz), Cente Boris Rothbarth (16 Pkt, 11 Reb) machte sein mit Abstand bestes Saisonspiel für Olimpija. Der 21-jährige Litauer Donatas Motiejunas stellte in der Partie gegen Olimpija einmal mehr unter Beweis, dass er ein Talent der Extraklasse ist. 11 Punkte und 21 Rebounds standen für den 2,13 Meter-Mann am Ende zu Buche, mit 18 Defensivrebounds stellte er einen neuen Euroleague-Rekord auf, was ihm einen Platz in der CROSSOVER Starting Five der Woche sichert.

Unicaja Malaga gegen Brose Baskets 79:90

Eine hervorragende Teamleistung hat den Brose Baskets den ersten Auswärtssieg der laufenden Euroleague-Saison beschert. Mit 90:79 setzten sich die Bamberger am Donnerstagabend am achten Spieltag bei Unicaja Malaga durch. Bester Werfer des Deutschen Meisters war Julius Jenkins, der seine Spielzeit ausgezeichnet nutzte, insgesamt 21 Punkte erzielte und dabei bereits im ersten Viertel zweistellig scorte. Auf Bamberger Seite trafen außerdem Jacobsen und Tucker mit je 11, Gavel mit 12 und Slaughter mit 14 Punkten zweistellig. Auch P.J. Tucker mit einem Double-Double (11 Pkt, 13 Reb) und Center Marcus Slaughter (14 Pkt, 8 Reb, 4 Ast, 3 Stl) spielten stark auf für die Franken. Beste Werfer der Gastgeber waren der ehemalige Bonner Earl Rowland und der britische Center Joel Freeland mit jeweils 17 Punkten.

Mit diesem unheimlich wichtigen Sieg zogen die Brose Baskets in der Tabelle von Gruppe B an Unicaja vorbei und liegen mit einer Bilanz von 3-5 jetzt auf dem dritten Tabellenplatz. Damit hat der einzige deutsche Vertreter weiterhin solide Chancen auf das Erreichen der Top 16, mit den Spielen gegen Zalgiris Kaunas (Heimspiel) und Panathinaikos Athen (auswärts) warten allerdings noch sehr hohe Hürden auf die Truppe von Chris Fleming.

Olympiacos gegen Caja Laboral 84:82

In einem bis zuletzt engen Spiel setzte sich Olympiacos denkbar knapp gegen das spanische Powerhouse Caja Laboral durch. Vassilis Spanoulis spielte in der Crunchtime seine Fähigkeiten für die Griechen aus und kam auf 21 Punkte und 5 Assists, während auf der Gegenseite Mirza Teletovic (34 Punkte 5/8 3FG, 7 Reb) ein Wahnsinnsspiel für Caja lieferte.

Real Madrid gegen Maccabi Electra 88:64

Auch ohne Serge Ibaka gelang Madrid ein ebenso klarer wie überzeugender Heimsieg, bei dem einmal mehr die offensive Schlagkraft der Spanier deutlich wurde. In der zweiten Halbzeit wurden die Gäste aus Israel, bei denen sich Top-Center Sofoklis Schortsianitis dank enormer Foulprobleme für drei Viertel der Partie auf der Bank wiederfand, förmlich überrollt. Mit 40:24 ging die zweite Hälfte an die Spanier, bei denen vor allem der 20-jährige Nikola Mirotic (26 Pkt, 8 Reb), „Strippenzieher“ Sergio Rodriguez (5 Pkt, 7 Ast) und Jaycee Carroll (17 Pkt, 6 Reb, 3/4 3FG) glänzen konnten.

FC Barcelona gegen Unics Kazan 63:50

Obwohl der FC Barcelona nur 8 von 27 Versuchen aus der Distanz versenken konnte, entwickelte sich die Partie gegen Unics Kazan in der zweiten Hälfte zu einer klaren Angelegenheit. Henry Domercant, wichtigster Spieler der Gäste aus dem Osten, wurde bei 10 Punkten gehalten, so dass die Katalanen einen ungefährdeten Sieg einfahren konnten.

Weitere Ergebnisse:

Belgacom Spirou gegen Partizan Belgrad 84:79

Galatasaray gegen Montepaschi Siena 63:67


Tabellen:

Gruppe A

Fenerbahce Ülker 5-3
Bennet Cantu 5-3*
Caja Laboral 4-4
Olympiacos 4-4
Gescrap BB 3-5
SLUC Nancy 3-5

Gruppe B

CSKA Moskau 8-0*
Panathinaikos 6-2*
Brose Baskets 3-5
Unicaja Malaga 3-5
Zalgiris Kaunas 2-6
KK Zagreb 2-6

Gruppe C

Real Madrid 6-2*
Anadolu Efes 5-3*
Maccabi Elektra 5-3*
Partizan Belgrad 4-4
Emporio Armani 2-6
Belgacom Spirou 2-6

Gruppe D

FC Barcelona 8-0*
Montepaschi Siena 6-2*
Unics Kazan 5-3*
GS Medical Park 3-5
Asseco Prokom 1-7
Union Olimpija 1-7

* Mannschaften mit einem Stern sind bereits für die Top 16 qualifiziert.

Randnotizen

Langsam aber sicher beginnt die große „Rückreisewelle“ und die Gastspieler aus der NBA, die den Beginn der laufenden Euroleague-Saison dazu genutzt haben, sich während des NBA Lockouts fit zu halten und neue Länder kennen zu lernen, müssen zu ihren Heimatklubs in den USA zurück. Während Spieler wie Serge Ibaka und Thabo Sefolosha (beide Oklahoma City) oder Danilo Gallinari (Denver Nuggets, Foto rechts) Europa bereits wieder verlassen haben, gibt es auch in der Euroleague einige Spieler, die als NBA-Free Agents einen Vertrag ohne Opt-Out-Klausel auf dem Alten Kontinent unterzeichnet haben und so für den Rest der Saison in Europa bleiben werden. Hierzu zählen beispielsweise Nenad Krstic (CSKA Moskau), Sonny Weems (Zalgiris Kaunas), Sasha Vujacic (Anadolu Efes) und Acie Law (Partizan Belgrad). An diesen NBA-Legionären und ihren Künsten dürfen sich die Fans in Europa also weiterhin erfreuen.

MVP des 8. Spieltages der Euroleague-Saison 2011/2012
Mirza Teletovic (Caja Laboral), 32 Pkt, 5/8 3FG, 7 Reb, 2 Ast, 2 Stl


Zwar konnte auch der 26-jährige Teletovic, der aus Bosnien-Herzegowina stammt, die Niederlage von Caja gegen Olympiacos Piräus nicht verhindern, aber dennoch lieferte der vielseitige Forward eine Weltklasse-Leistung ab. Der 2,06 Meter große Spieler ist auf den Positionen 3 und 4 einsetzbar, verfügt über einen der sichersten Distanzwürfe in der Basketballwelt, aber auch über ordentlich Athletik und Dampf beim Zug zum Korb. Ein Engagement in der NBA ist bei einem Spieler wie Mirza Teletovic keine Frage des Könnens, sondern lediglich des Wollens, wenngleich der Scharfschütze auf dem Alten Kontinent mit seiner Spielintelligenz besser aufgehoben zu sein scheint. An einem guten Tag ist er jederzeit in der Lage, ein Spiel alleine zu entscheiden.

Starting Five des Spieltages:

Point Guard: Acie Law (Partizan Belgrad), 22 Pkt, 7/12 FG, 8/8 FW
Shooting Guard: Julius Jenkins (Brose Baskets), 25 Pkt, 3/6 3FG, 5 Ast
Small Forward: Nikola Mirotic (Real Madrid), 26 Pkt, 8/13 FG, 8 Reb, 3 Stl
Power Forward: Mirza Teletovic (Caja Laboral), 32 Pkt, 5/8 3FG, 7 Reb
Center: Donatas Motiejunas (Asseco Prokom), 11 Pkt, 21 Reb




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von Crossover 30.05.2012 um 10:12:07


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